Musiktipp von Claudius Grigat: Das Weihnachtsoratorium vom Ensemble Resonanz

Jauchzet und frohlocket, auch ohne Orchester

 Ensemble Resonanz: Weihnachtsoratorium. Resonanzraum RecordsPR
Für die Musikerinnen und Musiker des Ensembles Resonanz, das sich sonst eher seltenen Stücken aus Vergangenheit und vor allem auch Gegenwart widmet, gehört Bachs Weihnachtsoratorium – eher so etwas wie Klassik-Mainstream – zum Fest wie das Plätzchenbacken und der Krippenaufbau. Deswegen haben sie die Vorstellung entwickelt, dass man das Ganze doch auch als Hausmusik spielen können müsste, mit dem, was man zu Hause vorfindet, und zusammen mit denen, die in der Nähe oder besser: einem nahe sind. „Wir spielen ein innig geliebtes Werk mit den Mitteln, die wir im Freundeskreis haben“, sagt Juditha Haeberlin, die Konzertmeisterin des Ensembles, über die Grundidee der Inszenierung: „Kammerbesetzung, E-Gitarre und Vintage Keyboards. Eine Trompete macht den Job von dreien und bei den Chorälen stimmen alle mit ein.“ Und das funktioniert. Und wie! Das, was man als so festlich-bombatisch im Ohr hatte, bekommt plötzlich einen ganz intimen Klang, illustriert gleichsam die Feier des Christfests mit Freunden und Familie in der „guten Stube“. Die Künstlerinnen und Künstler nähern sich dem Werk offen und doch respektvoll. Und die sacht modernisierte Umsetzung ihrer Auswahl von dreißig Chören, Arien, Rezitativen und Chorälen lässt die Zuhörenden einmal mehr neue Seiten an Bachs Geniestreich entdecken und eröffnet die Möglichkeit, einzelnen Themen und Motiven nachzusinnen, ohne im Wiedererkennen zu erstarren. Aber auch, ohne dass so etwas wie die Geborgenheit des Bekannten verloren geht. Das Ensemble Resonanz macht das Weihnachtsoratorium schlicht wieder: interessant. Und dabei trotzdem zu nichts weniger als einem Genuss!

Ensemble Resonanz: Weihnachtsoratorium. Resonanzraum Records

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