Begegnung zur Streitkultur

Warum so stur?
Ich habe recht, und du bist gemein. Renate Jaeger und Susanne Breit-Keßler fragen sich, ob wir das Streiten verlernt haben.

Foto: Sebastian Arlt

Susanne Breit-Keßler

Susanne Breit-Keßler ist Autorin der Kolumne "Im Vertrauen". Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD. Sie war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Susanne Breit-Keßler ist...

Renate Jaeger

Dr. h.c. Renate Jaeger ist Juristin. Sie leitet seit Anfang 2011 die neu eingerichtete Schlichtungsstelle der Rechtsanwaltschaft, die bei Konflikten zwischen Rechtsanwälten und Mandanten vermittelt. Davor war sie Richterin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, Richterin am Bundesverfassungsgericht und am Bundessozialgericht. Foto: Sebastian Arlt

chrismon: Das hat ja schnell geklappt mit Ihnen beiden – oft will bei unseren Begegnungen keiner dem anderen entgegenkommen...

Susanne Breit-Keßler:
Könnte es sein, dass es sich da eher um Männer handelt? Frauen sind ja trainiert darauf, verschiedene Ansprüche unter einen Hut zu bringen, Kompromisse zu schließen. Bei mir ist es so: Ich habe zwar für mein Leben gern recht. Aber es fällt mir auch leicht nachzugeben. Zu sagen: Ich habe mich geirrt. Oder: Ich lasse mich auf einen Termin, ein neues Thema ein.

Renate Jaeger: Ich habe ungefähr im Alter von 40 kapiert, dass viele Männer die Strategie haben, bedeutend zu wirken, indem sie den Terminkalender zücken und sagen: Also, da geht’s nicht, und da geht’s auch nicht. Ich habe mich entschlossen, genau das Gegenteil zu machen und zu sagen: Bei mir geht es immer! Diese Taktik ist total aufgegangen. Wenn ich jetzt mal nicht kann, kommt keiner auf die Idee, dass ich zickig sein könnte. Man weiß, dann geht es ernsthaft nicht.

Breit-Keßler: Das kann ich gut nachvollziehen. Ich schaue auch in den Kalender mit dem Ziel: Das muss gehen! Ich habe mich immer in alle Herausforderungen hineingestürzt wie am Strand in die Meeresbrandung. Eine Aufgabe, ein Gespräch mit Frau Jaeger? Super, die kenne ich noch nicht, das muss jetzt einfach klappen. Ich werde durch solche „Überraschungen“ bereichert. Ich gebe nach – indem ich Termine verschiebe für unser Gespräch. Und ich gewinne etwas! Ein zweiter Effekt ist: Ich kann mir dann auch mal erlauben, auf andere zuzugehen und um etwas zu bitten. Ein Beispiel: Meine Schwiegerfamilie. Da gab es am ersten Weihnachtsfeiertag Gans. Immer! Ich bin an diesem Tag aber erschöpft, hatte viele Gottesdienste, viel Arbeit. Zu meiner Schwiegermutter habe ich gesagt: Liebe Renate, wäre es möglich, das mal zu verschieben? Und sie: Klar, warum denn nicht, ist doch gleich, ob erster oder zweiter Feiertag. Wenn dir das guttut, machen wir es anders. Alle in der Familie waren total perplex – das machen wir doch seit 100 Jahren so! Aber es war ganz einfach!

Lesermeinungen

Warum sieht frau jäger mit 72 jahren auf
Ihrem bild jünger als Ihre kollegin von 52 jahren aus?
Bei google finde ich bilder, die der realität entsprechen. Wenn crismon bilder jetzt auch noch derart manipuliert, wann bitte, dürfen frauen älter werden und so aussehen? Wir sind doch nicht alle bei film oder tv

Mfg a praus

Manche Menschen können nichts dafür, dass sie so sind, wie sie sind, das macht sie ja so einzigartig.

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