Schlappe Geburtshelfer?

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Foto: Foto: westpark/flickr

Pflanzenschutzmittel beeinträchtigen die Ammen der Honigbienen. Ein Biologe will wissen, wie das funktioniert

chrismon: Es wird Frühling. Wann kommen die Bienen wieder?

Paul Siefert: Das hängt vom Wetter ab. Regen und Kälte mögen sie nicht. Bei Sonne und ­Wärme kommen sie hervor. 

Wo forschen Sie denn?

Häufig in Flugzelten, die aussehen wie große Netze. Dort leben Bienenvölker, die nicht in die weitere Umwelt kommen sollen, denn ich möchte kontrollieren, was sie sammeln.

Was wollen Sie herausfinden?

Pflanzenschutzmittel in hohen Konzentrationen – etwa um den Faktor 100 höher als das, was den Bienen in der Umwelt begegnet – beeinflussen die Brut der Bienen. Dann sind nur Eier im Brutnest, wenn es schon Larven geben müsste. Das liegt womöglich an den Ammenbienen. 

Wie kommen Bienen zur Welt?

Die Königin legt Eier in Zellen, die Ammen produzieren mit ihren Futtersaftdrüsen Nahrung für die geschlüpften Larven, die sich zu erwachsenen Bienen entwickeln. Die Ammen gehören zu den Arbeiterinnen. Die leben im Sommer vier bis fünf Wochen, in denen sie verschiedene Aufgaben haben. Erst am Ende ihres Daseins sammeln sie draußen Nektar. Das ist gefährlich, aber für das Volk ist es besser zu verkraften, wenn ältere Bienen umkommen. Die Sammlerinnen sind es, die Pflanzenschutzmittel mit Nektar und Pollen in den Stock bringen.

Wenn die Bienen sterben...

Warum arbeiten Sie mit einer so hohen Konzentration an Pflanzenschutzmitteln?

Ich mache Grundlagenforschung und möchte mehr über Zusammenhänge erfahren. Unsere Versuche sind nicht einfach eins zu eins auf die normale Umwelt übertragbar!

Was wollen Sie konkret erfahren?

Mehr zur Person

Paul Siefert auf der Homepage des Instituts für Bienenkunde der Polytechnischen Gesellschaft, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Ich untersuche, wie oft Ammen in Brutzellen gehen und überprüfe zwei Vermutungen: Entweder machen die Pflanzenschutzmittel die Ammen schlapp und sie kümmern sich nicht mehr ausreichend um die Larven. Oder ihre Futtersaftdrüse ist gestört. Eine dritte Vermutung war, dass etwas mit der Brut nicht stimmt. Allerdings habe ich durch Fotos mit einer hochauflösenden Kamera gesehen, dass die Brut sich noch entwickelt, nur eben drei bis vier Wochen später. Es kann sein, dass sich mehr Bienen um eine Zelle kümmern, wenn sie merken, dass es die wenigen allein nicht schaffen.

Wissen Sie das in zehn Jahren?

Ich hoffe! Ein Volk kann bis zu 80 000 Bienen umfassen. Die Nanotechnologie wird uns zu besserer Kameratechnik und noch mehr Durchblick in diesem Riesengetümmel verhelfen.

Ohne Bienen kein Leben – stimmt das?

Nein, aber es gäbe Schätzungen zufolge ein Drittel weniger Lebensmittel. Mandeln und Äpfel zum Beispiel. In China bestäuben Menschen die Apfelbäume teilweise von Hand. Ich hoffe, dass wir das hier nie tun müssen.

Was können wir für die Bienen tun?

Eine Vielfalt an einheimischen Blütenpflanzen auf dem Balkon halten! Zum Beispiel Flocken- oder Sonnenblumen. Wer einen Garten hat: Bienen lieben Kirsch- und Apfelbäume.

Paul Siefert

Paul Siefert, 29, ist Biologe und schreibt seine Doktorarbeit am Institut für Bienenkunde, das zur Universität Frankfurt am Main gehört

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