Umgang mit Nordkorea: Geduld statt Drohungen

Kim Jong-un und die Bombe
Südkoreanische Bürgeraktivisten machen mit einer Straßenkampagne in der Innenstadt von Seoul auf die schreckliche Menschenrechtssituation in Nordkorea aufmerksam

Südkoreanische Bürgeraktivisten machen mit einer Straßenkampagne in der Innenstadt von Seoul auf die schreckliche Menschenrechtssituation in Nordkorea aufmerksam

picture alliance / Yonhap

Drohen bringt nichts. Gegen das Regime in Nordkorea hilft nur Geduld

Keine Drohung hat das Herrscherhaus Kim davon abgehalten, Atombomben zu bauen. Seit der kommunistische Norden 1950 den Süden Koreas angriff, ist das Land ständig existenziellen Gefahren ausgesetzt: Erst verlor Diktator Kim Il-sung im Koreakrieg alles. Dann wurde sein Regime mit Sanktionen belegt. Und seit 1997 halten US-Marine und südkoreanisches Militär jährlich Manöver vor der Küste ab. Der Druck war immer groß. Trotzdem oder deshalb heißt eine Leitlinie nordkoreanischer Politik: Son’gun – Militär zuerst.

Burkhard Weitz

Burkhard Weitz ist chrismon-Redakteur und verantwortlich für die Aboausgabe chrismon plus. Er studierte Theologie und Religionswissenschaften in Bielefeld, Hamburg, Amsterdam (Niederlande) und Philadelphia (USA). Er ist ordinierter Pfarrer und Journalist. Über eine freie Mitarbeit kam er zum "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt" und war seither mehrfach auf Recherchen in den USA, im Nahen Osten und in Westafrika.      
Lena UphoffPortrait Burkhard Weitz, verantwortlicher Redakteur für chrismon plus

Braucht das Regime die Atomwaffen wegen des ­internationalen Drucks? Wohl nicht nur. Schon 1965 ­ging ein Forschungsreaktor sowjetischer Bauart in Nyongbyon in Betrieb. Pakistanische Fachleute trieben das Nuklearprogramm voran. 2006 gelang Nordkorea der erste Atomtest, mindestens fünf weitere folgten – wohl auch ein Wasserstoffbombentest. Und weil das Regime über Trägerraketen verfügt, scheint nun der Weltfriede in Gefahr. Vielleicht hätte sich Nordkorea die Waffen auch ohne Druck von außen besorgt. Sicher ist nur: Der Druck hat es nicht verhindert.

Was hält das Regime auf? Jedenfalls keine Drohung. Wegen der vielen Feinde brauche Nordkorea so viel Geld fürs Militär, wird den Untertanen eingetrichtert. Nord­korea erlebt unter Kim Jong-un einen kleinen Aufschwung. Dennoch geht es dem Land sehr schlecht. Die Menschenrechtslage ist katastrophal. Ernteausfälle und Misswirtschaft, Dürre und Starkregen, Erosion wegen starker Abholzung, das alles macht den Menschen zu schaffen. Nordkorea hängt ganz an Chinas Tropf.  

Nur einmal hielt Nordkorea inne mit dem Atom­programm. Anfang 2012, während einer Hungersnot, willigte es in ein Stillhalteabkommen ein: keine Uran­anreicherung, keine Tests von Langstreckenraketen, internationale Inspektoren durften den Reaktor in ​Nyongbyon besuchen. Im Gegenzug hofften sie auf Lebensmittel. Doch allzu lange hielt das Regime nicht still. 

Nur ein Kraut ist gegen das korrupte Regime in Pjöngjang gewachsen: die Zeit. Die Welt muss warten, bis eines Tages das Kartenhaus der Macht in sich zu­sammenbricht. Bis dahin muss man die Herren aus dem Hause Kim bei Laune halten – am Besten mit so etwas wie der Sonnenscheinpolitik. Also mit Entspannungs­politik, Wandel durch Annäherung auf Südkoreanisch. Das hat schon einmal woanders funktioniert. 

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