Quiz-Auflösung

Adventliches

Viele Adventslieder zitieren Bibelverse. Worauf spielt „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“ an?

A   Auf Psalm 24: „Machet die Tore weit“
B   Auf Psalm 100: „Gehet zu seinen Toren ein mit Danken“
C   Auf Jesu Einzug in Jerusalem, Markus 11
D   Auf die klugen und die törichten 
Jungfrauen, Matthäus 25

Richtig A: Zweimal erfolgt der Aufruf in Psalm 24: "Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!" - in den Versen 7 und 9. Beide Male schließt sich ein Frage- und Antwortspiel an: "Wer ist der König der Ehre? Es ist der HERR . . ." Man kann sich diese Verse als Teil einer altisraelitischen Prozession auf den Tempelberg vorstellen, bei der Priester die Lade mit dem Thron Gottes vor die Tempelmauer tragen und mit diesen Versen um Einlass ins Tempeltor bitten. Es wird also die Ankunft Gottes geschildert. "Es kommt der Herr der Herrlichkeit", heißt es deshalb auch in diesem Adventslied. Nicht aber geht es die Ankunft der Gläubigen, wie in Psalm 100 geschildert (Antwort B), und wie es das Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen erzählt (Antwort D).

Der altpreußische Rektor, Pfarrer und Lieddichter Georg Weissel (1590-1635) verstand die Verse aus Psalm 24 anders, als einst die alten Israeliten. In gut christlicher Tradition bezog er sie auf Christus, dessen Ankunft im Advent gefeiert wird. Wie Jesus am Palmsonntag in Jerusalem als König auf einem Eselsfüllen einzog, so zieht Christus im Advent in die Herzen der Gläubigen ein (insofern ist auch Antwort C nicht ganz falsch). Die Gläubigen sollen im Advent ihre Herzen für Christus öffnen: "Komm, o mein Heiland Jesu Christ", so lautet die fünfte und letzte Strophe, "meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein, dein Freundlichkeit auch uns erschein. Dein Heilger Geist und führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit. Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr."

 

Welche Prophetenverse greift 
„Tochter Zion, freue dich“ auf?

A   Numeri (4. Mose) 24: „Es wird ein Stern aus 
Jakob aufgehen“
B   Jesaja 7:„Siehe, eine Jungfrau ist schwan
ger und wird einen Sohn gebären“
C   Micha 4: „Sie werden ihre Schwerter 
zu Pflugscharen machen“
D   Sacharja 9: „Siehe, dein König kommt 
zu dir . . . und reitet auf einem Esel“

Richtig D: "Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin", lautet der Vers aus Sacharja 9,9 vollständig. Die Rede ist von einem König, der einige Jahrhunderte vor Christus mit jüdischen Heimkehrern aus dem Exil wieder in die noch immer zerstörte und ärmliche Stadt Jerusalem einziehen sollte - aber es dann wohl leider nie tat. Eine babylonische Streitmacht hatte 586 vor Christus Jerusalem zerstört und die Oberschicht ins Exil geführt, Perser hatten fast ein halbes Jahrhundert später, 538 vor Christus, den Exilierten die Rückkehr nach Jerusalem und den Wiederaufbau der Stadt ermöglicht. Doch sowohl Rückkehr als auch Wiederaufbau blieben aus; Jerusalem blieb noch lange eine Ruinenstadt. Sacharja war einer von vielen Propheten, die zu Heimkehr und Wiederaufbau ermunterten - unter anderem mit diesem Vers. Leider mit nur mäßigem Erfolg.

Später, zu Jesu Zeiten, bezog man den Vers auf einen Heilsbringer, der in Jerusalem einziehen würde. Als Jesus eine Woche vor seiner Kreuzigung auf einem Eselsfüllen in Jerusalem einzog, verstanden viele dies als Erfüllung von Sacharjas Ankündigung. Die Leute am Wegesrand riefen "Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!" (Markus 11). Das Adventslied von Friedrich Heinrich Ranke (1798-1876) deutet diese Szene auf die Ankunft des Heilands im Advent: "Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem! Sieh, dein König kommt zu dir, ja, er kommt, der Friedefürst. Tochter Zion, freue dich, jauchze laut, Jerusalem!" Wobei mit der "Tochter Zion", also der Einwohnerschaft Jerusalems, hier die christliche Gemeinde gemeint ist.

 

Worauf bezieht sich „O Heiland, 
reiß die Himmel auf“?

A   Auf den Anfang der Bibel (1. Mose 1), 
als Gott Himmel und Erde trennt
B   Auf Jesaja 64: „Ach, dass du den 
Himmel zerrissest und führest herab“
C   Auf Jesu Jubelruf, Lukas 10: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie einen Blitz“
D   Den Streit im Himmel (Offenbarung 12)

Richtig B: "Ach dass du den Himmel zerrissest und führest herab, dass die Berge vor dir zerflössen", betet ein anonymer Prophet unter dem Namen Jesaja zu einer Zeit, als er sich von Gott Hilfe für sein gedemütigtes Volk erhofft: "wie Feuer Reisig entzündet und wie Feuer Wasser sieden macht, dass dein Name kundwürde unter deinen Feinden und die Völker vor dir zittern müssten." (Jesaja 63,19 - 64,1). Es ist der Wunsch nach einem Machterweis Gottes für sein frommes Volk in einer Zeit, in der Gott passiv und fern erscheint.

Daniel Sudermann (15,50-1631), Erzieher der im Brüderhof zu Straßburg wohnenden Studenten und ein Verehrer der alten Mystiker, verstand dieses poetische Flehen des Jesaja als Ausdruck einer Sehnsucht nach Gottes Ankunft in den Herzen der Gläubigen. Der Heiland solle die verstockten und verschlossenen Herzen und Seelen aufreißen und sie erfüllen. "O Heiland, reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf, reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für." Sudermanns Lied passt zu der Metaphorik von "Macht hoch die Tür". Auch da geht es um die Türen und Tore der Herzen. Wohl deshalb ist es in die Reihe der Adventslieder aufgenommen worden und steht am Anfang des Evangelischen Gesangbuchs (Nr. 7).