Heinrich Bedford-Strohm über die Kosten der Flüchtlingskrise

Es ist genug für alle da
Polemiken über Sozialleistungen für Flüchtlinge schaden 
dem gesellschaftlichen Frieden und schüren unbegründete Ängste

 Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der EKD, Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und Herausgeber des Magazins chrismonThomas Meyer/Ostkreuz
Kosten die Flüchtlinge zu viel? Deutschland wendet zweistellige Milliarden­beträge auf, um den Menschen, die als Flüchtlinge hierherkommen, das Nötigste zu geben, sie zu integrieren und durch Sprachkurse und Ausbildung den Grundstein dafür zu legen, dass sie so schnell wie möglich selbst ­
zu ihrem Lebens­unterhalt beitragen oder ihn ganz bestreiten können.

Manche Leute empfinden Unbehagen bei diesen hohen Beträgen. Insbesondere die, die selbst auf Unterstützung angewiesen sind. „Die Flüchtlinge bekommen alles, was sie brauchen – und bei uns wird gespart“ – das ist eine der harmlosen Beschwerden. Dass noch keine einzige ­Sozialleistung für die hier lebenden Menschen wegen ­der hinzukommenden Verpflichtungen für Flüchtlinge gekürzt worden ist, tritt gegenüber dem Gefühl, zu kurz zu kommen, in den Hintergrund. Trotz der besonderen Be­­las­tung durch die Flüchtlingskrise konnte der Bund 2016 das dritte Jahr in Folge auf neue Schulden verzichten. Sogar einen Budgetüberschuss von 6,2 Milliarden Euro konnte er erreichen.

Die einen Schwachen nicht gegen die anderen ausspielen

Dass jemand, der jeden Tag kämpfen muss, um mit ­seinem Geld auszukommen, anfällig für Neidgefühle ist, ist verständlich. Dass es Politiker gibt, die es besser wissen, 
aber trotzdem diese Neidgefühle schüren, ist unverantwortlich. Denn zum Beruf des Politikers gehört es, sich nicht allein von Gefühlen leiten zu lassen, sondern politische Perspektiven aufzuzeigen, die ein gutes Zusammenleben ermöglichen. Den Schwachen beizustehen und ihnen zum Recht zu verhelfen – das ist eine Maßgabe für die Politik, die tief in der jüdisch-christlichen Tradition verankert ist. Aber die einen Schwachen gegen die anderen Schwachen auszuspielen bricht mit dieser Tradition und tritt unsere Werte geradezu mit Füßen.

Gegenüber dem König Jojakim, der um das Jahr 600 vor Christus das Königreich Juda regiert, der im Reichtum schwelgt und seine soziale Verantwortung ignoriert, sagt der Prophet Jeremia: „Hat dein Vater nicht auch gegessen und getrunken und hielt dennoch auf Recht und Gerechtigkeit, und es ging ihm gut? Er half dem Elenden und Armen zum Recht, und es ging ihm gut. Heißt dies nicht, mich recht erkennen?, spricht der Herr“ (Jeremia 22, 15–16). Gotteserkenntnis und Gerechtigkeit sind demnach untrennbar miteinander verbunden.

Der finanzielle Spielraum des Staates ist groß

Neben dem Einsatz für Flüchtlinge den Blick besonders auf die Menschen zu richten, die hier in Deutschland in Armut leben, ist richtig. Die Nationale Armutskonferenz hat auf die entsprechenden Aufgaben hingewiesen: Von der neuen Bundesregierung erwartet sie eine ausreichende Grundsicherung, genug sozialen Wohnungsbau, ein ­
Ende der Benachteiligung von Alleinerziehenden, gute Arbeit statt prekärer Beschäftigung und eine gerechte Kindergrundsicherung, statt wie bisher reiche Familien zu bevorzugen.

Das sollte zu machen sein in einem Land, in dem das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte, also ihr gesamtes Guthaben und ihre Anlagen, 2016 im Vergleich zum Vorjahrum 4,7 Prozent auf 5,59 Billionen Euro ge­stiegen ist. Auch der finanzielle Spielraum des Staates macht es möglich, den Armen in Deutschland das ­Notwendige genauso zukommen zu lassen wie den ­Menschen, die als Flüchtlinge hierhergekommen sind. Neiddebatten, bei denen die Schwachen gegen die ­Schwachen ausgespielt werden, sind verantwortungslos.

Wenn diejenigen, die reich gesegnet sind, ihre soziale Verantwortung ernst nehmen, ist genug für alle da.

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Lesermeinungen

Richtig ist, dass noch keine einzige Sozialleistung für die hier lebenden Menschen wegen der Verpflichtungen für Flüchtlinge gekürzt worden ist. Dabei werden aber viele Fakten übersehen. Ob es sich bei den Menschen die aus Afrika und dem Nahen Osten wirklich um Flüchtlinge handelt ist zu bezweifeln. Flüchtlinge waren in 1945 die Menschen die vor der Roten Armee wegen der von ihr verübten Greuel geflohen sind. Dies gilt auch für Flüchtlinge aus den Ostgebieten insbesondere der Tschechei (heute Tschechien). Menschen die durch viele Länder in denen sie sicher sind nach Deutschland kommen, kann man hier sicher nicht als Flüchtlinge sondern nur als Zuwanderer bezeichnen. Es ist halt nicht genügend für alle da. Das Geld das für die Zuwanderer ausgegeben wird, man spricht von ca. € 3.500,-- pro Flüchtling je Monat, fehlt an anderen Stellen. Stichworte wie marode Brücken, unzumutbare Schulgebäude, untaugliche Waffen sind nur einige der Beispiele wo es im sogenannten reichen Deutschland fehlt. Man darf auch die hier lebenden Menschen nicht vergessen, denen es schlecht geht und die immer wieder hören müssen es ist kein Geld da. Es stellt sich die Frage, sind wir Deutschen so beliebt weil wir so freundlich sind oder sind es die höchsten Leistungen für Zuwanderer in Europa. Der Hinweis auf das Bruttogeldvermögen der privaten Haushalte ist in diesem Zusammenhang nicht angebracht. Wenn die Rente nicht mehr reicht, es ist verständlich, dass die Menschen privat vorsorgen. Bei den Ruhestandsbezügen für einen Bischof mag dies nicht notwendig sein. Mehr Menschen im dicht besiedelten Deutschland bedeuten zwangsläufig weniger Grünflächen. Muss die letzte Wiese noch zugebaut werde?. Kommen die Zuwanderer, die bereits hier sind gut unter, ist dies ein Signal, dass noch mehr Zuwanderer nach Deutschland kommen. Die großen Vermögen sind in der Regel in Fabriken etc. angelegt und so zur Verteilung nicht geeignet. Es ist mir ein deutscher Eigentümer lieber als ein chinesischer Investor, der dann die Arbeitsplätze aus Deutschland verlagert. Der Spielraum des Staates ist wegen der Gesamtverschuldung von ca. 2 Billionen sehr eingeschränkt. Wie sollen die Steuerzahler die Zinsen hierfür aufbringen, wenn es wieder einmal normale Zinsen gibt? Die Meinung von vielen sogenannten Gutmenschen möchte ich keinesfalls verurteilen aber man muss die Fakten sehen wie sie sind. Tun wir das nicht, werden politische Richtungen wie die AFD leider stärker werden.

Mit freundlichen Grüßen

Johann Höckenreiner
 

Der Behauptung: „Es ist genug für alle da“, stimme ich auch als Christ ausdrücklich nicht zu.
Denn: Jeder Flüchtling verschärft die Lage in das Land, in das er flüchtet, in dem Falle in unser Land, Verknappung von Wohnraum, Verknappung von Arbeitsplätzen, Verknappung der finanziellen Ressourcen, Überfüllung der Schulklassen, Verschlechterung der Lernbedingungen in den Einrichtungen des Landes.
So schreibt Nida Rümelin in seinem Buch „Über Grenzen denken: „Die komplexen sozioökonomischen und kulturellen Kooperationsstrukturen sind mit einem Übermaß an globaler Wirtschaftsmigration unvereinbar“. Nun kann man fragen, was ist „Übermaß“. Meine Meinung: Diese ist längst erreicht.
Das der Ausländerfeindlichkeit absolut unverdächtige Ehepaar Münkler schreibt ebenfalls: Migranten verschärfen die Probleme des Sozialstaates. An anderer Stelle sprechen sie von „der Verwundbarkeit des Sozialstaates“ (Die Neuen Deutschen 2016). Zudem beziffern beide Autoren die Kosten zur Aufwendung auf 200 Mrd (S.9). Die von Herrn Bedford-Strohm genannten zweistelligen Milliardenbeträge sind eine „Verniedlichung der tatsächlichen Kosten“.

Konsequenzen: Armut in Deutschland steigt: siehe Nationale Armutskonferenz, Obdachslose werden verdrängt, Mittel der Arbeitsagentur wurden zu Lasten deutscher Langzeitarbeitsloser und behinderter Menschen umgewidmet, Tagesschau 24.12.: Flüchtlinge verdrängen Rentner an den Tafeln, deutliche Zunahme von Flüchtlingen, Deutsche bleiben weg, „wegen der Ausländer und deren Verhalten“
Unsere Leistungen, die wir an Migranten gewähren, beruhen auf einer „rechtlichen Selbstbindung“ (Münkler s.o.), sind daher veränderbar bzw. zu verändern.

Daher meine Forderungen:
- Menschen, die in unser Land einwandern, dürfen nicht dieselben Leistungen bekommen, wie Bürger des Landes.
- Zugewanderte müssen deutlich geringere Barbezüge für einen kurzen Zeitraum erhalten,
daher: Senkung der Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz
- Alle Zugewanderte erhalten nur einen „subsidiären Schutz“ und müssen wieder in ihre Heimatländer zurückkehren – es sei denn, sie sind in der Lage, für ihren Lebensunterhalt selber zu sorgen.
- Konsequente Rückführung nicht Asylberechtigter
- Keine Einreise von Menschen, die sich nicht ausweisen können.

Denn: Es gehört zum kollektiven Selbstbestimmungsrecht einer Bürgerschaft, die sich in einem Staat organisiert hat zu entscheiden, wie sie leben möchte, mit wem sie leben möchte und wie sie diese Menschen alimentiert. Man kann das wollen, aber man muss es nicht, es ist legitim Grenzen zu setzen.

Der Weihnachtsbotschaft, die auch Herr Bedford-Strohm verkündet hat – stimme ich ausdrücklich nicht zu.

Die Leserbriefe zu der Grundthese von Herrn Bedford-Strohm haben mich nachdenklich gemacht. Da werden ganz viele Fragen aufgeworfen.

Auch ich glaube, dass genug für alle da wäre. Die Familie Quant z.B. besitzt – so habe ich gehört - 22 Milliarden Euro. Frage: was macht man mit so viel Geld, bzw. wie kommt man an solche Unmengen? So viel kann niemand arbeiten, dass solche Summen gerechtfertigt wären, die in keinem Verhältnis zum Durchschnittseinkommen eines Otto-Normal Verbrauchers stehen. Es gibt sicherlich eine Aufstellung der 10 oder 20 reichsten Deutschen, die ich mir besser nicht anschaue, weil ich dann nur wütend werde. Da stimmt doch was generell nicht.

Auch ich erlebe, dass Stadtteilbüchereien und Schwimmbäder geschlossen werden, da kein Geld dafür da ist. Es gibt keinen günstigen Wohnraum, der doch so dringend nötig wäre. Ja, die Kommunen haben kein Geld, wo also ist dieses „genug für alle“, an das auch ich glaube? Wenn in vielen Bereichen gekürzt wird, wenn man Angst davor hat, entlassen zu werden, Angst davor die Wohnung nicht mehr bezahlen zu können, dann fragen sich Menschen, wieso reicht es dann für die Flüchtlinge? Das liegt doch nahe. Das sind verständliche existentiellen Ängste. Wir sollten schauen, was wir machen können, damit wir wieder solidarisch sein können. Wo müssen wir ansetzen?

Ich erlebe, dass MitarbeiterInnen von Firmen Gewinne erwirtschaften, dann aber entlassen werden, um den Aktionären eine höhere Rendite zu garantieren. Das darf doch nicht sein! Weitere Frage, die mich umtreibt: wenn z.B. der öffentliche Nahverkehr ausgebaut wird und mehr Menschen ihn nutzen, was bieten wir dann den ArbeiterInnen in der Automobil Branche als Alternativ Arbeitsplätze an? Wenn aus Klimaschutzgründen keine Braunkohle mehr gefördert werden soll, wie sorgen wir dafür, dass diejenigen, die dort gearbeitet haben, auch weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen können?

Ich würde mir wünschen, dass kein Geld für die Erforschung des Weltraums ausgegeben wird, sondern dass diese Gelder in unser Leben auf diesem Planeten gesteckt werden. Ich würde mir wünschen, dass Fussballer nicht solche horrenden Summen verdienen, sondern dass ihre Gehälter denen des Otto-Normal-Verbrauchers angepasst werden. Wo kommen die Gelder her, können sie evtl. anderweitig , sprich sinnvoller genutzt werden?

Ich fand es toll, dass Frau Merkel gesagt hat „wir schaffen das“. Aber auch ich glaube, dass es schwer werden wird die Flüchtlinge unter den jetzt herrschenden Bedingungen kultur-und gesellschaftspolitisch zu integrieren. Die italienischen Gastarbeiter waren katholisch, von „den Jugos“ wusste man nicht, welcher Religion sie angehören, sie gehörten einfach dazu und die muslimischen Türken gehören ebenfalls zu uns. Aber wie soll man mit dieser Schwemme junger muslimischer Männer umgehen? Die Kriminalitätsrate unter den jungen Flüchtlingen ist hoch, höre ich gerade im Radio. Wir sollten ihnen die Möglichkeit geben auf legalem Weg Geld zu verdienen, sie gastfreundlich willkommen heißen. Aber für eine Willkommenskultur fehlt das Geld. Dabei ist doch „genug für alle da“.

In einem Artikel beschrieb ein Journalist, dass die Straße vor seiner Wohnung gemacht werde – früher wären dafür 6 Männer angerückt, jetzt käme eine Maschine mit einem Fahrer und erledige den Job. Das wären 6 Arbeitsplätze für Leute gewesen, die dafür nur wenig Deutsch und keine Ausbildung benötigt hätten. Wo gibt es solche Arbeitsplätze? Man kann das Rad nicht zurück drehen, aber die Frage bleibt: womit können Menschen mit wenig Kenntnissen der deutschen Sprache und ohne Abitur  ihren Lebensunterhalt verdienen?

Gibt es Antworten auf meine Fragen, gibt es Ansätze für Antworten auf diese so drängenden Fragen?

In Deutschland ist kein Geld einfach „da“ – wir sind schließlich kein Ölförderland, in dem der Reichtum aus dem Boden sprudelt und wo man ihn nur noch verteilen muss.
Verteilt wird Geld, das andere erarbeiten und an den Staat abtreten.
Schön wäre es, wenn es dann gerecht, sinnvoll und ökonomisch eingesetzt würde. Aber leider ist unsere Hilfe sowohl ungerecht als auch ineffizient: Wir helfen denen, die genug Geld hatten, um hierher zu komme, und denjenigen, die schon woanders in Sicherheit waren. Wir helfen Betrügern, die ihre Pässe wegwerfen und falsche Herkunfts- und Altersangaben machen, bis hin zu Straftätern mit Mehrfachidentitäten. Wir helfen in einem hochpreisigen Industrieland anstatt ortsnah, wo man mit denselben Beträgen zehnmal so viel bewirken könnte, und das auch noch bei den Bedürftigsten.
Diese Art von Hilfe ist ein Deckmäntelchen für emotionale Defizite. Nicht Neid ist hier das Problem, sondern Hilflosigkeit.
Weil wir aus falsch verstandenem Humanismus die Situation nicht vorurteilsfrei analysieren und unsere Interessen nicht definieren und vertreten wollen, kaufen wir uns mit Sozialleistungen frei. Das ist einfacher, als sich damit auseinanderzusetzen, dass die Massenflucht auch Folge von uns jahrzehntelang geduldeter Diktaturen ist. Das ist auch einfacher, als denjenigen Flüchtlingen Grenzen zu setzen, die unsere Gutgläubigkeit ausnutzen wollen.
Stattdessen verteilen wir einfach das, von dem sowieso genug da ist und was immer hilft.

Sehr geehrte Damen und Herren,
die Resonanz auf den Beitrag von Herrn Bedford-Strohm im Chrismon hat mich überrascht. Ich würde mich über seine Antwort und eine fortgesetzte Diskussion auch in der Printausgabe freuen.
Mit freundlichem Gruß
Ihr
Reinhard Kniepkamp
33334 Gütersloh-Isselhorst

Dass Kirchenführer wie Bedford-Strohm oder bei uns in Köln Kardinal Woelki für eine unbegrenzte Zuwanderung sind, Schwamm drüber.
Das sieht der (grüne)Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer allerdings anders. Dessen -schmerzhafte- Erkenntnis lautet: Wir können nicht allen helfen. Bedford-Strohm sollte seinem Staat lieber helfen, für eine begrenzte, sozialverträgliche und transparente Zuwanderung zu sorgen.
Ich würde es begrüssen, wenn es analog zu den Wirtschaftweisen auch Zuwanderungsweisen gäbe, die jedes halbe Jahr über den Stand der Migration berichten: Wieviele Flüchtlinge, wieviele Asylanträge, wieviele EU-Zuwanderer aus dem Balkan, wieviele Duldungen, wieviele Einsprüche gegen Bescheide, wieviele Verwaltungsgerichtsverfahren, wieviele Abschiebungen, wieviele Arbeitssuchende, wieviele erfolgreiche Stellenbesetzungen, wieviel Miete an private Wohnungsgeber, wieviele freiwillige Rückkehrer, wie hoch sind die Krankenkassenleistungen, Integrationskosten usw. usw. Ich bin fest davon überzeugt, dass die grosse Mehrheit der deutschen Bevölkerung die erforderlichen Integrationsmittel mittragen würde, wenn der deutsche Staat endlich beweisen würde, dass er eine großzügige aber begrenzte, transparente Zuwanderung stemmen und juristisch sauber und nachhaltig abwickeln kann.
Dann bräuchte Herr Bedford-Strohm auch nicht im alten Testament nach einer Hilfestellung zu graben.
Also Herr Bedford-Strohm, geben Sie Gott, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist.

Dem Titel des Beitrages von Herrn Bedford-Strohm stimme ich voll zu: „Es ist genug für alle da“.
Doch schon dem Untertitel nicht mehr: „Polemiken über Sozialleistungen für Flüchtlinge schaden dem gesellschaftlichen Frieden und schüren unbegründete Ängste.“
Meines Erachtens geht es nicht um „Polemiken“. Vielleicht hätte sich der Autor einmal an der Basis informieren sollen. Vielleicht würde ihm dort jemand darüber berichten, wie in der häuslichen Pflege oft minutenweise abgerechnet werden muss. Ohne die Möglichkeit menschlicher, geschweige denn christlicher Zuwendung. Werden diese „Dienstleistungen“ am Menschen gerecht bezahlt?
Erhält die Schwester im Krankenhaus wirklich, was sie „verdient“? Wo sind im Gesundheitsbereich „Zuzahlungen“ erforderlich, die man nur bei entsprechendem Einkommen bezahlen kann?
All dies kann natürlich kaum geleistet werden, weil kein Geld da ist. (Es ist irgendwo anders!) Die Klage: “Die Kosten!“
Es sind keine geschürten „Neidgefühle“, die Herr Bedford-Strom anspricht, es ist die tief begründete Angst der persönlich Betroffenen!
Und genau hier entsteht die große Gefahr für unser demokratisches Gemeinwesen: Es ist genug für alle da! Aber die Milliarden von Euro, die für die Flüchtlinge pro Jahr ausgegeben werden, werden nicht benannt. Doch wenn gravierende Mängel in unserem Sozialsystem angesprochen werden, heißt es: „Kein Geld!“
Obwohl, so vermute ich, und da bin ich wieder bei Herrn Bedford-Strohm, Geld, vielleicht nicht für alle auf der Welt, aber für viele ist da. Aber die Gefahr liegt darin, dass der begründete Eindruck entsteht, man würde besser versorgt, würde man nach Deutschland fliehen, als dass man hier von Geburt an lebt.
Die gerechte Einkommensverteilung ist ein gesellschaftliches Problem, die ungerechte schadet dem gesellschaftlichen Frieden!

Am 21.12.2017 habe ich Ihnen einen Leserbrief zum Artikel "Es ist genug für alle da" von Herrn Bedford-Strohm geschrieben. Es ist nicht üblich Leserbriefe zu ergänzen, doch eine TV-Sendung kurz danach hat mich zu folgenden Nachsätzen bewegt:

Nur zwei Tage später, am 23.12., sah ich in der Lokalzeit des WDR einen Beitrag über die Verleihung des "Ehrwin des Monats" an Hannelore Mertens in Niederkassel für deren Initiative "Tischlein deck dich". Die ehrenamtliche (!) Initiative besteht seit 15 Jahren (!).
"Die Armut treibt die Menschen jeden Montag hier her!", heißt es dort. Über die Reihenfolge des Zugangs muss per Los entschieden werden. Der Andrang bei den Tafeln dieser Art, die Bedürftige mit Lebensmitteln versorgen, nimmt offensichtlich immer mehr zu.

"Keine der bisherigen Sozialleistungen musste zugunsten der Flüchtlinge gekürzt werden", heißt es im Text von Herrn Bedford-Strohm.
Ja, woran liegt es denn dann, dass Armut und Not in unserem, nach offizieller Darstellung so reichen Land immer mehr zunehmen? Warum müssen immer mehr Menschen, seit 15 Jahren (!) zu Frau Mertens gehen?

Meines Erachtens reicht es nicht, wenn Herr Bedford-Strohm darüber spekuliert, was "zu machen sein sollte." Es muss angemahnt, gefordert und umgesetzt werden, was nötig ist!

Ich befürchte, ansonsten gerät unser demokratisches Gemeinwesen, und damit auch die Basis für unseren sozialen Frieden nicht nur aus den Fugen, sondern in grundsätzliche Gefahr! Ist uns dies wirklich bewusst?

Mit freundlichem Gruß und guten Wünschen für ein gutes, friedliches Jahr 2018

Es ist genug für ALLE da?

Sagen Sie das mal den Rentnern mit kleiner Rente, die vor der nächsten Mieterhöhung schon zittern. Sagen Sie das den Mietern mit wenigem Einkommen, die eine Wohnung auf Märkten suchen, auf denen die Preise stark angestiegen sind, natürlich auch durch die vom Amt finanzierten Mietzahlungen für Flüchtlinge. Wenn die Nachfrage nach Wohnraum steigt, steigen auch die Mieten der Neuvermietungen.

Sagen Sie das mal den Leuten, die zu den Tafeln gehen müssen, weil sie sich das normale Essen nicht leisten können.

Sagen Sie das zu den alten Leuten, die in Pflegeheimen dahinsiechen.

Sagen Sie das zu den Schülern, die keine ordentliche Bildung bekommen, weil sie arme Eltern haben.

Was den gesellschaftlichen Frieden stört? Solche "wir schaffen das" Analysen vom jemandem, der die Nöte von einem Teil der Bevölkerung einfach nicht sieht oder sehen will.

Es ist genug da? Warum müssen dann Millionen von Leuten für einen Mindestlohn buckeln, der sie in die Altersarmut treibt?

Sehr geehrter Herr Bedford-Strohm,
Ihr Artikel, den ich erst heute lesen konnte, hat mich geärgert. Nicht deswegen, weil ich die Aussage im Ergebnis für falsch halte, sondern weil sie so oberflächlich begründet wurde. Die Problematik liegt doch etwas tiefer. Die Bezeichnung als Neiddebatte und die Feststellung, dass noch keine Sozialleistung gekürzt worden ist, wirkt auf mich sehr vereinfachend und populistisch. Gut, dass bereits vor mir Leser ausführlich und mit fundierten Sachargumenten auf das Thema eingegangen sind.
Mit freundlichen Grüßen

Natürlich ist auch ein Kirchenführer weit weg von der Realität. Und ja, die Flüchtlinge sind nicht schuld an der Polemik über Sozialleistungen...aber die Realitäten sind andere. z.B. mein Nachbar, aus Bosnien stammend, seit 25 Jahren in Deutschland hat 4 Kinder und wohnt in einer 3 Zimmer Wohnung. Er erzählt mir, immer wenn er eine bezahlbare Wohnung ausgemacht hat ( am Bodensee!) wird ihm mitgeteilt diese Wohnung beansprucht die Kommune für Flüchtlinge- Können sie seine Wut verstehen? oder.. zur Zeit wieder häufig zu lesen, ich kenne auch 2 Fälle... Strom wird gesperrt. Aussage...ich kann den Strom nicht mehr bezahlen , meine Nachbarn aus Syrien und Gambia kennen das Problem nicht.. da wurde noch nie eine solche Maßnahme getroffen. Solche echten Situationen werden nicht publiziert.. man könnte ja fremdenfeindlich daher kommen. Denken sie nicht, dass die einfache Aussage es ist genug für alle da, solche Alleinerziehehenden, Wohnsitzlosen, Arbeitslosen auf die Palme bringt, die jeden Tag erleben wie für Flüchtlinge, was auch noch zu differenzieren wäre zumindest materiel keine Probleme haben?

In unserer Gesellschaft muss jeder für alles, was er braucht, also auch für Wohnraum und Strom, die geforderten Preise zahlen. Warum ist das so? Weil diese Gesellschaft so eingerichtet ist, dass alles jemandem gehört und nur dann den Eigentümer wechselt oder benutzt werden kann, wenn damit ein hübsches Geschäft gemacht werden kann. Selbstverständlich wird das Geschäft nur von denen gemacht, die das für die Geschäftemacherei nötige Geld haben.

Wer kein oder wenig Geld hat, bekommt keine oder eine miese Wohnung, muss laufend Strom sparen oder kriegt ihn ganz abgestellt. Wen das auf die Palme bringt, sollte die richtige Palme wählen. Im Falle von Wohnung und Strom wären das die Wohnraumbesitzer und die Aktionäre der Energieversorgungsunternehmen. Wem ausgerechnet hier die völig unzuständigen Flüchtlinge einfallen, der lässt sich offenbar auf völlig falsche Palmen hetzen. Und erwartet auch noch Verständnis und Beifall für seine komplette Verirrung im Palmenwald.

Thea Schmid

Natürlich ist auch ein Kirchenführer weit weg von der Realität. Und ja, die Flüchtlinge sind nicht schuld an der Polemik über Sozialleistungen...aber die Realitäten sind andere. z.B. mein Nachbar, aus Bosnien stammend, seit 25 Jahren in Deutschland hat 4 Kinder und wohnt in einer 3 Zimmer Wohnung. Er erzählt mir, immer wenn er eine bezahlbare Wohnung ausgemacht hat ( am Bodensee!) wird ihm mitgeteilt diese Wohnung beansprucht die Kommune für Flüchtlinge- Können sie seine Wut verstehen? oder.. zur Zeit wieder häufig zu lesen, ich kenne auch 2 Fälle... Strom wird gesperrt. Aussage...ich kann den Strom nicht mehr bezahlen , meine Nachbarn aus Syrien und Gambia kennen das Problem nicht.. da wurde noch nie eine solche Maßnahme getroffen. Solche echten Situationen werden nicht publiziert.. man könnte ja fremdenfeindlich daher kommen. Denken sie nicht, dass die einfache Aussage es ist genug für alle da, solche Alleinerziehehenden, Wohnsitzlosen, Arbeitslosen auf die Palme bringt, die jeden Tag erleben wie für Flüchtlinge, was auch noch zu differenzieren wäre zumindest materiel keine Probleme haben?

Sehr geehrter Herr Bedford-Strom,
Sie haben sicher recht, dass Neiddebatten nichts bringen. Aber das Verschweigen von Tatsachen bringt auch nichts.
Denn es ist eben nicht genug für alle da:
Um Kindergarten- und Hortplätze konkurrieren die Kinder gut ausgebildeter Mütter, die arbeiten wollen oder müssen, um ihren Job zu behalten, mit den Flüchtlingskindern, die dringend deutsch lernen und mit der neuen Kultur vertraut werden sollen.
Um Schulplätze an weiterführenden Schulen konkurrieren alle Schüler, die dann lange Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen, da in Wohnortnähe nicht genug Plätze vorhanden sind.Ob besonders an Grund- und Hauptschulen alle Kinder weiterhin gut gefördert werden können, wenn der Anteil der kaum deutsch sprechenden, z.Tl. traumatisierten Schüler groß ist, ist fraglich.
Um bezahlbaren Wohnraum konkurrieren lang eingesessene Familien mit den Flüchtlingsfamilien.
Um Jobs für gering ausgebildete Menschen konkurrieren Langzeitarbeitslose oder Menschen, die gerade ihren Job verloren haben, mit meist jungen, männlichen Flüchtlingen.
Dass diejenigen, die nicht zum Zug kommen, neidisch auf die "Gewinner" sind, ist nachvollziehbar...
Statt Schuldzuweisungen sollte die Größe der Probleme benannt und zahlenmäßig belegt werden, was die Größe der Probleme möglicherweise relativiert, und Ziele genannt werden,wie die Nachteile überwunden werden können. Dass wir bis dahin den Flüchtlingen freundlich und hilfsbereit gegenüber treten müssen, ist selbstverständlich.

Sehr geehrte Frau Jung, Sie möchten gerne die Größe eines Problems benannt bekommen. Die Größe ist in einem Wort zu sagen: Allumfassend. Erst kämpfen die Mütter um einen Termin bei der Hebamme, bald folgt die Konkurrenz um einen Kitaplatz, dann darf die Jugend um die Schulnoten konkurrieren, weiter geht es mit der Konkurrenz um Ausbildungs- und Studienplätze. Als nächstes ist um den Erhalt einer Arbeitsstelle zu konkurrieren. Hat man eine, ist darum zu konkurrieren, wer bei Modernisierungen und Umstrukturierungen gleich oder erst später rausfliegt. Am Ende haben die Angehörigen um einen Platz im Pflegeheim zu kämpfen. Lediglich der Tod ist ohne Konkurrenz zu haben.

Inwiefern soll das ein Problem sein? Diese Aneinanderreihung von widerwärtigen Zwangslagen ist das, was man freiheitliches Leben nennt. Das ist hochbeliebt, insbesondere bei denen, die so ziemlich in jeder Konkurrenz auf die Nase fallen. Die großen Dichter und Denker wie auch die gewöhnlichen anständigen Eltern, Lehrer, Pfarrer, Psychologen und Journalisten geben ihr jeweils Bestes, damit kein hässlicher Gedanke bezüglich dieses freiheitlichen Lebens in der Konkurrenz aufkommt.

In der Konkurrenz kämpft jeder gegen jeden, keineswegs nur Inländer gegen geflüchtete oder nicht geflüchtete Ausländer. Es kämpfen Junge gegen Alte, Frauen gegen Männer, Dicke gegen Dünne, Norddeutsche gegen Süddeutsche. Überall finden sich volle Boote. Sollen die Bootsinsassen sich gegenseitig aus dem Boot schmeißen? Also "Flüchtlinge raus", ehemals "Ausländer raus"? Dieser Logik folgend könnten die Männer ja auch mal wieder auf den Einfall kommen, den Frauen das Arbeiten zu verbieten. Würde sicherlich dem einen oder anderen Mann einen Job zuschanzen.

Oder soll man denen glauben, die versprechen, sie würden aus der bescheuerten Konkurrenz eine kuschelige Angelegenheit für jeden machen, wenn man sie nur wählen geht? Mit diesem Köder bringen sowohl die AfD wie die GroKo, Jamaika und die Linke noch jedesmal die lieben Zeitgenossen dazu, Zettel in Wahlurnen zu schmeißen.

Auf den Einfall, angesichts lauter ziemlich unangenehm voller Boote das Gewässer trocken zu legen, das zum ständigen Bootsfahren zwingt, kommt keiner mehr.

Thea Schmid

"Es ist genug für alle da", schreibt der Ratsvorsitzende, "wenn diejenigen, die reich gesegnet sind, ihre soziale Verantwortung ernst nehmen" (12/2017 auf Seite 10). Das Wahrnehmen dieser Verantwortung beruht in Deutschland allerdings weder auf staatlicher noch auf kirchlicher Ebene auf Freiwilligkeit, sondern auf verbindlichen Regeln. Aus diesem Grunde musste auch Heinrich Böll trotz anfänglicher Weigerung (12/2017 auf Seite 42) seine Kirchensteuer auf diese deutsche, betuliche Weise an sein Bistum bezahlen. Denn auch die katholische Kirche hat Angestellte und in Jeremias 22 ist nicht nur vom "Elenden und Armen" die Rede, sondern es heißt dort auch "wehe dem, der seinen Nächsten umsonst arbeiten lässt und giebt ihm seinen Lohn nicht" (22,13).

Aus ihrem Beitrag, verehrter Herr Bedford-Strohm, spricht der Wille, gesellschaftlichen Frieden und Zusammenhalt zu befördern. Das begrüße ich. In Wahrheit jedoch erreichen Sie mit Ihrem Votum eher das Gegenteil: Sie vertiefen die Spaltung unserer Gesellschaft, indem Sie Debatten über Sozialleistungen für Flüchtlinge als "Polemiken" inkriminieren und indem Sie systematisch alle Tatsachen, die gegen Ihre These sprechen, ausblenden oder bestreiten. Ihre Argumentation lässt zunächst außer Acht, dass nach unserem Grundgesetz zwischen Menschen mit Anspruch und solchen ohne Anspruch auf Asyl zu unterscheiden ist. Und nach den Gesetzen der Logik und der Mathematik besteht selbstverständlich ein Unterschied, ob in einem Land Sozialleistungen beispielsweise für 30 Mill. oder für 32 Mill. Einwohner gezahlt werden müssen. Erst wenn dies anerkannt (und nicht durch die fahle Formel "Es ist genug für alle da" verkleistert) wird, kann - nicht von der Kirche, sondern von dem Teil der Gesellschaft, der am stärksten auf Sozialleistungen angewiesen ist - erklärt werden: "Ja, wir sind bereit für eine große Zahl zusätzlicher Flüchtlinge zusammenzurücken und Einschränkungen hinzunehmen." Denn selbstverständlich belasten Flüchtlinge die Lebenssituation vieler "Einheimischer", die auf der Suche nach einer bezahlbaren Stadtwohnung oder einem Kindergartenplatz sind oder deren Kinder in Klassen unterrichtet werden, die einen hohen Zeitanteil für den Ausgleich mangelnder Sprach- und Kulturkenntnisse von Migrantenkindern aufwänden müssen.
Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern sind die Sozialleistungen für Flüchtlinge in Deutschland sehr hoch. Diese Tatsache entfaltet eine Steuerungswirkung, die den politischen Anspruch, auch die anderen Länder Europas müssten sich in vergleichbarer Weise an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen, konterkariert. Auch darauf hinzuweisen ist keineswegs unchristlich.

Grundsätzlich geht der Beitrag des Herrn Bedford-Strohm von der SPD für mich eher am Kern der Debatte vorbei, denn in meinem Bekanntenkreis wendet sich kaum jemand gegen die Unterstützung von echten Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Die übrigens weltweit ziemlich einmalige Großzügigkeit vieler Menschen in unserem Land endet jedoch erkennbar dort, wo 80% der Einreisenden keinen Pass dabei haben (verhindert spätere Abschiebung). Unter diesen 80% befinden sich höchstwahrscheinlich ein gewisser Anteil von Menschen, die keine "Flüchtlinge" sind, sondern gern unsere großzügige Gesetzgebung nutzen, hier dauerhaft in unserem weltweit einmaligen Sozialsystem sesshaft zu werden oder auch zweifelhaften Geschäften nachzugehen. Darunter sind leider auch weniger sympathische Zeitgenossen wie Anis Amri, der eine oder andere Taliban, Dschihadist oder islamistische Gefährder. Viele der an den Bahnhöfen unseres Landes tätigen Drogendealer sind mit einem Asylantrag hierher gekommen. Ja, Herr Bedford: Wieso ich diese Personen mit meinen Steuermitteln unterstützen soll, leuchtet mir nicht ein. Ich möchte, dass solche Leute unser Land wieder verlassen, denn ich habe Kinder. Es ist auch am Thema vorbei, das als Neiddebatte zu diffamieren. Warum helfen wir nicht Hungernden in Afrika, sondern zahlen hier ausreisepflichtigen Dealern Hartz IV, lieber Herr Bedford? Bitte nutzen Sie doch für Ihre privaten politischen Inhalte die SPD, und nicht meine Kirche. Und, ja - man muss es auch und gerade Sozialdemokraten seit den 70er Jahren immer wieder erklären: Das Geld kann man nur einmal ausgeben. Da braucht man mit dem von der EZB-Niedrigzinspolitik verursachten Haushaltsüberschuss Nebelkerzen streuen. Freundliche Grüße!

Sehr geeehrter Herr Bedford-Strohm,
inIhrem Artikel gehen Sie davon aus, dass sowohl für die Armen in Deutschland als auch für die Flüchtlinge genug finazieller Spielraum vorhanden
sei,um beiden Gruppen helfen zu können.
Darin stimme ich mit Ihnen im Prinzip überein.

Aber: Es gibt eine relativ große Anzahl von Menschen in Deutschland, die beobachten,mit welch großer Entschiedenheit die beiden großen Kirchen für
die Rechte der Flüchtlinge eintreten und wie realtiv schwach das Engagement der Kirchen für die Armen in Deutschland ist.Wann- so frage ich Sie-
hat die ev.Kirche eine Synode abgehalten, auf der die Armut in Deutschland so einen großen Stellenwert einnahm wie die notwendige Hilfe für die
Flüchtlinge?
Wo sind die zentralen Aussagen der beiden Kirchen zu sozialen Fragen ( Sozialwort) umgesetzt ( !) worden?Wo haben Pfarrer und Pfarrerinnen so
starkes Engagegment bei der Bekämpfung sozialer Not gezeigt wie im Bereich der Integration der Flüchtlinge?
Wenn Sie auf die Forderungen der Nationalen Armutskonferenz verweisen,reicht dies nicht aus.Die Menschen in Deutschland wollen sehen, dass die
beiden großen Kirchen sozialpoltische Forderungen an die Politik laut artikulieren und( ! ) für deren Erreichung kämpfen.
Es reicht nicht, wenn auf die Arbeit der Diakonie verwiesen wird.Viele wollen , dass der Ratsvorsitzende der EK und alle Pfarrer sich vehement für die
Beseitigung der Kinderarmut einsetzen.Doch in dieser Hinsicht fehlt die notwendige Entschiedenheit der Repräsentanten der EK.
Vielleicht wird dieses Defizit noch beseitigt werden.

M.f.G. W.Hönnicke

Selbst wenn die Grundthese des EKD-Vorsitzenden Bedford-Strohm richtig wäre, dass wegen der Flüchtlinge noch niemandem etwas genommen worden sei und genug für alle da sei (wie lange noch?), ist damit nicht entschieden, ob ein weiterhin unbegrenzter Flüchtlingszustrom auch kultur- und gesellschaftspolitisch gewünscht und richtig wäre. Seine Behauptung enthält etwas Skandalöses. Denn wenn sie richtig wäre, würde sich logisch und auch "biblisch" sofort die Frage stellen, warum das nicht schon früher galt für die 2 Mio. Kinder und Jugendlichen, die nach Hartz-4 leben müssen, für die Alten und die Kinder alleinerziehender Mütter oder für die Gesundheitspolitik. Da kann man sich aber nicht so schön in der Sonne der Nächstenliebe wohlig wärmen, wie die Kirchen das bei der Flüchtlingshilfe tun.
Seine Behauptung ist aber falsch. Bei Zuzug so vieler elender Menschen in der Welt - sagen wir fünf Millionen nach Deutschland -, was auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein wäre, würde für die Migration die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes auszugeben sein. Das nimmt der Hälfte der Bevölkerung den wirtschaftlichen Atem zum Leben.

In den Leserkommentaren wird laufend behauptet, die Dürftigkeit, die der hiesige Eingeborene auszuhalten habe, läge an den Flüchtlingen. Dass dies ein ziemlich albernes Märchen ist, geht allein schon daraus hervor, dass sich Rentner und Pflegebedürftige schon immer nach der Decke strecken mussten, lange bevor nennenswerte Flüchtlingsscharen ins Land kamen. Die Vorstellung, alle Flüchtlinge rauszuschmeißen und dann stiegen plötzlich die Renten, die Pflegekräfte würden besser entlohnt und die maroden Straßen erneuert, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Warum wird bei solchen Vorstellungen nicht überall schallend gelacht?

Weil die Vorstellung verbreitet ist, der Staatshaushalt sei so etwas wie ein Privathaushalt, nur etwas größer. Der Normalverdiener weiß um die Höhe seines überschaubaren Einkommens und kann in dem Jahr, wo der Kauf eines neuen Autos nicht mehr hinauszuschieben ist, eben nicht in den Urlaub fahren, weil der Zaster nicht reicht. Und so ähnlich soll man sich die Situation des Parlaments und der Regierung vorstellen, die den Staatshaushalt festlegen. Das ist grundfalsch. Der Staat beschließt aus eigener Machtvollkommenheit, wieviel Steuern er erhebt und wieviel Kredit er aufnimmt. Wenn der Staat einen Krieg führen oder seinen Lieblingsbürgern, den Unternehmern, mit Konjunkturprogrammen auf die Erfolgsspur verhelfen will, dann macht er das. Da gibt es das Argument "Kann ich mir nicht leisten" grundsätzlich nicht.

Wofür der Staat wieviel ausgibt, ist eine Frage seines politischen Willens. Insofern ist die Behauptung, die Flüchtlinge fräßen dem deutschen Staat die letzten Haare vom Kopf und deshalb seien die Sozialleistungen für die hiesige Mannschaft bescheiden, falsch. Und genau so falsch ist die Behauptung des Artikels, es sei genug für alle da. Diese Behauptung ist zwar gemeint als Gegenposition zum flüchtlingsfeindlichen Gemosere, geht ihm aber genau auf den Leim. Der Staat betreibt Flüchtlingspolitik und er betreibt Sozialpolitik. Das ist beides grundverschieden von den Sorgen eines Normalmenschen, wie er mit seinem Einkommen klar kommt.

Kasperle fragte immer: "Seid ihr alle da?". Der Finanzminister fragt nicht: "Liebe Euros, seid ihr alle da?". Weder die Antwort "Ja, wir sind alle da und sind genügend viele", noch die Antwort "Nein, wir sind zu wenige" haben etwas mit der Wirklichkeit zu tun.

Traugott Schweiger

Die Zustimmung vieler Bürger zu Werten der christlichen und humanistischen Nächstenliebe und die Bereitschaft, Notleidenden vom Überfluss abzugeben findet ihre Grenzen in den begründeten Sorgen und Ängsten angesichts der Dimensionen unkontrollierter, hauptsächlich muslimischer Zuwanderung, in der tatsächlichen Konkurrenz um gesellschaftliche Ressourcen und der tatsächlichen Gefahr einer kulturellen Überfremdung durch reale demografische Entwicklungen und mangelhafte Integration angesichts der Schwächen des Staates und des Bildungssystems.

Sollten die Kirchen angesichts dessen das Christentum und die christliche Kultur offensiver verteidigen? Viele wünschen sich das, die auch in der Kirche Heimat finden wollen. Das schließt durchaus ein, dass in den Kirchengemeinden Integration gelebt wird.
Integrationserfolge ergeben sich aber aus einem bestimmten Verhältnis von Stammbevölkerung und integrationswilligen Zuwanderern.
Integration ist eine riesige und langfristige Kraftanstrengung und ganz bestimmt kein Selbstläufer. Es gibt keinerlei Garantien für massenhaft gelingende Integration.

Bürger, die in einem sicheren Deutschland leben wollen, das sich trotz aller dynamischer Veränderung und Weltoffenheit ab und zu nach Heimat anfühlt, äußern durchaus legitime und substantielle Bedürfnisse.

Noch eine letzte Betrachtung zur Behauptung, die Flüchtlinge könnten keine Bedrohung darstellen, weil sie den sozial Schwachen nichts wegnehmen würden (z.B. aktuelle Ausgabe von Chrismon). Keine Sozialleistung sei bisher unter Bezugnahme auf die Flüchtlinge gestrichen worden.

Diese Behauptung stimmt so nicht. Nehmen wir die Konkurrenzsituation auf dem Wohnungsmarkt, u. a. die Unterbringung von Flüchtlingen und Obdachlosen.
Es ist Fakt, dass der Staat deutlich mehr Geld für die Flüchtlingsunterbringung aufwendet als er aktuell in die Hand nimmt, um Wohnungslosen zu helfen. In Berlin vertreibt ein früherer Sozialstadtrat wohnungslose Osteuropäer aus Zelten im Tiergarten und wendet gleichzeitig eine Menge Geld auf, damit Flüchtlinge in überteuerten Unterkünften leben können.

Zweites Beispiel: ab 1.1.2017 gilt das Pflegestärkungsgesetz. Bekannt ist, dass ein zeitorientiertes System der Pflegestufen in ein abstrakteres Punktesystem überführt wurde, dass die Leistungen für physisch und psychisch Unselbständige nun nach Pflegegraden bemisst. Der Öffentlichkeit ist aber nicht bekannt, dass das Pflegestärkungsgesetz massenhaft zur Abschaffung und Kürzung sozialer Pflegeleistungen führt. Das subsidiäre Leistungssystem nach SGB XII (Sozialamt) wird verschlankt, indem man die bisherige Pflegestufe 0 abschafft.

Hiervon sind gerade in Berlin signifikant und überdurchschnittlich jüdische Zuwanderer betroffen, die bisher von sozialen Pflegeleistungen profitiert haben und Hilfen erhielten.
Jetzt lässt man diese Fürsorge fallen. Planziel der Kürzungen: mindestens 590.000 € monatlich müssen im Bereich der ambulanten Hilfe zur Pflege eingespart werden. Da spart man sich auch die Empathie und christliche Nächstenliebe und rechtsstaatliche Einspruchsverfahren.

Dritter Einwand: Immer wieder hören die Bürger, es sei kein Geld da, um Kinderarmut und Altersarmut wirkungsvoll zu bekämpfen, kein Geld um Schulen zu sanieren oder den Betreuungsschlüssel bei Kindern und Alten zu verbessern.
Der Staat nimmt jedes Jahr mehr Steuern ein- aber Probleme lösen kann er nicht, vor allem nicht bei den sozial Schwachen.

Bei Chrismon wird dagegen für großzügige Seniorenresidenzen geworben.
Wenn Gutmenschen gutsituiert sind, dann fällt es leicht, das Bestehende zu verteidigen und schwer die Wut derer zu verstehen, die benachteiligt und ungehört sind.
Das Sein bestimmt das Bewusstsein.

Wer sich auf die Seite der Schwachen schlägt und diese tagtäglich unterstützt und verteidigt – der ist im eigentlichen Sinne Christ und handelt verantwortungsvoll.
Ob ich als Atheist auf ein Leben nach dem Tod hoffen kann, ist dagegen ungewiss. Man übersieht und vergisst leicht die, die sich aufopfern.
Man geringschätzt die Geringverdiener, die angeblich weniger leisten als die Leistungsträger in Nadelstreifenanzügen.
Armut sei doch entweder ein Problem mangelnder Bildung oder mangelnder Eigenverantwortung und Vorsorge.
Das sagen jedenfalls die Arrivierten, die stolz auf ihren Wohlstand sind.

Wer sich auf den eigenen Verdiensten, Errungenschaften und Freiheiten ausruht, weil das Bestehende gut gepolstert ist, der sollte sich eher nicht auf die Reformation berufen.

Ich bin Ostdeutsche, weil mein in Hessen geborener Großvater in Jena Theologie studierte und in Thüringen heiratete. In Brasilien kam meine Mutter als Pfarrerstochter deutscher Aussiedler zur Welt. Ich bin Tochter eines jüdischen Germanisten, der in Rostow-am-Don zur Welt kam und pflege persönlich und beruflich enge Kontakte zu Russen.
Ich bin Mutter zweier großartiger erwachsener Kinder und war mit einem Engländer katholischen und kommunistischen Glaubens verheiratet.

Ich bin ein engagierter Idealist und suche nach offenen Ohren, nach lösungsorientierten Weltverbesserern.
Mein berufliches Motto als Sozialberaterin für Migranten ist: Empathisch Hinschauen und Handeln.

Berlin, 28.11.2017

Wieder wird versucht, Diskussionen über die Kosten der Flüchtlinge nach Deutschland möglichst zu unterbinden. Es ist nicht ehrlich, zu sagen, unserem nicht so wohlhabenden Teil der Gesellschaft wird nichts weg genommen. Mit den Milliarden für Flüchtlinge könnten sehr wohl die Sozialabgaben oder Steuern insbesondere für Ärmere gesenkt werden. Letzendlich müssen die Steuerzahler in Deutschland für die Flüchtlinge aufkommen. Außerdem muss man fragen, warum die BRD nun angeblich 16.000 Polizisten und tausende Richter zusätzlich einstellen und bezahlen muss? Das ganze Geld wäre sinnvoller eingesetzt in den Heimatregionen und nicht bei den kräftigen jungen Leuten, die es mit viel Geld und Kraft hierher geschafft haben. Dort könnten die vielen jungen Männern ihren Familien helfen und sie gegen Feinde verteidigen.

Meines Erachtens handelt es sich nicht um eine Neiddebatte, wenn über die sinnvolle Verwendung von zigMilliardenbeträgen gesprochen wird. Erstens sind die wenigsten, die in unser Land strömen Flüchtlinge im Sinne unserer Gesetze. Zweitens könnte man Menschen in Not viel besser helfen, wenn man dieses Geld vor Ort einsetzen würde. Zudem könnte so sehr viel mehr Menschen geholfen werden. Drittens würde man so auch vermeiden, dieses Land immer mehr zu spalten, Parallelgesellschaften zu schaffen, die hiesige Bevölkerung an den Rand zu drängen. Und nicht zuletzt: es ist eben nicht genug für alle da. Das Geld wird von den Steuerzahlern erwirtschaftet, es kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn es für jeden, der illegal die Grenze übertritt ausgegeben wird und das reichlich, steht es natürlich denen, die es erwirtschaftet haben, nicht mehr zur Verfügung. Es können dafür keine Schulen oder die Infrastruktur saniert und modernisiert werden, etc.etc.

Danke, ich finde Sie bringen es auf den Punkt. Ich verstehe nicht, warum unsere Kirche in Person von Herrn Bedford-Strohm (SPD) derartig sachliche Überlegungen nicht aufgreift sondern vielmehr einer unbegrenzten Masseneinwanderung das Wort redet. Das hilft erkennbar NICHT etwa im christlichen Sinne den Ärmsten, denn die können sich die Schleuser nicht leisten.

Sehr geehrter Herr Bedform-Strohm,
Ihrer Darstellung ist entschieden zu widersprechen. Es ist traurig, wie selbst intellektuell anspruchsvolle Meinungsträger in diesem schwierigen Thema entscheidende Perspektiven vergessen. Diese seien nur mit folgenden Fragen angerissen: was ist mit den millionen hilfebedürftigen Frauen und Kindern, die zurückgelassen um ihre Existenz kämpfen, während wir mit den geflüchteten Brüdern und Vätern teilen? Und wieviel können wir teilen, wieviel kann man überhaupt sinnvoll teilen? Wäre St. Martin, wenn er seinen Mantel in zehntausend kleine Schnipsel zerrissen hätte, noch eine Hilfe gewesen? Und wie können Sie von Neid sprechen, wenn der Sozialwohnungsbewohner eine Räumungsaufforderung erhält, um Flüchtlingen Platz zu machen, wenn der Harz4 Empfänger für die S-Bahn die Fahrkarte kauft, während die Schutzsuchenden kostenlos fahren, wenn für horrende Mieten Flüchtlingsheime gemietet werden während für die Schule, den Kindergarten kein Geld da ist? Da von "Neid" zu sprechen ist schon eine grobe Unterstellung.
Der Blick aus der gesicherten Position verengt möglicherweise die Wahrnehmung, leider aber damit auch den Blick für das Notwendige und Offensichtliche. Ihr vorletzter Satz des Artikels spaltet, indem er berechtigte Sorgen und Einwände als "Neiddebatten" diffamiert. In Anlehnung an Faust könnte man sagen: so ensteht die Kraft, die stets das Gute will und stets das Böse schafft.
Ich hoffe diese wenigen Sätze regen an zu differenzierterem Blick.

Sehr geehrter Herr Bedfort-Strohm,

Sie irren, wenn Sie sagen es ist genug für alle da. Wir bezahlen die hohen Flüchtlingskosten mit kaputten Straßen, Brücken, Schulen, Schwimmhallen etc. Wir bezahlen die immense Einwanderung mit dem Verlust an Sicherheit (Betonklötze zum Schutz von Weihnachtsmärkten und Großveranstaltungen) und mit Toten und Verletzten (Terroranschläge z.B. in Berlin). Das ignorieren dieser negativen Auswirkungen führt zu einer Spaltung unseres Landes. Die evangelische Kirche ist m.E. in der Pflicht sich für die Christen in Deutschland und der Welt einzusetzen und weniger für Moslems!

MfG

Joachim Helwing

Die Kirche ist leider von der Realität speziell In den Grosstädten weit entfernt. Auffällig ist das nur ein zweistelliger Milliardenbetrag genannt wird
aber die geschätzte Summe von 50 Milliarden/Jahr (Kosten Bund/Land+ Kosten für Behörden/Polizei Sonstige Organisationen nicht.
Wie war die Situation 2015 in unserer Stadt. 10000 Personen/Familien auf der Liste der Wohnungssuchenden, Marode Schulen, schlechte
Infrastruktur. Aussage der Politik war wir haben kein Geld. Wo kam das Geld aufeinmal für die Flüchtlinge her? Der Grundsatz das man das Geld
nur einmal ausgeben kann ist allgemein bekannt.
Das Ärgernis für viele ist das ein Großteil der Flüchtlinge Wirtschaftsflüchtlinge sind und nicht "Schutzsuchende". Wer durch z.B. 2 sichere Herkunftsländer fährt hat in erster Linie Interesse an die im Vergleich zu anderen Ländern extrem hohen Sozialleistungen.
Viele Rentner die lange Gearbeitet haben wären z.B. froh soviel "Taschengeld" zu haben wie ein Flüchtling/Familie.
Allein die Frage in Ihrer Zeitung Ob politische Debatten über dieses Thema schaden zeigt ein in seltsames Verständnis von Debattenkultur.
In einer Demokratie sollten über Fakten diskutiert werden. Gefühl und verschweigen hilft nicht.

Sehr geehrter Herr Bedfort-Strohm,
liest man die Schlagzeile: "Es ist genug für alle da. Polemiken über Sozialleistungen für Flüchtlinge schaden dem gesellschaftlichen Frieden und schüren unbegründete Ängste" und blickt in Ihr unbekümmertes Gesicht kann einen nur Fassungslosigkeit packen. In welcher Welt leben Sie und was berechtigt Sie Geld auszugeben, das Ihnen nicht gehört? Was berechtigt Sie, die Lüge zu verbreiten: "Es ist genug für alle da" und "Unbegründete Ängste werden geschürt" usw.? Führen Sie Ihren eigenen Haushalt auch so blauäugig?
Lesen Sie keine Zeitungen? Jetzt kommen die ersten Opfer der chaotischen Energiewende: Firmen verlassen das Land, die ersten Kündigungen sehen wir gerade (z.B. Siemens) da der Kraftwerksektor systematisch von der Regierung (auch die ev. Kirche daran Anteil) ruiniert wird. Der Kohlebergbau und die Automobilindustrie werden die nächsten Opfer sein. So wird es weiter gehen, wenn z. B. auch die Zinssätze wieder ansteigen oder Deutschland wegen eingegangener EU-Verpflichtungen zur Kasse gebeten wird.
Diese politisierte grüne Kirche ist nicht mehr meine Welt. Ich trete nicht aus, da ich mit meinen fast 80 Jahren versäumt habe, dies schon viel früher zu tun.
Gnabs; 27. Nov. 2017

Lieber Herr Bedford-Strohm,
ich stimme Ihnen zu, dass für alle genug da wäre, wenn gerecht verteilt würde. Nachdem ich eine kranke Mutter in einem Pflegeheim habe, die nur über eine geringe Rente verfügt, sehe das Thema allerdings so, dass "genug" nur im Konjunktiv zur Verfügung steht. Im Alltag, wenn ein Transport zum Facharzt ansteht, ist dieser selbst zu bezahlen, wenn spezielle Medikamente verordnet werden, sind diese selbst zu bezahlen usw. Das alles von einem Taschengeld knapp über 100 Euro. Weiter steht Personen, die auf staatliche Hilfe angewiesen sind, nur ein Zweibettzimmer zu. Wenn dann ein Nicht-Dementer mit einem völlig Dementen ein Zimmer teilen muss und nur einmal in der Woche duschen kann, ist der Satz "Es ist genug für alle da" schwer erträglich.
Auch die Pflegekräfte arbeiten ständig am Rande ihrer Kräfte, da nicht genug Personal zur Verfügung steht und das für wenig Geld. Ob diese Pflegekräfte zustimmen, wenn es heißt: "Es ist genug für alle da"? Sie schreiben, es ist noch keine einzige Sozialleistung gekürzt worden; wenn Sie jedoch ständig mit den Sozialbehörden um die gesetzlich und richterlich zugestandenen Leistungen ringen müssen, braucht es keine Kürzung, denn es scheint eben nicht genug für alle da zu sein, sonst kann ich mir dieses restriktive Verhalten nicht erklären.
Da mag man sich eine Neiddebatte verbieten, aber im Sozialbereich liegt vieles im Argen und es wird gespart auf Teufel komm raus. Dabei gütig und mildtätig mit anderen Armen noch zu teilen, während Großkonzerne und Steuerflüchtlinge sich aus dem Sozialstaat stehlen, ist viel verlangt.
Mit freundlichen Grüßen

Der Herr Ratsvorsitzende der EKD hat geschrieben: "Dass jemand, der jeden Tag kämpfen muss, um mit seinem Geld auszukommen, anfällig für Neidgefühle ist, ist verständlich." Für diese Sorte von Verständnis fehlt mir jedes Verständnis. Es soll also verständlich sein, dass der einheimische Gering- oder Normalverdiener ausgerechnet den ausländischen Flüchtling als jemanden sieht, dem Sozialleistungen zu neiden sind? Wenn schon Neid, wäre es dann nicht viel naheliegender, dem einheimischen Unternehmer und dem deutschen Staat gegenüber neidisch zu sein? Da fließt doch der vom Normalo geschaffene Reichtum in rauen Mengen hin, nicht zu den Asylbewerbern.

Klar, wenn man diesem Gedanken nachgeht, kommt was anderes dabei heraus als das Lob des gütigen Sozialstaates, der sowohl den einheimischen Armen wie den ausländischen Hungerleidern mit Augenmaß und ganz viel gottgefälliger Gerechtigkeit Wohltaten zukommen lässt.

Thea Schmid

Sehr geehrter Herr Landesbischof,
Ihr Artikel widerspricht sich nach diesseitigem Verständnis sprachlich in einigen Punkten:
a) Berufspolitiker dürfen sich nicht von Gefühlen leiten lassen. In diesem Kontext zitieren Sie sehr gefühlsbetont Jerimia 22.
b) "Neben" dem Einsatz für Flüchtlinge solle man den Blick auch auf Arme hierzulande richten. Das hieße doch: Armut (einschl. Pflege) sei im Kontext Ihres Satzes "Neben"sache, Leistungen für Menschen, die als "Flüchtlinge" hierhergekommen sind Im Umkehrschluss dann "Haupt"sache.

Mit freundlichen Grüßen
Dipl.Kfm. Jörg Becker

[Anmerkung der Redaktion: bearbeitet; bitte nur Links, die konkret auf das Thema beziehen, einfügen]

Sehr geehrter Herr Bedform-Strohm,
an dieser Stelle muss ich Ihnen leider entschieden widersprechen. Es ist eben nicht genug für alle da. An meiner Förderschule wurden die Leistungenfür Dolmetscher gestrichen. Zusätzliche stellen und die erforderlichen Sozialarbeiterstunden für eine bessere Integration von Schülern mit schwierigen Lebenslagen und Migrationshintergrund bekommen wir nicht.
Warum behaupten Sie dann, es ist genug für alle da?
Haben Sei einmal den baulichen Zustand vieler öffentlicher Schulen gesehen? Wissen Sie, wie viele Lehrerstellen unbesetzt sind und woran glauben Sie liegt das? Und wissen Sie auch, dass die Gruppengrößen in unseren Kindergartengruppen nach wie vor unzumutbar sind, weil Geld dafür fehlt?
Entschuldigen Sie, ich schäme mich für Ihre pauschalisierte und unchristliche Aussage!
Claus Hörrmann
01844 Neustadt

Dass wegen der Kosten für Flüchtlinge (bisher) keine Sozialleistngen gekürzt werden mussten, ist nur bedingt einen gute Nachricht. Denn allein das Vorhandensein solcher exorbitant hoher Summen zeigt doch, dass damit auch die überall beklagte Kinderarmut im reichen Deutschland bekämpft werden könnte, Hartz 4 - oder Wohngeldsätze erhöht, die kalte Progression oder der Soli abgeschafft und damit etwas gegen das rauher werdenden soziale Klima getan werden könnte. Allerdings glaube ich, dass die Debatte keine eigentliche Neiddebatte ist. Eine notwendige Versorgung wirklich bedürftiger Flüchtlinge steht, meiner Überzeugung nach, außer jeder Diskussion. Was die Menschen aber wirklich fassungslos macht, ist wohl eher die Tatsache, dass sie ganz offenbar von den gewählten Volksvertretern belogen worden sind, die das Argument fehlender Gelder wie ein Mantra vor sich hergetragen haben und dann - wie durch Zauberei - dieses eben doch vorhanden ist. Und weiter ärgert die Menschen die in hohem Maße fehlende Professionalität bei der Organisation und die damit verbundene Verschwendung von Steuergeldern, die Bereicherung Einzelner Unternehmer in der Flüchtlingskrise, gegen die nichts unternommen wird und nicht zuletzt eine unzureichende Kommunukation mit den Bürgern. Da bleibt dann eben das Gefühl, dass - mal wieder - der kleine Mann dafür aufkommen muss.
Im Übrigen bin auch ich der Meinung, dass Hilfen vor Ort sehr viel hilfreicher wären.

Ich kann Ihnen da nur zustimmen, Hr. Staunt. Zahlen über die Gesamtkosten der sog. Flüchtlinge sind nicht einfach zu bekommen, oft beziehen sie sich nur auf Teilaspekte, aber es ist zu lesen, dass allein der Bund von 2016 bis 2020 zur Versorgung der "Flüchtlinge" 93,6 Milliarden Euro zur Verfügung stellen will! Unbestritten dürfte aber sein, dass man mit diesem Geld sehr viel mehr Menschen helfen könnte, wenn man es heimatnah, vor Ort einsetzen würde. Auch würde man dann unsere Gesellschaft nicht weiter spalten und in drastischer Weise verändern.

Mit OPM (other peoples money) ist es immer einfach Gutes zu tun. Bitte mal konkret: Wer soll genau dafür aufkommen ? Welchen Beitrag erbringen die Bischöfe und Pfarrer der Evangelischen Kirche ? Verzicht auf das halbe Gehalt und Spende an den Staatshaushalt ?

Ich bin zwar nicht bedürftig, möchte mich aber an der Finanzierung der Migrantenströme seit 2015 nicht beteiligen (Asyl ist ein anderes Thema). Im übrigen ist der exorbitante finanzielle Aufwand der hier getrieben wird (mit Erfolge ?) auch nicht sinnvoll: Mit den Geldern könnte in den Herkunftsländern ein Vielfaches bewirkt werden.

Sind denn die strömenden Migranten jemals gefragt worden, ob sie möchten, dass in ihren Ländern Kriege beispielsweise um Ölfelder geführt werden oder ob sie möchten dass ihre Länder von Taifunen, Überschwemmungen, Dürreperioden heimgesucht werden, weil wir seit Jahrzehnten Unmengen an CO2 in die Luft blasen?