Heinrich Bedford-Strohm über die Kosten der Flüchtlingskrise

Es ist genug für alle da
Polemiken über Sozialleistungen für Flüchtlinge schaden 
dem gesellschaftlichen Frieden und schüren unbegründete Ängste

 Thomas Meyer/Ostkreuz
Kosten die Flüchtlinge zu viel? Deutschland wendet zweistellige Milliarden­beträge auf, um den Menschen, die als Flüchtlinge hierherkommen, das Nötigste zu geben, sie zu integrieren und durch Sprachkurse und Ausbildung den Grundstein dafür zu legen, dass sie so schnell wie möglich selbst ­
zu ihrem Lebens­unterhalt beitragen oder ihn ganz bestreiten können.

Manche Leute empfinden Unbehagen bei diesen hohen Beträgen. Insbesondere die, die selbst auf Unterstützung angewiesen sind. „Die Flüchtlinge bekommen alles, was sie brauchen – und bei uns wird gespart“ – das ist eine der harmlosen Beschwerden. Dass noch keine einzige ­Sozialleistung für die hier lebenden Menschen wegen ­der hinzukommenden Verpflichtungen für Flüchtlinge gekürzt worden ist, tritt gegenüber dem Gefühl, zu kurz zu kommen, in den Hintergrund. Trotz der besonderen Be­­las­tung durch die Flüchtlingskrise konnte der Bund 2016 das dritte Jahr in Folge auf neue Schulden verzichten. Sogar einen Budgetüberschuss von 6,2 Milliarden Euro konnte er erreichen.

Die einen Schwachen nicht gegen die anderen ausspielen

Dass jemand, der jeden Tag kämpfen muss, um mit ­seinem Geld auszukommen, anfällig für Neidgefühle ist, ist verständlich. Dass es Politiker gibt, die es besser wissen, 
aber trotzdem diese Neidgefühle schüren, ist unverantwortlich. Denn zum Beruf des Politikers gehört es, sich nicht allein von Gefühlen leiten zu lassen, sondern politische Perspektiven aufzuzeigen, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Den Schwachen beizustehen und ihnen zum Recht zu verhelfen – das ist eine Maßgabe für die Politik, die tief in der jüdisch-christlichen Tradition verankert ist. Aber die einen Schwachen gegen die anderen Schwachen auszuspielen bricht mit dieser Tradition und tritt unsere Werte geradezu mit Füßen.

Gegenüber dem König Jojakim, der um das Jahr 600 vor Christus das Königreich Juda regiert, der im Reichtum schwelgt und seine soziale Verantwortung ignoriert, sagt der Prophet Jeremia: „Hat dein Vater nicht auch gegessen und getrunken und hielt dennoch auf Recht und Gerechtigkeit, und es ging ihm gut? Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm gut. Heißt dies nicht, mich recht erkennen?, spricht der Herr“ (Jeremia 22, 15–16). Gotteserkenntnis und Gerechtigkeit sind demnach untrennbar miteinander verbunden.

Der finanzielle Spielraum des Staates ist groß

Neben dem Einsatz für Flüchtlinge den Blick besonders auf die Menschen zu richten, die hier in Deutschland in Armut leben, ist richtig. Die Nationale Armutskonferenz hat auf die entsprechenden Aufgaben hingewiesen: Von der neuen Bundesregierung erwartet sie eine ausreichende Grundsicherung, genug sozialen Wohnungsbau, ein ­
Ende der Benachteiligung von Alleinerziehenden, gute Arbeit statt prekärer Beschäftigung und eine gerechte Kindergrundsicherung, statt wie bisher reiche Familien zu bevorzugen.

Das sollte zu machen sein in einem Land, in dem das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte, also ihr gesamtes Guthaben und ihre Anlagen, 2016 im Vergleich zum Vorjahrum 4,7 Prozent auf 5,59 Billionen Euro ge­stiegen ist. Auch der finanzielle Spielraum des Staates macht es möglich, den Armen in Deutschland das ­Notwendige genauso zukommen zu lassen wie den ­Menschen, die als Flüchtlinge hierhergekommen sind. Neiddebatten, bei denen die Schwachen gegen die ­Schwachen ausgespielt werden, sind verantwortungslos.

Wenn diejenigen, die reich gesegnet sind, ihre soziale Verantwortung ernst nehmen, ist genug für alle da.

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Lesermeinungen

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,
Ihr Artikel, den ich erst heute lesen konnte, hat mich geärgert. Nicht deswegen, weil ich die Aussage im Ergebnis für falsch halte, sondern weil sie so oberflächlich begründet wurde. Die Problematik liegt doch etwas tiefer. Die Bezeichnung als Neiddebatte und die Feststellung, dass noch keine Sozialleistung gekürzt worden ist, wirkt auf mich sehr vereinfachend und populistisch. Gut, dass bereits vor mir Leser ausführlich und mit fundierten Sachargumenten auf das Thema eingegangen sind.
Mit freundlichen Grüßen

Natürlich ist auch ein Kirchenführer weit weg von der Realität. Und ja, die Flüchtlinge sind nicht schuld an der Polemik über Sozialleistungen...aber die Realitäten sind andere. z.B. mein Nachbar, aus Bosnien stammend, seit 25 Jahren in Deutschland hat 4 Kinder und wohnt in einer 3 Zimmer Wohnung. Er erzählt mir, immer wenn er eine bezahlbare Wohnung ausgemacht hat ( am Bodensee!) wird ihm mitgeteilt diese Wohnung beansprucht die Kommune für Flüchtlinge- Können sie seine Wut verstehen? oder.. zur Zeit wieder häufig zu lesen, ich kenne auch 2 Fälle... Strom wird gesperrt. Aussage...ich kann den Strom nicht mehr bezahlen , meine Nachbarn aus Syrien und Gambia kennen das Problem nicht.. da wurde noch nie eine solche Maßnahme getroffen. Solche echten Situationen werden nicht publiziert.. man könnte ja fremdenfeindlich daher kommen. Denken sie nicht, dass die einfache Aussage es ist genug für alle da, solche Alleinerziehehenden, Wohnsitzlosen, Arbeitslosen auf die Palme bringt, die jeden Tag erleben wie für Flüchtlinge, was auch noch zu differenzieren wäre zumindest materiel keine Probleme haben?

In unserer Gesellschaft muss jeder für alles, was er braucht, also auch für Wohnraum und Strom, die geforderten Preise zahlen. Warum ist das so? Weil diese Gesellschaft so eingerichtet ist, dass alles jemandem gehört und nur dann den Eigentümer wechselt oder benutzt werden kann, wenn damit ein hübsches Geschäft gemacht werden kann. Selbstverständlich wird das Geschäft nur von denen gemacht, die das für die Geschäftemacherei nötige Geld haben.

Wer kein oder wenig Geld hat, bekommt keine oder eine miese Wohnung, muss laufend Strom sparen oder kriegt ihn ganz abgestellt. Wen das auf die Palme bringt, sollte die richtige Palme wählen. Im Falle von Wohnung und Strom wären das die Wohnraumbesitzer und die Aktionäre der Energieversorgungsunternehmen. Wem ausgerechnet hier die völig unzuständigen Flüchtlinge einfallen, der lässt sich offenbar auf völlig falsche Palmen hetzen. Und erwartet auch noch Verständnis und Beifall für seine komplette Verirrung im Palmenwald.

Thea Schmid

Natürlich ist auch ein Kirchenführer weit weg von der Realität. Und ja, die Flüchtlinge sind nicht schuld an der Polemik über Sozialleistungen...aber die Realitäten sind andere. z.B. mein Nachbar, aus Bosnien stammend, seit 25 Jahren in Deutschland hat 4 Kinder und wohnt in einer 3 Zimmer Wohnung. Er erzählt mir, immer wenn er eine bezahlbare Wohnung ausgemacht hat ( am Bodensee!) wird ihm mitgeteilt diese Wohnung beansprucht die Kommune für Flüchtlinge- Können sie seine Wut verstehen? oder.. zur Zeit wieder häufig zu lesen, ich kenne auch 2 Fälle... Strom wird gesperrt. Aussage...ich kann den Strom nicht mehr bezahlen , meine Nachbarn aus Syrien und Gambia kennen das Problem nicht.. da wurde noch nie eine solche Maßnahme getroffen. Solche echten Situationen werden nicht publiziert.. man könnte ja fremdenfeindlich daher kommen. Denken sie nicht, dass die einfache Aussage es ist genug für alle da, solche Alleinerziehehenden, Wohnsitzlosen, Arbeitslosen auf die Palme bringt, die jeden Tag erleben wie für Flüchtlinge, was auch noch zu differenzieren wäre zumindest materiel keine Probleme haben?

Sehr geehrter Herr Bedford-Strom,
Sie haben sicher recht, dass Neiddebatten nichts bringen. Aber das Verschweigen von Tatsachen bringt auch nichts.
Denn es ist eben nicht genug für alle da:
Um Kindergarten- und Hortplätze konkurrieren die Kinder gut ausgebildeter Mütter, die arbeiten wollen oder müssen, um ihren Job zu behalten, mit den Flüchtlingskindern, die dringend deutsch lernen und mit der neuen Kultur vertraut werden sollen.
Um Schulplätze an weiterführenden Schulen konkurrieren alle Schüler, die dann lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, da in Wohnortnähe nicht genug Plätze vorhanden sind.Ob besonders an Grund- und Hauptschulen alle Kinder weiterhin gut gefördert werden können, wenn der Anteil der kaum deutsch sprechenden, z.Tl. traumatisierten Schüler groß ist, ist fraglich.
Um bezahlbaren Wohnraum konkurrieren lang eingesessene Familien mit den Flüchtlingsfamilien.
Um Jobs für gering ausgebildete Menschen konkurrieren Langzeitarbeitslose oder Menschen, die gerade ihren Job verloren haben, mit meist jungen, männlichen Flüchtlingen.
Dass diejenigen, die nicht zum Zug kommen, neidisch auf die "Gewinner" sind, ist nachvollziehbar...
Statt Schuldzuweisungen sollte die Größe der Probleme benannt und zahlenmäßig belegt werden, was die Größe der Probleme möglicherweise relativiert, und Ziele genannt werden,wie die Nachteile überwunden werden können. Dass wir bis dahin den Flüchtlingen freundlich und hilfsbereit gegenüber treten müssen, ist selbstverständlich.

Sehr geehrte Frau Jung, Sie möchten gerne die Größe eines Problems benannt bekommen. Die Größe ist in einem Wort zu sagen: Allumfassend. Erst kämpfen die Mütter um einen Termin bei der Hebamme, bald folgt die Konkurrenz um einen Kitaplatz, dann darf die Jugend um die Schulnoten konkurrieren, weiter geht es mit der Konkurrenz um Ausbildungs- und Studienplätze. Als nächstes ist um den Erhalt einer Arbeitsstelle zu konkurrieren. Hat man eine, ist darum zu konkurrieren, wer bei Modernisierungen und Umstrukturierungen gleich oder erst später rausfliegt. Am Ende haben die Angehörigen um einen Platz im Pflegeheim zu kämpfen. Lediglich der Tod ist ohne Konkurrenz zu haben.

Inwiefern soll das ein Problem sein? Diese Aneinanderreihung von widerwärtigen Zwangslagen ist das, was man freiheitliches Leben nennt. Das ist hochbeliebt, insbesondere bei denen, die so ziemlich in jeder Konkurrenz auf die Nase fallen. Die großen Dichter und Denker wie auch die gewöhnlichen anständigen Eltern, Lehrer, Pfarrer, Psychologen und Journalisten geben ihr jeweils Bestes, damit kein hässlicher Gedanke bezüglich dieses freiheitlichen Lebens in der Konkurrenz aufkommt.

In der Konkurrenz kämpft jeder gegen jeden, keineswegs nur Inländer gegen geflüchtete oder nicht geflüchtete Ausländer. Es kämpfen Junge gegen Alte, Frauen gegen Männer, Dicke gegen Dünne, Norddeutsche gegen Süddeutsche. Überall finden sich volle Boote. Sollen die Bootsinsassen sich gegenseitig aus dem Boot schmeißen? Also "Flüchtlinge raus", ehemals "Ausländer raus"? Dieser Logik folgend könnten die Männer ja auch mal wieder auf den Einfall kommen, den Frauen das Arbeiten zu verbieten. Würde sicherlich dem einen oder anderen Mann einen Job zuschanzen.

Oder soll man denen glauben, die versprechen, sie würden aus der bescheuerten Konkurrenz eine kuschelige Angelegenheit für jeden machen, wenn man sie nur wählen geht? Mit diesem Köder bringen sowohl die AfD wie die GroKo, Jamaika und die Linke noch jedesmal die lieben Zeitgenossen dazu, Zettel in Wahlurnen zu schmeißen.

Auf den Einfall, angesichts lauter ziemlich unangenehm voller Boote das Gewässer trocken zu legen, das zum ständigen Bootsfahren zwingt, kommt keiner mehr.

Thea Schmid

"Es ist genug für alle da", schreibt der Ratsvorsitzende, "wenn diejenigen, die reich gesegnet sind, ihre soziale Verantwortung ernst nehmen" (12/2017 auf Seite 10). Das Wahrnehmen dieser Verantwortung beruht in Deutschland allerdings weder auf staatlicher noch auf kirchlicher Ebene auf Freiwilligkeit, sondern auf verbindlichen Regeln. Aus diesem Grunde musste auch Heinrich Böll trotz anfänglicher Weigerung (12/2017 auf Seite 42) seine Kirchensteuer auf diese deutsche, betuliche Weise an sein Bistum bezahlen. Denn auch die katholische Kirche hat Angestellte und in Jeremias 22 ist nicht nur vom "Elenden und Armen" die Rede, sondern es heißt dort auch "wehe dem, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und giebt ihm seinen Lohn nicht" (22,13).

Aus ihrem Beitrag, verehrter Herr Bedford-Strohm, spricht der Wille, gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt zu befördern. Das begrüße ich. In Wahrheit jedoch erreichen Sie mit Ihrem Votum eher das Gegenteil: Sie vertiefen die Spaltung unserer Gesellschaft, indem Sie Debatten über Sozialleistungen für Flüchtlinge als "Polemiken" inkriminieren und indem Sie systematisch alle Tatsachen, die gegen Ihre These sprechen, ausblenden oder bestreiten. Ihre Argumentation lässt zunächst außer Acht, dass nach unserem Grundgesetz zwischen Menschen mit Anspruch und solchen ohne Anspruch auf Asyl zu unterscheiden ist. Und nach den Gesetzen der Logik und der Mathematik besteht selbstverständlich ein Unterschied, ob in einem Land Sozialleistungen beispielsweise für 30 Mill. oder für 32 Mill. Einwohner gezahlt werden müssen. Erst wenn dies anerkannt (und nicht durch die fahle Formel "Es ist genug für alle da" verkleistert) wird, kann - nicht von der Kirche, sondern von dem Teil der Gesellschaft, der am stärksten auf Sozialleistungen angewiesen ist - erklärt werden: "Ja, wir sind bereit für eine große Zahl zusätzlicher Flüchtlinge zusammenzurücken und Einschränkungen hinzunehmen." Denn selbstverständlich belasten Flüchtlinge die Lebenssituation vieler "Einheimischer", die auf der Suche nach einer bezahlbaren Stadtwohnung oder einem Kindergartenplatz sind oder deren Kinder in Klassen unterrichtet werden, die einen hohen Zeitanteil für den Ausgleich mangelnder Sprach- und Kulturkenntnisse von Migrantenkindern aufwänden müssen.
Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind die Sozialleistungen für Flüchtlinge in Deutschland sehr hoch. Diese Tatsache entfaltet eine Steuerungswirkung, die den politischen Anspruch, auch die anderen Länder Europas müssten sich in vergleichbarer Weise an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen, konterkariert. Auch darauf hinzuweisen ist keineswegs unchristlich.

Grundsätzlich geht der Beitrag des Herrn Bedford-Strohm von der SPD für mich eher am Kern der Debatte vorbei, denn in meinem Bekanntenkreis wendet sich kaum jemand gegen die Unterstützung von echten Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Die übrigens weltweit ziemlich einmalige Großzügigkeit vieler Menschen in unserem Land endet jedoch erkennbar dort, wo 80% der Einreisenden keinen Pass dabei haben (verhindert spätere Abschiebung). Unter diesen 80% befinden sich höchstwahrscheinlich ein gewisser Anteil von Menschen, die keine "Flüchtlinge" sind, sondern gern unsere großzügige Gesetzgebung nutzen, hier dauerhaft in unserem weltweit einmaligen Sozialsystem sesshaft zu werden oder auch zweifelhaften Geschäften nachzugehen. Darunter sind leider auch weniger sympathische Zeitgenossen wie Anis Amri, der eine oder andere Taliban, Dschihadist oder islamistische Gefährder. Viele der an den Bahnhöfen unseres Landes tätigen Drogendealer sind mit einem Asylantrag hierher gekommen. Ja, Herr Bedford: Wieso ich diese Personen mit meinen Steuermitteln unterstützen soll, leuchtet mir nicht ein. Ich möchte, dass solche Leute unser Land wieder verlassen, denn ich habe Kinder. Es ist auch am Thema vorbei, das als Neiddebatte zu diffamieren. Warum helfen wir nicht Hungernden in Afrika, sondern zahlen hier ausreisepflichtigen Dealern Hartz IV, lieber Herr Bedford? Bitte nutzen Sie doch für Ihre privaten politischen Inhalte die SPD, und nicht meine Kirche. Und, ja - man muss es auch und gerade Sozialdemokraten seit den 70er Jahren immer wieder erklären: Das Geld kann man nur einmal ausgeben. Da braucht man mit dem von der EZB-Niedrigzinspolitik verursachten Haushaltsüberschuss Nebelkerzen streuen. Freundliche Grüße!

Sehr geeehrter Herr Bedford-Strohm,
inIhrem Artikel gehen Sie davon aus, dass sowohl für die Armen in Deutschland als auch für die Flüchtlinge genug finazieller Spielraum vorhanden
sei,um beiden Gruppen helfen zu können.
Darin stimme ich mit Ihnen im Prinzip überein.

Aber: Es gibt eine relativ große Anzahl von Menschen in Deutschland, die beobachten,mit welch großer Entschiedenheit die beiden großen Kirchen für
die Rechte der Flüchtlinge eintreten und wie realtiv schwach das Engagement der Kirchen für die Armen in Deutschland ist.Wann- so frage ich Sie-
hat die ev.Kirche eine Synode abgehalten, auf der die Armut in Deutschland so einen großen Stellenwert einnahm wie die notwendige Hilfe für die
Flüchtlinge?
Wo sind die zentralen Aussagen der beiden Kirchen zu sozialen Fragen ( Sozialwort) umgesetzt ( !) worden?Wo haben Pfarrer und Pfarrerinnen so
starkes Engagegment bei der Bekämpfung sozialer Not gezeigt wie im Bereich der Integration der Flüchtlinge?
Wenn Sie auf die Forderungen der Nationalen Armutskonferenz verweisen,reicht dies nicht aus.Die Menschen in Deutschland wollen sehen, dass die
beiden großen Kirchen sozialpoltische Forderungen an die Politik laut artikulieren und( ! ) für deren Erreichung kämpfen.
Es reicht nicht, wenn auf die Arbeit der Diakonie verwiesen wird.Viele wollen , dass der Ratsvorsitzende der EK und alle Pfarrer sich vehement für die
Beseitigung der Kinderarmut einsetzen.Doch in dieser Hinsicht fehlt die notwendige Entschiedenheit der Repräsentanten der EK.
Vielleicht wird dieses Defizit noch beseitigt werden.

M.f.G. W.Hönnicke

Selbst wenn die Grundthese des EKD-Vorsitzenden Bedford-Strohm richtig wäre, dass wegen der Flüchtlinge noch niemandem etwas genommen worden sei und genug für alle da sei (wie lange noch?), ist damit nicht entschieden, ob ein weiterhin unbegrenzter Flüchtlingszustrom auch kultur- und gesellschaftspolitisch gewünscht und richtig wäre. Seine Behauptung enthält etwas Skandalöses. Denn wenn sie richtig wäre, würde sich logisch und auch "biblisch" sofort die Frage stellen, warum das nicht schon früher galt für die 2 Mio. Kinder und Jugendlichen, die nach Hartz-4 leben müssen, für die Alten und die Kinder alleinerziehender Mütter oder für die Gesundheitspolitik. Da kann man sich aber nicht so schön in der Sonne der Nächstenliebe wohlig wärmen, wie die Kirchen das bei der Flüchtlingshilfe tun.
Seine Behauptung ist aber falsch. Bei Zuzug so vieler elender Menschen in der Welt - sagen wir fünf Millionen nach Deutschland -, was auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre, würde für die Migration die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes auszugeben sein. Das nimmt der Hälfte der Bevölkerung den wirtschaftlichen Atem zum Leben.

In den Leserkommentaren wird laufend behauptet, die Dürftigkeit, die der hiesige Eingeborene auszuhalten habe, läge an den Flüchtlingen. Dass dies ein ziemlich albernes Märchen ist, geht allein schon daraus hervor, dass sich Rentner und Pflegebedürftige schon immer nach der Decke strecken mussten, lange bevor nennenswerte Flüchtlingsscharen ins Land kamen. Die Vorstellung, alle Flüchtlinge rauszuschmeißen und dann stiegen plötzlich die Renten, die Pflegekräfte würden besser entlohnt und die maroden Straßen erneuert, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Warum wird bei solchen Vorstellungen nicht überall schallend gelacht?

Weil die Vorstellung verbreitet ist, der Staatshaushalt sei so etwas wie ein Privathaushalt, nur etwas größer. Der Normalverdiener weiß um die Höhe seines überschaubaren Einkommens und kann in dem Jahr, wo der Kauf eines neuen Autos nicht mehr hinauszuschieben ist, eben nicht in den Urlaub fahren, weil der Zaster nicht reicht. Und so ähnlich soll man sich die Situation des Parlaments und der Regierung vorstellen, die den Staatshaushalt festlegen. Das ist grundfalsch. Der Staat beschließt aus eigener Machtvollkommenheit, wieviel Steuern er erhebt und wieviel Kredit er aufnimmt. Wenn der Staat einen Krieg führen oder seinen Lieblingsbürgern, den Unternehmern, mit Konjunkturprogrammen auf die Erfolgsspur verhelfen will, dann macht er das. Da gibt es das Argument "Kann ich mir nicht leisten" grundsätzlich nicht.

Wofür der Staat wieviel ausgibt, ist eine Frage seines politischen Willens. Insofern ist die Behauptung, die Flüchtlinge fräßen dem deutschen Staat die letzten Haare vom Kopf und deshalb seien die Sozialleistungen für die hiesige Mannschaft bescheiden, falsch. Und genau so falsch ist die Behauptung des Artikels, es sei genug für alle da. Diese Behauptung ist zwar gemeint als Gegenposition zum flüchtlingsfeindlichen Gemosere, geht ihm aber genau auf den Leim. Der Staat betreibt Flüchtlingspolitik und er betreibt Sozialpolitik. Das ist beides grundverschieden von den Sorgen eines Normalmenschen, wie er mit seinem Einkommen klar kommt.

Kasperle fragte immer: "Seid ihr alle da?". Der Finanzminister fragt nicht: "Liebe Euros, seid ihr alle da?". Weder die Antwort "Ja, wir sind alle da und sind genügend viele", noch die Antwort "Nein, wir sind zu wenige" haben etwas mit der Wirklichkeit zu tun.

Traugott Schweiger

Die Zustimmung vieler Bürger zu Werten der christlichen und humanistischen Nächstenliebe und die Bereitschaft, Notleidenden vom Überfluss abzugeben findet ihre Grenzen in den begründeten Sorgen und Ängsten angesichts der Dimensionen unkontrollierter, hauptsächlich muslimischer Zuwanderung, in der tatsächlichen Konkurrenz um gesellschaftliche Ressourcen und der tatsächlichen Gefahr einer kulturellen Überfremdung durch reale demografische Entwicklungen und mangelhafte Integration angesichts der Schwächen des Staates und des Bildungssystems.

Sollten die Kirchen angesichts dessen das Christentum und die christliche Kultur offensiver verteidigen? Viele wünschen sich das, die auch in der Kirche Heimat finden wollen. Das schließt durchaus ein, dass in den Kirchengemeinden Integration gelebt wird.
Integrationserfolge ergeben sich aber aus einem bestimmten Verhältnis von Stammbevölkerung und integrationswilligen Zuwanderern.
Integration ist eine riesige und langfristige Kraftanstrengung und ganz bestimmt kein Selbstläufer. Es gibt keinerlei Garantien für massenhaft gelingende Integration.

Bürger, die in einem sicheren Deutschland leben wollen, das sich trotz aller dynamischer Veränderung und Weltoffenheit ab und zu nach Heimat anfühlt, äußern durchaus legitime und substantielle Bedürfnisse.

Noch eine letzte Betrachtung zur Behauptung, die Flüchtlinge könnten keine Bedrohung darstellen, weil sie den sozial Schwachen nichts wegnehmen würden (z.B. aktuelle Ausgabe von Chrismon). Keine Sozialleistung sei bisher unter Bezugnahme auf die Flüchtlinge gestrichen worden.

Diese Behauptung stimmt so nicht. Nehmen wir die Konkurrenzsituation auf dem Wohnungsmarkt, u. a. die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen.
Es ist Fakt, dass der Staat deutlich mehr Geld für die Flüchtlingsunterbringung aufwendet als er aktuell in die Hand nimmt, um Wohnungslosen zu helfen. In Berlin vertreibt ein früherer Sozialstadtrat wohnungslose Osteuropäer aus Zelten im Tiergarten und wendet gleichzeitig eine Menge Geld auf, damit Flüchtlinge in überteuerten Unterkünften leben können.

Zweites Beispiel: ab 1.1.2017 gilt das Pflegestärkungsgesetz. Bekannt ist, dass ein zeitorientiertes System der Pflegestufen in ein abstrakteres Punktesystem überführt wurde, dass die Leistungen für physisch und psychisch Unselbständige nun nach Pflegegraden bemisst. Der Öffentlichkeit ist aber nicht bekannt, dass das Pflegestärkungsgesetz massenhaft zur Abschaffung und Kürzung sozialer Pflegeleistungen führt. Das subsidiäre Leistungssystem nach SGB XII (Sozialamt) wird verschlankt, indem man die bisherige Pflegestufe 0 abschafft.

Hiervon sind gerade in Berlin signifikant und überdurchschnittlich jüdische Zuwanderer betroffen, die bisher von sozialen Pflegeleistungen profitiert haben und Hilfen erhielten.
Jetzt lässt man diese Fürsorge fallen. Planziel der Kürzungen: mindestens 590.000 € monatlich müssen im Bereich der ambulanten Hilfe zur Pflege eingespart werden. Da spart man sich auch die Empathie und christliche Nächstenliebe und rechtsstaatliche Einspruchsverfahren.

Dritter Einwand: Immer wieder hören die Bürger, es sei kein Geld da, um Kinderarmut und Altersarmut wirkungsvoll zu bekämpfen, kein Geld um Schulen zu sanieren oder den Betreuungsschlüssel bei Kindern und Alten zu verbessern.
Der Staat nimmt jedes Jahr mehr Steuern ein- aber Probleme lösen kann er nicht, vor allem nicht bei den sozial Schwachen.

Bei Chrismon wird dagegen für großzügige Seniorenresidenzen geworben.
Wenn Gutmenschen gutsituiert sind, dann fällt es leicht, das Bestehende zu verteidigen und schwer die Wut derer zu verstehen, die benachteiligt und ungehört sind.
Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Wer sich auf die Seite der Schwachen schlägt und diese tagtäglich unterstützt und verteidigt – der ist im eigentlichen Sinne Christ und handelt verantwortungsvoll.
Ob ich als Atheist auf ein Leben nach dem Tod hoffen kann, ist dagegen ungewiss. Man übersieht und vergisst leicht die, die sich aufopfern.
Man geringschätzt die Geringverdiener, die angeblich weniger leisten als die Leistungsträger in Nadelstreifenanzügen.
Armut sei doch entweder ein Problem mangelnder Bildung oder mangelnder Eigenverantwortung und Vorsorge.
Das sagen jedenfalls die Arrivierten, die stolz auf ihren Wohlstand sind.

Wer sich auf den eigenen Verdiensten, Errungenschaften und Freiheiten ausruht, weil das Bestehende gut gepolstert ist, der sollte sich eher nicht auf die Reformation berufen.

Ich bin Ostdeutsche, weil mein in Hessen geborener Großvater in Jena Theologie studierte und in Thüringen heiratete. In Brasilien kam meine Mutter als Pfarrerstochter deutscher Aussiedler zur Welt. Ich bin Tochter eines jüdischen Germanisten, der in Rostow-am-Don zur Welt kam und pflege persönlich und beruflich enge Kontakte zu Russen.
Ich bin Mutter zweier großartiger erwachsener Kinder und war mit einem Engländer katholischen und kommunistischen Glaubens verheiratet.

Ich bin ein engagierter Idealist und suche nach offenen Ohren, nach lösungsorientierten Weltverbesserern.
Mein berufliches Motto als Sozialberaterin für Migranten ist: Empathisch Hinschauen und Handeln.

Berlin, 28.11.2017

Wieder wird versucht, Diskussionen über die Kosten der Flüchtlinge nach Deutschland möglichst zu unterbinden. Es ist nicht ehrlich, zu sagen, unserem nicht so wohlhabenden Teil der Gesellschaft wird nichts weg genommen. Mit den Milliarden für Flüchtlinge könnten sehr wohl die Sozialabgaben oder Steuern insbesondere für Ärmere gesenkt werden. Letzendlich müssen die Steuerzahler in Deutschland für die Flüchtlinge aufkommen. Außerdem muss man fragen, warum die BRD nun angeblich 16.000 Polizisten und tausende Richter zusätzlich einstellen und bezahlen muss? Das ganze Geld wäre sinnvoller eingesetzt in den Heimatregionen und nicht bei den kräftigen jungen Leuten, die es mit viel Geld und Kraft hierher geschafft haben. Dort könnten die vielen jungen Männern ihren Familien helfen und sie gegen Feinde verteidigen.

Meines Erachtens handelt es sich nicht um eine Neiddebatte, wenn über die sinnvolle Verwendung von zigMilliardenbeträgen gesprochen wird. Erstens sind die wenigsten, die in unser Land strömen Flüchtlinge im Sinne unserer Gesetze. Zweitens könnte man Menschen in Not viel besser helfen, wenn man dieses Geld vor Ort einsetzen würde. Zudem könnte so sehr viel mehr Menschen geholfen werden. Drittens würde man so auch vermeiden, dieses Land immer mehr zu spalten, Parallelgesellschaften zu schaffen, die hiesige Bevölkerung an den Rand zu drängen. Und nicht zuletzt: es ist eben nicht genug für alle da. Das Geld wird von den Steuerzahlern erwirtschaftet, es kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn es für jeden, der illegal die Grenze übertritt ausgegeben wird und das reichlich, steht es natürlich denen, die es erwirtschaftet haben, nicht mehr zur Verfügung. Es können dafür keine Schulen oder die Infrastruktur saniert und modernisiert werden, etc.etc.

Danke, ich finde Sie bringen es auf den Punkt. Ich verstehe nicht, warum unsere Kirche in Person von Herrn Bedford-Strohm (SPD) derartig sachliche Überlegungen nicht aufgreift sondern vielmehr einer unbegrenzten Masseneinwanderung das Wort redet. Das hilft erkennbar NICHT etwa im christlichen Sinne den Ärmsten, denn die können sich die Schleuser nicht leisten.

Sehr geehrter Herr Bedform-Strohm,
Ihrer Darstellung ist entschieden zu widersprechen. Es ist traurig, wie selbst intellektuell anspruchsvolle Meinungsträger in diesem schwierigen Thema entscheidende Perspektiven vergessen. Diese seien nur mit folgenden Fragen angerissen: was ist mit den millionen hilfebedürftigen Frauen und Kindern, die zurückgelassen um ihre Existenz kämpfen, während wir mit den geflüchteten Brüdern und Vätern teilen? Und wieviel können wir teilen, wieviel kann man überhaupt sinnvoll teilen? Wäre St. Martin, wenn er seinen Mantel in zehntausend kleine Schnipsel zerrissen hätte, noch eine Hilfe gewesen? Und wie können Sie von Neid sprechen, wenn der Sozialwohnungsbewohner eine Räumungsaufforderung erhält, um Flüchtlingen Platz zu machen, wenn der Harz4 Empfänger für die S-Bahn die Fahrkarte kauft, während die Schutzsuchenden kostenlos fahren, wenn für horrende Mieten Flüchtlingsheime gemietet werden während für die Schule, den Kindergarten kein Geld da ist? Da von "Neid" zu sprechen ist schon eine grobe Unterstellung.
Der Blick aus der gesicherten Position verengt möglicherweise die Wahrnehmung, leider aber damit auch den Blick für das Notwendige und Offensichtliche. Ihr vorletzter Satz des Artikels spaltet, indem er berechtigte Sorgen und Einwände als "Neiddebatten" diffamiert. In Anlehnung an Faust könnte man sagen: so ensteht die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.
Ich hoffe diese wenigen Sätze regen an zu differenzierterem Blick.

Sehr geehrter Herr Bedfort-Strohm,

Sie irren, wenn Sie sagen es ist genug für alle da. Wir bezahlen die hohen Flüchtlingskosten mit kaputten Straßen, Brücken, Schulen, Schwimmhallen etc. Wir bezahlen die immense Einwanderung mit dem Verlust an Sicherheit (Betonklötze zum Schutz von Weihnachtsmärkten und Großveranstaltungen) und mit Toten und Verletzten (Terroranschläge z.B. in Berlin). Das ignorieren dieser negativen Auswirkungen führt zu einer Spaltung unseres Landes. Die evangelische Kirche ist m.E. in der Pflicht sich für die Christen in Deutschland und der Welt einzusetzen und weniger für Moslems!

MfG

Joachim Helwing

Die Kirche ist leider von der Realität speziell In den Grosstädten weit entfernt. Auffällig ist das nur ein zweistelliger Milliardenbetrag genannt wird
aber die geschätzte Summe von 50 Milliarden/Jahr (Kosten Bund/Land+ Kosten für Behörden/Polizei Sonstige Organisationen nicht.
Wie war die Situation 2015 in unserer Stadt. 10000 Personen/Familien auf der Liste der Wohnungssuchenden, Marode Schulen, schlechte
Infrastruktur. Aussage der Politik war wir haben kein Geld. Wo kam das Geld aufeinmal für die Flüchtlinge her? Der Grundsatz das man das Geld
nur einmal ausgeben kann ist allgemein bekannt.
Das Ärgernis für viele ist das ein Großteil der Flüchtlinge Wirtschaftsflüchtlinge sind und nicht "Schutzsuchende". Wer durch z.B. 2 sichere Herkunftsländer fährt hat in erster Linie Interesse an die im Vergleich zu anderen Ländern extrem hohen Sozialleistungen.
Viele Rentner die lange Gearbeitet haben wären z.B. froh soviel "Taschengeld" zu haben wie ein Flüchtling/Familie.
Allein die Frage in Ihrer Zeitung Ob politische Debatten über dieses Thema schaden zeigt ein in seltsames Verständnis von Debattenkultur.
In einer Demokratie sollten über Fakten diskutiert werden. Gefühl und verschweigen hilft nicht.

Sehr geehrter Herr Bedfort-Strohm,
liest man die Schlagzeile: "Es ist genug für alle da. Polemiken über Sozialleistungen für Flüchtlinge schaden dem gesellschaftlichen Frieden und schüren unbegründete Ängste" und blickt in Ihr unbekümmertes Gesicht kann einen nur Fassungslosigkeit packen. In welcher Welt leben Sie und was berechtigt Sie Geld auszugeben, das Ihnen nicht gehört? Was berechtigt Sie, die Lüge zu verbreiten: "Es ist genug für alle da" und "Unbegründete Ängste werden geschürt" usw.? Führen Sie Ihren eigenen Haushalt auch so blauäugig?
Lesen Sie keine Zeitungen? Jetzt kommen die ersten Opfer der chaotischen Energiewende: Firmen verlassen das Land, die ersten Kündigungen sehen wir gerade (z.B. Siemens) da der Kraftwerksektor systematisch von der Regierung (auch die ev. Kirche daran Anteil) ruiniert wird. Der Kohlebergbau und die Automobilindustrie werden die nächsten Opfer sein. So wird es weiter gehen, wenn z. B. auch die Zinssätze wieder ansteigen oder Deutschland wegen eingegangener EU-Verpflichtungen zur Kasse gebeten wird.
Diese politisierte grüne Kirche ist nicht mehr meine Welt. Ich trete nicht aus, da ich mit meinen fast 80 Jahren versäumt habe, dies schon viel früher zu tun.
Gnabs; 27. Nov. 2017

Lieber Herr Bedford-Strohm,
ich stimme Ihnen zu, dass für alle genug da wäre, wenn gerecht verteilt würde. Nachdem ich eine kranke Mutter in einem Pflegeheim habe, die nur über eine geringe Rente verfügt, sehe das Thema allerdings so, dass "genug" nur im Konjunktiv zur Verfügung steht. Im Alltag, wenn ein Transport zum Facharzt ansteht, ist dieser selbst zu bezahlen, wenn spezielle Medikamente verordnet werden, sind diese selbst zu bezahlen usw. Das alles von einem Taschengeld knapp über 100 Euro. Weiter steht Personen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, nur ein Zweibettzimmer zu. Wenn dann ein Nicht-Dementer mit einem völlig Dementen ein Zimmer teilen muss und nur einmal in der Woche duschen kann, ist der Satz "Es ist genug für alle da" schwer erträglich.
Auch die Pflegekräfte arbeiten ständig am Rande ihrer Kräfte, da nicht genug Personal zur Verfügung steht und das für wenig Geld. Ob diese Pflegekräfte zustimmen, wenn es heißt: "Es ist genug für alle da"? Sie schreiben, es ist noch keine einzige Sozialleistung gekürzt worden; wenn Sie jedoch ständig mit den Sozialbehörden um die gesetzlich und richterlich zugestandenen Leistungen ringen müssen, braucht es keine Kürzung, denn es scheint eben nicht genug für alle da zu sein, sonst kann ich mir dieses restriktive Verhalten nicht erklären.
Da mag man sich eine Neiddebatte verbieten, aber im Sozialbereich liegt vieles im Argen und es wird gespart auf Teufel komm raus. Dabei gütig und mildtätig mit anderen Armen noch zu teilen, während Großkonzerne und Steuerflüchtlinge sich aus dem Sozialstaat stehlen, ist viel verlangt.
Mit freundlichen Grüßen

Der Herr Ratsvorsitzende der EKD hat geschrieben: "Dass jemand, der jeden Tag kämpfen muss, um mit seinem Geld auszukommen, anfällig für Neidgefühle ist, ist verständlich." Für diese Sorte von Verständnis fehlt mir jedes Verständnis. Es soll also verständlich sein, dass der einheimische Gering- oder Normalverdiener ausgerechnet den ausländischen Flüchtling als jemanden sieht, dem Sozialleistungen zu neiden sind? Wenn schon Neid, wäre es dann nicht viel naheliegender, dem einheimischen Unternehmer und dem deutschen Staat gegenüber neidisch zu sein? Da fließt doch der vom Normalo geschaffene Reichtum in rauen Mengen hin, nicht zu den Asylbewerbern.

Klar, wenn man diesem Gedanken nachgeht, kommt was anderes dabei heraus als das Lob des gütigen Sozialstaates, der sowohl den einheimischen Armen wie den ausländischen Hungerleidern mit Augenmaß und ganz viel gottgefälliger Gerechtigkeit Wohltaten zukommen lässt.

Thea Schmid

Sehr geehrter Herr Landesbischof,
Ihr Artikel widerspricht sich nach diesseitigem Verständnis sprachlich in einigen Punkten:
a) Berufspolitiker dürfen sich nicht von Gefühlen leiten lassen. In diesem Kontext zitieren Sie sehr gefühlsbetont Jerimia 22.
b) "Neben" dem Einsatz für Flüchtlinge solle man den Blick auch auf Arme hierzulande richten. Das hieße doch: Armut (einschl. Pflege) sei im Kontext Ihres Satzes "Neben"sache, Leistungen für Menschen, die als "Flüchtlinge" hierhergekommen sind Im Umkehrschluss dann "Haupt"sache.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.Kfm. Jörg Becker

[Anmerkung der Redaktion: bearbeitet; bitte nur Links, die konkret auf das Thema beziehen, einfügen]

Sehr geehrter Herr Bedform-Strohm,
an dieser Stelle muss ich Ihnen leider entschieden widersprechen. Es ist eben nicht genug für alle da. An meiner Förderschule wurden die Leistungenfür Dolmetscher gestrichen. Zusätzliche stellen und die erforderlichen Sozialarbeiterstunden für eine bessere Integration von Schülern mit schwierigen Lebenslagen und Migrationshintergrund bekommen wir nicht.
Warum behaupten Sie dann, es ist genug für alle da?
Haben Sei einmal den baulichen Zustand vieler öffentlicher Schulen gesehen? Wissen Sie, wie viele Lehrerstellen unbesetzt sind und woran glauben Sie liegt das? Und wissen Sie auch, dass die Gruppengrößen in unseren Kindergartengruppen nach wie vor unzumutbar sind, weil Geld dafür fehlt?
Entschuldigen Sie, ich schäme mich für Ihre pauschalisierte und unchristliche Aussage!
Claus Hörrmann
01844 Neustadt

Dass wegen der Kosten für Flüchtlinge (bisher) keine Sozialleistngen gekürzt werden mussten, ist nur bedingt einen gute Nachricht. Denn allein das Vorhandensein solcher exorbitant hoher Summen zeigt doch, dass damit auch die überall beklagte Kinderarmut im reichen Deutschland bekämpft werden könnte, Hartz 4 - oder Wohngeldsätze erhöht, die kalte Progression oder der Soli abgeschafft und damit etwas gegen das rauher werdenden soziale Klima getan werden könnte. Allerdings glaube ich, dass die Debatte keine eigentliche Neiddebatte ist. Eine notwendige Versorgung wirklich bedürftiger Flüchtlinge steht, meiner Überzeugung nach, außer jeder Diskussion. Was die Menschen aber wirklich fassungslos macht, ist wohl eher die Tatsache, dass sie ganz offenbar von den gewählten Volksvertretern belogen worden sind, die das Argument fehlender Gelder wie ein Mantra vor sich hergetragen haben und dann - wie durch Zauberei - dieses eben doch vorhanden ist. Und weiter ärgert die Menschen die in hohem Maße fehlende Professionalität bei der Organisation und die damit verbundene Verschwendung von Steuergeldern, die Bereicherung Einzelner Unternehmer in der Flüchtlingskrise, gegen die nichts unternommen wird und nicht zuletzt eine unzureichende Kommunukation mit den Bürgern. Da bleibt dann eben das Gefühl, dass - mal wieder - der kleine Mann dafür aufkommen muss.
Im Übrigen bin auch ich der Meinung, dass Hilfen vor Ort sehr viel hilfreicher wären.

Ich kann Ihnen da nur zustimmen, Hr. Staunt. Zahlen über die Gesamtkosten der sog. Flüchtlinge sind nicht einfach zu bekommen, oft beziehen sie sich nur auf Teilaspekte, aber es ist zu lesen, dass allein der Bund von 2016 bis 2020 zur Versorgung der "Flüchtlinge" 93,6 Milliarden Euro zur Verfügung stellen will! Unbestritten dürfte aber sein, dass man mit diesem Geld sehr viel mehr Menschen helfen könnte, wenn man es heimatnah, vor Ort einsetzen würde. Auch würde man dann unsere Gesellschaft nicht weiter spalten und in drastischer Weise verändern.

Mit OPM (other peoples money) ist es immer einfach Gutes zu tun. Bitte mal konkret: Wer soll genau dafür aufkommen ? Welchen Beitrag erbringen die Bischöfe und Pfarrer der Evangelischen Kirche ? Verzicht auf das halbe Gehalt und Spende an den Staatshaushalt ?

Ich bin zwar nicht bedürftig, möchte mich aber an der Finanzierung der Migrantenströme seit 2015 nicht beteiligen (Asyl ist ein anderes Thema). Im übrigen ist der exorbitante finanzielle Aufwand der hier getrieben wird (mit Erfolge ?) auch nicht sinnvoll: Mit den Geldern könnte in den Herkunftsländern ein Vielfaches bewirkt werden.

Sind denn die strömenden Migranten jemals gefragt worden, ob sie möchten, dass in ihren Ländern Kriege beispielsweise um Ölfelder geführt werden oder ob sie möchten dass ihre Länder von Taifunen, Überschwemmungen, Dürreperioden heimgesucht werden, weil wir seit Jahrzehnten Unmengen an CO2 in die Luft blasen?