Lutherbibel 2017: "Verständige" oder "Lehrer"?

Wer sind die wahren Verständigen?
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"Sie werden leuchten wie des Himmels Glanz", heißt es in Daniel 12,3. Sie - das waren bisher "die Lehrer". Weshalb man den Vers oft zu Ehren von verstorbenen Professoren zitierte. Das geht jetzt nicht mehr - oder doch?
Deutschland spricht 2019

Pfarrer, Bischöfe und Professoren zitieren diesen Vers oft, um ihre verstorbenen Lehrer zu ehren. Die neue Fassung ohne Lehrer enttäuscht sicher manche. Allerdings übersetzte Martin Luther die strittige hebräische Vokabel maskilim in anderen Versen des Danielbuches nie mit Lehrer, sondern stets mit Verständige. Laut 
Kapitel 1,4 lässt Nebukadnezar, König von Babel, junge Israeliten auswählen, die klug und verständig sind. In Kapitel 9,22 erklärt der Engel Gabriel dem Propheten Daniel eine Vision, um zum rechten Verständnis zu verhelfen. Zwei Kapitel weiter heißt es: Die Verständigen im Volk werden vielen zur Einsicht verhelfen (11,33). Auch sieben Verse nach der strittigen Stelle (in 12,10) übersetzt Luther die Vokabel maskilim mit "die Verständigen".

Christoph Kähler

Christoph Kähler, Jahrgang 1944, leitet die Revision der Lutherbibel. Der Theologie­professor für Neues Testament war bis 2009 ­Bischof in Mitteldeutschland (zuvor Thüringen) sowie Stell­vertretender EKD-Ratsvorsitzender  
Jan-Peter Kasper/FSUDie Lutherbibel im Lebensalltag - Feier zum 70. Geburtstag von Landesbischof i.R. Prof. Dr. Christoph Kähler am 20.05.2014 an der Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

 

Nicht nur Lehrer sind Verständige. Das zeigt Daniel 12,3. Dort heißt es weiter: "Und viele, die zur Gerechtigkeit weisen, (werden leuchten) wie die Sterne immer und ewiglich". Verständigkeit wird gleichgesetzt mit gerechtem Tun. Mit Menschen, die sich um Kranke, Behinderte, Gefangene und 
Hungernde kümmern; die Frieden stiften, Be­ziehungen aufblühen lassen und Randständige zurück in die Gemeinschaft holen. Und bestimmt sind unter ihnen auch Lehrer, die anderen Menschen helfen, verständig zu werden.

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