Geld gut anlegen

Warum die Fondsmanagerin ihren Job aufgab und heute das Klima schützt. Und der ehemalige Pfarrer Börsentipps gibt

Foto: Anne Gabriel-Jürgens/13Photo

Susan Dreyer

Susan Dreyer, 39, war als Fondsmanagerin bei einer Kapitalanlagegesellschaft für zwei Milliarden Euro Kundengelder verantwortlich. 2008 wurde sie für den besten deutschen Aktienfonds ausgezeichnet. Am Tag danach kündigte sie. Heute ist sie Deutschlandchefin von CDP, früher Carbon Disclosure Project, einer gemeinnützigen Organisation, die den Einfluss von Unternehmen auf den Klimawandel transparent macht. Susan Dreyer lebt in Berlin. Foto: Anne Gabriel-Jürgens /...

Uwe Lang

Uwe Lang, 70, ist Aktienanalyst und Anlageberater. Seit 1987 gibt er die „Börsensignale“ heraus und publiziert wöchentlich eine kostenlose Prognose auf boersensignale.de. Bis er 50 war, arbeitete er als evangelischer Pfarrer im bayerischen Leipheim. Anfang der 1990er Jahre entschied er, sich ganz dem Börsengeschehen zu widmen. Gottesdienste hält er seitdem ehrenamtlich. Uwe Lang ist verheiratet und hat zwei Töchter, er lebt in der Nähe von Augsburg....

chrismon: Frau Dreyer, Sie waren mit 34 Jahren eine der erfolgreichsten Fondsmanagerinnen Deutschlands. Auf dem Höhepunkt Ihres Erfolges warfen Sie alles hin. Warum?

Susan Dreyer: Ich habe acht Jahre lang Fonds gemanagt, mich um nichts anderes gekümmert als das. Aber ich grübelte immer öfter, was ich eigentlich so mit meinem Leben mache. Ein Jahr ging das so, dann wusste ich: Da musst du raus.

Wie äußerte sich das?

Dreyer: Meine Unzufriedenheit war immer mehr gestiegen, ich reagierte bei Kleinigkeiten gereizt. Dann fragte ich mich: Bist du an dem richtigen Platz in der Welt, wo du beitragen kannst zu etwas Gutem? Das konnte ich nicht mit Ja beantworten. Das ­Zweite war: Ich habe eine Welt geprägt, in der der Starke sich beim Schwachen bedient, wo der Egoismus gefeiert wird, und das hat dann nicht mehr zu dem gepasst, was mir im Herzen wichtig war. Ich bin nicht besonders stolz darauf, dass ich das acht Jahre lang nicht begriffen habe.

Herr Lang, Sie schieden mit fast 50 aus dem hauptamtlichen Pfarrdienst aus. Seitdem widmen Sie sich der Geldanlage.

Uwe Lang: Das war schon immer ein Hobby von mir: Wie legt man zweckmäßig Geld an? In den 1980er Jahren gab es kaum Literatur dazu. Und was es gab, war oft falsch. Dann habe ich ein Buch geschrieben, 14 Auflagen gab es. Allmählich merkte ich, zwei Dinge zugleich tun zu müssen, ist schwierig. Ich habe ­­meinen Beruf als Pfarrer sehr gern ausgeübt, aber ich wurde ­immer wieder aufgefordert, einen Börsenbrief zu machen.

Dreyer: Das ist schon ziemlich konträr – vom Pfarrer zum Anlage­berater, oder nicht?

Lang: Ich sehe mich vor allem als Journalist. Ich will die Menschen beraten. Diejenigen, die sehr viel Geld haben, haben ihre eigenen Vermögensverwalter. Der normale Bürger hat niemanden, der ihn objektiv berät. Mir ist ganz wichtig, dass die Leute nicht in die Fänge von Geldhaien geraten. Fondsmanager ziehen sehr viel Geld aus den Leuten. Fonds habe ich auch immer abgelehnt.

Dreyer: Was empfehlen Sie den Leuten? Aktien? Sparbriefe?

Lang: Einzelaktien, weil das die einzig rentable Geldanlage ist im Moment – außer der selbst genutzten Immobilie, die natürlich immer lohnenswert ist.

Dreyer: Welche Aktien empfehlen Sie im Moment?

Lang: Im Moment haben europäische Bankaktien großen Nachholbedarf, sie sind auf einem relativ niedrigen Niveau. Man muss allerdings aufpassen. Es kann sein, dass es im Lauf des Jahres noch eine Wende gibt, und dann muss man rechtzeitig verkaufen.

Erhöht es Ihre Glaubwürdigkeit, dass Sie Pfarrer waren?

Lang: Ich habe das Gefühl, dass das schon der Fall ist. Es gibt auch etliche Pfarrerskollegen, die mich um Rat fragen.

Lesermeinungen

Sehr interessanter Bericht! Danke.

Anselm schrieb am 8. Mai 2014 um 15:18: "Denken Sie mal gründlich darüber nach, wie das kommt." Mit der Aufforderung zum Nachdenken liegt man in den seltensten Fällen falsch. Bei der Aufforderung, über Zinsen, Dividenden, erfolgreiche Geschäftstätigkeiten, gelungene Investitionen und sonstige Wege der Geldvermehrung nachzudenken, dürften sich eine ganze Reihe ziemlich widersprüchlicher Antworten einstellen. Die zutreffenden passen mit Sicherheit nicht in einen Text von üblicher Länge für einen chrismon-Leserkommentar. ________________________ Zitat: "Pfui!....Die Röte in Ihrem Gesicht kommt dann wirklich von selbst." Ergibt sich als Folge der Erklärung der Geldvermehrung ein Schamgefühl auf Seiten derer, die die Segnungen der Geldvermehrung genießen können, dann war die Erklärung mit Sicherheit gründlich falsch. Ergibt sich statt dessen auf Seiten derer, die die Geldvermehrung herbeiführen und gerade deswegen lebenslang in die Röhre schauen, das Wissen, warum Moral das Letzte ist, was sie brauchen, dann könnte die Erklärung vielleicht richtig gewesen sein.

Sie halten es also für normal, dass Ihr Geld sich vermehrt, ohne dass Sie einen Finger dafür krumm machen? Denken Sie mal gründlich darüber nach, wie das kommt. Die Röte in Ihrem Gesicht kommt dann wirklich von selbst.

Bravo!
Uwe Lang habe ich persönlich 1987 in seiner damaligen Pfarrei in Leipheim besucht, nachdem ich morgens auf der Fahrt nach Stuttgart ein lokales Radio-Interview über ihn und die "Starfighter-Witwen" gehört hatte, die zuvor in seiner Pfarrei einen "Aktienklub"gegründet hatten und von Uwe Lang dann später sehr erfolgreich beraten worden waren.

Seit 1984 hatte ich mich als Handelsvertreter für organische Chemikalien ( Polyole) selbstständig gemacht. Ihm schilderte ich nun in Leipheim mein Anliegen, für meine Familie vorsorgen zu wollen. Damals waren meine Provisionseinkünfte denkbar gering und ich wollte daher das wenige Geld solide anlegen. Er nahm mich als wohl einer der ersten Nicht-Angehörigen seiner Pfarrei in die Liste der Abonnenten seiner "Börsensignale" auf.

Anfangs war ich skeptisch und entschied oft genug weiterhin "aus dem Bauch heraus."

Aber nach der Lektüre seines ersten Buches " Der Aktienberater" war ich überzeugt und warte seitdem stets neugierig auf seine 2-wöchentlichen Signale, die stets in einem klaren Deutsch und in einem willkommen nüchternen Stil verfasst werden. Seine Empfehlungen auf der Grundlage seiner von ihm selbst gewonnenen Erkenntnisse zum Börsengeschehen sind Vorbild für die Auswahl auch meiner Aktien, die mir über viele Jahre einen deutlichen Vermögenszuwachs beschert haben.

Meine recht magere Rente wird nun bereits seit Jahren mittels der Zugewinne aus einem Portfolio von Aktien ergänzt, das mir jenes von finanziellen Sorgen befreite Dasein ermöglicht, das ich seinerzeit angestrebt hatte.

Dankeschön, lieber Herr Lang!

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