Schulsystem in Costa Rica

Die Elite bleibt unter sich
Schulkantine in San José

Foto: Ulises Gonzales

Costa Rica legt viel Wert auf Bildung. Wer kann, zieht trotzdem die privaten den öffentlichen Schulen vor

Wenn der Schulbus morgens zweimal hupt, schrecke ich noch immer auf. Dabei holt er nur die Nachbarjungen ab, unsere Tochter fährt ja nicht mehr mit. Der Bus bringt die Kinder zur deutschen Humboldt-Schule, drinnen sitzen sie schon in ihren Schuluniformen: weiße Polohemdchen mit schwarz-rot-goldenen Streifen an den Bündchen und schwarzen Hosen oder Röcken. Die meisten hören Musik über Kopfhörer. Alle haben ein iPad dabei, das ist von der Grundschule bis zum Abi ob­ligatorisch an dieser Schule.

Bettina Lutterbeck

Bettina Lutterbeck kam als Entwicklungsfachkraft von Brot für die Welt nach Costa ­Rica und arbeitet dort als freie Autorin.
Foto: Ulises Gonzales
Unsere jüngste Tochter Julika fährt seit einiger Zeit mit öffentlichen Bussen zur Humboldt-Schule, auch wenn sie eine Stunde länger braucht. „Das Geld, das ihr so spart, müsst ihr an Techo spenden“, forderte sie. Techo ist eine soziale Organisation, bei der sie mitgearbeitet hat und die ihr den Blick für ein anderes Costa Rica geöffnet hat. Städtische Slums und ländliche Armensiedlungen, wo die Familien nicht viel mehr als eine Matratze, ein paar Kleidungsstücke und ein löchriges Dach über dem Kopf haben. Sie lernte die 13-jährige Abigail kennen, die froh ist, dass ihre Schule in diesen Ferien die Kantine nicht schloss und sie dort täglich umsonst essen konnte. Seit einem Jahr finanziert das Bildungsministerium ein solches Angebot an über 500 Brennpunktschulen.  

Costa Rica legt viel Wert auf Bildung, die Alphabetisierungsrate ist mit 97 Prozent eine der höchsten in Lateinamerika. Fast 90 Prozent der Kinder besuchen staatliche, kostenlose Schulen. Aber wer Geld hat, wählt in der Regel eine der „guten“ privaten Schulen für sein Kind: die deutsche, die britische, die französische oder eine von mehreren US-amerikanischen Schulen. Das Schulgeld von monatlich 500 bis 1500 US-Dollar garantiert, dass die Elite des Landes unter sich bleibt – Bauarbeiter oder Hausangestellte verdienen knapp 300 bis 400 US-Dollar. 

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Lesermeinungen

"Fast 90 % der Kinder besuchen staatliche , kostenlose Schulen. Aber wer Geld hat, wählt in der Regel eine der "guten" privaten Schulen für sein Kind : die deutsche, die britische, die französische, oder eine von mehreren US-amerikansichen Schulen." Es ist doch ein No Go, sehe ich ähnlich, dass "Bauarbeiter oder Hausangestellte " da ausgeschlossen werden. Diskriminierung und großes Unrecht, und Hilfsorganisationen als trojanisches Pferd ?
Welches Recht hat Costa Rica auf ein elitäres Denken ! Dubios.
In Bettina Lutterbecks Denken verbergen sich, meiner Ansicht nach, erhebliche Ungereimtheiten auf.