Image und Wirklichkeit

Das Podium beim chrismon Salon auf dem Kirchentag

Foto: Andy Ridder

Das Podium beim chrismon Salon auf dem Kirchentag

Die Altbischöfe Wolfgang Huber und Ulrich Fischer kamen. Hamburgs Diakoniechef Dirk Ahrens beehrte die Versammlung. Und auf dem Podium, moderiert von chrismon-Chefredakteur Arnd Brummer, sprachen Prominente über ihre Wahrnehmung von Image und Wirklichkeit - und trugen so zum Jahresthema "Bibel und Bild" der Reformationsdekade ihre Gedanken bei. Der "chrismon-Salon" auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag.

Evi Simeoni, Sportredakteurin der FAZ und Buchautorin

Sie schreibt seit über 30 Jahren über Sport und hat bis heute nicht begriffen, warum Sportler den vielen Stress und all die Schmerzen auf sich nehmen, nur um eine Medaille zu bekommen. Wenn sie sie haben, legen sie sie in einen Karton und beginnen ein Leben, mit dem die anderen längst angefangen haben. Die Sportwelt baut ein großes Image um Leistung und Erfolg auf. Doch die Wirklichkeit dahinter ist viel schlichter. Die Sportler streben nach Anerkennung. Simeoni beschreibt in ihrem letzten Buch den Werdegang einer Sportlerin, die ihre Anerkennung in der Familie durch sportliche Leistung zu bekommen versucht. Doch je erfolgreicher sie ist, desto geringer die Anerkennung. Sie kommt aus der Spirale nicht mehr heraus.

Leni Breymaier, verdi, Landesbezirk Baden-Württemberg

Sie steigt gleich mit einer klaren Ansage ein: „Ich will nicht geliebt, sondern respektiert werden“. Im KiTa-Streik wurde sie erst von den Eltern beschimpft – „Muss denn das sein?“, dann von den Erzieherinnen – „Warum lasst ihr euch auf die Schlichtung ein?“ Doch trotz solcher Bemerkungen muss eine Gewerkschaft für ihre Mitglieder das Beste rausholen – und nicht immer gleich das schlechte Image fürchten. Viel schlimmer ist es, wenn am Ende ein schlechter Abschluss steht. Ihr Antrieb ist es, die Wirklichkeit der Gesellschaft zu verändern, das Auseinanderklaffen von reich und arm. „Beim Kirchentag sehe ich Leute mit teuren Sandalen und Rucksäcken. Aber es fehlen die anderen: die mit den schlechten Zähnen.“ Auch die Gewerkschaft hat es schwer, diese andere, abgehängte Schicht anzusprechen. Es müsse klar werden: Das sei aber kein individuelles Problem, sondern ein gesellschaftliches.

 Blick ins interessierte Publikum beim chrismon SalonFoto: Andy Ridder

Ulrike Badura, Vorstand der Bank für Kirche und Diakonie

Sie spricht über die Uniform der Kirchentagsbesucher. Die Leute vom Stand der Bank für Kirche und Diakonie haben sich entschieden, nicht in dieser Uniform aufzutreten. Wir brauchen Image, um die Komplexität der Gesellschaft zu reduzieren, findet sie, und um Orientierung zu geben. Kommunikationsberater bauen Image auf. Problematisch werde es nur, wenn eine zweifelhafte Geldanlage mit Hochglanzbroschüren aufgepeppt werde.

Douglas Wolfsperger, Filmproduzent aus Berlin

Er hat einen Film über das Kinder-KZ Brundibar gedreht: „Ich will berühren.“ Er hat nach Geldgebern gesucht, aber die sagten durch die Reihe, das Thema sei durch, darüber sei alles gesagt worden. Dann aber hat er den Film zu Ende gebracht – auf eigene Kosten. Und nun sitzt er auf 40.000 Euro Schulden. Trotzdem resümiert er, kann er das Ganze nicht als Fehler sehen: Er sei nämlich, jenseits aller historischen Fakten, schließlich den Menschen vor der Kamera und ihren Seelen auf die Spur gekommen – für ihn eine viel greifbarere, wichtigere Realität.

Felicitas Hillmann, FU Berlin

Sie forscht über Flucht und Fluchtgründe. Dass Image und Wirklichkeit hier auseinanderdriften, sei immer so gewesen. Sie gehen in dem auseinander, wie wir über die Flüchtlinge denken, was wir in ihnen sehen und was ihre wirklichen Motivationen und Erlebnisse sind. Sie driften auseinander in dem, was die Flüchtlinge selbst wünschen, und was die Daheimgebliebenen von ihnen erhoffen. Ein historisches Beispiel dafür, dass Migranten auch mit einem guten Image behaftet werden, sind die Hugenotten. Der Staat überhöhte dieses Image, um sie anzulocken und Akzeptanz für sie zu schaffen. Der preußische Staat brauchte Facharbeiter. In der Wirklichkeit sah das bei vielen dann doch anders aus. 

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