Mahlzeit: Susanne Breit-Keßler über ihre neue Kolumne

Mahlzeit!
Susanne Breit-Kessler

Monika Hoefler

Was gibt es da noch zu sagen: Der Ruf sagt doch schon alles. Oder?

Mahlzeit! Um die Mittagsstunden schallt einem allenthalben dieser muntere Ruf auf Fluren und Gängen entgegen. Er wird quer über die Tische in Kantinen geschmettert und von einer Straßenseite zur anderen gebrüllt. Besonders apart, wenn man sich gerade auf der Toilette die Hände wäscht und einem jemand vertraulich "Mahlzeit!" zuraunt.

Susanne Breit-Keßler ist Autorin der Webkolumne "Mahlzeit!". Viele Jahre schrieb sie die Kolumne "Im Vertrauen" für chrismon. Seit 2000 ist sie Regionalbischöfin des evangelischen Kirchenkreises München-Oberbayern und seit 2003 Ständige Vertreterin des bayerischen Landesbischofs. Ihre journalistische Ausbildung absolvierte sie bei der Süddeutschen Zeitung und beim Bayerischen Rundfunk. Mehrere Jahre sprach sie "Das Wort zum Sonntag" in der ARD. Sie war bereits Autorin des chrismon-Vorläufers "...
Monika Höfler

Mahlzeit! Warum eigentlich, wenn man unterwegs ist und das Essen noch gar nicht auf dem Tisch steht, jemand lieber joggt oder auf Shoppingtour geht, statt zu essen? Wenn eine mit Akten bepackt durch die Gegend rennt, ein anderer wegen wichtiger Telefonate gar nicht zum Essen kommt oder sowieso lieber ackert, als ein Päuschen zu machen?

"Mahlzeit!" ist eigentlich eine Verkürzung

Mahlzeit! Ich bin keine große Freundin dieser kurzen Floskel. Aber Moment mal. Mahlzeit! ist eine Verkürzung des Wunsches "Gesegnete Mahlzeit". Das ist doch gleich was ganz anderes: Gesegnet soll sein, was man da isst - von seinem Ursprung bis dahin, dass es einem auch wohl bekommt. Prosit, sozusagen: Es möge dir von Nutzen sein.

Warum also nicht einfach warten, bis man wirklich zu Tisch sitzt? Und dann das Essen anschauen, sich ins Gesicht blicken, ein Gebet sprechen - still, unauffällig für sich oder gemeinsam - und in aller Ruhe sagen: "Gesegnete Mahlzeit wünsche ich." Sie meinen mit Friedrich Schiller: "Prost Mahlzeit! da fällt das Ganze gleich. Die Furcht ist weg, der Respekt, die Scheu ..."?

Warten Sie's ab. Wir lesen uns wieder. Zum Thema Mahlzeit. Sie werden sich wundern, was es da alles zu besprechen gibt.

Information

Mahlzeit - die Webkolumne von Susanne Breit-Keßler:

Essen und Trinken - das ist mehr als Nahrungsaufnahme. Beides hält Leib und Seele zusammen. Und darüber Neues zu lesen, macht den Geist fit. Guten Appetit!

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Lesermeinungen

Sie klagen zu Recht. Der Gruß als Zeichen des guten Willens, die persönliche Ansprache, die Aufmerksamkeit und nicht zuletzt auch der Abschied, alle persönlichen Sozialkontakte sind mit Minimalfloskeln ritualisiert und reduziert worden. Das "How are you?" fordert keine Antwort, Tschö muß neben Moin für alles, ohne den Kopf zu heben, reichen. Ein intensivere und persönliche Formulierung ist eine verbale Vergeudung und könnte ja nur vom "Fun" und dem Tempo zur Selbstverwirklichung ablenken. Dieser egoistische Hedonismus ist das Produkt einer schrankenlosen Freiheit. Das Ergebnis ist eine Unfreiheit in Form eines persönliches "Gefängnisses", eine Isolation für die eigenen Gefühle und den evtl. nach Hilfe rufenden Emotionen. Ein sich selbst erfüllender Widerspruch.

"My Home is my castle". Ich bin mir selbst genug. Ich will von niemand was und bin deshalb auch niemandem verpflichtet. Ich zahle die Steuern und damit ist genug getan. Ich brauche keinen Verein um mich zu beweisen. So lauten die Stereotypen. Die Halbwertzeit dieser Oberflächlichkeiten beginnt spätestens dann, wenn die eigenen Möglichkeiten aus natürlichen Gründen zur Neige gehen, man sich selbst als "der Nächste" nicht mehr als vollwertig fühlen kann. Dann kommt die Klage, die Anklage an die Gesellschaft, der man noch kürzlich teilnahmslos gegenüber stand. Dann ist man es nie gewesen, der sich selbst gegenüber dem Nächsten verleugnet hat, der sich weigerte, seine Nachbarn zu kennen, der keine Gesellschaft brauchte. Dieser Selbstbetrug ist leider allzu menschlich, deshalb aber immer noch nicht verzeihlich. Für den, der sich nur für sich verantwortlich fühlte und der es nicht verkraften kann, der Verantwortung der Anderen verpflichtet zu sein, der nimmt ein schreckliches Ende. Wenn er denn dazu noch den Mut hat. Aber den „Mut“ wünscht man nicht dem Nächsten, der über sich selbst verzweifelt ist. Bleibt als Ausweg für die hemmungslosen Hedonisten nur noch die Lüge, mit der man sich selbst verklärt.