Wahlen – und keiner geht hin?

Hunde warten auf ihren Besitzer während er seine Stimme abgibt in einem Wahllokal, einem Friseur, während der Wahl in Hukk, Großbritannien

Foto: Darren Staples / Reuters

Die Probleme der Deutschen mit demokratischer Normalität

Die britischen Medien stellten nüchtern fest: Die Beteiligung bei den Unterhauswahlen am 7. Mai lag mit 66,1 Prozent höher als vor fünf (65,1 Prozent) und vor zehn Jahren (61,4 Prozent). Zu dem Anstieg beigetragen haben vor allem die Schotten (70 Prozent), die 56 von 59 Sitzen an die Nationalisten vergaben.

Was tun? - Nichts!

In Bremen herrschte nach den Bürgerschaftswahlen am 10. Mai allgemeiner Katzenjammer. Gerade mal die Hälfte der Wahlberechtigten hatte ihre Stimme abgegeben. 1983 waren es noch fast 80 Prozent gewesen.

Arnd Brummer

Arnd Brummer ist  geschäftsführender Herausgeber von chrismon. Von der ersten Ausgabe des Magazins im Oktober 2000 bis Ende 2017 wirkte er als Chefredakteur. Nach einem Tageszeitungsvolontariat beim "Schwarzwälder Boten" arbeitete er als Kultur- und Politikredakteur bei mehreren Tageszeitungen, leitete eine Radiostation und berichtete aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn als Korrespondent über Außen-, Verteidigungs- und Gesellschaftspolitik. Seit seinem Wechsel in die Chefredaktion des "Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatts", dem Vorgänger von chrismon im Jahr 1991, widmet er sich zudem grundsätzlichen Fragen zum Verhältnis Kirche-Staat sowie Kirche-Gesellschaft. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt kulturwissenschaftlichen und religionssoziologischen Themen. Brummer schrieb ein Buch über die Reform des Gesundheitswesens und ist Herausgeber mehrerer Bücher zur Reform von Kirche und Diakonie. 
Lena Uphoff
Desinteresse an der Demokratie? Fehlende Präsenz der Parteien? Langweilige Spitzenkandidaten und -kandidatinnen? Die Aufregung in Fernsehdiskussionen und Zeitungskommentaren war gewaltig. Die Wahllokale früher öffnen und später schließen? Was tun?

Nichts. Denn dieses Wahlverhalten ist in traditionsreichen Demokratien völlig normal.In den USA, in Frankreich oder in der Schweiz gilt: Es ist eher ein Anlass zur Besorgnis, wenn plötzlich Massen an die Wahl-Urnen drängen. In der Schweiz, wo man national wie kantonal auf eine lange und tief verwurzelte plebiszitäre Tradition zurückschaut, heißt es: Der Wahl fern bleiben die Zufriedenen, nur die Besorgten und die Veränderungswilligen geben ihre Stimme ab. In Deutschland scheint sich Angst vor Neuem wie Überdruß an Bestehendem in Grenzen zu halten.

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