Religion für Einsteiger: Klingt in allen Menschen eine religiöse Saite?

Eine Art Poesie

Michael Ondruch

Dann müsste denen, die diese Musik nicht hören, etwas Wichtiges fehlen. Mancher empfindet das tatsächlich so

Er sei „religiös absolut unmusikalisch“, schrieb Max Weber, einer der Väter der Soziologie, einmal an einen ­Kollegen: „Ich ... habe weder Bedürfnis noch ‚Fähigkeit‘, irgendwelche seelischen ‚Bauwerke‘ religiösen Charakters in mir zu errichten.“

Welche seelischen Bauwerke Weber da wohl im Sinn hatte? Vielleicht so etwas wie die christliche Vorstellung vom Jüngsten Gericht: Am Ende aller Zeiten muss sich jeder Mensch vor seinem göttlichen Richter verantworten. Der beurteilt, was man Gutes im Leben tat – und wo man einen Hilfsbedürftigen am Straßenrand liegen ließ. Zu welchem Opfer man aus Kleinmut nicht bereit war, wie vielen Feinden man niemals vergab. Vielleicht fällt die Bilanz verheerend aus. Der Richter muss hart urteilen. Doch plötzlich tritt ein anderer nach vorn, Jesus Christus. Er sagt: Lass diesen Menschen frei, ich nehme ­seine Strafe auf mich.

Klingt in allen Menschen eine religiöse Seite - RfW März 2013

Einen durch und durch rationalen Menschen wie Max Weber beeindruckt die­se biblisch inspirierte Szene kaum. Sie bringt keine religiöse Saite in ihm zum Schwingen. Religiöse Erzählungen folgen ja schließlich auch keiner wissenschaft­lichen Logik. Der Endzeitmythos vom Jüngsten Gericht malt vielmehr eine Lebensdimension mit ihren Tiefen und Höhen aus: Gewissensnot und -entlastung. Wer davon ausgeht, dass er sich irgendwann einmal vor dem Ewigen verant­worten muss, spürt die Schwere seiner moralischen Verantwortung. Er wird für all sein Unrecht zur Rede gestellt. Zugleich schützt ihn ein Versprechen davor, unter der Last dieser Verantwortung zusammenzubrechen: Jesus Chris­tus tritt für ihn ein.

„Ich bin nach genauer Prüfung weder antireligiös noch irreligiös“, fuhr Weber in seinem Brief fort. Er selbst empfinde sich in dieser Hinsicht „als einen verkrüppelten Menschen“ – gerade als ob ihm, dem nichtreligiösen Menschen, etwas fehle. Mög­licherweise kokettierte Weber in seinem Brief an den Kollegen auch nur mit seinem vermeintlichen Mangel.

Man muss eine Religion erlernen, bevor sie bereichernd wirken kann

Natürlich sind nicht alle Menschen im Innersten religiös – schon gar nicht von Natur aus. Anders als Max Weber sind sich viele Nichtreligiöse absolut sicher: Ihnen fehlt nichts. – Aus ihrer Sicht kann ihnen auch nichts fehlen. Man muss eine Reli­gion schon erlernen, muss sich in ihre ­eigene Erzählweise hineinhören und sich an ihre gottesdienstlichen Dramaturgien gewöhnen, bevor sie bereichernd wirken kann. Es fehlt ja auch niemandem die naturwissenschaftliche Beobachtungsfähigkeit, wenn er sie nie gelernt hat. Niemand vermisst mathematische Logik oder poetische Ausdrucksformen, der nichts davon weiß.

Auch Religion ist eine Art Poesie. Und sie ist mehr als das. Religiöse Botschaften spiegeln alte Glaubenserfahrungen wider. In ihnen summiert sich Erfahrungswissen von Generationen, und sie beanspruchen, für jedermann wichtig zu sein – selbst für Unkundige, die sie noch gar nicht missen. Manche Theologen erklären die Bedeutung von „Re-ligio“ als „Rückbindung an Gott“. Ohne Religion, sagen sie, fehle Menschen etwas Wichtiges in ihrem Leben.

Tatsächlich deuten gläubige Christen ihr Leben anders als nichtreligiöse Menschen. Sie bedienen sich der Gedanken ­früherer Generationen, leihen sich ihre Sprache, verwenden ihre Metaphern. Mit dem Begriff „Sünde“ benennen sie zum Beispiel ihr Leiden an der eigenen Unzuläng­lichkeit. Jeder Mensch auf der Welt scheitert selbst mit noch so guten Absichten. Gläu­bige thematisieren dieses Scheitern, im günstigsten Fall lernen sie daraus. Und das Wort „Gnade“ fasst für Gläubige das Gute zusammen, das ihnen zufällt: Liebe, Gesundheit, tiefe Freundschaft. Nichtre­ligiöse Menschen würden sagen: „Glück ge­habt.“ Der Gläubige versteht sein Glück als Geschenk und verbindet seine Freude darüber mit Dankbarkeit gegen Gott.

Religiös ist, wer ein Sensorium für solche Metaphern kultiviert. Allen anderen zu unterstellen, auch sie seien im Grunde  religiös, ohne es zu merken, ist anmaßend. Dennoch fehlt den nichtreligiösen Menschen aus der Perspektive der religiösen etwas – passende Worte für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.

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Lesermeinungen

Christian schrieb am 21. März 2013 um 19:33: "werfen Sie doch bitte nicht immer alle Christen in einen Topf!" Oh, ich bitte vielmals um Entschuldigung, wenn ich Sie in einen Topf geworfen haben sollte, wo Ihnen die Glaubensbrüder und -schwestern unangenehm sind. Das war nicht meine Absicht. Ich habe ein reichhaltiges Angebot an unterschiedlichen Töpfen, in die ich die Gläubigen stecke. Im Bedarfsfall bin ich auch zu jeder Sorte von Sonderanfertigung bereit. Also gucken wir uns Ihren Topf genauer an! _________________________________ Zitat: "Besonders Christen nicht, da diese sowieso den Kapitalisten gegenüber Mitleid haben wegen ihrem blödsinnigen Saus und Braus, das keinen Sinn und noch weniger Lebensinhalt bringt." Warum sind Sie denn so erbost über Unternehmer und Investoren? Ein Leben frei von materiellen Sorgen und gefüllt mit Annehmlichkeiten und Vergnügungen mancher Art ist das glatte Gegenteil von Blödsinn. Solch ein Leben kann ich jedermann uneingeschränkt empfehlen. Die Christen aus Ihrem Topf wollen die lieben Mitmenschen aber auf Sinn und Lebensinhalt verpflichten. Warum denn das? Die Antwort ist ganz einfach. Der normale Mensch hat dauernd zu rechnen, wie er über die Runden kommt. Wann kommt die nächste Mieterhöhung, was passiert bei längerer Krankheit, wie teuer wird die Ausbildung der Kinder, wie knapp wird die Rente sein? Die Antworten auf diese Fragen fallen meistens eher unangenehm aus. Deswegen wird der Zauber mit Sinn und Lebensinhalt gepredigt. Das Schlimme ist, dass diese Augenauswischerei auch begierig aufgesogen und geglaubt wird. Dann kann sich jeder seine wenig rosige Wirklichkeit schön rechnen mit Sinn und Lebensinhalt. Das hat der mittelalterliche Mensch mit Jenseits und ausgleichender Gerechtigkeit beim Jüngsten Gericht genau so hinbekommen. _____________________________________ Falls es Ihnen ein Trost sein sollte, lieber Herr Christian: Die Reichen mitleidig zu verachten ist eine leichte Übung. Die bekommen auch viele Atheisten hin. Davon hat allerdings kein Normalmensch eine bessere Wohnung, einen schönen Urlaub oder sonst einen Nutzen.

Schrecklicher Iwan,

werfen Sie doch bitte nicht immer alle Christen in einen Topf! Es gibt die Christen, die wirklich voll dahinter stehen und angebliche Christen, die nur deshalb nicht aus der Kirche ausgetreten sind weil sie darin einen marktwirtschaftlichen Gewinn sehen.
Kein Mensch tröstet sich mit der Annahme, dass nach dem Tod alle Kapitalisten zur Rechenschaft gezogen werden. Besonders Christen nicht, da diese sowieso den Kapitalisten gegenüber Mitleid haben wegen ihrem blödsinnigen Saus und Braus, das keinen Sinn und noch weniger Lebensinhalt bringt. Aber ich verstehe Sie als Atheisten gut. Wenn kein Sinn im Leben existiert, dann bringt weder Religion noch politische Weltanschauung Inhalte.

Schade schrecklicher Iwan,

Christian

Christian schrieb am 16. März 2013 um 19:46: "..ich hab mich schon so gefreut dass Sie Ihre schreckliche Irrlehre abgelegt haben." Das tut mir ja auch sehr leid, dass ich Ihre Bemühungen, mich zur Nachfolge des Herrn zu bewegen, wieder so schmählich enttäuscht habe. Aber bitte nicht entmutigen lassen! Zitat: "Das Thema ist ja so wichtig, dass sozial engagierte Atheisten und Christen zusammen arbeiten sollten." Das geschieht laufend. In den Gewerkschaften, den zuständigen Parteiflügeln, den Bürgerbewegungen und der als Tafelbewegung bekannten Armenspeisung arbeiten sozial engagierte Bürger mit und ohne Gottesanbetung zusammen. Das Ergebnis kann jeder täglich beobachten. Sozial sein heißt, seinen Frieden mit der systematischen Herstellung von Dürftigkeit und Schlimmerem gemacht zu haben und sich voller Elan dem Management des Elends zu widmen. _____________________ Zitat: "..sonst würde ein Reicher ja nicht solche Schwierigkeiten haben in das Reich Gottes zu kommen." Wenn das Geld für 365 Tage im Jahr in Saus und Braus reicht, wird sich der Verzicht auf das Reich Gottes verschmerzen lassen. Und diejenigen, die nicht einmal einen Tag im Jahr die Sau rauslassen können, sollen sich genau damit trösten, dass die anderen spätestens nach dem Tod die Ausgeschmierten sind. Und diese Veräppelung funktioniert prächtig seit mindestens 2000 Jahren. _______________ Zitat: "Die Finanzhaie würden gut daran tun, mal das neue Testament zu lesen." Das tun die durchaus. Sie gründen milliardenschwere Stiftungen und spenden nicht zu kleinlich. __________________________________ Zitat: "Die Kinder der dritten Welt sterben nicht am Christentum sondern an den harten Herzen der atheistischen Finanzhaie." Keineswegs. Die Kinder sterben, weil ihre Eltern nicht einmal den Dollar haben, den sie für Medikamente oder Essen bräuchten. Und das liegt nicht an der angeblichen Hartherzigkeit von Finanzhaien, sondern am alltäglichen, gewöhnlichen Gang der Marktwirtschaft. Und die wird von den Christen in allen Ehren gehalten.

Schade schrecklicher Iwan,

und ich hab mich schon so gefreut dass Sie Ihre schreckliche Irrlehre abgelegt haben. Aber gut, die schrecklichen Marktwirtschaftfetischisten sind halt nunmal Atheisten, da können Sie ja schlecht Ihren Verein in den Schmutz ziehen. Die Finanzhaie würden gut daran tun, mal das neue Testament zu lesen. Die Art und Weise des Finanzmarktes entspricht definitiv nicht der christlichen Lehre, sonst würde ein Reicher ja nicht solche Schwierigkeiten haben in das Reich Gottes zu kommen. Die Kinder der dritten Welt sterben nicht am Christentum sondern an den harten Herzen der atheistischen Finanzhaie. Mir ist kein atheistisches Hilfswerk oder eine Gemeinschaft bekannt die diesem Treiben entgegen wirkt. Es gibt aber viele Christen die diesem Treiben aktiv entgegen wirken. Aber jetzt mal alle gegenseitigen Meinungen zur Seite gelegt, helfen Sie doch bitte mit Ihre Atheismus-Börsen-Freunde zur Vernunft zu bringen. Das Thema ist ja so wichtig, dass sozial engagierte Atheisten und Christen zusammen arbeiten sollten. Das wäre mal wirklich eine gute Sache!

Beste Grüße,

Christian

Christian schrieb am 8. März 2013 um 19:35: "Ganz konkret, was haben "Ungläubige" passend zu den Themen Leid, Krankheit und Tod zu sagen?" Die Atheisten wären gut beraten, wenn sie nicht den Pfarrern nacheifern und sich tiefsinnig gebende Predigten oder Vorträge zusammenbasteln würden. Zum Tod ganz allgemein gibt es nämlich nicht viel zu sagen. Der ist weder ein großes Rätsel noch eine ewige Menschheitsfrage. Der natürliche Tod reicht von ziemlich bedrückend bis weiter nicht so tragisch. Erkrankt ein junger Mensch an einer tödlichen Krankheit, dann wird diese Bescheuertheit auch nicht dadurch leichter zu ertragen, dass die Profis oder Amateure für passende Worte mit Trost und Sinnstiftung vom Leder ziehen. Umgekehrt kann einer, der alt geworden ist und vielleicht auch einige schöne Stunden in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat, dem nun nicht mehr fernen Tod eher gelassen ins Auge sehen. ______________________________ Gestorben wird allerdings sehr oft nicht wegen der so eingerichteten Natur, sondern wegen der gesellschaftlichen Verhältnisse. Wer im heißen Afrika im ersten Lebensjahr an Unterernährung oder einer Wurmerkrankung stirbt, ist auch nicht von einem tiefgründigen Menschheitsrätsel betroffen, sondern darf die Freuden der weltweit wirkenden Marktwirtschaft am eigenen Leibe erfahren. Wo kein lohnendes Geschäft mit Medikamenten zu machen ist, wird eben umstandslos an Trivialkrankheiten krepiert. Spätestens dort könnten einem die Predigten zu Leid, Krankheit und Trost, egal ob in der Fassung mit oder ohne Gott, sauer aufstoßen. Aber nein, je widerlicher die tatsächlichen Verhältnisse sind, um so gefragter sind die passenden Worte. ____________________________ Wer über das Leid predigt, hat offenbar was anderes vor, als die Ursachen des Leides zu ergründen. Dann würde er nämlich bald darauf kommen, dass oft des einen Leid notwendig für des anderen Freud ist. Diesen Zusammenhang kann man dann entweder mit Tiefsinnssauce übergießen oder zum Anlass nehmen, die Verhältnisse zu erläutern. Für den ersten Weg braucht es die passenden Worte. Beim zweiten Weg wären ziemlich unpassende Worte fällig.

Schrecklicher Iwan,

lese ich da etwa Worte des Bedauerns zum "Unglauben"? Zitat Ihres Beitrages: "Leider beherrschen die Gottesleugner auch ganz locker die Tour, zu allem Wichtigen passende Worte zu finden. Das sind zwar manchmal andere Worte als die der Gläubigen, aber passend sind sie bedauerlicherweise auch." Sind Sie etwa übergelaufen zu den "Gläubigen"? Passende Worte zu allem Wichtigen? Was ist wichtig und was sind die passenden Worte? Das würde mich schon interessieren, was "Ungläubige" dazu zu sagen haben. Ganz konkret, was haben "Ungläubige" passend zu den Themen Leid, Krankheit und Tod zu sagen? Ich freue mich dass Sie auch dem Unglauben kritisch gegenüber stehen!

Beste Grüße,

Christian

EBSW schrieb am 2. März 2013 um 0:02: "Dazu wäre es zweckmäßig, das Bereichernde einer Religion so darzulegen....." Ich würde sagen, der Autor hat das durchaus getan. Erst muss der Religionseinsteiger einen Grundkurs, später einen Aufbaukurs in allerlei Geheimnisvollem absolvieren. Auf dem Lehrplan stehen unter anderem: "eigene Erzählweise", "gottesdienstliche Dramaturgien", "Gedanken früherer Generationen", deren "Sprache" und "Erzählweise". Der Lohn der Mühe ist dann nicht zuletzt die Gabe, passende Worte zu den wirklich wichtigen Dingen zu finden._______________________ Das ist gar keine schlechte Darstellung dessen, was ein Gläubiger mental hinzulegen hat. Die je nach Standpunkt als Befürchtung oder Hoffnung daherkommende Vorstellung, die Atheisten würden in der Kunst der passenden Worte regelmäßig patzen, ist jedoch irrig. Leider beherrschen die Gottesleugner auch ganz locker die Tour, zu allem Wichtigen passende Worte zu finden. Das sind zwar manchmal andere Worte als die der Gläubigen, aber passend sind sie bedauerlicherweise auch. __________________ Weder bei den Gottlosen noch bei den Gläubigen ist es üblich, empörend unpassende, dafür aber zutreffende Worte zu finden. Das scheint mir der eigentliche Knackpunkt bei der Bereicherung durch Religion zu sein.

Ist denn Religion etwas, was dem Menschen gut tut? Oder muss es nicht wenigstens eine bestimmte, nämlich die christliche Religion sein? Apropos Religion: sind nicht immer schon auch die sog. Heiden religiös gewesen? Und ist nicht meistens Religion eher so etwas wie Aberglaube und Götzendienst und somit der Erkenntnis der Wahrheit im Weg? Ich bin Christ. Ich halte die Botschaften der Bibel, zumal des sog. Alten Testaments für unentbehrlich und in ihrer hintergründigen Wahrheit für wegweisend. Aber die religiösen Einkleidungen, speziell die, die diese Wahrheiten mit der Ausbreitung des "Christentums" gefunden haben, sind mir suspekt. Muss ich denn religiös sein, um Christ zu sein?

Nein, muss ich nicht. Jesus selbst wendet sich ja nach Darstellung der Evangelien mehrmals gegen die Religiösen, was zu seiner Zeit die Schriftgelehrten und Pharisäer sind. Nachfolge kann dazu führen, dass man die Sicherheit, die einem Rituale und Dogmen geben, aufgibt. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass Religion einen Weg auch zu christlicher Nachfolge ebnen kann, das setze ich auch in diesem Beitrag voraus. Ansonsten bin ich - wie Sie - auch eher skeptisch gegenüber dem, was man gemeinhin Religion nennt.

"Andacht oder Gebet sind keine Flucht ins Wortemachen,...sie strömen aus dem Herzen. Wenn wir jene Reinheit des Herzens , vollbringen, die es < leer sein lässt von allem außer der Liebe < , wenn wir alle Saiten auf den rechten Ton stimmen , dann < gehen sie behend in Musik jenseits der Sinne < über. Gebet benötigt keine Worte. Es ist in sich unabhängig von jeder sinnenhaften Bemühung. Ich habe nicht den leisesten Zweifel, dass Gebet ein unfehlbares Mittel ist, das Herz von Leidenschaften zu reinigen. Aber es muss sich mit äußerster Demut verbinden. " Mahatma Gandhi, aus " Worte des Friedens " -------------------------------------------------------------------

Das Dilemma der Religion.

Der Autor behauptet, man müsse Religion lernen, bevor sie bereichernd wirke.

Dazu wäre es zweckmäßig, das Bereichernde einer Religion so darzulegen, dass auch ein Atheist erkennen kann, was er für einen Nutzen von Religion hätte, bevor er die Anstrengung des Lernens auf sich nimmt. Doch leider reicht es bei Herrn Weitz nur für einen billigen Zirkelschluss.

Sünde als Leiden an der eigenen Unzulänglichkeit einerseits und andererseits Aufgefangen sein in einer "Gnade". Ja, wenn erst Sünde erfunden werden muss, bevor Gnade helfen kann, heilt die Religion doch nur die Wunden, die sie per definitionem selbst schlägt.

Wo soll da das Bereichernde sein?

Nebenbei ist es eschatologisch merkwürdig, dass für Herrn Weitz Gott und Jesus letztendlich konträre Entscheidungen treffen. Wer hat denn nun den Hut auf? Den jeweils anderen könnten wir dann ja weg lassen......

...hochgradig arrogant, wenn religiöse Menschen wie der Burkhard Weitz einfach mal so daherschreiben, dass nichtreligiösen Menschen etwas fehle - nämlich die passenden Worte für die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Und dass nur der Gläubige sein Glück als Geschenk verstehe. Woher kommt diese Arroganz? Sie wird neben Angst zumeist auch aus Unwissenheit geboren. Bei Herrn Weitz scheint letzteres der Fall zu sein.

Zitat aus dem Artikel: "Dennoch fehlt den nichtreligiösen Menschen aus der Perspektive der religiösen etwas - passende Worte für die wirklich wichtigen Dinge im Leben." Okay, der Vorwurf liegt auf dem Tisch: Atheisten fehlen die passenden Worte. Jetzt wäre es natürlich nett, zu erfahren, was denn die wichtigen Dinge im Leben sind. Auch die Kenntnis, worin die vielbemühte Steigerung von wichtig zu wirklich wichtig bestehen soll, wäre von Interesse. Und dann die Frage, wie die passenden Worte dazu auszusehen haben. Dann ließe sich entscheiden, ob der Vorwurf zu Recht besteht. Sollte sich unter den kommentarwilligen Lesern von chrismon jemand finden, der die vom Autor vorgetragene Sicht in etwa teilt, ist er herzlich eingeladen, meine Fragen zu beantworten.

Guter Bulle, böser Bulle
Das verblüffte mich echt: "Der Richter muss hart urteilen. Doch plötzlich tritt ein anderer nach vorn, Jesus Christus. Er sagt: Lass diesen Menschen frei, ich nehme seine Strafe auf mich." --- Gott und Jesus spielen mit uns nach dem Sterben - Guter Bulle, böser Bulle ? (de.wikipedia.org/wiki/Guter_Bulle,_böser_Bulle). Gott als der Erfinder der unbedingten Liebe und Erschaffer des Kosmos "braucht es irgendwie, uns zu strafen um glücklich zu sein"? Uns, eine kleine bewusstseinstalentierte Säugerpopulation im Hinterhof einer unbedeutenden Galaxie? Und der Junior versaut dann Papis wunderbares Sadismus-Happening? Aus Rache, weil Er ihn hat damals bei denen inkarnieren lassen und weil er sich bei denen außerdem noch hatte totfoltern lassen müssen? Aus welchen Grunde unterstellen Sie Gott so Übles? Wollen Sie so vor der christlichen Religion warnen? Habe ich was falsch verstanden? Werde ich diesmal durch den Akzeptanzfilter bei Ihnen zur Veröffentlichung kommen? Viele Fragen.