Frau Otts endgültige Ablage. Diesmal: Ermahnungen
Bitte prüfen Sie der Umwelt zuliebe, ob der Ausdruck dieser Mail erforderlich ist. Bitte überlegen Sie, ob Sie dieses Handtuch ein zweites Mal benutzen möchten. Überlegen Sie vor jedem Einkauf, wie viele Lebensmittel Sie noch im Kühlschrank haben. Für jedes Glas Bier werden 75 Liter Wasser verbraucht. Hilfe!
Guten Tag, Sie sind eine Belastung für die Umwelt!
Vielleicht wäre es einfacher, die Absender dieser Botschaften – das sind der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, die Verbraucherministerin Ilse Aigner, die Wasserstiftung und ein großer Teil meiner E-Mail-Kontakte – würden sich zusammenschließen und am Kölner Hauptbahnhof ein großes Werbeplakat finanzieren: Guten Tag, Frau Ott, Sie sind eine große Belastung für die Umwelt. Sie haben heute schon Papier bedruckt, Sie haben im Hotel ein weißes Handtuch mit Lippenstiftflecken auf den Boden geworfen und eine vergammelte Mandarine entsorgt. Damit haben Sie ungefähr 3,5 Hektar Regenwald und einen großen Teil des Amazonasbeckens auf dem Gewissen und hinterlassen einen CO2-Fußabdruck Größe 54. Ehrlich, mir wäre das lieber, dann könnte ich wahlweise ein Kölsch trinken, mich in den Rhein stürzen oder mich im Kölner Dom bekreuzigen und eine Kerze für den Amazonas-Urwald anzünden.
Aber nein, so einfach will es der Deutsche dem Deutschen nicht machen. Immer schön ermahnen, auch wenn manche E-Mail dadurch so lang wird, dass sie mindestens zwei Seiten braucht, wenn man sie ausdruckt. Ob sich da einer dran hält? Irgendwie erinnern diese Erziehungsversuche an die Schulzeit, als spezielle Drogenpolizisten mit einem Giftkoffer ins Klassenzimmer kamen und schlimme Plakate übers Rauchen aufhängten. Wer küsst schon gerne Nikotin?, stand auf einem. Kaum war der arme Polizist weg, wurde geraucht wie doof. Und geküsst. Leider wussten wir das mit dem Amazonas noch nicht. Sonst hätten wir bestimmt auch noch Bier getrunken und Handtücher auf den Boden geworfen. Bitte, liebe Mitmenschen, prüfen Sie bei Ihrer nächsten Ermahnung, ob Sie wirklich meine Erziehungsberechtigten sind.

Leserkommentare
Gott und die grüne Verzichtsmoral
Haben oder Sein
Erziehungsunberechtigte
Wasserlose Einseife
Ich gehöre weder zu den
Ermahnungen
Denkanstoß?
Schöpfung bewahren
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