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Der Rücktritt Benedikts XVI. vom Papstamt verdient hohen Respekt. Ein Kommentar von chrismon-Chefredakteur Arnd Brummer

 chrismon Chefredakteur Arnd Brummer

Wenn Benedikt XVI. am 1. März wieder Kardinal Joseph Ratzinger heißt, geht ein kurzes, aber nicht ereignisarmes Pontifikat zu Ende. Der Rücktritt selbst ist Anlass für hohen Respekt. Der Papst hat schon in seinem Interviewbuch mit Peter Seewald durchblicken lassen, dass die Handlungsfähigkeit ganz unbedingt zu seinem Amtsverständnis gehört. Ein Papst, der nur dem Namen nach Oberhaupt der römischen Weltkirche ist, der nur noch per Unterschrift unter von anderen verfassten Dekreten agiert, das wollte der profilierte Theologe offenbar nicht sein.

Wahrscheinlich hat er das schon im Sinne gehabt, als er sein Amt antrat. Denn er war es, der während des mehrjährigen Siechtums seines Vorgängers Johannes Paul II.  die Last maßgeblich mit zu tragen hatte.

Die 1,1 Milliarden Getaufte umfassende Weltkirche als absoluter Monarch zu leiten und gleichzeitig Perfektionist zu sein, wie es Vertraute Benedikt XVI.  zuschreiben, wäre schon für einen gesunden Papst eine unvorstellbare Herausforderung. Zu sehr dominiert die Ungleichzeitigkeit die katholische Welt. Was in Westeuropa oder Nordamerika gefordert wird, hat mit den Bedürfnissen vieler Gläubiger in Afrika nichts zu tun. Ja selbst im katholischen Kontinent Südamerika bauen sich Problemwelten auf, etwa in einem raschen Erstarken der Pfingstkirchen, die wieder ganzen Einsatz erfordern. Das Benedikt XVI. darauf mit dem Rücktritt reagiert, mit einem klaren und offenen „Aus gesundheitlichen Gründen schaffe ich das nicht mehr“, ist aller Ehren wert.

Wer wird Benedikt XVI. folgen?

Was wird von diesem Papst bleiben? Seine charismatische Ausstrahlung konnte sich mit der seines Vorgängers nie vergleichen lassen. Seine zunehmend konservative Reaktion auf die von ihm abgelehnten Phänomene der Moderne, sein Zugehen auf fundamentalistische Kreise wie die Pius-Bruderschaft wird ihm nicht nachhaltig negativ angehängt werden. Zu sehr blieb er in aller Weltferne taktvoll und höflich, blieb er vor allem aber an einer intellektuellen Auseinandersetzung interessiert. Seine auch von Gegnern anerkannte hohe intellektuelle und theologische Potenz wird ihm auch im kirchenamtlichen Ruhestand Muse und Herausforderung bleiben. Seine Jesus-Bücher, die er mit Liebe und durchaus schriftstellerischer Begabung verfasst hat, dürften nicht das letzte sein, was wir aus seiner Feder zu lesen bekamen. Es ist dem 85-Jährigen zu wünschen, dass seine gesundheitlichen Beeinträchtigungen nicht so große sind, dass er in Ruhe, bei einem Tee und zur geliebten Musik Mozarts weiterhin kluge Texte verfasst.

Protestanten und ihre Kirchen dürfen sich für die seriöse und anständige Kommunikation mit diesem Papst bedanken, selbst auf Themenfeldern, auf denen die theologische Differenz nicht zu überbrücken war.

Noch Ende März 2013 wird der Nachfolger gewählt sein, falls es nicht zu einem von Kontroversen dominierten Konklave der Kardinäle kommt. Wer es sein wird? Favoriten sind nicht erkennbar. Also werden die Spekulationen ins Feld schießen, wie jedes Mal. Der erste Afrikaner, ein Südamerikaner, ein US-Kardinal, trotz oder wegen der dort herrschenden Missbrauch-Krise? Was mit großer Wahrscheinlichkeit gesagt werden kann: Ein deutschsprachiger Kardinal wird es wohl nicht sein, dem man den Papstornat noch vor Ostern anziehen wird unter dem lauten Ausruf „Habemus Papam!“

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