Sexskandale bei Hilfsorganisationen

Auch bei den „Guten“ gibt es Böse
Schlimm, was da gerade in der großen und wachsenen Branche von Hilfsorganisationen passiert. Sollte man deshalb weniger spenden? Nein, aber noch besser hingucken

Bei Oxfam in Haiti, beim Weißen Ring in Lübeck oder bei Ärzte ohne Grenzen und in anderen Hilfsorganisationen haben Mitarbeiter ihre Macht schändlich ausgenutzt – gegenüber Menschen, denen sie hätten helfen sollen. Sexueller Missbrauch ist ein grausames Verbrechen, gleichgültig von wem und wo er geschieht. Konsequente Aufklärung und Strafver­folgung sind nötig.

Dorothea Heintze

Dorothea Heintze kümmert sich bei chrismon vor allem um den Onlineauftritt und schreibt dazu gerne für die unterschiedlichsten Rubriken im Heft. Neben der Tätigkeit bei chrismon arbeitet sie als freie Autorin für Radio, Printmedien und als Buchautorin und engagiert sich seit Sommer 2014 als Gründungsmitglied von ProQuote Medien für mehr Frauen an der Spitze in den deutschen Medien. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg und pendelt regelmäßig nach Frankfurt. 
Lena UphoffDorothea Heintze

Doch wie immer gilt aber auch hier: Wir sollten zumindest versuchen, das ganze Bild zu sehen. Der Skandal um die Sexualverbrechen in der Hilfsbranche erinnert mich an die Biobranche. Auch dort werden ­häufig in Bausch und Bogen alle Bio­bauern an den Pranger gestellt, wenn einige wenige von ihnen verbotene Inhaltsstoffe an ihre Kühe verfüttern. Die Erkenntnis, dass auch vermeintlich „Gute“ wirklich böse sein können, scheint viele von uns ­immer wieder im tiefsten Inneren zu erschüttern.
Ehrlich gesagt: mich nicht. Ich weiß, auch ein Biobauer kann ein mieser Typ sein. Oder eben jetzt: Auch ein Entwicklungshelfer, eine Entwicklungshelferin oder ein Mitarbeiter des Weißen Rings kann ­kriminell sein. Kaufe ich wegen des ersten Beispiels weniger Bio? Nein, ich guck nur noch genauer hin. Spende ich jetzt weniger? Nein, ebenfalls nicht. Ich vertraue auf die Kontrollmechanismen, die ja bei der Biobranche sehr gut funk­tionieren – sehr viel besser im ­Übrigen als in der konventionellen Lebensmittelbranche. Genau das wünsche ich mir jetzt auch für ­Oxfam, Unicef und alle anderen ­Organisationen.

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