Skepsis gegen den Reformationstruck in Liverpool

Reformation statt Beatles
Church of our Lady and Saint Nicholas in Liverpool

Bill Allsopp / Loop Images / laif

Die Kirche "Our Lady and Saint Nicholas" in Liverpool

A view toward the Church of Our Lady and Saint Nicholas in Liverpool.

„Das müsste eigentlich verboten werden. Nichtchristen werden sich angegriffen fühlen.“ So kommentierte ein Blog der „Times“ den Reformationstruck, der auch nach Großbritannien kam. Die Zeitung schrieb etwas polemisch von der „Martin-Luther-Show“, die jetzt anrolle, „um 500 Jahre des Schmerzes zu heilen“.

Im multiethnischen Großbritannien wird Religionsfreiheit großgeschrieben. Als Ex-Premier Cameron vor einigen Jahre sagte, Großbritannien sei ein „christliches Land“, wurde das heiß diskutiert. Man lebt hier in einem Spannungsfeld: Die britische Gesellschaft kann man als säkularisiert bezeichnen, aber es gibt auch eine Staatskirche: die anglikanische „Church of England“. Ihr Oberhaupt ist die englische Königin.

Die Seefahrt hatte Luthers Gedanken in die Hafenstadt Liverpool gebracht, die heute mehr für die Beatles als für die Reformation bekannt ist. Viele Deutsche und Skandinavier gingen über die Jahrhunderte hier an Land. Ihre lutherischen Gemeinden prägen bis heute die Stadt.

Der Reformationstruck kam zu uns am 21. Februar. Die Abgesandte der Queen hielt eine Eröffnungsrede, danach zogen die Besucher in das Geschichtenmobil ein, darunter viele vertraute Gesichter aus der Ökumene und aus den Gemeinden der Deutschen Kirche in Nordengland, aber auch Neugierige, die einfach mal gucken wollten. Wir trafen dort übrigens einen bekennenden Nichtchristen, der sich von der Ankunft des Trucks gar nicht angegriffen fühlte.

Uns wird vor allem auch die sehr gut besuchte lutherische Vesper in der Liverpooler Anglican Cathedral in Erinnerung bleiben: Ein eindrückliches Erlebnis ökumenischer Gastfreundschaft mit einer bunten Sprachvielfalt von Englisch bis Isländisch – Pfingsten in Liverpool!

Natürlich kann man auch Fragen stellen: Klingt „Geschichtenmobil“ nicht ein bisschen marktschreierisch? Überhaupt: Viel Aufwand – wenig Wirkung?

Nachts auf der Heimfahrt kamen wir an einer Brücke vorbei. Darauf ist als permanente Lichtprojektion zu lesen: „It’s happening in Liverpool!“, frei übersetzt: Es passiert was in Liverpool. Ja, der Reformationstruck passte schon hierher.

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