E-Mail aus Kanada

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Menschen sitzen auf einer Bank vor der Skyline von Vancouver

Christian Heeb/laif

Enklave der Superreichen - viele können sich die Immobilienpreise nicht mehr leisten und ziehen weg

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Oh wie schön ist Vancouver! Und viel zu teuer, meint das deutsche Pfarrehepaar

In Vancouver zu leben ist ein ­Privileg. Nicht nur, weil es hier wunderschön ist, sondern auch, weil sich das kaum mehr jemand leisten kann. Die kanadische „Perle am Pazifik“ wird langsam, aber sicher eine Stadt der Superreichen. Wir zogen vor 28 Jahren hierher, seitdem haben sich die Häuserpreise beinahe vervierfacht. In den „billigeren“ Stadtteilen liegt der durchschnittliche Kaufpreis bei eineinhalb Millionen Kanadischen Dollar, das ist eine Million Euro. ­Apartments kosten etwa ein Drittel weniger. Eine 
Mietwohnung zu finden, ist fast unmöglich, und wer eine hat, bezahlt dafür nicht selten 60 Prozent seines Monatsgehaltes an Miete. Ursache für den rasanten Preisanstieg sind ­Investoren aus China, Russland und Europa, die hier ihr Geld „parken“ oder „waschen“, da die Gesetze Kanadas in dieser Beziehung sehr lax sind.

Zuallererst leiden die Armen unter dieser Entwicklung, rund 2100 Obdachlose gibt es in Vancouver. Junge Leute und Studenten ziehen fort, sie bereichern unser Leben nicht mehr. Aber es betrifft auch den Mittelstand. Lehrer etwa verdienen hier nicht schlecht – deren Gewerkschaft überlegt allerdings gerade, ob man die Regierung zu einer Wohnbei­hilfe auffordern soll. Senioren, die ­­seit Jahrzehnten in ihren Häusern wohnen, können die rasant steigenden Grundstücks­steuern kaum begleichen. Der Spruch „They are house rich, but cash poor“ ist zu einem geflügelten Wort für diese Situation geworden. Notdürftig übersetzen kann man es mit: „Sie sind reich durch ihr Haus und doch arm – an Geld.“ 
Kirch­gemeinden haben Probleme, die Pfarrwohnungen in der Stadt zu bezahlen. Hier finanziert sich jede Gemeinde selber, mit Hilfe von Spenden. Wir haben noch das Glück, in einem Pfarrhaus zu wohnen, das unserer Gemeinde schon länger gehört. Aber wenn wir in wenigen Jahren in ­den Ruhestand gehen, werden auch wir die Stadt verlassen müssen, die sich Otto Normalverbraucher einfach nicht mehr leisten kann. 

 

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