Kindersachen: Mareike Fallet über Ferienprogramm

Kindersachen: Mareike Fallet über Ferienprogramm
"Fressen die auch Brüder?"

Mein meistgehörtes Wort zuhause ist „Warum“. Neben „nein“, „Süßigkeiten“ und „warum“ höre ich aber auch oft: „Mir ist soooo langweilig“. Und jetzt: Sommerferien in Hessen, hurrah. Nee. Oh Schreck. Drei Kinder, sechs Wochen! Gut, dass nach der Hälfte die Kita wieder öffnet. Also 14 Tage Urlaub, ein paar Tage überbrücken die Großeltern. Freibad, klettern, toben, hüpfen, wo immer möglich. Angebote gibt es viele. Man muss die Bande ja müde kriegen.

Was Kulturelles wär´ noch schön. Zum Beispiel das Ferienprogramm des Frankfurter Städelmuseums? „Kunstwerke mit allen Sinnen entdecken“, dazu ein bisschen malen, für Kinder von vier bis sechs, drei Stunden, 40 Euro inklusive Material. Zu teuer.

Also was anderes, vielleicht Naturkunde statt Malerei? Palmengarten, Grüne Schule, ein Tag über fleischfressende Pflanzen. Das Schulkind, sieben Jahre alt: „Au ja.“ Das Kindergartenkind, vier: „Fressen die auch Brüder?“ Das Kleinkind, eins: „Buda?“ Nein, keine Brüder, Fliegen oder Weberknechte. Aber leider fressen sie auch Geld, 30 Euro pro Tag, keine Geschwisterermäßigung.

„Das nervt mich so“, sagt das Kindergartenkind oft. Sag ich jetzt auch. Solche Preise schließen viele Kinder aus. Sollen sie doch zahlen!, ruft mein Kollege B. Er meint die Besserverdiener-Eltern aus dem Frankfurter Westend, wo besagter Palmengarten liegt, die könnten gern noch mehr berappen. Klar können die das. Die können sogar monatlich 4000 Euro für ihre Mietwohnung ausgeben.

Nun bauen wir halt unsere eigene fleischfressende Pflanze an, macht um 12 Euro für Venusfliegenfalle-Samen und etwas Recherche (Kalkfreies Wasser! Füttern unnötig! Nicht düngen!). Und sonst so? Lassen wir die Kinder sich langweilen und gucken, was passiert.

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Über diesen Blog

Schön bunt ist das Familienleben, manchmal auch zu bunt. Geschichten aus dem turbulenten Alltag von Mareike Fallet und Claudius Grigat

Mareike Fallet
Mit drei Kindern zwischen sieben und eins geht es auch bei Mareike Fallet bunt zu. "Warum" ist ihr meistgehörtes Wort. Neben "nein" und "Süßigkeit". "Warum?", das treibt sie als Journalistin immer auch selbst an. Warum findet die Frankfurter Grundschule nur schwer eine Ersatzlehrkraft für die schwangere Lehrerin des großen Sohnes? Warum lassen manche Eltern ihre Kinder nicht gegen Masern impfen? Und warum liegen an Supermarktkassen so viele Süßigkeiten auf Kinderhöhe?
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Claudius Grigat
Claudius Grigat lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern am Stadtrand – sehr normal. Aber was ist schon normal, wenn es um Kindersachen geht? Wenn man zum Beispiel entdeckt, dass zwei verschiedene Socken cool sind, Barbies nicht stehen können und das Leben kein Ponyhof, der Ponyhof aber das Leben ist… Den Dingen auf den Grund zu gehen ist für ihn als Journalist und als Papa immer wieder eine schöne Herausforderung.