Was ich mir wünsche
Die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum PapstDer Begriff Papst, lateinisch: papa, ist ursprünglich ein Ehrentitel, der bis zum siebten Jahrhundert allen Bischöfen gegeben wurde, danach aber immer mehr ausschließlich dem Bischof von Rom zukam. Nach dem katholischen Kirchenrecht besitzt der Papst die oberste, volle und unmittelbare Gewalt in der Kirche, über die er frei verfügt. Sein Einfluss gleicht damit dem eines absoluten Monarchen. Er steht nach katholischem Verständnis über den Konzilien und Bischofskollegien. Seine Entscheidungen bedürfen keiner Bestätigung, gegen sie ist keine Berufung an eine andere Instanz möglich. Die evangelische Kirche vermag in ihm den Bischof von Rom und den obersten Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche zu sehen, nicht aber den exklusiven Stellvertreter Christi auf -Erden. Dieses Amtsverständnis begründet die katholische Kirche damit, dass der Papst der Nachfolger des Apostels Petrus sei. fand weltweit größte Aufmerksamkeit und war begleitet von riesigem Jubel. „Das hat was“ und gleichzeitig „Das ist nicht meins“ – waren meine spontanen Gefühle beim Betrachten der Fernsehbilder. Fasziniert und gleichzeitig befremdet habe ich die Wahl und die Inthronisation des neuen Papstes Franziskus in den Medien verfolgt.
Wenige Wochen nach seinem Amtsantritt bin ich mit Papst Franziskus in Rom zusammengetroffen. Die Begegnung mit ihm war überaus herzlich und hat in mir die Hoffnung geweckt, dass einiges in ökumenischer Gemeinsamkeit möglich ist – auch im Hinblick auf das Reformationsjubiläum 2017.
Hat der Papst eine besondere Stellung gegenüber anderen Bischöfen und Pfarrern?
Meine Skepsis gegenüber dem Papstamt bleibt jedoch bestehen. Schon Philipp Melanchthon, Vertrauter und Professorenkollege von Martin Luther in Wittenberg, bestritt im 16. Jahrhundert, dass sich aus der BibelDie Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15. Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste Quelle. für den Papst als Nachfolger Petri eine besondere Stellung gegenüber anderen Bischöfen und Pfarrern ableiten lasse. Melanchthon argumentierte so: „Und wenn gesagt wird: ‚Weide meine Schafe‘ (Johannesevangelium 21,17), ferner: ‚Liebst du mich mehr als diese?‘ (Johannesevangelium 21,15), so folgt daraus noch nicht, dass dem Petrus„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen“: In goldenen Lettern ziert dieser Vers aus Matthäus 16, 18 die Kuppel des Petersdoms in Rom. Nach katholischer Auffassung begründet der Ausspruch Jesu die Autorität des Papstes über alle anderen Bischöfe und Priester. Als Bischof von Rom sei der Papst nämlich Nachfolger des Apostels Petrus. Dass Petrus tatsächlich Bischof von Rom war, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Zudem hatten die römischen Bischöfe bis ins fünfte Jahrhundert nur wenig Einfluss auf Lehrentscheidungen der Kirche. Erst Leo I. (440 bis 461) setzte den Primatsanspruch Roms durch. Die Bezeichnung „Papst“ stammt aus dem 11. Jahrhundert, das Unfehlbarkeitsdogma aus dem Jahr 1870. – Nach evangelischer Auffassung hat Jesus mit dem Ausspruch dem Apostel Petrus seine Aufgabe in der Urchristenheit zugewiesen. Und wenn Jesus ihm anschließend die Schlüsselgewalt gibt, Sünden zu vergeben, dann weist er diese zugleich der ganzen Kirche zu, nicht nur dem Papst. eine besondere Oberherrschaft gegeben sei. Er befiehlt nämlich zu weiden, das ist: das Wort predigen und die Kirche mit dem Wort leiten, was dem Petrus gemeinsam mit den übrigen Aposteln zukommt.“
Protestantinnen und Protestanten akzeptieren den Anspruch des Papstes nicht, er habe das letzte Wort über Glaubenswahrheiten, ethische Grundsatzentscheidungen und kirchenrechtliche Urteile. Und reformatorisch geprägte Menschen befremdet auch: Der Papst ist das Oberhaupt eines Staates. Dass Kirche aber keine „staatliche Art“ hat, ist für unsere Kirche in der fünften These der Barmer Theologischen Erklärung aus dem Jahr 1934 verbindlich formuliert.
Wir suchen das Gespräch mit den römisch-katholischen Kirche
Unsere römisch-katholische Schwesterkirche denkt theologisch anders über das Amt des Papstes. Das haben wir zu respektieren in der Gewissheit, dass wir bei aller Verschiedenheit als Kirche Jesu Christi zusammengehören. Und wir suchen gern das geschwisterliche Gespräch mit den Amtsinhabern.
Der neue Papst hat sich den Namen Franziskus gegeben. Das war überraschend und weckt auch bei evangelischen Christinnen und Christen die Hoffnung auf neue Aufbrüche. Der Name Franziskus, übernommen von Franz von Assisi, der mit anderen den Armutsorden der Franziskaner gründete (um das Jahr 1209), steht für eine Skepsis gegenüber Prunk und Reichtum, für bescheidenes Auftreten, für die Perspektive der Armen, für das Teilen materieller Güter bei der Suche nach Frieden und sozialer Gerechtigkeit und nicht zuletzt für den Respekt gegenüber der Natur als Schöpfung Gottes.
Seine pastorale Haltung kann zu Neuaufbrüchen führen
Wie Papst Franziskus dieses Denken umsetzen wird, bleibt abzuwarten. Und ich bin gespannt, ob und wieweit er bereit sein wird, während seiner Amtszeit die Frage der Gerechtigkeit etwa auf die Rolle der Frauen in der Kirche zu beziehen. Nach meinem Besuch habe ich den Eindruck gewonnen, dass ihn seine pastorale Grundhaltung zu manchen Neuaufbrüchen leiten kann.
Ich hoffe und wünsche Papst Franziskus, dass es ihm gelingt, dies deutlich zu machen: Der Kirche geht es in erster Linie um eine Einladung an die Menschen, ihr Leben an Gottes Wort auszurichten und Jesus in seiner Menschennähe und Menschenliebe nachzufolgen.


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