Nicht ganz koscher

Das war schwer zu verstehen für Kerstin Höckel und ihren Bruder Paul: Warum aus ihrer Schwester Claudia die orthodoxe Jüdin Sara wurde. Wie es kommt, dass eine Lehrertochter, Einserschülerin, Kindergottesdiensthelferin, schönstes Mädchen der Schule, jetzt mit Mann und vier Kindern im von Israel besetzten Westjordanland lebt. Also hat Kerstin Höckel, die Drehbuchautorin, Filmemacherin, ein Buch darüber geschrieben. Als es fertig war, flog sie nach Israel ­- mit weichen Knien und zitterndem Herzen

 

Ich hab es ihr vorgelesen.

Paul lässt sein gackerndes Lachen auf mich los, du hast es ihr was?

Wir sitzen im nagelneuen japanischen Hybridauto meines großen Bruders. Alle zwei Minuten soll ich über den sagenhaft niedrigen Verbrauch pro Meile staunen und entsprechende Laute von mir geben. Wie wau.

Glaubst du vielleicht, eine ultraorthodoxe Jüdin findet Zeit, zwischen Gebeten, Haushalt, fünf Kindern und der Produktion von Gebetsröllchen mal eben ihre Lebensgeschichte selbst zu lesen?

Reise nach Israel

Ich hatte sie telefonisch vorgewarnt, ich hab ein Buch geschrieben, über meinen ersten Besuch bei dir im Besetzten Gebiet letztes Jahr, überhaupt, über dich, uns, wie alles gekommen ist. Wie aus der süddeutschen Lehrertochter, Einserschülerin, Kindergottesdiensthelferin, dem schönsten Mädchen des Viertels, wie aus Claudia Sara geworden ist, eine strenge Jüdin, die ihr Haupthaar verhüllt und samstags den Kühlschrank nicht mehr öffnete. Weil am Schabbat der elektrische Funken nicht überspringen durfte. Wie das für uns war, mich, die kleine Schwester. Wie wütend wir waren auf diesen Ben aus Israel, der ihr so lange den Kopf verdreht hat, bis sie ihm in seine Heimat folgte. Wie weh es getan hat, sie zu verlieren, unbegreiflich, verstörend. Wie bereichernd zugleich und aufregend. Wenn du magst, komme ich vorbei und lese dir das Manuskript vor. Sie mag.

Erst hatte ich wie wild zensiert. Flüche gestrichen. Wörter wie Scheiße. Heidenarbeit. Festgestellt, ich wollte ihr alles vorlesen, ganz oder gar nicht, so ehrlich wie möglich meine Sicht der Dinge.

Westbank, September 2006

Sie sitzt mir schräg gegenüber am Küchentisch. Trennt koscheren von unkoscherem Weizen. Auf einem Kasten mit mattierter Glasscheibe als Deckel. Innen ist eine Glühbirne angebracht, mit der sie die Weizenkörner von unten beleuchtet. Bevor ich mit Kapitel eins über die Runden bin, hat sie mit rauen Fingern das Korn für zwei Brote verlesen. Auf der Tischplatte hat sich ein Häufchen Unkoscheres angesammelt, winzige Steine, dunkle, verwachsene Samen.

Ich beobachte aus dem Augenwinkel, wie sie aufsteht, ohne eine Miene zu verziehen. Den Weizen in den Aufsatz der Küchenmaschine kippt, wo er zu Mehl zermahlen wird. Bevor er eine Etage tiefer mit Wasser, Sauerteigansatz und einer Prise Salz verknetet wird. Über Nacht muss der Teig gehen. Morgen früh wird ihr Brot noch warm sein. Mir läuft das Wasser im Mund zusammen. Sie sagt, lies ruhig weiter, ich hör dich. Ihre Stimme hat keine Farbe. Ich schlucke den Speichel runter.

Bei der Gepäckausgabe

Bei der Gepäckausgabe hatte ich weiche Knie. Das letzte Telefonat war kurz gewesen, die Kinder freuen sich auf dich, hatte sie gesagt. Die Kinder. Und du, habe ich gedacht.

Am Exit winkte mir meine Protagonistin entgegen. Sie sah hübsch aus in dem grauen Rock und dem leuchtend blauen Hemd, das sie mir für den letzten Aufenthalt aufgedrängt hatte, da meine Fetzen zu bauchfrei waren für ihre Siedlung. Sie wedelte mit ihrer Sonnenbrille, komm Kleines, ich stehe im Parkverbot. Mit der Verkehrsordnung nahm sie es nicht so genau wie mit Gottes Wort.

Der Morgen über Tel Aviv war verhangen, als wollte er demnächst überschwappen. Ich wortkarg. Das wäre der erste Regen nach dem Sommer, plauderte die Schwester, könnten wir gebrauchen. Kräuselte ihr Nasenbein, um die Wolken zu inspizieren, und plauderte.

Irgendwo in den Hügeln

Irgendwo in den Hügeln verflog mein mulmiges Gefühl. Auf seinen Schwingen der absurde Vorsatz, gleich am ersten Tag mit dem Vorlesen zu beginnen.

Die Juweliere von nebenan haben gefragt, ob du diesmal bei ihnen übernachten möchtest, solange sie die Großeltern in Haifa besuchen. Erinnerst du dich an die Giordanos? Ich erinnerte mich nicht. Die mit den acht Kindern, mit dem Swimmingpool im Garten, insistierte die Schwester, mit der Bewässerungsanlage, der Palme, dem grünen Rasen. Sie haben einen Safe neben der Küche, deswegen lassen sie die Wohnung ungern leer stehen.

Lassen sie mir ein Schießeisen da?

Die Schwester grunzte vergnügt, vielleicht kannst du Bens Revolver ausleihen. Westbank, Libanonkrieg. Das Mulmige meldete sich in der Magengegend zurück. Warum fürchten sie sich vor Einbrechern? Warum nicht vor der Rache der Palästinenser? Moses hatte seinem Volk Gebote vom Berg geschleppt. Du sollst nicht stehlen. Wer klaut wem was?

Unauffällig drückte ich mich um den dicken Ordner mit dem Manuskript herum. Ich war unsicher, wie sie es aufnehmen würde. Ob ich mit meiner Portion Wahrheit einen neuen Keil zwischen uns Schwestern treiben würde? Eine nächste Funkstille provozierte. Das wollte ich nicht.

Zunächst gab es Ablenkung, jede Menge zu staunen. Mirjam hatte Rad fahren gelernt. Israel freihändig stehen. Saras Ältester war im Sommer ein Mann geworden. Dreizehn. Er trug jetzt einen breitkrempigen Hut. Keine Jeans mehr.

Tags drauf

Tags drauf siegte ihre Neugier über meine Scheu. Was ist mit deinem Buch? Sobald die Großen aus der Schule kommen, können wir das vergessen, und wenn erst mal Rosch ha-Schana ist... Jeden Morgen erinnerten vier Widderhorn-Töne daran, dass Neujahr 5767 näher rückte. Der jüdische Gott wollte zu Gericht sitzen über die Taten seiner Auserwählten in den vergangenen zwölf Monaten.

Israel schleuderte einen Apfelschnitz quer durch die Küche. Ich hob ihn auf, spülte ihn ab, spürte, wie Blut in die Wangen schoss. Es gab kein Zurück. Jetzt oder nie. Ben arbeitete außer Haus an seiner Torarolle. Ich stopfte Israel seinen Apfel in den Mund, zog den Ordner aus dem Flurregal und begann zu lesen.

Mittlerweile bin ich in Kapitel zwei.

Mittlerweile bin ich in Kapitel zwei. Der erste Streit unterm Dach unserer Eltern geht im Gebrüll der Küchenmaschine unter. Gott sei Dank. Als sie verstummt, strauchele ich. Stolpere über Flüche. Schiele nach der Reaktion der Schwester, die Frühstücksgeschirr wegspült. Mit Seelenruhe. Das Baby füttert.

Allmählich lasse ich die Scham sausen. Kapitel drei: Wie Ben unsere Claudia in die Sphären der Unlogik entführt...

Im Jetzt überredet Sara Israel zu einem Nickerchen. Ich begleite sie lesend ins Schlafzimmer, in den Garten, wo sie Wäsche aufhängt, karierte Hemden, Schlüpfer, Heerscharen von Socken. Ich warte, bis sie ein Telefonat mit der Nachbarin beendet hat, lese vor, während sie sich Notizen auf ihrem Einkaufszettel macht, lese, während sie Salat von Getier reinigt, lese, während sie uns einen Kaffee kocht. Unterbreche, während sie Gott für den Kaffee dankt, bevor wir trinken. Fahre fort, während sie Karotten schält, Süßkartoffeln, Zwiebeln, beschleunige, während sie grübelt, ob es später Fleisch oder Milchiges zu essen gibt, was die Konsequenzen sind. Lese, während sie ihre Manufaktur von kleinen Gebetsröllchen, von Mesusas, auf dem Küchentisch ausbreitet, Intarsien aus hauchfeinem Furnier schneidet. Die große Schlanke mit den Rentieraugen. Die mit dem besten Abitur von uns vieren. Die eine Schreinerlehre absolviert hatte, um für ihr Architekturstudium warmzulaufen. Was hätte aus ihr werden können.

Irgendwo in Kapitel vier, vor vielen Jahren zwischen Übertritt und Beschneidung des ersten Sohnes, platzt Mirjam in die Küche. Wir haben sie nicht kommen hören. Die Schule ist aus, ihr Ranzen muss repariert werden. Ich mach das, krächze ich heiser. Verstecke den Ordner im Regal unter den Eiern. Wirklichkeit in Form von lauter hungrigen Mäulern erscheint in der Küche, Aufgaben, Spiele im Rahmen der Gebote und Gebete. Als Stunden später alles schläft, sagt Sara, ich bin ganz verschwommen. Von deinem Buch.

Die halbe Nacht liege ich wach

Die halbe Nacht liege ich wach, um den Ausdruck zu deuten.

Verschwommen.

Ich zähle nach. Ihre Stirnrunzeln. Erinnere ihre Fragen, die Verwunderung, Empörung: Dachtet ihr echt, der Ben hat mir das Gehirn gewaschen? Glaubst du, ich bin nur aus Liebe Jüdin geworden?

Wie oft hat sie geschmunzelt. Hat sie geschmunzelt?

Sie hat es in den falschen Hals gekriegt, sie hat den halben Tag daran gewürgt. Sie ist benommen. Geschüttelt. Gerührt. Verstört. Hab ich sie überfordert? Gott. Oder was. Die uns ihr Leben vor den Latz knallte.

Ich zerknülle das Laken. Es ist zu heiß in dem Land.

Ich tapse durch die kahle Wohnung der Juweliere. Knipse das Licht an, spiele Tag, Bewusstsein, berühre die Möbel, Buchrücken, das Zahlenschloss am Safe, eine Schatulle. Im Spiegel das muss ich sein. Splitternackt. Ich möchte den Safe knacken und Ketten anlegen. Kenne den Code nicht. Ich kenne euren Code nicht, Schwesterherz.

Ich renne zurück ins Kinderzimmer. Zur Platzersparnis sind die Betten Schubladen auf Rollen, die tagsüber ineinandergeschoben werden. Ich lege mich in die unterste Lade. Draußen kräht eine Katze, ist schon Tag? Nein. Durch die Gitterstäbe blitzt die gelbe Straße. Ein Laut, ein Schatten, jetzt kommt der Einbrecher, bilde ich mir ein, und ich, unbewaffnet, entblößt in der untersten Schublade, sterbe meine tausend Tode.

Der nächste Morgen

Endlich. Wir haben uns schon Sorgen gemacht, ob du geklaut worden bist. Sara zupft mich am Ärmel. Komm, ich will wissen, wie es weitergeht.

Sie will!

Mir fällt der Stein der Nacht vom Herzen und zerspringt auf den kühlen Fliesen. Wir schleichen über die Scherben zurück auf die Pfade meiner Erinnerung, gehen baden in einer Vergangenheit, die aus ihrer Gegenwart verbannt wurde. Sie lauscht abgelenkt, berührt, erstaunt, verärgert, manchmal grunzt sie fröhlich auf oder fragt zwischen. Ich hebe den Text als Schutzschild ein paar Zentimeter höher vor die Brust.

Paul

Die Ampel springt auf Rot. Paul geht auf die Bremse.

Was hat Ben dazu gesagt?, will er wissen. Ich dachte, die fragt den bei jedem Scheiß um Erlaubnis.

Ich weiß nicht, vielleicht haben sie das vorher geklärt. Mir gefällt Pauls Ausdrucksweise nicht. Die, den, Scheiß. Ausgerechnet mir.

Hast du das gehört?, schreit der Bruder.

Hm?

Hör dir das an!

Ich hör nix.

Ja eben!

Ja und?

Der japanische Motor hat sich an der Ampel von selbst ausgeschaltet. Da die Straße abschüssig ist, braucht er jetzt nicht mal zum Anfahren Sprit.

Wau.

Weiter: Westbank

Ben betritt die Küche. Ich breche den Satz ab. Grinse wie ein ertapptes Schulkind aus dem achtzehnten Jahrhundert. Lege beide Hände über die Zeilen. Sara wuselt weiter durch die Küche. Ben kocht Kaffee. Stillschweigende Übereinkunft. Natürlich sieht er, dass ich einen Text auf den Knien halte. Natürlich hat sie ihm von meinem Buch erzählt. Natürlich weiß er aus Erfahrung, dass Ben aus meiner Geschichte der Antagonist ist, der unsere Familie sprengt mit seiner Liebe und seinem Hass. Er ist ja nicht blöd. Ich schneide mir eine Scheibe vom frisch gebackenen Brot ab. Die Schwester wirft einen Blick aus dem vergitterten Küchenfenster. Er prallt an den Wolken ab, die sich über dem Hügel der Araber verdichtet haben. Komm, Kleines, lass uns schnell die Wäsche reinholen. Ben lacht, das soll einen Regen geben, ihr träumt wohl. Und schleppt sich übermüdet zurück in sein winziges Büro. Zu Gänsekiel und Pergament. Das Lachen rechne ich ihm hoch an.

Sara faltet Schlüpfer im Affenzahn. Bist du nicht eifersüchtig?, fragt sie. Wenn ich mir vorstelle, mein Mann ist mit einer anderen Frau zusammen, ich würde den Gedanken nicht los, ob sie besser darin ist. Warum belastet ihr euch mit so was?

Ich bin überrascht, dass sie mir kein Dogma um die Ohren haut. Über Menschen spricht. Über sich. Ich kämpfe die Socken nieder. Etliche bleiben allein zurück. Und ob ich eifersüchtig bin. Und wie.

Ich weiß, wie schnell man einem Mann den Kopf verdreht, sagt Sara, schon wenn zwei Leute allein im Bus sitzen, entsteht eine Beziehung.

Und wie willst du das unterbinden?

Wenn ein Chef eine Sekretärin anstellt, sagt Sara, sorgt die Tora dafür, dass die beiden nie unter sich sind, die Tür bleibt offen, damit sie nicht auf dumme Gedanken kommen.

Die Orthodoxen perfektionieren die Vermeidung der Untreue.

Du kannst ja mal unsere mit eurer Scheidungsrate vergleichen.

Die Scheidungsrate der Socken schlägt alles.

Als wir sämtliche Wäschestücke in Sicherheit gebracht haben, kommt die Sonne raus und lacht sich scheckig.

Wieder Paul

Beeil dich!

Ich soll die Mittelkonsole mit Pauls Handy ablichten, die aktuelle Zahl auf der Spritverbrauchtabelle ranzoomen, damit er bei seinen Arbeitskollegen angeben kann, wie sparsam er mit dem neuen Wagen durchs Leben gleitet. Paul und seine Mission in Sachen Umweltschutz. Kaum habe ich den Rekordwert digitalisiert, reißt er mir das Handy aus der Hand, um seine Frau davon in Kenntnis zu setzen. Er nennt sie Honig.

So gesehen spinnt auch Paul. Einigermaßen.

Abreise aus der Westbank

Du musst wiederkommen, um mir den Rest vorzulesen, Kleines. Nach Rosch-ha Schana ist uns die Zeit zwischen den Zeilen zerronnen.

Ben setzt Wasser auf. Ob jemand Kaffee mag. Er hält uns bis zur Abfahrt mit Anekdoten wach. Bens Erlebnisse, eingekesselt von Hisbollah an der libanesischen Front, fromm unter Kameraden.

Ein Uhr irgendwas. Sara hat eine Extraportion Brot gebacken. Zum Mitnehmen nach Berlin. Der Laib ist so heiß, dass wir ihn zum Auskühlen auf die Rückbank packen werden.

Ich könnte mich statt Brot auf die Rückbank legen, schlage ich der Schwester vor. Du tackerst ein Laken drüber, so kann dein Mann mich zum Flieger bringen, ohne dass zwischen uns eine Beziehung entsteht, und du bleibst hier bei den Gören. Die Schwester prustet. Wir lachen mit Gott und seinen schrägen Geboten. Zu dritt. Überdreht von Erschöpfung.

Den Rückweg vom Flughafen wird Sara allein bewältigen müssen. Mitten durch die palästinensische Autonomie. Als Orthodoxe. Mitten in der Nacht. Als Frau. In einer Schrottkiste von über dreißig Jahren. Wenn sie einen Reifen verliert. Hast du eben noch ein Rad ab, kichert Ben.

Wir erwägen ernsthaft, Mirjam zu wecken, damit sie als Anstandsdame ihren Abba und mich begleitet. Aber was, wenn sie einschläft? Dann haben wir den Salat mit der Beziehung.

Für einen Bus fehlt mir die Chuzpe. Du hast eben kein Gottvertrauen ­ die Schwester macht den Tonfall ihres großen Bruders nach. Haben die Giordanos aber auch nicht, halte ich dagegen. Die wären doppelt abgesichert mit Safe plus Gott. Dreifach, nickt Ben, sie haben in der ganzen Wohnung Kameras installiert gegen Einbrecher. Was haben die?

Hast du das deiner Schwester nicht gesagt? Hat sie nicht.

Jemand muss ihnen Bescheid geben. Ich hab mich regelmäßig im Durchgang zum Esszimmer umgezogen, weil da der große Spiegel hängt. Ins Detail will ich nicht gehen. Die Vorstellung, wie der brave Herr Giordano die Bänder checkt, gibt uns den Rest.

Bevor wir losfahren, erklärt Ben seiner Frau, wie man den Abzug bedient, und wie man das Ding nachlädt. Für alle Fälle. Wir überprüfen den Batteriestatus der Handys. Den der Schrottkiste. Ben schraubt in der Motorhaube herum.

Auf dem Weg zum Flughafen

Auf dem Weg zum Flughafen erzähle ich ihr die fehlenden Kapitel. Ich meine, meine Protagonistin ist sogar ein bisschen stolz. Nicht böse. Sie wünscht mir Glück. Bringt zaghaft zwei Einwände vor, die ihr seit Tagen auf der Seele lasten. Dies und jenes, findet sie, geht eigentlich niemanden etwas an. Ich werde dies und jenes streichen, verspreche ich.

Vor dem letzten Hügel die ersten Tropfen. Fette Tränen, die auf der Frontscheibe explodieren. Regen. Wir triumphieren. Das muss sie Ben erzählen. Nach zweihundert Metern ist es vorbei.

Über Tel Aviv sternklare Nacht. Messerscharf ritzt die Mondsichel ihr Markenzeichen in den Himmel. Hinterm Mond hockt Saras gütiger Gott über seiner Buchhaltung, stelle ich mir vor.

Vergiss dein Brot nicht, ruft die Schwester mir nach. Ich hab noch das blaue Hemd an, in dem sie mich abgeholt hatte. Das kannst du behalten, sagt Sara, bis zum nächsten Mal.

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