Indien wählt ehemals Unberührbaren zum Präsidenten

Dalit-Frauen in Indien (Archivfoto)

epd-bild / Rainer Hörig

Indien wählt einen ehemals Unberührbaren zum neuen Präsidenten: Bei der Abstimmung am Montag trat der 71-jährige Dalit Ram Nath Kovind als Regierungskandidat an.

Seine Wahl galt als sicher. Die hindunationalistische Regierungspartei BJP verfügt in dem Wahlgremium über eine robuste Mehrheit, um ihren Bewerber durchzusetzen. Das Ergebnis wird für Donnerstag erwartet.

Doch auch Kovinds Konkurrentin Meira Kumar, die von der Opposition ins Rennen geschickt wurde, ist Dalit, Mitglied einer Kaste, die früher als unberührbar galt und ganz unten in der sozialen Hierarchie stand. Die 72-jährige Kumar war zwischen 2009 und 2014 Parlamentssprecherin.

Image der Partei aufhübschen

Mit der Aufstellung von Kovind war der BJP einen politischer Überraschungscoup gelungen: Der Rechtsanwalt aus Indiens größtem Bundesstaat Uttar Pradesh soll helfen, das Image der Partei als Vertreter der höheren Kasten abzustreifen. Mit der Wahl von Kovind weitet der rechtspopulistische Regierungschef Narendra Modi geschickt seinen Einfluss weiter aus.

In der Geschichte Indien hat erst einmal - zwischen 1997 und 2002 - ein Dalit das höchste Amt des Staates bekleidet. Dalits machen knapp 20 Prozent der indischen Bevölkerung aus.

Repräsentativer Posten

Das Präsidentenamt ist kaum mit echter politischer Macht ausgestattet, sondern ein repräsentativer Posten. Dennoch setzte Modi mit der Aufstellung eines Dalits ein klares Signal. Das Wahlkollegium setzt sich aus den Abgeordneten der Parlamente der indischen Unionsstaaten zusammen. Der neu gewählte Präsident tritt am 25. Juli sein Amt an.