Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" (EVZ)

Die letzten Zeitzeugen

Foto: Stiftung EVZ/Lesya Kharchenko

Das Ende des Zweiten Weltkriegs hätte für Franz Brschesizki auch das Ende seiner ­Leidenszeit sein können. Der 20-jährige ­Ukrainer hatte als antifaschistischer Untergrundkämpfer mehrere Jahre in Konzen­trations­­lagern verbracht. Doch nach der Befreiung und Heimkehr 1945 wurde er wieder interniert – diesmal von den Stalinisten, die ehemalige Gefangene wie ihn verdächtigten, mit dem Feind kollaboriert zu haben. Für viele NS-Opfer war es nach 1945 nicht möglich, in ihr altes Leben zurückzukehren. Zwangs­arbeiter, Kriegsgefangene oder KZ-Über­lebende mussten sich mühsam eine neue Existenz aufbauen, oft wurden sie weiter verfolgt. Heute, im Alter, leben viele in Armut und sozial isoliert. Die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ unterstützt in Mittel- und Osteuropa, Israel und Deutschland Projekte, die das Leben der NS-Opfer verbessern, darunter Begegnungsstätten, Pflegedienste oder juristische Beratung­stellen. Brschesizki, der 1955 aus dem Gulag heimkehrte, lebt heute in der Region Schitomir im Norden der Ukraine. Er besucht regelmäßig ein Gemeinschaftszentrum. Er sagt, er könne seine Geschichte dort mit jungen Leuten teilen. Das tue ihm gut. 

Fragen an Elke Braun, Referentin der Stiftung EVZ

Wie viele Hilfsprojekte unterstützen Sie?
Pro Jahr fördern wir etwa 150 bis 200 Projekte in 18 Ländern. 90 Prozent unserer ­Fördergelder gehen nach Russland, Belarus, Polen, Tschechien, Israel, Deutschland oder in die Ukraine.

Welche Kriterien legen Sie bei der Auswahl an?
Die Projekte müssen nicht speziell für NS-Opfer eingerichtet sein, aber sich auch an diese Zielgruppe wenden. Sie sollen diesen Menschen helfen, ein würdiges Leben zu führen und ein Teil der Gemeinschaft zu sein.   

Sind sie das denn nicht?  
Viele haben nach der Leidenszeit in Lagern oder Gefangenschaft keine Familien gründen können. Fremden von den traumati­schen Erlebnissen zu erzählen, fällt ihnen schwer. So bleibt vieles im Verborgenen. Oft hören wir: „Ach, die Zeitzeugen sind doch alle schon tot.“ Das stimmt einfach nicht.

Spendenkontakt: 

Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ),
Lindenstraße 20–25, 10969 Berlin,
Tel. 030 25 92 97-0, E-Mail: info@stiftung-evz.de, www.stiftung-evz.de.

Bankverbindung:
Stiftung EVZ,
IBAN: DE64 1004 0000 0230 9060 00,
Commerzbank AG SWIFT-BIC: COBADEFFXXX.
Stichwort: chrismon/Spenden für NS-Opfer.
Für eine Spendenquittung bitte die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben.

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