Schrumpft die Wohnzimmer!

Wo ist die Wohnung, die für uns richtig ist? Dass Grundrisse so selten passen, daran sind nicht nur die Bauunternehmen schuld

Lilian, 15, hat angekündigt auszuziehen. Noch länger in einem Zimmer mit der elfjährigen Schwester und ihren ständigen Kommentaren – unerträglich! Lilian sucht mit einer Freundin ein Appartment. Ihre Eltern, sie Wassertechnikerin, er Krankenpfleger, suchen auch, seit Jahren: vier Zimmer statt der knappen drei. „Manchmal“, sagt die Mutter, „ackere ich den ganzen Münchner Anzeigenteil durch, und es ist mal wieder überhaupt nichts für uns inseriert.“

Rein statistisch ist heute jeder Haushalt mit einer Wohnung versorgt. Aber nicht unbedingt mit der gewünschten. Und der Leerstand rund um Gelsenkirchen oder in ostdeutschen Regionen nutzt Wohnungssuchenden in Ballungsräumen wie München oder Frankfurt nichts. Relative Wohnungsnot nennt man das. Jetzt gibt Lilian ihren Eltern noch mal eine Chance: Die haben vier Zimmer in Aussicht, allerdings so teuer, dass sie den Preis nur zu flüstern wagen.

Der Architekturprofessor Wolfgang Mühlich von der Hochschule Biberach versteht Lilians Ärger gut. Er und seine Frau Christine, ebenfalls Architektin, haben sich mit Forscheraugen viele Wohnungen und Familien angeschaut. In manchen gab es ständig Verteilkämpfe ums Wohnzimmer, mal offen, mal heimlich  – bis sich am Ende keiner mehr traute, es zu nutzen, außer wenn Besuch kam; in anderen hatte der Vater den Gemeinschaftsraum einfach zu seinem Privatreich erklärt; hier hauste eine Mutter in der Küche; dort zogen sich Kinder in sich selbst zurück oder verkrümelten sich im Keller.

Daraus schlossen die Mühlichs: Jeder Mensch braucht ein eigenes Territorium. Egal wie klein. Jedes Kind, die Frau, der Mann. Dazu Gemeinschaftsräume wie Elternschlafzimmer oder Wohnzimmer. Sonst beanspruche man sich gegenseitig zu sehr. Nur wer gelegentlich in Abgeschiedenheit seinen Gedanken nachhängen könne, könne sich sich auch in Gemeinschaft sicher und kreativ verhalten. Dass einzelne Familien eng und gut zusammenleben, sei kein Argument gegen die Bedürfnisse der anderen.

Allerdings verzichtete auch das Ehepaar Mühlich zugunsten der drei Kinder lange auf persönliche Räume, „wo man mal seinen Groll gegen die Welt oder den Partner abklingen lassen kann“. Gut habe ihnen das nicht getan. Die Kinder hingegen genossen ihre Einzelzimmer und hängten Schilder an die Tür: „Dein Weg endet hier – sprich dein letztes Gebet.“

Jeder Mensch braucht ein eigenes Territorium, egal wie klein

Familie Hain* müsste rundum zufrieden sein: Die Eltern, in der Werbung tätig, haben sich gleich ein ganzes Fabrikloft gekauft, 180 Quadratmeter. Bad und Kinderzimmer haben eine Tür, der Rest ist ein einziger offener Raum. Nur vor dem Elternbett steht ein Paravent. Die beiden Kinder lieben die Wohnung: Alles ist bespielbar, und sie sind überall dabei.

Die Mutter aber hätte inzwischen doch gern ein Zimmer für sich. Wenn sie ihre Ruhe haben will, muss sie ins Bad. Wenn der Mann abends lang mit Freunden am Tisch sitzt, schläft sie im Kinderzimmer. „Das Loft fühlt sich schön an: Man kommt hier rein und atmet durch. Aber irgendwie geht es einem auch auf den Keks. Man muss sich schon einschränken.“

Was wäre denn die ideale Wohnung, die für alle Bedürfnisse passt? Das Architektenpaar Mühlich hat  lang überlegt und sich nun endlich selbst eine Wohnung gebaut: An einem langen Flur lauter gleich große Zimmer; dazwischen Leichtbauwände, die herausgenommen werden können, so dass zwei kleine Zimmer ein großes ergeben. Jeder Raum kann damit alles sein:  Büro, Wohnzimmer, Kinderzimmer...

Nutzungsneutral nennt man solche Grundrisse. Der Bedarf dafür wächst. Er wächst wieder. Denn im 19. Jahrhundert gab es schon einmal vielfältige Lebensgemeinschaften. Erst im 20. herrschte der Typus  Kleinfamilie vor. Und heute, sagt der Berliner Stadtsoziologe Hartmut Häußermann, schließen sich die Menschen wieder zu vielerlei Lebensgemeinschaften zusammen. Da wohnen mal vier Senioren in einer Wohnung, mal zwei Freundinnen, fünf Studierende, zwei Alleinerziehende, drei Berufspendler.

Auch wenn sie nur zu zweit sind, brauchen sie mindestens zwei gleichwertige Räume. Doch welche Wohnungen werden ihnen angeboten? Zum Beispiel ein übergroßes Wohnzimmer, ein kleines Schlafzimmer, eine Winzküche. Zu zweit kann man sich darin nur schwer konfliktfrei aufhalten, das schaffen höchstens Paare in der ersten Verliebtheit, kritisiert die Frankfurter Stadtplanerin Beate Huf. Dabei hätten auf dieselbe Fläche locker drei Zimmer und eine kleine Wohnküche gepasst.

Aber auch die üblichen Dreizimmerwohnungen sind nicht besser geschnitten: dominantes Wohnzimmer, kleines Schlafzimmer, Minizimmer. Das ist die Wohnung für die Kleinfamilie. Seit den 20er Jahren in großer Zahl gebaut, aber auch im Jahr 2007 ist das Prinzip „groß – klein – winzig“ Leitbild für Neubauten. Für die meisten Lebensgemeinschaften passt das nicht.

Kein Wunder, dass die bürgerliche Altbauwohnung vom Ende des 19. Jahrhunderts so begehrt ist. Darin gibt es zwar auch schöne und weniger schöne Zimmer, aber sie haben eine ähnliche Größe. Und eine geräumige Wohnküche kann Ess- und Wohnzimmer überflüssig machen.

Seit dem Bau dieser „Altbauten“ sind über 100 Jahre vergangen. Ein einziger Grundrisstyp hat sich durchgesetzt: der Grundriss für die Kleinfamilie. Er wurde erdacht von den Architekten des Neuen Bauens. Ihre „ Kleinstwohnung“ war durchaus ein Fortschritt, da man damit den Millionen Menschen, die mit der Industrialisierung in die Städte gezogen waren, auf wenig Platz viel Komfort bieten konnte: Küche, fließend Wasser, Toilette.

Zugleich aber bevormundete dieser Grundriss die Menschen. Die Architekten hatten das häusliche Leben mit seinem vermischten Tun in einzelne Handlungen zerlegt – kochen, essen, schlafen, entpannen – und diesen dann exakt passende Räume zugewiesen, die für nichts anderes taugten. Im Schlafzimmer hatte genau ein Doppelbett plus Schrank Platz, Steckdosen bestimmten, wo die Nachttischlampen zu stehen hatten. In der kleinen Küche sollte sich die Hausfrau kräftesparend um sich selbst drehen. Was als Wohnung für den „befreiten Menschen“ gedacht war, gab eine rigide Nutzungs-Choreographie vor.

Heute ist dieser Wohnungstyp vor allem unpraktisch. Denn die Erwerbsarbeit, damals ausgewandert in Fabriken und Büros, kehrt heute wieder in die Wohnungen zurück. Also quetschen die IT-Kundenbetreuerin oder der sich fortbildende Arbeitslose ihre Schreibtische ins Schlafzimmer. Die Hausarbeit blieb eh immer  – auch wenn die Wohnung noch so sehr zur Gegenwelt der Arbeit stilisiert wurde. Selbst neue, größere Wohnungen haben nur selten Abstellkammern. Und so gehören Wäschestapel sowie Getränkekisten „zum permanent sichtbaren Inventar, das aufwändig vor Besuch versteckt werden muss“, beobachtet Stadtplanerin Beate Huf.

Dabei liegen die Lösungen auf der Hand: Mit flexiblen Wänden, wie man sie aus Büroetagen kennt, ließen sich Zimmer vermehren oder zusammenlegen. In Mietwohnungen könnte es wenigstens moderne Schiebeelemente geben, um etwa eine offene Küche abzutrennen oder um aus einem großen Kinderzimmer zwei kleinere Jugendzimmer zu machen. Und für alle gut wären neutrale Grundrisse – mit Zimmern, die nicht gleich, aber gleichwertig sind.

Heute wird wieder verstärkt von Zuhause aus gearbeitet

Die Gesellschaft ändert sich geschwind, die Wohnungen bleiben die gleichen. Beharrlich ignoriert der Wohnungsmarkt die Bedürfnisse. Die Wohnungsunternehmen könnten in den bestehenden Wohungen Wände verrücken oder Kleinwohnungen zusammenlegen. Doch in den Großstädten haben die Unternehmen die „Bude voll“ – sie sehen keine Notwendigkeit für Verbesserungen; und wenn doch, fehlen ihnen die Ausweichwohnungen für die während des Umbaus ausquartierten Mieter.

Und der Miet-Neubau dümpelt seit Jahren auf dem tiefsten Stand seit 1949. Wohnungsbau ist eine Art der Kapitalanlage und die steuerliche Abschreibung nicht mehr so attraktiv, weil der Staat die Subventionen gekürzt hat. Wenn überhaupt noch gebaut wird, dann fast nur Eigentumswohnungen. Die Menschen haben Bedarf, aber der wird auf dem Markt nicht als fordernde Nachfrage sichtbar, dazu fehlt ihnen das Geld. „Dabei quält die falsche Wohnung ein Leben lang“, sagt Architekturprofessor Mühlich.

Manche Leute immerhin können sich eine Reihenhausschnitte ersparen. Die soll dann alle Zwänge beseitigen. Doch letztlich sind die meisten Reihenhäuser noch standardisierter als der soziale Wohnungsbau: Im Erdgeschoss vorn die Küche, dann wegen des tiefen Grundrisses an eher dunklem Platz der Esstisch, hinten der Wohnbereich. Die Treppe zu den Schlafzimmern ist meist lieblos irgendwo in den Raum gerammt. Draußen die Terrassen, so dicht an dicht, dass man sich beim Sonntagsfrühstück den Salzstreuer von Tisch zu Tisch reichen könnte.

Vielleicht sind zumindest die Häuslebauer selbst schuld an dysfunktionalen Wohnungen. „Die Leute sparen am falschen Ende: am Architekten“, meint der Kasseler Architekturdozent Marc Kirschbaum. Mindestens 90 Prozent der Häuser in Deutschland seien nicht von Architekten geplant. „Die Leute gehen zum Bauträger, weil der behauptet, die Architektenleistung sei im Preis schon enthalten.“ Doch dann gebe es gar keine individuelle Beratung und mehrere Entwürfe, sondern nur Standardhäuser. Dabei macht der reine Entwurf nur drei Prozent der Bausumme aus.

Wir überschätzen das eine Bedürfnis und unterschätzen das andere: Wir hätten die Wohnung gern lichtdurchflutet und großzügig, erhoffen uns ein freies, irgendwie amerikanisches Lebensgefühl, entscheiden uns also für einen offenen Gemeinschaftsbereich für Kochen, Essen, Leben ...  Und dann siegt  doch immer die Schwerkraft des Fernsehers über alle anderen Aktivitäten: Wenn einer den Fernseher anmacht, sitzen schließlich alle davor. Und ärgern sich zugleich. Sie wollten gern was anderes machen, nur wo? Vielleicht werden deshalb jetzt so häufig Rückzugsbereiche an ganz anderer Stelle gewünscht – verschwiegene Ankleideräume, wohnliche Bäder mit Eckbadewanne und „Duschhimmel“.

Familie Krapp* zum Beispiel hat ihre Bedürfnisse falsch eingeschätzt, vor allem ihren schnellen Wandel. Die Eltern – beide selbständig im Mediengewerbe – haben sich vor sechs Jahren eine Stadtwohnung ganz nach Wunsch einteilen lassen. Ein großer Raum mit offener Küche sei der Trend, hörten sie, und auch praktisch, weil man dann von der Küche aus sehen kann, ob sich die Kinder gerade strangulieren. Jetzt sind die beiden Kinder größer. Haben aber zusammen nur ein kleines Kinderzimmer, dazu gibt es das Büro und das Schlafzimmer. Und eben 60 Quadratmeter fürs sonstige Leben.

„Total unpraktisch“, schimpft Frau Krapp. Wenn die Kinder „Duck Tales“ oder „Wissen macht Ah!“ gucken, kann sonst niemand was machen. Wer will sich zum Lesen immer aufs Bett legen? „Nee“, meint sie, „für Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen ist diese Wohnung nichts.“ Nun versucht die Familie, dem Wohnzimmer irgendwo noch ein Kinderzimmer abzuzwacken.

Genau, warum nicht künftig beim Wohnungsbau das Wohnzimmer schrumpfen? Die gewonnene Fläche wird teils der Küche als Essplatz zugeschlagen, teils den anderen Zimmern, die damit auf vielfältig nutzbare Größe wachsen. Und das verkleinerte Wohnzimmer könnte bei Bedarf – Büro, Kind, Dauergast, neuer Partner – auch zum Individualraum werden.

Das Wohnzimmer schrumpfen! Allgemeines Gemurre. Aber mal ehrlich, wie viele Leute benutzen ihr Wohnzimmer so intensiv, wie es seiner dominanten Größe entspräche? Ist es nicht die meiste Zeit bloß Fernsehzimmer und Ablageort für Bügelwäsche? Ist nicht die Küche zum eigentlichen Treffpunkt der Bewohner geworden?
Wir wissen einfach zu wenig – über unsere Bedürfnisse und über Architektur. So schließen wir bei einer Wohnungsbesichtigung vom hochwertigen Zubehör auf die Qualität der ganzen Wohnung. Ein Fehlschluss, meint der Münchner Architekt und Projektentwickler Sebastian Greim. „Die schönste Fliese nützt nichts, wenn die Wohnung keinen Abstellraum hat. Da kann ich dann in meiner 300 000 Euro teuren Dreizimmerwohnung Staubsauger und  Bügelbrett an der Wand aufhängen.“

Und dann erst die sinnlich-emotionalen Bedürfnisse, die kenne kaum einer, seufzt Rudolf Schricker, Vizepräsident des Bundes deutscher Innenarchitekten. Welches Licht, welches Material tut mir weh, was stimuliert mich? Wo möchte ich in einer Wohnung aufwachen? Wo könnte ein Lieblingsplatz sein, und hallt es da? Aber auch: Brauche ich überhaupt eine Wohnzimmerwand von sechs Metern, wie sie mir der Möbelhändler verkaufen will? Da mangele es an Selbstkenntnis.

Dabei spüren viele ihre Sehnsucht nach einer individuell passenden Haut, das zeigen schon die boomenden Einrichtungsshows im Fernsehen. Doch auch dort werde den Bewohnern die neue Inneneinrichtung nicht auf den Leib geschneidert, schimpft Schricker. Sie werden nicht einbezogen, sondern in Urlaub geschickt. Stylisten denken sich schnell-schnell „irgendwas Spektakuläres“ aus, sagt der Design-Professor, er kennt Leute, die dort jobben. Kommen die Bewohner zurück, machen sie große Augen – die fängt die Kamera ein. Zwei Wochen später, wenn die Bewohner die Wände umstreichen und Möbel verrücken, ist die Kamera nicht mehr dabei – „die Leute sind in hohem Maße unzufrieden“, erzählt Schricker.

Viele sehnen sich nach einer Wohnung, die individuell zu ihnen passt

In ihrer Unsicherheit halten sich viele lieber gleich an Herkömmliches. Auch wenn das gar nicht zu ihnen passt. Erstaunliches herausgefunden hat der Kasseler Architekt Marc Kirschbaum mit seinen Studierenden im interdisziplinären Forschungsprojekt „Architektur und Lebensstil“. Sie hatten 600 Studierende verschiedenster Fächer zu ihrem Lebensstil befragt, ihnen außerdem Zeichnungen von Hausdetails zur Bewertung vorgelegt. Ergebnis: Die Befragten hatten höchst unterschiedliche Freizeitvorlieben, Werte und Kleidungsstile, aber ganz ähnliche Architekturvorlieben: Satteldach, Erker und Dachgauben – fertig ist das Haus vom Nikolaus.

Und das bei jungen Menschen. Genau wie die Alten sagen sie angesichts eines Flachdachs: „Da fehlt ja das Dach.“ Der architektonische Bildungsgrad ist niedrig, stellt Kirschbaum fest, und er meint das nicht arrogant. Schließlich konnten die meisten Bürger und Bürgerinnen bislang wenig Einfluss auf Architektur nehmen. Vieles wurde ihnen einfach vor die Nase geklotzt – etwa die ungute 70er-Jahre-Architektur. Dann verzichten sie lieber gleich auf Neues. Kein Wunder, dass die Einfamilienhäuser von Flensburg bis Kempten in ihrer Grundstruktur so uniform sind.

Was aber kommt heraus, wenn Architekturstudierende für andere junge Leute ein Haus entwickeln, das genau zu deren Bedürfnissen passt? Aufreibende Auseinandersetzungen waren das in Kassel. Eine Psychologiestudentin, in ostdeutscher Platte aufgewachsen, wünschte sich eine Burg. Gothische Spitzbogenfester mit Drachenmotiven. Dem Architekturstudenten sträubten sich die Haare. Also ergründete er die Bedürfnisse hinter dem Burg-Wunsch und entwarf eine moderne Lösung: ein Haus, das stark wirkt, bei dem man nicht erkennen kann, was sich im Inneren abspielt – die „Auftraggeberin“ war begeistert.

Doch solch empathische Entwicklungsprozesse sind für die meisten Mietwohnungen schwer vorstellbar, da sie immer wieder von anderen Menschen bewohnt werden. Gibt es überhaupt eine gemeinsame Schnittmenge der Wünsche?

Ja, gibt es, sagt der Berliner Psychologe und Stadtsoziologe Armin Hentschel. Er hat mit seinem „Institut für soziale Stadtentwicklung“ im Auftrag von Mieterbund und einigen Wohnungsunternehmen 1600 Haushalte gefragt: Angenommen, Sie hätten die freie Wahl – welchen Grundriss finden Sie gut? Einige Befragte machten sogar einen Videorundgang durch die Auswahl-Wohnungen, schließlich kennen nicht alle ein Loft. Über die eigene Wohnung sprach man dabei tunlichst nicht, damit die Befragten die Modelle nicht gleich abglichen mit ihren finanziellen Möglichkeiten – „Eh zu teuer, gefällt mir nicht“.

Und so verschieden die Lebensstile heute auch sind, es gibt eine große Schnittmenge. Ob älterer Single oder junge Kleinfamilie, mehr als die Hälfte wünscht sich eine Küche, in der mindestens sechs Leute Platz haben. Und 77 Prozent halten einen Winkelbungalow, auch Gartenhofhaus genannt, für gelungen.

Intim wohnen, städtisch, aber auch im Grünen – was ist das? Eine Villa. „Eine große Gruppe der Menschen sind im Herzen Villenbewohner und unausrottbar naturverbunden“, sagt Wohnforscher Hentschel. Er empfiehlt nun den Wohnungsunternehmen, die Qualitäten der Villa intelligent in städtischen Etagenwohnungsbau zu übersetzen: kleinere Häuser mit übersichtlicher Nachbarschaft, mit Wohnküchen und – ganz wichtig – mit Balkons, auf die ein Tisch mit mindestens vier bequemen Stühlen passt.

Aber bitte nicht mehr diese übereinander gestapelten Flüster- und Überwachungsbalkons! Selbst Menschen, die Gesellschaft schätzen, werden grantig, wenn sie vom Nachbarbalkon Ehekrach und Handytelefonate mithören müssen. Also: optisch und akustisch private Freiflächen, am besten mit einem Teil als Loggia in die Wohnung gezogen.

Und, erhören die Wohnungsunternehmen des Forschers Vorschläge? „Wer die Bude voll hat, würden das nur bei Neubauten in Betracht ziehen, aber mit Hallo wurden unsere Vorschläge dort aufgenommen, wo dauerhaft hoher Leerstand ist und man die Wohnungen attraktiver machen muss.“ Und das sind immer mehr Regionen in Deutschland. So ensteht gerade eine historisch neue Situation: Bald muss man nicht mehr alles essen, was auf den Tisch kommt.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.