Abzug aus Afghanistan

Und was hat der Militäreinsatz gebracht?
Wenn die Bundeswehr jetzt Afghanistan verlässt, ist der Weg zum Frieden immer noch lang und mühsam. Er heißt: Dialog

Steffen Roth

„Kunduz, das ist für uns Deutsche der Ort, an dem die Bundeswehr zum ersten Mal gekämpft hat, lernen musste zu kämpfen.“ Das sagte Verteidigungsminister de Maizière aus Anlass der Übergabe des Lagers dort an die einheimische afghanische Polizei und Armee.

Ist das jetzt gut? Gewiss, ich war nie dort, habe nicht gesehen, wie die Bundeswehr Schulen baute und Brunnen bohrte, Armee und Polizei ausgebildet hat. Aber ein junger deutscher Soldat hat mich besucht. Er war in einem Panzer unterwegs, als er beschossen wurde. Seine beiden Kameraden verbrannten, er selbst wurde schwer verwundet geborgen. Die Narben an Körper und Seele machen ihn arbeitsunfähig bis heute. Wofür, fragt er, wofür sind sie gestorben? Eine junge Frau schrieb mir: Für den Fußballer Robert Enke haben Sie eine große Trauerfeier veranstaltet. Aber wo waren Sie, als mein Mann im Zinksarg zurückkam aus Afghanistan? Haben wir überhaupt gehört, was Soldatinnen und Soldaten samt ihren Angehörigen erlebt und erlitten haben? Mehr als 20 000 waren dort, 54 starben.

Beschämend, dass wir viele einheimischen Hilfskräfte im Stich lassen

Und wurde je wirklich gehört, was ihre Präsenz bedeutet hat für Afghaninnen und Afghanen? Wie viele von ihnen starben? Wir wissen es nicht. Wie sie es wahrgenommen haben, dass da fremde Menschen kamen, die ihnen die Demokratie schenken wollten – wir wissen es nicht.

Beschämend finde ich, dass wir nun so viele von denen, die der Bundeswehr und Bundespolizei als Dolmetscher, Fahrer oder anderweitige Hilfskräfte zur Seite standen, im Stich lassen. 1200 Menschen sind es, und sie fürchten um ihr Leben und das ihrer Verwandten, sobald der Abzug beendet ist, denn sie gelten den Taliban als Verräter. Während die Amerikaner ihren Hilfskräften Schutz durch Aufnahme gewähren, hat Deutschland das bisher nur bei einem Bruchteil der Helfer getan – Dankbarkeit sieht anders aus!

Und was hat der Einsatz gebracht, außer einer Lernerfahrung im Kämpfen? Wurde die Freiheit „am Hindukusch verteidigt“? Das darf bezweifelt werden! Der Einsatz hat Leid über viele Familien gebracht – ganz abgesehen davon, dass er die Gesellschaft in zehn Jahren mehr als 17 Milliarden Euro gekostet hat.

 

"Mit einem Taliban ins Zelt setzen und beten!"

Als ich vor fast vier Jahren den Einsatz in einer Predigt infrage stellte, hieß es ironisch, ich solle mich doch mit den Taliban in ein Zelt setzen und bei Kerzenlicht beten. Heute verhandeln sowohl die USA als auch Pakistan mit den Taliban, weil ein weiteres Mal deutlich ist: Frieden lässt sich nicht mal eben locker mit Waffengewalt herstellen. Frieden braucht einen langen, extrem mühsamen Weg des Dialogs – selbst mit denen, die wir am liebsten nur bekämpfen wollen. Vielleicht ist das ja eine Art Weihnachtsbotschaft!

Die Taliban haben eine menschenverachtende Ideologie, keine Frage. Auch from­me Muslime fürchten sie aufgrund der brutalen Gewalt, mit der sie meinen, herrschen zu dürfen im Namen des Glaubens. Solcher Fundamentalismus ist irre­geleitet, entsetzlich, menschen- und gottesverachtend. Und doch zeigt die Geschichte auch dieses Mal: Die Geduld für Gespräche, Vermittlung mit dem Feind, Mediation sind hilfreicher als Waffengewalt. Stellen wir uns nur einmal vor, es wären 17 Milliarden Euro dafür investiert worden! Ich wünsche den Afghaninnen und Afghanen Frieden, gerade mit Blick auf das Jahr 2014, in dem die Armee eines Landes, das 100 Jahre zuvor andere und sich selbst mit entsetzlichem Kriegsleid überzogen hat, ihr Land verlässt. Unsere Gebete werden dort bleiben und uns verbinden – in der Hoffnung auf Frieden für ein geschundenes Land.

Lesermeinungen

Hermann Holtmann, eingetragen als Leserbrief, schrieb am 2. Januar 2014 um 13:13: "Präventivkriege und Agriffskriege sind lt. Grundgesetz verboten. Hat je die Bundeswehr solche Kriege durchgeführt?" Aber nicht doch! Die Bundeswehr führt nur Verteidigungskriege der erlesensten Sorte durch. Man erinnere sich: Die serbische Armee hatte die wesentlichen bayerischen Donaubrücken zerstört und sich überhaupt saumäßig gegen die deutsche Bevölkerung aufgeführt. Das konnte sich die Bundeswehr natürlich nicht bieten lassen. Deshalb gings ab dem 24. März 1999 rund mit der "Operation Allied Force".___________________ Und dann erst Afghanistan! Laufend haben die Taliban in Deutschland Luftangriffe geflogen und klargemacht, dass ein Regimewechsel in Deutschland her muss. Auch manche rheinische oder hamburgische Hochzeitsgesellschaft wurde in Asche gelegt. Erst dann hat sich die Bundeswehr entschlossen, in Afghanistan militärisch nach dem Rechten zu sehen. Glasklarer können Verteidigungskriege eigentlich nicht mehr sein.

Frau Käsmann bemüht sich um den Frieden, was sie schon oft herausgesellt hat.
Leider bleibt sie inder ideologische Befangenheit, die Bundeswehr mit der Armee des Kaiserreiches 1914-1918 gleichzusetzen (und damit wahrscheinlich auch mit der Armee des Hitlerreiches), denn sie behauptet, dass die Bundewehr die Armee eines Landes ist, "das 100 Jahre zuvor andere und sichselbst mit entsetzlichem Kriegsleid überzogen hat".
Die Armee des Kaiserreiches war ohne Zweifel eine imperialistische Armee, ebenso wie diejenige des Hitlerreiches. Beide Armeen planten und führten Angriffskriege durch mit für Europa und Deutschland schrecklichen Folgen. Mann kann aber nicht diese Armeen mit der Bundewehr vergleichen. Präventivkriege und Agriffskriege sind lt. Grundgesetz verboten. Hat je die Bundeswehr solche Kriege durchgeführt? Gibt es nicht den "Staatsbürger in Uniform" oder immer noch den Soldaten mit "Kadavergehorsam"? Das bedeutet, dass gerade Deutschland in der Verantwortung steht, dass Friede erhalten bleibt, denn das Deutschland von heute ist nicht mehr das Deutschland von damals, was Frau Käsmann wohl nicht so sieht.
Ich bin selbst Kriegsdienstverweigerer gewesen und arbeite heute als Religionslehrer.
Die Aussage von Frau Käsmann halte ich für eine Beleidigung gerade der Soldaten, für die sie doch angeblich eintreten will. Außerdem weiß man schon, wie der Einsatz der internationalen Truppen von der Mehrheit des Volkes in Afghanistan aufgenommen wurde, nämlich grundsätzlich positiv. Dazu braucht sie sich nur einmal in der Wochenzeitung die "Zeit" z. B. informieren, in der wöchentlich darüber berichtet wird. Aber was man ideologisch nicht will, dass will man einfach nicht, auch wider bessere Einsicht.

Hermann Holtmann aus Essen

Gast schrieb am 24. Dezember 2013 um 0:05: "Das Dilemma des Sterbens und Tötens bleibt aber bestehen" Nein, wer getötet wurde, ist mausetot und garantiert frei von allen Dilemmata. Das gilt für den, der im Zivilleben vorsätzlich vom Leben zum Tode gebracht wurde und als Mordopfer eines Mörders in der Zeitung steht. Es gilt auch für die, die in symmetrischen und asymmetrischen Kriegen, Bürgerkriegen, bewaffneten Konflikten, Friedens- und UN-Missionen, Einsätzen und Spezialkräfteeinsätzen vorsätzlich, in Kauf genommen oder versehentlich vom Leben zum Tode gebracht wurden. Leichen haben keine Dilemmata. Das Dilemma haben ausschließlich die Befürworter solcher Aktionen und alle die, die sich in den Kopf gesetzt haben, die Welt moralisch zu betrachten. _____________________ Zitat: "...verleitete doch immerhin viele Menschen zum Nachdenken. Gebet und Meditation können eine ähnliche Wirkung erzielen..." Nein, können sie nicht. Wer nachdenken will, muss genau das tun, also Nachdenken und sonst nichts. Wer beten oder meditieren will, kann das auch nicht durch Nachdenken ersetzen, sondern muss beten oder meditieren. Wer nachdenkt, kann sein richtiges oder falsches Denkergebnis zur Diskussion stellen. Wer gebetet hat, hat mutmaßlich viel für sein Seelenheil getan. Wer meditiert hat, hat ein tolles Hirnwellenmuster erzeugt und sich vielleicht ein wenig entspannt. Ich rate davon ab, diese wesentlichen Unterschiede zu ignorieren.

Ich finde nichts davon beschämend, nicht mehr und nicht weniger als so vieles andere, das nicht völlig meiner Verantwortung obliegt. Das Dilemma des Sterbens und Tötens bleibt aber bestehen, ganz besonders für die Soldaten und ihre angehörigen Familien, Und die vermeintlich "im Stich gelassenen Hilfskräfte"? Ebenso wie die Soldaten gehören sie zu den Hauptakteuren des Dramas. So und nicht anders sehe ich es. Ganz besonders gefällt mir daher , mit einer gewissen Einschränkung ( 100 Jahre ??? ), der letzte Abschnitt des Artikels. -------------
Zum Bertold Brecht Zitat, angefügt im Kommentar von Michael Knolle: "Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren ", richtig, nur gibt es unterschiedliche Arten, zu kämpfen, und nicht immer ist physische Gewalt die einzig richtige. Die Bemühung um eine friedliche Lösung durch Verhandlungen, Dialog, Gespräch, kann ebenso langwierig und kämpferisch sein, und bedeutet weder ein Aufgeben, noch Schwäche, erfordert dagegen sehr viel Mut, Ausdauer, Ideale, innere Stärke. Bertold Brecht war ein Kämpfer des Wortes und des Intellektes, und tötete im Allgemeinen niemand, aber er verleitete doch immerhin viele Menschen zum Nachdenken. Gebet und Meditation können eine ähnliche Wirkung erzielen und erzeugen. Die ewige Schwafelei dagegen, ist des Teufels! Nicht in allem stimme ich mit Fr Käßmann überein, aber Meditation und Gebet sind, auch meiner Ansicht nach, die hilfreichsten Mittel für Friedensverhandlungen! Nelson Mandela ist mein Vorbild, oder Albert Einstein, der sagte : "Man muss sich klarmachen, dass jene mächtigen Gruppen der Industrie, die an der Produktion der Waffen beteiligt sind, in allen Ländern einer friedlichen Regelung der internationalen Streitfragen entgegenwirken und dass die Regierenden nur dann jenes wichtige Ziel erreichen können, wenn sie der tatkräftigen Majorität der Bevölkerung sicher sind. In unserer Zeit demokratischer Regierungsform ist das Schicksal der Völker von diesen selbst abhängig; dessen muss jeder einzelne stets eingedenk sein. "

ich kann und kann nicht glauben, dass dieser Ansatz richtig ist.
Gewalt bleibt immer Unrecht, egal wie sie begründet wird.

2. Rechtfertigung kann nur eine schwere Notwehrsituation sein. Es mag besondere Situationen geben, wo Gewalt dem Abwarten gegenüber das kleiner Unrecht ist, aber sie bleibt auch dann Unrecht.
Und um militärische Gewalt ohne eigene Bedrohung auf fremdem, souveränen Staatsgebiet auszuüben, muss meiner Meinung nach eine außerordentlich extreme Situation vorliegen. (Aber wo ist die internationale Hilfe für die Nordkoreaner?)

3. Obendrein bezweifle ich stark, dass militärischer Einsatz von außen normalerweise überhaupt in der Lage ist, das Geschick eines fremden Landes zum Guten zu wenden. Aus Gewalt erwächst weder Frieden noch Verständigung.
Sind das verursachte Leid und die langfristigen Folgen des Einsatzes wirklich nennenswert geringer, als wenn man sich auf nicht-gewaltsame Maßnahmen beschränkt hätte? Und können wir die Rechnung für dieses von uns verursachte Leid begleichen?

4. Auch bezweifle ich die Motivation der kriegsführenden Länder/Bündnisse. Sind die Interessen doch nicht vor allem anderer Art, z. B. politische Macht, wirtschaftliche Interessen, Test militärischen Geräts und der Streitkräfte unter Praxisbedingungen, ... ?

WeißeWucherblume schrieb am 20. Dezember 2013 um 12:01 und 16:57: "Wie ich den Beitrag von Frau Käßmann verstanden habe, achtet sie die Soldatinnen und Soldaten, die in diesem Einsatz ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben" Oh ja, das sehen Sie völlig richtig. Auch mir ist von Frau Dr. Käßmann nichts bekannt, was man als Kritik des Gewaltapparates Bundeswehr missverstehen könnte. Solch eine Kritik hätte nämlich zu erklären, aus welchen Gründen und für welche Zwecke sich jeder anständige Staat seine Armee hält. Daraus ergäbe sich, zu wessen Nutzen und zu wessen Schaden das Militär da ist. Statt dessen liest man bei der Autorin von der Hochschätzung der Tätigkeiten der Soldaten, verbunden mit dem Bedauern, dass sie in Afghanistan angeblich irgend etwas gründlich versemmelt haben sollen. Kritik am Militär geht anders. Die würde zeigen, dass die Bundeswehr keineswegs gepatzt, sondern genau das gemacht hat, wozu das Militär da ist: Fremden Gesellschaften gewaltsam die Ziele der Bundesregierung und ihrer Verbündeten überzubraten. ____________________________ Zitat: "Es gibt ein altes Spiel, das heute in Schulen nach Weihnachten aufgeführt wird." Der Einfall, bei den Ausführungen von Frau Dr. Käßmann an ein vermutlich zu Herzen gehendes Spiel für Schulkinder zu denken, ist nicht schlecht. Ich hätte mich nicht getraut, das hinzuschreiben. Da Sie sich offensichtlich als Fan von Frau Dr. Käßmann verstehen, dürfen Sie das selbstverständlich tun. Der Herodes scheint mir Kärntner Dialekt zu sprechen, sicher bin ich mir da aber nicht. ___________________________ Zitat: "Die dummen Frauen haben schließlich keine Ahnung!" Das mit Krieg und Frieden hat nichts mit Männern und Frauen zu tun. Mit Dummheit leider schon. Bloß worin die besteht, ist nicht auf den ersten Blick zu sehen.

Zum Einen habe ich bei manchen Beiträgen den Eindruck, dass die in sich nicht ganz logisch sind und teilweise auch nicht auf die Ausführungen von Frau Käßmann eingehen. Die weitere Schwierigkeit in diesen Diskussionen scheint mir auch darin zu bestehen, dass manche Menschen sich gar nicht vorstellen können, dass man Frieden und Friedensverhandlungen ohne Waffengewalt herbeiführen kann. Das mag auch den überheblichen Ton in manchen Ausführungen bewirken.
Dazu ein Beispiel: Es gibt ein altes Spiel, das heute in Schulen nach Weihnachten aufgeführt wird. Das bezieht sich auf den Anfang des Evangeliums nach Matthäus. Herodes erfährt durch den Besuch der Weisen, dass in Bethlehen ein König geboren sei. Da er wohl selbst auf nicht ganz gute Weise an die Herrschaft gelangte, bekommt er Angst und entwickelt einen Plan. Er will alle kleinen Jungen bis zum Alter von zwei Jahre umbringen lassen, und dann kann ihm doch der neue König nichts mehr anhaben. Nun erscheint ihm aber - im Spiel - die Mutter Maria und warnt ihn. Er werde viel Leid hervor rufen, und er werde seine Tat bereuen. Er schickt sie fort:" Pack di, du narrisches Weib! Woast nit, was git für Angelegenheit!"
Na klar, die dumme Maria hat einfach keine Ahnung! Und dazu passt, dass immer noch die Uno-Resolution 1325, wonach Frauen angemessen an Friedensverhandlungen zu beteiligen sind, weitgehend wirkungslos ist. Die dummen Frauen haben schließlich keine Ahnung!

Der erwähnte Dolmetscher hatte um Aufnahme in Deutschland gebeten, aber ehe die Formalitäten hier geklärt waren, ist er ermordet worden.
Wie ich den Beitrag von Frau Käßmann verstanden habe, achtet sie die Soldatinnen und Soldaten, die in diesem Einsatz ihr Leben aufs Spiel gesetzt haben, und sie bemängelt vielmehr, dass eben nicht ehrlich von Krieg gesprochen wurde und dass die Ziele des Einsatzes nicht genügend klar waren.
Um noch das Ende des zweiten Weltkrieges zu erwähnen: soweit ich mich informieren konnte, hat es mehrfach Bestrebungen gegeben, beizeiten einen Verhandlungsfrieden zu erreichen. Das hätte viele Menschenleben gerettet und Vielen schweres Leid, Plünderung und Vergewaltigung u.A. erspart. U.A. Dietrich Bonhoeffer hat dafür sein Leben eingesetzt und verloren. Dass inzwischen die braune Saat derartig keimt in Deutschland, hat m.E. auch damit zu tun, dass eben die Aliierten auf einer bedingungslosen Kapitulation bestanden und die Deutschen derart gedemütigt haben.
Nicht zuletzt stoße ich mich an dem rechthaberischen Ton mancher Beiträge hier. Und demgegenüber empfinde ich den Aufsatz von Frau Käßmann als ausgesprochen sachlich.

Ich finde es erschreckend, wie die Geschichte des Afghanistan-Einsatzes in diesem Beitrag verzerrt wird. Der Wunsch 17 Milliarden Euro für eine friedliche Bewältigung des Konflikts zu verwenden ist ein ausgesprochener Hohn allen Veteranen gegenüber. Nie war die Rede davon, den Konflikt mit Waffengewalt allein lösen zu wollen (Stichwort: vernetzter Ansatz), besonders im anfangs relativ ruhigen deutschen Sektor war der Einsatz von Waffengewalt 'deutlich restriktiv' gehandhabt. Aber wo waren denn die zivilen Hilfsorganisationen, ob GO oder NGO, die den Erfolg der Mission herbeiführen sollten? Im PRT (Provincial Reconstruction Team)-Konzept waren die Streitkräfte mehr Schutztruppe für die ausländischen Zivilisten, als "Besatzungsmacht". Die Wahrnehmung der Truppe dagegen war dagegen teils ernüchternd: Ein Kamerad erzählte mir aus Feizabad, dass er sich praktisch selbst verteidigt habe; denn zivile Organisationen, die er hätte schützen sollen, waren weit und breit nicht zu sehen. Dies ist nur ein Beispiel für das Versagen der zivilen Hilfe beim Wiederaufbau Afghanistans.
Unsere Soldaten haben den Zivilisten, Helfern wie Politikern, mit teurem Blutzoll Zeit erkauft; Zeit, die ungenutzt vestrichen ist. Der Auftrag war die Schaffung eines sicheren Umfelds. Die dafür zur Verfügung gestellten Kräfte waren von vornherein (zu) gering. Der günstige Zeitpunkt, als die Situation noch relativ ruhig war, wurde verpasst. Sichtbare und entscheidende Hilfe kam nur in geringem Umfang in der Fläche Afghanistans an. Dafür zahlen wir alle nun den Preis. Die Zeit wird zeigen, wie hoch dieser Preis sein wird.
Die Soldaten haben ihrem Auftrag gemäß getan, was sie konnten! Ob alle beteiligten Partein dies getan haben, darf bezweifelt werden.
Natürlich endet jeder Krieg (ich benutze mal diesen Begriff) mit einem Frieden, der entweder diktiert oder verhandelt wird. Der Ausgang von Verhandlungen hängt nicht unwesentlich von der Position der Stärke ab. Mit dem seit Jahren geforderten Rückzug der Truppen steht der 'Westen' in einer verhältnismäßig schwachen Position. Ich bin gespannt, wie radikale Taliban dies für die Durchsetzung ihrer Ziele nutzen werden. Es bleibt zu hoffen, dass sich - wie auch immer - moderate Kräfte in Afghanistan werden durchsetzen können, um eine langfristige Stabilisierung der Region herbeizuführen. Vielleicht, Frau Käßmann, sollten sie dafür beten, denn bei radikalen und fundamentalistischen Bewegungen - und dazu ist der radikalislamische Fundamentalismus der Taliban wohl zu zählen - helfen leider Gespräche nur bedingt. Ich kann mich nämlich nicht entsinnen, dass Gespräche und Verhandlungen die Durchsetzung der furchtbarsten, barbarischsten und menscheitverachtensten radikalen Bewegung des 20. Jahrhunderts - namentlich dem Nationalsozialismus - irgendwie verhindert hätten. Ganz im Gegenteil, die Appeasement-Politik ist gescheitert und auch die christliche Kirche (vor allem die protestantische!) hat auf ganzer Linie versagt! Beendet wurde das Schreckgespenst, das die ganze Welt erschauderte, letztlich nur durch militärische Waffengewalt der Alliierten. Aus einer Position der Stärke konnte ein Frieden hergestellt werden. Ich bezweifle, dass dies in Afghanistan gelingen wird.
Ich gedenke den gefallenen Soldaten und Opfern des Krieges in Afghanistan (und anderen Einsatzgebieten) und besonders in dieser Zeit, zu Weihnachten, wenn der Verlust des lieben Sohns, Ehemannes oder Vaters wieder besonders offenbar wird. Ich wünsche allen Angehörigen Kraft und Stärke den Verlust zu gut es geht zu ertragen und hoffe mit Ihnen, dass ihr Opfer am Ende doch nicht umsonst war!

Rüdiger Konrad

K.H. Will schrieb am 13. Dezember 2013 um 13:53: "....Tod eines in Kriegswirren umgekommenen Soldaten...." Der Soldat ist keineswegs in Kriegswirren umgekommen. Der Soldat wurde vorsätzlich von der Bundesregierung in einen als Einsatz bezeichneten Krieg geschickt. Dort hat er seine soldatischen Pflichten zu erfüllen, also im Verbund mit seinen Kameraden auf Befehl Menschen, die Feinde nämlich, vom Leben zum Tode zu bringen, zu verkrüppeln und alles Mögliche in Schutt und Asche zu legen. Das ist kein Wirrwar, sondern das glatte Gegenteil davon, nämlich planmäßiges Vorgehen. Hier könnte auch ein klarer, zutreffender Ausdruck der deutschen Sprache stehen. Den zu verwenden verbietet der freiheitliche Rechtsstaat jedoch, wenn es um seine Lieblingsbürger, die in Uniform nämlich, geht._____________________ Wunschgemäß sollte das Blut ausschließlich auf Seite der Bösen, also der Taliban fließen. Da machen aber die blöderweise nicht mit, sondern führen den Krieg mit den ihnen zu Verfügung stehenden Mitteln. So kommen Soldaten zu Tode, nicht durch irgendwelche Wirren. Ich hoffe, lieber Herr Will, Ihrer Ermahnung, sich keines "anbiedernd burschikosen Tones" zu bedienen, durch Klartextrede nachgekommen zu sein, soweit es das Strafgesetzbuch erlaubt.

Martin Schelleis schrieb am 13. Dezember 2013 um 13:52: "Als einer von zigtausend deutschen Soldaten, die Afghanistan waren und sich für die Afghanen eingesetzt haben....". Da ich nicht in Afghanistan war, auch gar nicht hin will und mich schon dreimal nicht für die Afghanen einsetzen will, könnten Sie mir, verehrter Herr Generalleutnant, auch ehemaliger Kommodore des Einsatzgeschwader 2, vielleicht was erklären. Ihre Waffenbrüder von der US-Armee hatten und haben kein Problem damit, von einem Krieg zu sprechen, der gegen einen Schurkenstaat, nämlich Afghanistan, zu führen war. Könnte es sein, dass Ihr bekundeter Wille, sich für die Afghanen einzusetzen, nichts anderes als eine um Wohlklang bemühte Formulierung für eben denselben Kriegszweck ist? Die Taliban sind nicht mehr flächendeckend an der Macht, schauen aber trotzdem noch nicht alle die Radieschen von unten an. Das Land ist verwüstet und soll auf Westkurs getrimmt werden. Manche Afghanen können sich mit solchen Vorstellungen anfreunden, andere überhaupt nicht. Könnte es sich also darum handeln, dass die Bundeswehr sich mächtig für die politischen Zwecke der Bundesregierung einsetzt und das als Einsatz für die Afghanen verkaufen will?

so könnte die Überschrift zu o.a. Artikel lauten.
Wer meint, die Welt mit frommen Sprüchen verbessern zu müssen, verschließt die Augen
vor den erkämpften Errungenschaften einer säkularisierten Welt nur dadurch, dass den
Religionen und ihren Vertretern, ob katholisch oder protestantisch, gewaltsam Eiinhalt
geboten wurde, und zwar unter Anwendung von Waffengewalt, nachdem in zweitausend
Jahren gepredigten Christentums dessen Auswüchse, vor allem durch die hohe Geistlichkeit,
Überhand genommen hatten. Heiliggesprochene Schriften lieferten ihnen alle dazu notwendigen
Rechtfertigungsgründe.
Die in diesem Artikel zum Ausdruck kommende Überheblichkeit ist davon nur ein schwacher Abglanz.
Welchen Ausmaßes an Instinktlosigkeit bedarf es zudem, um den toten, namentlich genannten
Robert Enke gegen den Tod eines in Kriegswirren umgekommenen Soldaten auszuspielen und
schwachen Argumenten auf solche Weise Nachdruck verleihen zu wollen! Der anbiedernd burschikose
Ton, wie ihn das folgende Beispiel demonstriert: "Frieden lässt sich nicht mal eben locker mit
Waffengewalt herstellen, greift sprachlich nicht minder daneben wie die abwertenden Ausführungen
zu den erreichten Verbesserungen im Bildungs- und Versorgungswesen afghanischer Regionen.
"Ich war nicht dort, habe nicht gesehen, wie ... " Kann Anmaßung eigentlich noch größer sein?

Mit freundlichen Grüßen K.H. Will

Von keiner Orts- und geringer Sachkenntnis getrübt, bleibt sich Frau Dr. Käßmann in ihrer Sicht auf Afghanistan treu. Allerdings: Die Bundeswehr in die Tradition der kaiserlichen Armee des Jahres 1914 zu setzen, zeugt entweder von Bösartigkeit oder geradezu bestürzender Ignoranz. Da ich ihr Ersteres nicht unterstelle, empfehle ich ihr dringend, sich sachkundiger zu machen, bevor sie sich ein solches massenhaft verbreitetes unsägliches Urteil erlaubt.

Als einer von zigtausend deutschen Soldaten, die Afghanistan waren und sich für die Afghanen eingesetzt haben, weiß ich - anders als von Frau Dr. Käßmann (im pluralis majestatis?) formuliert - sehr wohl, wie sie zu uns stehen. Sie wissen sehr wohl: Nicht die Soldaten und zivilen Helfer in Afghanistan haben versagt. Sondern all die (Nicht-)Regierungsorganisationen, die - anstatt ihren dringend benötigten nicht-militärischen Beitrag zum Wiederaufbau zu liefern - die Leistung Anderer lediglich aus der Ferne kommentieren.

Ich frage die ehemalige Bischöfin und Protagonistin der evangelischen Kirche: Was haben Sie für den Frieden in Afghanistan gemacht, außer ihn den Afghanen zu wünschen?

Mit freundlichen Grüßen
Martin Schelleis

Zitat aus dem Artikel: "Und was hat der Einsatz gebracht, außer einer Lernerfahrung im Kämpfen? Wurde die Freiheit "am Hindukusch verteidigt"? Das darf bezweifelt werden!" Das ist ja mal ein erfreulicher Klartext. Selber ins Gras zu beißen oder einen Haufen von Afghanen über den Jordan zu schicken, geht somit schwer in Ordnung, wenn nur der Zweck edel genug ist und der Erfolg sich einstellt. Wenn also die Freiheit am Hindukusch tatsächlich verteidigt worden wäre, dann bekäme der Krieg - pardon, der Einsatz - sein moralisches Gütesiegel verpasst. So aber muss der Vorwurf erhoben werden, dass die Bundeswehr gepatzt hat. Und dieser Einwand gilt dann als kritisch. __________________________ Zur Erinnerung: Für die Kriegführung brauchen die Kriegsherren, egal ob es sich um amerikanische Präsidenten, deutsche Bundeskanzlerinnen oder afghanische Stammeshäuptlinge handelt, Armeen bzw. Milizen und saugute Kriegsgründe. Diese Gründe müssen denen einleuchten, die das Gemetzel zu veranstalten haben und dabei auch selber drauf gehen. "Wir" sind immer gut und "die Anderen" sind die Bösen. Wo lernt man das? Das hängt von den Landessitten ab. Der Taliban lernt es in der Koranschule in engem, sachlichen Zusammenhang mit der Gottesanbetung. Der Bundesbürger lernt dasselbe z.B. in Artikeln wie diesem, nämlich durch folgende Auskunft: "Die Taliban haben eine menschenverachtende Ideologie". Wir hingegen haben das glatte Gegenteil davon, nämlich die Menschenrechte. Deshalb haben wir die besten Gründe, die Taliban zu bekriegen. Blöd nur, dass die sich nicht haben vollständig besiegen lassen.

Zum Einen: Ich bin auch ein friedliebender Mensch.
Zum Anderen: Ich habe gerade besagten Artikel gelesen und vorher die FAZ (25.11.2013, S. 4), die über den Tod eines Dolmetschers berichtete. In Dr. Käßmanns Artikel wird Deutschland angeprangert, den 1200 afghanischen Hilfskräften keinen Schutz durch Aufnahme zu gewähren (nur für einen Bruchteil sei dies geschehen). Ein Grund dafür wird sein, dass nicht alle Helfer ihr Heimatland verlassen wollen. In dem FAZ-Artikel (der sich auf Angaben des Bundesinnenministeriums beruft) werden 300 Afghanen genannt, die sich an deutsche Stellen gewandt haben und sich bedroht fühlen. Knapp 200 sollen bisher das Angebot erhalten haben, in Deutschland einen dauernden Aufenthaltstitel zu erlangen. Auch Kanzlerin Merkel hat sich schon vor längerer Zeit dafür ausgesprochen, diesen Afghanen zu helfen.
Diese Tatsachen widersprechen also dem, was Dr. Käßmann in ihrem Artikel andeutet.
Außerdem möchte ich Frau Dr. Käßmann Fragen stellen, auf die ich keine Antwort habe:
Könnte man die afghanischen Helfer nicht anders unterstützen, so dass sie in ihrem Heimatland bleiben können?
Hätte kein Einsatz nicht vielleicht noch mehr Leid gebracht? Bedeuten Ihre Lösungsvorschläge (Mehr Geduld, mehr reden, beten) nicht noch längeres Leid insbes. für die Afghanninen?
Wären die Taliban überhaupt bereit, vermittelnde Gespräche mit Frauen zu führen?
Helfen die Gebete nicht vielmehr den Betenden und weniger denen, für die man betet?

Gudrun Gorris

Liebe Frau Käßmann, vielen Dank für Ihren notwendigen, immer wieder, Artikel zum Thema Afghanistan und Krieg.

Herbert Flickenschild, Frankfurt

Der Beitrag von Margot Käßmann ist sehr einseitig. Kein Wort über den mühsamen, langjährigen Aufbau der wichtigen Infrastruktur für die Frauen und Kinder wie Schulen und vieles mehr. Zumindest dafür hat sich wenigstens der Einsatz gelohnt. Das das Ergebnis nicht sofort sichtbar ist, müßte jedermann klar sein. Gekämpft haben unsere Soldaten dafür, daß dieser mühsame Aufbau von den Talibans nicht wieder zunichte gemacht wird. Dazu paßt ein Spruch von Bertolt Brecht: Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.
Um die einheimische Hilfkräfte brauchen wir uns keine Sorgen machen, denn die werden sicher neue Tätigkeitsfelder finden, da die ja von uns gut ausgebildet sind.

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