Uwe Birnstein
Maren Kolf
27.06.2015

Bewertung

Liturgie
3
Predigt
4
Musik
3
Atmosphäre
5

Meckelborg. De Hahn kreiht. Am Dorfteich versucht ein Angler sein Glück: ­Pe­t­ri Heil! Daneben ein Backsteinhaus, an der Tür das Schild: „Hier vollendete 1916 Johannes Gillhoff seinen Roman ‚Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer‘“. Glockengeläut wettstreitet mit Vogelgezwitscher. Die grüne Spitze sitzt leicht schief auf dem Turm der Dorfkirche.

Vor der Tür steht Pastor Martin Schabow im Talar. Dunkler Dreitagebart, stattliche Erscheinung. Es geht durch schmale Türen und dicke Mauern hindurch, dann der freundlich helle Kirchenraum, er riecht nach Geschichte. Freundliche Menschen, anderthalb mal so viele, wie Jesus Jünger hatte. Eine Frau begrüßt jeden mit Handschlag. Der Pastor kommt sicheren Schrittes herein, setzt sich ­vorne neben drei Konfirmanden, die werden ruhig. Auf dem kleinen Altar gelbe und violette Blumen, selbst gepflückt. So geht Dorfkirche.

Ein Gebläse beginnt zu rauschen, schon knarzen die Tasten der kleinen ­Orgel, nichts mit Toccata, eine einfache einstimmige Melodie. Der Pastor steht auf, ohne Minimikro unterm Beffchen. ­

Er spricht mit fester, lauter Stimme. Das Glaubensbekenntnis wird gesungen, nicht gesprochen – immerhin ist heute der Sonntag Kantate: „Singet dem Herrn ein neues Lied“. Aber, oh! Im Predigttext steht, dass man bei Jesus Ruhe finden kann für die Seele (Matthäus 11,29). Die Musik am Kantatensonntag ist laut, aber der Text verheißt Ruhe, ein Widerspruch? Der Pastor erklärt, wie Singen und Stille zusammenpassen: „Welchen Jubel über das Geschenk des Lebens haben diese alten Mauern erlebt?“, fragt er. „Und ­ wie viele Freudenschreie haben diese Mauern gespeichert?“ Antwort: Die ­ältesten Steine hier sind 700 Jahre alt. Hunderte Male werden die dicken alten Mauern „O du fröhliche“ geschluckt ­haben, noch öfter werden sie die Tränen in Fürbittengebeten und die „Klagen über Krieg und Terror“ aufgenommen haben. Wer in diese oder eine andere Kirche gehe, um Ruhe zu finden, bekomme alle diese Geräu­sche in der Stille mit, die Mauern würden sie freigeben.

Überzeugend, wie der Pastor das sagt! Er selbst mag die Stille, war gerade mit einem Ohrproblem im Krankenhaus, erzählt er. Er weiß also, wie wichtig Ruhe ist. Das Lied nach der Predigt liefert den Mauern Nachschub: „Ich sing dir mein Lied“. Abkündigungen und dann, huch, das Segenslied, vor den Fürbitten und dem Vaterunser? Auf dem Land ist vieles anders. Meckelborg eben.

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Pastor: Martin Schabow