Wege aus der Medienkrise

Reporter, geht raus in die Welt!
Kämpfe in Libyen

In Libyen kämpfen viele Gruppen um die Macht. Wer genau? Davon muss man sich ein Bild machen

Foto: Emanuela de Santis / Anzenberger

Und nicht rein in noch mehr Netzwerke – das könnte den Medien helfen, verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen

chrismon: Wie groß ist das Misstrauen in die Medien?

Uwe Krüger: Es ist leider erheblich. 60 Prozent der Deutschen glauben, Medien würden Meinungen ausblenden, die sie für unerwünscht halten. Und 39 Prozent sagen, dass an dem Vorwurf der „Lügenpresse“ etwas dran sei. Und das sind nur zwei Zahlen aus zwei Umfragen.

War das jemals anders?

Wir haben kaum Langzeitdaten. Kürzlich sagten in einer Umfrage 30 Prozent, ihr Vertrauen in die Medien sei in den vergangenen Jahren gesunken. In den USA halten nur 40 Prozent der Bevölkerung die Medien für glaubwürdig. Vor 40 Jahren waren es über 70 Prozent.

Als gäbe es eine Zensurbehörde in den USA und Deutschland...

Natürlich nicht! Aber nehmen wir die Ukraine-Berichterstattung: Der Tenor in den großen deutschen Medien war, dass Putin allein schuld an der Eskalation sei. Es gab aber immer auch viele Menschen in Deutschland, die dem Westen und der Nato eine Mitschuld an der Zuspitzung gaben. Diese Sicht war medial unterrepräsentiert.  

Es gab offensichtlich russische Truppen auf der Krim, Oppositionelle haben unter Putin Probleme, Homosexuelle auch...

Aber darf ein Journalist das Problem der Homophobie in Russland mit der Ukraine-Krise vermengen? Nein! Die Medien bei uns haben die Maidan-Proteste geopolitisch viel zu wenig eingeordnet. Das Narrativ in Deutschland war: Ein Volk erhebt sich gegen ein korruptes Regime unter Janukowytsch, der böse Putin mischt sich ein und klaut die Krim. Dass die USA seit Anfang der 90er Jahre um Einfluss in der Ukraine ringen, ist zwar gut belegt – kam aber in unseren Zeitungen zu kurz. Ich führe das darauf zurück, dass es unter Journalisten einen Meinungs-Mainstream gibt, ohne dass jemand diesen Gleichklang jemals bewusst herbeigeführt hätte.

Was sind die Gründe für diesen „Mainstream“?

In den Redaktionen für Außenpolitik sitzen viele Transatlantiker, also Redakteure und Ressortleiter, die eher US-nah eingestellt sind und – vermittelt über viele Vereine, Stiftungen oder Konferenzen – häufi­ger Kontakt zu amerikanischen Entscheidungsträgern haben. Teilweise sind sie schon während ihrer Ausbildung in solche Netzwerke hineingewachsen. Diese Nähe zu den USA ist historisch bedingt und war in den 50er Jahren auch wahnsinnig wichtig. Noch heute gilt aber in öffentlich-rechtlichen Anstalten: Karriere macht, wer eine Zeit in Washington Korrespondent war. Förderlich für den Medien-Mainstream ist auch, dass Journalisten eine ähnliche Herkunft haben. Die Allerwenigsten kommen aus einem kleinbürgerlich-konservativen Umfeld oder sind Arbeiterkinder. Es ist auffällig, dass in diesem ­Milieu viele Themen aufkommen, die sich die AfD zu eigen macht.

Welche Themen meinen Sie?

Neurechten und islamfeindlichen Blogs und Publikationen ist es offen­sichtlich über das Internet gelungen, auf sehr schmutzige Weise Geschichten zu erzählen, die viel Anklang finden. Als politisch grundsätzlich links denkender Mensch tut es mir weh zu sehen, dass diese Leute ein Thema gefunden haben, das der vernünftige und demokratische Teil dieser Gesellschaft viel offener diskutieren müsste. Vielleicht liegt es auch daran, dass viele Journalisten nicht in Gegenden wohnen, in denen es Probleme mit der Integration gibt.

Was raten Sie Reportern, um Vertrauen zurückzugewinnen?

Wenn ich meine Studenten ins Berliner Regierungsviertel schickte, würden sie sicher schnell die Nähe zu Politikern, Referenten und Pressesprechern suchen, um an Informationen zu kommen. Das ist normal. Deshalb rate ich Nachwuchsjournalisten, sich ganz bewusst nicht immer nur an den Hotspots der Nachrichtenproduktion aufzuhalten. Sie sollten rausgehen ins Land, empathisch sein und den Menschen zuhören. Verlegern und Chefredakteuren rate ich, auch Nichtakademiker einzustellen, die ganz andere Geschichten mit­bringen. Generell rate ich dazu, Stellen zu schaffen und nicht zu streichen, damit es in den Redaktionen genug Zeit für Recherche und Reflexion gibt. Und warum nicht einen redaktionsinternen Advocatus Diaboli ernennen, der bewusst gegen den Strich bürstet? Damit es häufiger nicht nur den einen Kommentar gibt, sondern ein Pro und Contra – mit unpopulärer Gegenmeinung. 

Uwe Krüger

Foto: Privat
Uwe Krüger, Jahrgang 1978, ist Medienwissenschaftler und Journalist. Sein neues Buch: „Mainstream. Warum wir den Medien nicht mehr trauen“ (C. H. Beck, 14,95 Euro). Krüger arbeitet in der Abteilung für Journalistik an der Universität Leipzig.

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Lesermeinungen

Könnte es nicht auch andersrum sein? Gab und gibt es nicht zuerst eine Krise der Leser, Hörer und Seher und hat sich die Presse diesem neuen Niveau vielleicht zu sehr gebeugt, um nicht noch mehr Abos zu verlieren?
Auch die, die immer noch guten Willens sind und unsere verantwortungsvolle Presse schätzen, können an den Nutzern Zweifel bekommen. Wieso glauben eigentlich die Redakteure der einschlägig verlogenen Frauenblätter, dass ihre Leserinnen für die Unwahrheiten so empfänglich sind? Es gibt immer mehr Nutzer, die zwischen Anzeigen und redaktionellen Beiträge nicht mehr unterscheiden können oder wollen. In Anzeigen (z. B. Kosmetik!) wird gelogen, ohne dass das Papier vor Ärger schwarz wird. Leider. Ebenso wie es in den Verkaufskanälen zu viele Zuschauer gibt, die nach 3 stündigem "Nebenbeigucken" glauben, dass es das normale Unterhaltungsprogramm ist. Beliebt ist in den Medien auch, um der eigenen Überzeugung mehr Nachdruck zu verleihen, einen Meinungs-Mainstream vorzugeben, der mit einer neutralen journalistischen Sorgfalt nicht vereinbar ist. Das nennt sich dann „gesamtgesellschaftlicher Konsens“, der aber nie betätigt wird. Typisch dafür öffentlich Forderung für das Adoptionsrecht von gleichgeschlechtlichen Paaren und das angebliche Gelingen von Multikulti in nahezu allen anderen westlichen Ländern. Nur bei uns gelang das bisher nicht, weil wir für Toleranz zu böse sind. Jahrelang hat man uns mit diesem schlechten Gewissen infiziert. Pure Mainstream-Lügerei. Vor den letzten Wahlen, wurden alle potentiellen AfD-Wähler in die braune Ecke gestellt. Nach der Wahl wurde diese Mainstream-Vermutung schnell revidiert und der Vorwurf nur noch auf die Drahtzieher bezogen. Wie viele haben schon erfahren (ich auch aus politischen Versammlungen), dass das eigene Erleben (kulturelle Rezensionen) in den Presseberichten nicht wiedergegeben oder gar mitleidig belächelt wird. Auch daraus speist sich der Lügen-Vorwurf. Außerdem gilt für Viele: Was interessiert die Wahrheit, wenn die Lüge nicht sie selbst betrifft. Im Zweifel ist dann ein erheblicher Teil des gesamten Inhaltes einer Zeitung fraglich. Und wer keine Zeitung mehr liest, kann auch nicht mehr zwischen vertrauensvoll und Horror-Paper unterscheiden. Für die TV-Macher besorgen das besonders die Privaten. Ob Lüge oder Schwachsinn (Dschungelspiele), ist dann auch egal. Vielen ist auch eine angenehme Lüge wichtiger als eine unangenehme Wahrheit. Warum soll das in der (Anzeigen-) Presse anders sein? Da verwischt sich auf dem Papier der Unterscheid. Sie passt sich doch eigentlich nur den Forderungen der Mehrheit an. Da werden die gutmütig Betroffenen natürlich lauthals protestieren. Aber den Grundtenor werden sie nicht bezweifeln können. Spiegel lügen nicht? Und doch sehen sich so viele gerne in einem Licht, das nicht realistisch ist

Ich hoffe sehr, dass es Sie interessiert, was Sie auslösen, es muss sie interessieren.
Der Satz "Als politisch grundsätzlich links denkender Mensch tut es mir weh zu sehen, dass diese Leute einen Weg gefunden haben das der vernünftige und demokratische Teil dieser Gesellschaft viel offener diskutieren müsste. "
Unglücklich formuliert, weil verfänglich. Und was heißt, "der vernünftige und demokratische Teil" ? Die ganze Formulierung ist unverständlich, dann die Formulierung" "...auf sehr schmutzige Weise , Geschichten zu erzählen ? "
Lieber Herr Krüger, Sie sind Unidozent, haben ein Buch zum Thema geschrieben, und können sich nicht differenzierter ausdrücken ?
Sie sind , trotz Ihrer zur Schau gestellten ERHABENHEIT , ein Mann aus der bürgerlichen Mitte. Vielleicht sind Sie und viele Ihrer KollegInnen eben zu zaghaft, zu ängstlich, zu sehr auf Karriere und Erfolg gebürstet, voller Vorurteile und Vorfreude auf den traditionsreichen `Himmel `?
Im Grunde beurteilen Sie die Situation ähnlich, und es gefällt mir, dass Sie es so kritisch sehen. Aber es wird keine leichte Sache sein, diese eingefahrenen Gleise zu ändern. Sie könnten ja jetzt schon damit anfangen, aufmerksamer Kommentare und Blogs zu lesen, statt sie zu diskreditieren. Nicht um die Diskussion geht es, sondern um Aufmerksamkeit, ja, die aufmerksame Reflexion des Gelesenen . Manchmal allerdings versteht man Dinge falsch, wenn man sie nur aus dem eigenen altbekanntem Blickwinkel betrachtet. Ich würde das Feld denen, die lauter und schlagkräftiger sind, nicht überlassen. Auf die besseren Argumente kommt es an.
Wie David Goliath besiegte, so müsste es gelingen, auch diese Krise zu bewältigen. .
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Es gibt so viele interessante Themen in dieser Welt, weshalb es sich kaum lohnt, ein Thema ausschließlich aus einer einzigen Perspektive zu betrachten. Der Journalismus ist überhaupt ein interessanter Beruf. Wie kann man hier von einer Krise sprechen ?

Die negative Meinung über die Medien ist vermutlich auf den Versuch der Meinungsmache zurück zu führen. Man kann leider nicht verlangen, dass ein Journalist angibt, wann er die Meinung seines Arbeitgebers wiedergibt und noch weniger von ihm, dass er uns erst einmal darlegt wer er ist. Schön wäre auch wenn er sich verpflichtet nur die reine Wahrheit zu berichten und sich bereit erklärt eine ansehnliche Summe zu bezahlen, wenn ihm ein Fehler nachgewiesen wird.
Es würde mich auch freuen, wenn die Nachrichten wertmäßig aufgeteilt würden für die jeweiligen Zielgruppen, um den Lesern nicht die Zeit zu stehlen.
Wunderbar wäre auch, wenn von vornherein klar erklärt wird, warum diese Nachricht geschrieben und wurde und wer oder was der Veranlasser war.
Ich meine, dass es eine der wichtigsten Aufgaben der Medien ist, den Lesern die Kandidaten näher zu bringen, die sich zur Wahl stellen. Wir kennen zwar Schauspieler und Stars in- und auswendig aber von den Leuten, die für die Gesetze zuständig sind nach denen wir leben sollen, kennen wir nur die Sprecher vom Bild her.
Ich bin gespannt, ob mir darauf jemand antwortet?
Gerhard Seedorff

Da Sie, lieber Herr Seedorff, auf Antwort warten, hier bitte. Wer den Medien heiße Tipps gibt, was sie tun und lassen sollten, egal ob als Leser oder als sogenannter Medienwissenschaftler, will offenbar das Bedürfnis von Lesern befriedigen, die den Medien gerne vertrauen wollen. Dieses Bedürfnis ist die perfekte Einladung zur Einseife. Wenn ein Journalist weiß, dass der Leser ihm vertrauen will, dann gibt es kein Halten mehr, ihm unterzujubeln, was nur geht. Ich hoffe sehr, dass Sie, Herr Seedorff, dieser meiner Antwort nicht mit Vertrauen begegnen, sondern mit Kritik. Ist das, was ich schreibe, begründet? Von welchen Voraussetzungen geht meine Argumentation aus, wie ist sie gestaltet, bei welchem Ergebnis landet sie?
Eine Erklärung des Autors, warum er eine Nachricht geschrieben hat, kann nie das Urteil des Lesers ersetzen, warum eine Nachricht geschrieben wurde. Selbst wenn Sie Ihrem Kommentar einen Vorspann voraus geschickt hätten, warum Sie ihn geschrieben haben, könnte das nicht mein Nachdenken über die Absichten, die in Ihrem Kommentar stecken, überflüssig machen. Unschwer ist Ihrem Beitrag zu entnehmen, dass Sie wählen gehen wollen. Trotzdem ist Ihr Kommentar evtl. interessant für Leute, die vorsätzlich nicht wählen gehen. Also wäre auch eine Einsortierung in "Nur für Wahlwillige" ziemlich witzlos.
Sie möchten, dass ein Journalist erst mal darlegt, wer er ist. Was soll er denn da darlegen? Wozu soll das taugen? Ich weiß nicht, wer Sie sind. Es interessiert mich auch nicht, aber das, was Sie schreiben, interessiert mich, sonst würde ich ja nicht antworten. Sie wissen auch nicht, wer ich bin. Sie wissen auch nicht, ob ich Journalist, Sargtischler oder Bergsteiger bin oder nicht. Das ist auch völlig belanglos. Davon kann nicht abhängen, ob das, was ich schreibe, Hand und Fuß hat oder gerade nicht.
Friedrich Feger

Nachdem Sie, lieber Herr Feger, ausführlich Stellung genommen haben, schulde ich ihnen eine Antwort. Chrismon befragt den Medienwissenschaftler Uwe Krüger, nachdem sich schon die Journalistin Ursula Ott und der Chefredakteur Arnd Brunner mit dem Misstrauen in unsere Medien beschäftigt haben, allerdings fehlten mir bei allen konkrete Vorschläge.
Darum habe ich diese geliefert und hoffe, dass ich dazu noch weitere Kritiken erhalte, denen ich genau wie der ihren mit Vertrauen begegne, auch wenn sie mir abraten.
Ich habe den Eindruck und komme damit zur Kritik, dass sie den Menschen und damit dem Leben negativ gegenüberstehen. Damit machen sie sich und anderen das Leben schwer.
Suchen sie nach Gründen, die das Leben lebenswert machen und dazu gehören meiner Ansicht nach vertrauenswürdige Medien.
Wenn sie meine Vorschläge aus dieser Sicht betrachten, gibt es sicher weiterhin Gründe zur Kritik, aber die würde anders ausfallen.
Gerhard Seedorff

Haben Sie Dank für Ihre Erläuterungen, lieber Herr Seedorff! Sie empfehlen mir, dem Leben positiv gegenüber zu stehen. Das ist eine verbreitete und sehr interessante Vorstellung, zu der auch ich mich gerne äußern würde. Diese Debatte würde allerdings sehr weit weg führen vom vorliegenden Thema Journalismus. Deswegen möchte ich eine solche Diskussion nicht an dieser Stelle führen.
Es gibt kaum ein Thema, das nicht in chrismon auftauchen könnte. Vielleicht passt es bei einem anderen Artikel aus chrismon mal besser, darüber zu reden, ob man dem Leben überhaupt gegenübersteht und wenn ja, was dann positiv oder negativ bedeuten soll. Ich bin dann gerne zur Stelle, falls Sie möchten. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Spaß hier beim Diskutieren Ihrer Verbesserungsvorschläge für die Medien!
Friedrich Feger

Liebe Herren Seedorf und Feger!

Warum so kompliziert? Neben vielen anderen, betreiben auch Pfarrer und Journalisten ein ähnliches „Geschäft“. Es ist die Suche nach der ultimativen Wahrheit, in der die objektiven und subjektiven Informationen und Beurteilungen des Lebens vereint sind. Dazu betreibt man eine Dienstleistung mit dem Ziel, andere über das Geschehen in Vergangenheit, Gegenwart und über das demnächst zu Vermutende zu informieren. Danach, entweder sofort oder bei Bedarf auch später, möchte man dann ggfls. die jeweilige Zielgruppe von dem überzeugen, was sie selbst auf der Basis der von ihnen ausgewählten Nachrichten für richtig halten. Das geschieht aber nicht selbstlos. Denn wenn der Inhalt der ausgewählten Informationen und die Logik der daraus abgeleiteten Schlüsse überzeugend ist, soll zwischen dem Informanten und der gläubigen Zielgruppe ein Vertrauens-Wir-Gefühl entstehen, dass dann in ein bedingungsloses Vertrauen (bis zur eigenen Verleugnung), in eine Abo, in Steuern oder in Wahlen mündet, die dem Absender der Nachrichten gefallen. Glaubt ein Journalist (Zustimmung und Zitierungen der eigenen Kollegen sind wichtiger als die Meinung der Leser!) das Ziel erreicht zu haben, „dann gibt es (lt. Fr. Feger) kein Halten mehr, ihm (den Lesern) unterzujubeln, was nur geht“. Die Absichten sind offen, sie dazulegen ist gar nicht notwendig. Man will ja schließlich leben. Insofern ist diese Motivation auch nicht überraschend. Es ergibt sich dann nur noch die Frage, ob es eine andere mediale Konstruktion geben könnte, die diese menschlichen Schwächen vermeidet. Pure Illusion.

Lieber Herr Ockenga,
Sie schreiben am Anfang: "Warum so kompliziert?" Und am Schluss: "Ob es eine andere mediale Konstruktion geben könnte, die diese menschlichen Schwächen vermeidet?" Wo es Schwächen gibt, da gibt es auch Stärken! Und darin liegt unsere Aufgabe: Die Stärken zu stärken!
Statt Illusion Aktion!
Gerhard Seedorff

Lieber Herr Seedorf!
Ihre Wünsche höre ich wohl, allein mir fehlt der Glaube daran, dass es möglich sein sollte, einen Teil der menschlichen Schwächen zu überwinden und durch die Stärken zu ersetzen. An dieser Aufgabe sind bisher alle Ideale und deren „Isten“ gescheitert. Zwar haben Sie recht mit dem „MAN SOLLTE“, aber das haben wir ja in der Erziehung (der eigenen und der unserer Kinder) schon immer versucht, oder sollten es versucht haben. Mit wechselndem Erfolg. Das tut ja auch der Staat, in dem er Gesetze macht. Das mag ja auch für den Einzelnen gelingen, aber in der Summe der Individuen war das bisher nicht möglich. Und das wird wohl auch so bleiben. Auch die Medien folgen den Zeitgeistern und den Ansprüchen ihrer Leser und Zahler und werden andernfalls als "Oberlehrer" als parteiisch angesehen. Das ist kein Pessimismus, eher Realismus. Der Glaube daran, dass es der Politik möglich sein müsste, an dieser Schraube auf Dauer positiv zu drehen, ist ebenfalls Illusion. Die von Ihnen geforderte Aktion kommt. Aber sicher in einer anderen Form als von Ihnen gewünscht. Denn die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen haben sich massiv geändert. Die bisher gewohnte Balance zwischen den Pflichten und den Rechten des Einzelnen und diese Balance gegenüber dem Staat hat sich verändert. Die alten Griechen haben schon so lamentiert. Wie die Wutbürger zu glauben, dass jedes Problem prinzipiell positiv lösbar ist und nur die Parteien das nicht wollen, ist ebenfalls Illusion. Die Nachrichten zeigen uns, dass die Macht der Politiker massiv schwindet. Zuviel ist nur noch Stückwerk. Die Zahl der Probleme, in denen Gesellschaft und Politik versagen, wurde eher größer, statt durch Aktionen kleiner. Alles der zunehmenden Komplexität geschuldet. Pessimismus ist schlecht. Jede Zukunft war bisher auch schon voll von positiven Überraschungen. Lassen wir uns überraschen. Diese Erwartungshaltung ist immer noch besser, als ein Frust über die Nichtigkeit der eigenen Illusionen.

Lieber Herr Ockenga, an den Wutbürgern stört Sie also deren angeblicher unangebrachter Optimismus, nicht der Inhalt der Wut und sonstiger politischer Ambition. Dieses Beispiel für die gepriesene sogenannte konservative Vielschichtigkeit ist erfreulich offenherzig.
Friedrich Feger

Was alles so dahingesagt wird. Zitat OC: "Wie die Wutbürger zu glauben, dass jedes Problem prinzipiell positiv lösbar ist und nur die Parteien das nicht wollen, ist ebenfalls Illusion." ...Lieber Herr Feger, und aus diesem Zitat leiten Sie ab: "...an den Wutbürgern stört Sie also deren angeblicher unangebrachter Optimismus, nicht der Inhalt der Wut und sonstiger politischer Ambition". .... Erfreulich offenherzig ist an dieser Auslegung die vielgepriesene Vielschichtigkeit Ihrer Denkvarianten.

Soeben habe ich einen Artikel von Alexander Kissler, dem Leiter des Kulturressors bei "Cicero" zum Thema "Flüchtlingsheime in der Kritik : Dämliche Deutsche ? ", gelesen. Sein nüchterner Blick ist ernüchternd ehrlich.
Freundliche Grüße

Die gelobte Nüchternheit des erwähnten, aber nicht verlinkten Artikels, besteht in Unkenrufen folgenden Kalibers: In Flüchtlingsheimen steht demnächst terroristischer Bombenbau auf dem Lehrplan und Christen kriegen nur Speisereste zu futtern, wenn sie nicht sowieso vorher mit dem Tode bedroht worden sind. Und leicht erklärlich ist das Ganze auch noch. Thomas Kapielski wird zitiert und wir lernen, dass der Westen, insbesondere die Deutschen "harmlos, duldsam, ungezwungen und lustig" sind.
Wenn so bereits die Nüchternheit des Autors ausschaut, dann darf man sehr gespannt sein, was wir zu lesen bekommen, wenn sich der Herr Resortleiter vielleicht eines schönen Tages zwei Stamperl Schnaps vor dem Schreiben genehmigt.
Wer sich den Artikel tatsächlich antun will, hier bitte: Cicero ist ein seriöses Blatt, somit hoffentlich auch in den Augen der chrismon-Redaktion verlinkbar. http://www.cicero.de/berliner-republik/fluechtlingsheime-in-der-kritik-d...
Friedrich Feger

Das Verlinken darf man sich doch sparen, lieber Herr Feger. Sie haben es gefunden, dann schaffen es andere ebenfalls, ist schließlich heute keine allzu große Herausforderung mehr. So dachte ich, aber wenn Sie und die Redaktion es wünschen, bitte. Der Autor erwähnt noch eine zweite hervorstechende Eigenschaft des potentiellen Deutschen, nämlich die Anmassung.
Womit, aus meiner Sicht, alles gesagt wird..
Außer dem vielleicht, dass es, meiner Ansicht nach, die beste Charakterisierung des Charakters öffentlicher Debatten heute zu sein scheint, einschliesslich Merklscher Selbstherrschaft. Zur Beschwichtigung des Zorns, der so überaus hart kritisierten Mentalität der Deutschen in der Sache, sei noch hinzugefügt, dass der Autor den gesamtem Westen in die Kritik mit einbezieht. So befinde man sich hier doch zumindest in bester Gesellschaft.
Es sind keine "Unkenrufe", Herr Feger, sondern der Versuch, etwas in Worte zu fassen, dass im Grunde schon längst die Spatzen von den Dächern pfeifen. Es geht um die Wahrheit und nichts als die Wahrheit und deren profanen Sprachgebrauch.

Was "schon längst die Spatzen von den Dächern pfeifen", muss niemand in Worte zu fassen versuchen. Das weiß schon jeder. Da aber noch nicht jeder auf die antiislamische Propaganda voll reingefallen ist, muss die Unke plötzlich so tun, als sei sie die große Spatzenversteherin und -Dolmetscherin.
Frau Bundeskanzlerin Merkel ist keine Selbstherrscherin, sondern einwandfrei demokratisch legitimiert. Also regiert sie so, wie sie es für richtig hält. Das machen alle Herrscher und Führer so. Und demokratische Herrscher lassen sich zu genau diesem Zweck wählen. Auch der ungarische Herr Ministerpräsident Orbán, der Flüchtlinge und Muslime aus Ungarn raushalten lässt, ist kein Selbstherrscher, sondern voll demokratisch legitimiert. Wem also immer nur dann, wenn ihm die Regierungspolitik nicht passt, auf den Vorwurf Selbstherrschaft verfällt, will nichts wissen davon, wie Herrschaft funktioniert und welche unterschiedlichen Legitimationen es für Herrschaft gibt.
Selbstherrscher waren Katharina die Große und Iwan der Schreckliche. Um nur Beispiele zu nennen.
Friedrich Feger

" Da aber noch nicht jeder auf die antiislamische Propaganda voll reingefallen ist ..." Was meinen Sie damit ?
Kissler schreibt mehr über Tatsachen, die für sich sprechen. Hier geht es nicht um irgendeine Propaganda. Zudem gerät der Islam immer stärker in Verruf. Da sprechen die Fakten doch für sich.
Es gibt gute selbstkritische Beiträge aus den eigenen islamischen Reihen.
Das interessiert mich, weil ich glaube, dass man zunächst wissen muss, mit wem man es zu tun hat. Haarspaltereien, ebenso wie hohle Phrasen führen nicht weiter.

Der Widerspruch ist nützlich, doch er darf nicht verletzen, muss nicht ausschliesslich sachlich, und muss von einer positiven Absicht geleitet sein.
"Wir wollen die Welt ein bisschen besser machen", lese ich da z.B. in einer Zeitschrift zum Thema Nachhaltigkeit. Es werden Projekte gezeigt, wie "mit guten Ideen im Kleinen viel Positives erreicht werden kann".
Ein Beispiel von Vielen, wie Krisen gemeistert werden können. Nicht "die gute Absicht" allein, die so oft auch negative Resonanz hervorrufen kann, wenn man sie als den s.g.n. Mutmacher versteht, sondern eine Idee, die den Geist beflügelt, und der Nachhaltigkeit dient, also der Gesundung der Umwelt, der Natur, den zwischenmenschlichen Beziehungen, der Verbesserung der Kommunikation.
Krisen sind wie Schaffenspausen, sie dienen der Regeneration, wenn man versteht, sie zu nutzen.
Und Geld muss einfach da sein, will man sich auf den Weg machen.
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Was ich traurig finde, ist, dass solche verletzenden Kommentare wie der Ihre, gesendet werden. Viele der Kommentierenden steigern sich in eine Argumentationskette hinein, die im Steilflug nach unten führt, Diesem Treiben könnte man vielleicht mit Beiträgen begegnen, die den Geist eher beflügeln, statt ihn noch mehr mit depressiven Inhalten zu füttern ?
Irgendwie, scheint mir, diene die Kommentarfunktion keinem guten Zwecke. Man könnte das ändern.

Ich kann Ihren Unmut über Herrn Krügers Artikel nicht nachvollziehen.
Zum Inhalt des Artikels sagen Sie rein gar nichts. Lediglich zwischen den Zeilen kann ich IHR Gejammer hören wie ungerecht doch die Welt zu Ihnen- speziell in finanzieller Hinsicht- ist. Warum? Das wissen nur Sie!
Also lassen Sie diese Stammtischpolemik sein und schminken Sie sich den Advocatus Diaboli ab. Denn auch der, der die meist unterrepräsentierte Kontra-Meinung vertritt hat sachlich und fachlich zu argumentieren. Aufgrund Ihres unsachlichen Leserbriefes halte ich Sie für diese Aufgabe nicht geeignet.

Lügenpresse?
Auch die, die immer noch guten Willens sind und unsere verantwortungsvolle Presse schätzen, können Zweifel bekommen. Wieso glauben eigentlich die Redakteure der einschlägig verlogenen Frauenblätter, dass ihre Leserinnen für die Unwahrheiten so empfänglich sind? Es gibt immer mehr Nutzer, die zwischen Anzeigen und redaktionellen Beiträge nicht mehr unterscheiden können oder wollen. In Anzeigen (z. B. Kosmetik!) wird gelogen, ohne dass das Papier vor Ärger schwarz wird. Leider. Ebenso wie es in den Verkaufskanälen zu viele Zuschauer gibt, die nach 3 stündigem "Nebenbeigucken" glauben, dass es das normale Unterhaltungsprogramm ist. Und dann erst die Bilder in den Print- und anderen Medien. Alle sind sie mehr oder weniger manipuliert, was sich auch (Lupe!) erkennen läßt. Wenn man skeptisch ist! Selbst angebliche Originalaufnahmen werden später noch einmal gesprochen (DLF) um Versprecher, "Ähs" und mehrmals mühsame Wortsuche zu revidieren. Häufig werden auch Worte und Sätze (Lesern und Sehern sollen längere Inhalte nicht zugemutet werden) aus dem Zusammenhang gerissen, so dass ein falscher Eindruck entsteht. Beliebt ist in den Medien auch, einen Meinungs-Mainstream vorzugeben, der mit einer neutralen journalistischen Sorgfalt nicht vereinbar ist. Typisch dafür die Berichte über die Ukraine und das angebliche Gelingen von Multikulti in nahezu allen anderen westlichen Ländern. Nur bei uns gelang das bisher nicht, weil wir für Toleranz zu böse sind. Jahrelang hat man uns mit diesem schlechten Gewissen infiziert. Pure Mainstream-Lügerei. Vor den letzten Wahlen, wurden alle potentiellen AfD-Wähler in die braune Ecke gestellt. Nach der Wahl wurde diese Mainstream-Vermutung schnell revidiert. Außerdem gilt für Viele: Was interessiert die Wahrheit, wenn die Lüge nicht sich selbst betrifft. Im Zweifel ist ein erheblicher Teil des gesamten Inhaltes einer Zeitung fraglich. Und wer keine Zeitung mehr liest, kann auch nicht mehr zwischen vertrauensvoll und Horror-Paper unterscheiden. Für die TV-Macher besorgen das besonders die Privaten. Ob Lüge oder Schwachsinn (Dschungelspiele), ist dann auch egal. Vielen ist auch eine angenehme Lüge wichtiger als eine unangenehme Wahrheit. Zu hören auf Beerdigungen. Da lassen sich alle Trauergäste gerne mit Lügen vorführen. Spiegel lügen nicht? Und doch sehen sich so viele gerne in einem Licht, das nicht realistisch ist. Warum soll das in der Presse anders sein?

"Es tut weh...", sagen Sie. Doch Ihr Wehe hält sich in Grenzen, denn immerhin haben Sie einen sehr guten Job, der sicher nicht schlecht bezahlt wird, der überdies genügend Abwechslung bietet, um den Schmerz in einem sehr erträglichen Masse zu halten. Ich will damit sagen : ersparen Sie dem Leser diese anbiedernde Sprache. Nichts ist schlimmer als der Widerspruch, der in Ihrem Jammer deutlich wird !
PS. Und gerne würde ich den Job des Advocatus Diaboli übernehmen. Mit einem entsprechenden Honorar.