E-Mail aus... Kopenhagen von Christian Schnepf über Dänen, die sich das Leben nett machen

Ach, wie hyggelig!
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closeup of a young man reading a book with a cup of coffee in his hand with the text hygge, a danish and norwegian word for comfort or enjoy, which can be a whole philosophy of life

Christian Schnepf ist als Vikar in Kopenhagen. Und staunt, wie nett sich die Dänen das Leben machen

Neulich erzählte mir ein deutscher Handwerker, der in Dänemark arbeitet, wie er in der Frühstückspause mitleidig angeschaut wurde. Er hatte eine einfache Stulle dabei, die anderen Arbeiter ­bissen in üppige Smørrebrøds, belegt mit Fisch, Fleisch, Gemüse oder Kaviar, garniert mit frischen Kräutern. 

Christian Schnepf

Christian Schnepf ist Auslandsvikar in der deutsch­sprachigen evangelischen Gemeinde in Kopenhagen.

Die Kunst, das Leben zu genießen, versteht kaum einer so gut wie die Dänen. Es geht dabei nicht nur ums Essen. Manchmal bereiten mir meine Kollegen morgens eine heiße Schokolade zu und meinen: „Jetzt lass uns erst mal ein bisschen hinsetzen und erzählen.“ Quality-Time bedeutet in Dänemark oft nicht „Zeit für mich“, sondern „Zeit für uns“. Ihre Lebensphilosophie bezeichnen die Dänen selbst als „Hygge“, und meinen damit ein Gefühl von Vertrautheit, Gemütlichkeit und Wärme. Der gesellige Abend mit Freunden, das Picknick mit der Familie, all das ist „Hygge“. Man könnte auch sagen: „Hygge“ ist das besondere Bewusstsein dafür, dass es neben der Arbeit auch noch ein Privatleben gibt. 

Nur wenige Dänen glauben ans Jenseits

Die Dänen zählen nicht nur zu den glücklichsten Nationen der Erde, sondern auch zu den Ländern, in denen die Bevölkerung am wenigsten ans Jenseits glaubt. Das fanden Forscher heraus und vermuteten als Grund:  Die Dänen sind im Diesseits sehr glücklich und haben wenig Bedarf an der Vorstellung eines jenseitigen Glücksortes.

Die hyggelige private Glückseligkeit hat aber auch eine Kehrseite:  Viele Dänen leben sehr zurückgezogen in ihren Familien und Freundeskreisen. Manche Ausländer brauchen Jahre, um Anschluss zu finden und echte Freundschaften zu schließen. Das Smørrebrød oder die einfache Stulle – es kommt letztendlich darauf an, mit wem ich sie teile.

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