Geht doch! Italien bekämpft Falschmeldungen im Internet mit Aufklärung

Diesmal: Fake News bekämpfen
Pinocchio schaut mit gesenktem Kopf auf ein leeres Blatt Papier

Getty Images/MaryAnnShmueli

Pinocchio looking down onto a blank sheet of paper. Shallow depth of field with focus on his face. Plenty of room for copy. This file is available as an illustration (vector file) in my portfolio.

In Italien lernen Jugendliche in der Schule, wie sie mit Nachrichten in den sozialen Medien umgehen

Eine der berühmtesten italienischen Fake News entstand so: Gian Marco Centinaio, Senator der rechtspopulistischen Partei Lega Nord, veröffentlichte auf Facebook ein Foto von einem Mann mit Sektglas und schrieb, dies sei der Bruder von Laura Boldrini, Präsidentin der Abgeordnetenkammer. Sie habe dem Bruder die Leitung des Koordinierungsamtes der Regionen verschafft,  er verdiene 47 000 Euro im Monat. 18 000 Menschen haben den Post geteilt. Boldrini hatte viel Ärger, nur: Der Mann ist nicht ihr Bruder und die fragliche Einrichtung erfunden. Centinaios Kommentar: „Ein Scherz. Die Leute sind zu leichtgläubig.“

Fake News, gefälschte Nachrichten, die eine Person diffamieren oder eine Diskussion manipulieren sollen, sind ein großes Problem, nicht nur in Italien. Sie verbreiten sich wie ein Virus über die kurzen digitalen Wege, auch weil Nutzer sie ungeprüft weiterleiten. Italien greift nun durch: mit Aufklärung. Laura Boldrini hat mit Google, Facebook und anderen Unternehmen zehn digitale Gebote erarbeitet, darunter „Teile nie ungeprüfte Quellen“, „Er­kenne den Stil von Fälschungen“, „Nutze deine Macht sorgsam“. ­Seit November 2017 erläutern Profis sie flächendeckend an den Schulen.

In Deutschland steht der Umgang mit dem Digitalen nur vereinzelt auf dem Lehrplan. Der Journalist und Politikwissen­schaftler Felix Friedrich setzt mit seinen Kollegen von „The Buzzard“ auf einen anderen Weg: ­
Sie filtern aus dem Internet sauber recherchierte Pro- und Kontra-Kommentare zu Streitthemen heraus und stellen sie für ihre Abonnenten zusammen (thebuzzard.org). Den italienischen Ansatz findet er hilfreich, aber ­nicht ausreichend. Er sagt: „Fakten und 
Quellen zu checken, kann nicht jeder Einzelne leisten. Dazu sollten Journalisten da sein.“ Die italienischen Jugendlichen vom Schülerfernsehen Checlasse­TV aus Bergamo jeden­falls sind genervt von Fake 
News und hoffen, dass die zehn Gebote helfen.

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