Expertin: Ärzte sind für schlechte Nachrichten oft nicht vorbereitet

epd-bild/Jens Schulze

Arzt im Gespräch mit einer Patientin

Arzt im Gespräch mit einer Patientin

Ärzte sind nach den Erfahrungen der Psychologin und Kommunikationswissenschaftlerin Sybille Jung oft nicht gut darauf vorbereitet, eine schlechte Nachricht zu überbringen.

Bei der schlechten Nachricht könne es beispielsweise um eine infauste (vom lateinischen infaustus: ungünstig) Diagnose gehen, nach der es keine Heilung gebe, sagte die Saarbrücker Expertin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Besonders ältere Kolleginnen und Kollegen seien dafür meist nicht ausgebildet, sagte Jung. Zwar gelinge das Gespräch oft "irgendwie". Doch es passierten auch schwere Fehler, die bei richtiger Vorbereitung vermieden werden könnten, erklärte die Psychologin, die am Mittwoch auf einem Symposium in Bremen einen Workshop zum "professionellen Überbringen schlechter Nachrichten" leitet.

Gespräche nicht alleine führen

Ein gelingendes Gespräch stelle die Bedürfnisse des Patienten oder des Angehörigen in den Mittelpunkt, erläuterte Jung. "Das bedeutet für Ärzteschaft und Pflegepersonal einen Perspektivwechsel und macht es nötig, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen." Zentral sei beispielsweise aktives Zuhören, um zunächst einmal herauszufinden, wie aufnahmebereit der Gesprächspartner sei und welches Vorwissen er habe. "Die Informationen müssen verständlich formuliert werden, wobei der kulturelle und der soziale Hintergrund wichtig sind."

Abläufe müssten vorher geklärt werden, sagte Jung und riet dazu, Gespräche von so großer Tragweite nicht alleine zu führen. So könnten ein Krankenhausseelsorger oder eine Pflegekraft dazu gebeten werden. Das habe den Vorteil, dass beispielsweise ein Seelsorger beim Patienten oder Angehörigen bleiben könne, während der Arzt in der Regel nur kurz Zeit habe. "Man muss sich da als Team bewähren", betonte Jung. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Menschen nach dem Gespräch in guten Händen sind."

Ärzte müssen auch an sich selbst denken

Wichtig sei auch, wo miteinander gesprochen werde. Jung warnte davor, Gespräche dieser Art auf dem Flur zu führen und empfahl einen geschützten Raum. In einer solchen Umgebung könne besser auf die emotionale Situation des Gegenübers reagiert werden. So stünden Menschen, die eine schlechte Nachricht bekämen, unter Schock, was Studien zufolge die Aufnahmefähigkeit von Informationen erheblich einschränke: "Dann ist ein Folgegespräch nötig."

Jung forderte die Überbringer der Nachricht zudem auf, an sich selbst zu denken und dafür zu sorgen, dass sie auf Dauer an ihrer Aufgabe nicht zerbrechen. Dem könne mit Supervision, kollegialer Beratung oder einem sogenannten Debriefing begegnet werden. "Angebote dieser Art in den Kliniken werden mehr, sind aber noch die Ausnahme", sagte die Psychologin, die den Workshop in Bremen auf einem dreitägigen Symposium zur Intensivmedizin und -pflege zusammen mit der Anästhesistin Gabriela Köhn aus Geesthacht leitet.

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