Michael Triegels 'Eine Auferstehung'

Galerie Schwind Leipzig, VG Bildkunst, Bonn 2018

Michael Triegels 'Eine Auferstehung'

Michael Triegel, "Auferstehung" (2006)

Jeder kann Auferstehung
Er ist in der DDR aufgewachsen und war bekennender Atheist. Dann hat der Leipziger Maler Michael Triegel über seine Deckengemälde und Altarbilder zum Glauben gefunden

Das ist nicht der Körper eines Gekreuzigten. Ohne Makel und vor Kraft strotzend räkelt sich dieser junge Mann und hat dabei mehr von einem Renaissance-David, als von einem malträtierten Christus. Die Schönheit ist das Thema des Leipziger Malers Michael Triegel. Denn das Schöne in der Kunst ist oft mehrdeutig und spannungsgeladen - und genau das ist es, was Triegel interessiert. Deshalb ist sein Bild "Auferstehung" von 2006 schön im künstlerischen Sinne und dabei voller symbolischer Anspielungen. Denn die Schönheit dieses jungen Mannes ist eine idealtypische. Der perfekte antike Männerkörper, wie ihn sich die Renaissance-Maler vorstellten. Fitness-Fachkräfte müssten neidvoll anerkennen: bis in den letzten Muskel hinein perfekt definiert. Das dürfte weniger auf die verborgene Kraft zahlloser Protein-Drinks verweisen, als auf die Botschaft der Auferstehung als kraftvollem und, das lässt sich hier wohl so sagen, theologisch schönem Akt.

Aber warum ist das Gesicht des Auferstehenden dann mit einem Tuch bedeckt? Wohl weniger, um Jesus darunter zu verbergen, als vielmehr, um alle Menschen darin zu erkennen. Ein Tuch als Spiegel, frei nach Marketing-Deutsch: Jeder kann Auferstehung. Das ist wohl eine Idee, die den Rahmen sprengt. Gerade so, wie auch der junge Mann sichtlich unbequem die Enge der massiven Steinwände spürt und sich in dem abstrakten Grab windet. Seine spärliche Bekleidung, die roten und blauen Stoffbahnen, dienen als Verweis der göttlichen Verschmelzung von Himmel und Erde in dieser Figur. Und auch die liebliche Toskana im Hintergrund erinnert schon mehr an das gelobte Land als an den Schädelberg.

Der 49jährige Michael Triegel wird als letzter Vertreter der sogenannten "ars sacra", also wörtlich der heiligen Kunst, bezeichnet, die vor allem christliche Kunst meint. Der in der DDR sozialisierte Maler und einstmals bekennende Atheist Triegel hat über die religiös aufgeladene Malerei der Renaissance mittlerweile selbst zum Glauben gefunden. Und wie seine Vorbilder malt Triegel häufig im Auftrag von Bistümern und Kirchengemeinden - Deckengemälde, Altarbilder, "ars sacra" eben.

Mit seinem Porträt von Benedikt XVI. erlangte der Leipziger Künstler 2010 internationale Berühmtheit. Gerüchten zufolge, die ja gewissermaßen die vatikanische Form von Wahrheit sind, geriet die Darstellung des Papstes einigen in Rom allerdings etwas zu wenig heilig und etwas zu menschlich. Womit am Ende bei aller künstlerischen Schönheit wieder die Geschmacksfrage stünde. Und über die lässt sich bekanntlich am besten streiten. Amen.

 

 

    

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