Religion für Einsteiger: Woran glauben Anthroposophen?

Reinkarnation und Christusglaube
Viele evangelische Eltern schicken ihre Kinder zu den Anthroposophen – oft wissen sie gar nicht, welche Vorstellung von Gott es dort gibt

Foto: Michael Ondruch

Heiner Lauterbach war da und Martin Semmelrogge, Cosma Shiva Hagen und Barbara Feltus, ehemals Becker, Sandra Bullock und Ferdinand Alexander Porsche: Sie alle besuchten Wal­dorfschulen. Und man darf sagen: Sie sind, jede auf ihre Art, markante Personen, auf die sich gern die Kameraaugen richten oder – im Fall des Porsche-911-Entwicklers – gerichtet haben.

Verdanken sie ihre Selbstdarstellungsgabe und ihre Kreativität etwa der Pädagogik und Religion Rudolf Steiners? Oder sind sie kreativ, obwohl sie die Steinerschulen durchlaufen haben? Denn einer der großen Sätze Steiners scheint doch die Individualität des Menschen kleinzuschreiben: dass der Mensch ein Tropfen aus dem unendlichen Meer des Göttlich-Geistigen sei. Wörtlich: „Wie der Tropfen sich zu dem Meer verhält, so verhält sich das ‚Ich‘ zum Göttlichen“ (aus: Die Geheimwissenschaft im Umriss).

Worin unterscheiden sich Christen und Anthroposophen? Zum Beispiel darin, dass die christliche Theologie kein geschlossenes System darstellt, sagt Hennig Kiene, Pastor im EKD-Kirchenamt. Außerdem koennen Christen in eine persoenliche Beziehung zu Gott treten.


Es ist sinnvoll, dass sich evangelische Eltern mit dem anthroposophischen Menschenbild auseinandersetzen, wenn sie ihre Kinder in eine Waldorfschule schicken. Denn die Anthroposophie trägt alle Kennzeichen einer eigenen Religion, und sie enthält viele christliche Bausteine (zum Beispiel einen sehr speziellen Christus-Glauben), aber auch etliche, die eher indischen Ursprungs sind (wie ein be­sonderer Glauben an die Wiedergeburt des Menschen).
Ohne diese religiöse Anthroposophie sind die Waldorfschulen nicht zu denken, auch wenn nicht alle Waldorflehrer Anthroposophen sind und Anthroposophie nicht als Fach gelehrt wird. Aber je nachdem, wie groß die missionarischen Ambitionen der Lehrer und ihre Verehrung für Rudolf Steiner sind, kommt auch im Unterricht diese Weltanschauung zum Tragen.

Anthroposophen glauben an die Re­inkarnation des Menschen, also die regelmäßige Wiederkehr des Individuums auf die Erde. Zwischen den einzelnen Leben können mehrere Jahrhunderte liegen. Menschen werden immer als Menschen wiedergeboren, anders als im Buddhismus oder Hinduismus, wo auch Tiere und Pflanzen eine Seele beheimaten können. Reinkarnation, wie sie Anthroposophen verstehen, ist kein quälendes, schicksalhaftes Durchlaufen der stets gleichen ­Torturen. Sie sind eine Wegstrecke zur „Vergeistigung“ des Menschen, jene Arbeit am „Ego“. Es ist eine gewaltige Anstrengung, das Göttliche in sich zur Entfaltung zu bringen.

Wenn ein Mensch geboren wird, tritt er aus der geistigen Welt in die physische Welt, ein bisher unsichtbares Wesen inkarniert. Nach Steiners Auffassung ist das gegenwärtige Leben mitbestimmt und mitgeprägt vom vorherigen Leben. Genau hier liegt eine der unüberbrückbaren Differenzen zum Christentum. Nach dem biblischen Menschenbild gilt der Mensch als von Gott geschaffen, er ist in seiner ­Individualität Gottes Ebenbild. Das gibt ihm eine einzigartige, personale Würde. Für Christen gibt es nur ein Erdenleben, keine zahlreichen Wiederholungen desselben, bis der Menschen zur Vollendung gelangt ist. Der Grund, theologisch for­muliert: Wer von Christus erlöst ist, muss sich nicht selbst erlösen.

Hinter der materiellen Welt steht nach Steiners Auffassung eine höhere göttlich-geistige Welt. Sie ist die eigentliche, die viel wichtigere als die so unvollkommene auf Erden. Entscheidend ist, welche Schlüsse man aus diesem religiösen Dogma Steiners zieht: Führt es zur Entwertung oder zur Aufwertung des Menschen? Wohlmeinen­de Waldorflehrer werden es im zweiten Sinn verstehen.

Manches erscheint Christen rätselhaft in Steiners religiösem Kosmos. Die an­gebliche Vorgeschichte Jesu gehört dazu: dass zwei Jesusknaben sich in einen verwandeln. Das klingt sehr spekulativ. Mythisches gehört schon gar nicht in den Biologieunterricht, sollte man denken. Und doch fallen da schon mal Worte wie: „In den sichtbaren Formen und Gestalten der Pflanzen erscheint die Seele oder Seelenwelt der Erde.“

Lesermeinungen

Liebe Befürworter der Waldorfschule,

allein in Eurer Verteidigungshaltung verratet ihr Euch keine Christen zu sein!
Ich war in dritter Generation Waldorfschüler, brach jedoch bei meinen eigenen Kindern den Versuch ab! Warum?
Es ist leider wahr, daß die Waldorfschulen unchristlich sind, weil in ihnen mehrere Götzen angebetet werden. Es wäre nicht engstirnig bei einer Religion zu sein, doch es allen in Allem gerecht machen zu wollen, schafft Chaos! In den Waldorfschulen betet man verschiedene Religionen und Inhalte an, aber kaum Jesus Christus, unseren Erretter!
Früher kam das Christliche durch die Lehrer in die Schulen und dadurch ging es. Denn die Waldorfpädagogik ist von den Tugenden des Christentums so abhängig wie keine andere Schule, allein deswegen, weil man Noten durch Liebe zu ersetzen versucht. Das ist sehr schön, doch mit den vielen Atheisten, die heute an den Schulen arbeiten, ist das unmöglich!

In den Klassenzimmern der Waldorfschulen ist es so laut wie in keiner anderen Schule. Das macht den Unterricht unmöglich! Die Lehrer und Eltern stehen ständig im Streit. Ein Wettstreit über das beste Konzept lähmt den Frieden und zeigt die Unsicherheit auf, die man hat. Weil man Jesus Christus nicht anbetet, hilft er auch nicht. Der Mensch verrennt sich. Weiß man überhaupt noch, was es bedeutet Christ zu sein? Müssen Waldorflehrer und Eltern erst wieder ein Gewissen erhalten? Vergleicht man sich nur noch mit der Staatsschule und ist froh ein bißchen besser zu sein?

Dabei wäre alles ganz einfach gewesen, die Waldorfschulen zu bewahren: Man hätte die Anthroposophie als Frucht des Christentums ansehen müssen, so wie alles in der Welt eine Frucht unseres Gottes ist! Unsere ganzen ethisch-technischen Entwicklungen aus dem 19. Jahrhundert sind Früchte des Christentums, unserer Frömmigkeit, die wir hatten. Auch die Ansichten in dem Kommunismus und der Anthroposophie waren Früchte, doch sie wurden über Jesus gestellt und Menschen wollten Gott sein. Damit kommt alles in die Verdammnis!
Hätte man die Waldorfschulen klar als christliche Schulen, mit einem Christus-Kreuz, dargestellt, wären die schönen Früchte der Pädagogik von Rudolf Steiner zu retten gewesen. Mit der Heiligen Schrift wären die Irrungen überwunden worden. Ich trauere um die Eurythmie, die Farbenlehre, die Architektur und dem Gesamtkonzept der zwölf Klassen. Mit dem hätten wir Gott ehren können.

Schülereltern stehen in der Praxis vor einer schwierigen Wahl. Sollen sie ihr Kind an eine Schule geben, die rein naturwissenschaftlich auf Leistung getrimmt ist und relativ gnadenlos Wissen einpeitscht - oder, wo dem Kind eine Entwicklung zugestanden wird und seine Sinne gezielt angesprochen werden. (Leistung wird hier auch verlangt- und wie!)
HIer werden Naturrhythmen und Hintergründe eingeflochten und ein humanes Menschenbild vermittelt wird- auch über den Umgang des Lehrers mit den Kinden an der Schule. Es gibt ein Leben hinter den Dingen- ob die W Pädagogik der Weisheit letzter Schluss ist- das wird sich zeigen. Doch wer glaubt diese W-P den absolut? Immerhin wird hier in dieser Anschauung eine solche Möglichkeit in Erwägung gezogen und vermittelt. Das geschieht sonst einfach nicht.
Ich bin kein Anhänger der Steineranschaaung- und werde es auch nicht werden. Doch eins ist klar - eine normale Schule kann nicht mithalten- schon gar nicht bei der Vermittlung christlicher Werte. Und auch absolut nicht dabei- den Kindern einen Raum zuzgestehen, den sie sich selber erobern können. Dies geschieht an der W Schule jedoch. Das spezifische Glaubensbild wird sich ein jeder Mensch in seinem Leben nochmals erarbeiten müssen- und dies wird auch einem W Schüler vermutlich nicht genommen.
Vielleicht wäre es besser einmal drauf zu Blicken, was hier gut läuft und was den Schülen wirklich hilft sich angenommen in diesem Leben zu fühlen. Keinen Menschen interessiert da die Diskussion ob es nun Reinkarnation gibt oder nicht. (Ich glaube nicht dran). Vielmher interessiert- wie werden die Kinder wirklich behandelt. Und da- da haben die herkömmlichen Schulen eine immer grösser werden aufholbedarf..... Da fragt man sich eher- ob man mehr ist als eine Maschine. Dieser Frage sollten wir uns eher zuwenden!

Den Beitrag „Was glaubt man in der Waldorfschule?“ in der Mai-Ausgabe von „Chrismon“ haben Sie, Herr Kiene, im Interview auf chrismon.de noch einmal dahingehend zugespitzt, dass ein Christ kein Anthroposoph sein könne. Das veranlasst mich nun doch, Ihnen eine gemeinsame Antwort zu schreiben. Seit ca. dreißig Jahren bin ich Waldorflehrer und habe in dieser Zeit mindestens zwanzig Mal beim alljährlich für unsere Schüler/innen inszenierten Oberuferer Christgeburtsspiel mitgespielt. An unserer Schule waren eine ganze Reihe von Kindern evangelischer Pastoren, deren Eltern mir immer wieder sagten, an keiner anderen ihnen bekannten Schule würden die christlichen Jahresfeste mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Schönheit begangen wie bei uns.
Während meiner Lehrertätigkeit musste ich mehrmals erleben, dass einzelne Pastoren regelrechte Kampagnen gegen die Waldorfschule gefahren haben, weil sie meinten, Eltern darüber aufklären zu müssen, dass man nicht zugleich Anthroposoph und Christ sein könne und die Waldorfschule daher für Christen ungeeignet sei. Dazu unten mehr. Für Eltern ist zunächst einmal relevant, dass die Anthroposophie zwar eine wichtige Grundlage der Waldorfpädagogik ist, dass sie aber nicht unterrichtet wird, weil Waldorfschulen es grundsätzlich ablehnen, Kinder auf eine bestimmte Weltanschauung hin zu erziehen. Die Anthroposophie wendet sich an mündige Erwachsene. Sie ist ein Angebot an die Lehrer/innen, ihre pädagogischen und menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten bewusst zu schulen. Darüber kann man streiten, aber:

Wirklich befremdlich finde ich, wenn mir ein Pastor abspricht, Christ zu sein, weil ich einen anderen Zugang zum Christentum pflege als er selbst. Begründet wird das u.a. mit der Idee der Reinkarnation, die angeblich im Widerspruch zum Christentum und zu der christlichen Idee der Gnade steht, weil sie dem einzelnen Menschen eine Verantwortung für seine Handlungen zuspricht, die er nicht einfach ablegen kann. Das wäre ein sehr interessanter Ansatzpunkt, um über Freiheit, Glaube, Gnade und Individualität nachzudenken, meinetwegen auch zu streiten, aber ganz sicher lässt sich mit der Idee der Reinkarnation niemandem sein persönliches Verhältnis zum Christus absprechen, wie Herr Kiene das in seinem Radiobeitrag tut. Man findet diese Idee längst nicht nur im Orient, sondern auch bei zahlreichen mitteleuropäischen Denkern, die von Lessing („Die Erziehung des Menschengeschlechts“) über Schopenhauer bis zu Goethe reichen. Entgegen Ihren Ausführungen handelt es sich bei der Anthroposophie keineswegs um ein geschlossenes System, sondern um eine ergebnisoffene und jederzeit transparente Methode zur Vertiefung und Verlebendigung des Denkens, Fühlens und Wollens. Deshalb hat auch Rudolf Steiner niemals für sich in Anspruch genommen, über ein exklusives Wissen zu verfügen, sondern genau beschrieben, wie er zu seinen Erkenntnissen gelangt ist - und diese der gründlichen Prüfung anempfohlen. Die Anthroposophie ist keine Religion und setzt sich daher auch nicht an die Stelle des Glaubens, wie Sie das in Ihrem Podcast-Beitrag unterstellen. Sie kann aber sehr wohl dazu beitragen, das religiöse Empfinden zu vertiefen. Ein geschlossenes System scheint mir eher dort zu existieren, wo man sich auf eine einzige Möglichkeit zur Erkenntnisgewinnung beruft, wie Sie das in Ihrem Beitrag tun.

Henning Kullak-Ublick, Vorstand des Verbands der Freien Waldorfschulen, Stuttgart

Meiner Ansicht nach, hält sich der Artikel mit Kritik sehr zurück. Viel heiße Luft und aufgeplustertes Gefieder seitens der Poster. Interessant : die Vorgeschichte Jesu. Ich habe sehr zwiespältige Erfahrungen mit der Anthroposophie gemacht, aber ich möchte sie nicht missen.

Schon der Titel läßt einen leicht irritiert zusammenzucken. Und dass für das angekündigte Thema nicht mehr als eine Seite zur Verfügung steht, lässt Schlimmes befürchten. Tatsächlich stellt sich bei der Lektüre des Artikels von Herrn Kopp ein Gefühl ein, das auch beim wiederholten Lesen nicht weichen will: Ratlosigkeit. - Um was geht es bei diesem Artikel? Wo liegen Sinn und Ziel - wenn nicht in einer kleingeistigen und in der Argumentation plakativen und oberflächlichen Aburteilung einer nicht-konfessionellen spirituellen Strömung?

Dass nicht die Waldorfpädagogik Gegenstand der Betrachtung sein kann, liegt auf der Hand, auch wenn der Titel anderes vermuten lässt: aber außer dem „namedropping“ prominenter Waldorfschüler und dem etwas vagen Hinweis, im Unterricht „schon mal“ (?) Mythisches zu hören, kommt da nichts - schade eigentlich, denn die später gestellte Kernfrage, ob die Anthroposophie „zur Entwertung oder zur Aufwertung des Menschen“ führt, würde sich schnell beantworten lassen, wenn sich der Autor darauf einließe, die Grundannahmen der reformpädagogischen Anstrengungen der Waldorfschulen in bezug auf individuelle Menschenbildung in Augenschein zu nehmen.

Geht es Herrn Kopp statt um Waldorfpädagogik um eine echte kritische Auseinandersetzung mit dem Menschenbild, dem Weltbild und dem Gottes- und Christusverständnis in der Anthroposophie? Man möchte es eigentlich nicht für möglich halten, denn jeder Versuch, das umfassende, vielschichtige und multidimensionale Werk Rudolf Steiners in wenigen Textabsätzen abarbeiten und beurteilen zu wollen, kann nur scheitern und wäre zudem ein Affront gegen eine reflektierte und differenzierte Leserschaft, die sich sicherlich nicht mit Plattitüden zufrieden geben möchte.

Was also? Ist es der theologische Nachweis einer Unvereinbarkeit von Anthroposophie und Christentum, was Herr Kopp anstrebt? Im einseitigen Zeitschriftenformat? Und ohne sich in irgendeine Weise auf die von R.Steiner begründete „Christengemeinschaft“ als Religionsgemeinschaft zu beziehen - die ja doch schließlich das christliche Bekenntnis im Namen trägt - und hier die vermeintlichen theologischen Unüberbrückbarkeiten zu suchen? Es könnte spannend sein, in den strittigen Punkten etwa einen Priester der Christengemeinschaft zu Wort kommen zu lassen - wenn man an echtem Diskurs interessiert wäre.

Ohne Herrn Kopp zu kennen: wer traut sich zu, sowohl Weltanschauungen oder spirituelle Strömungen in den begrifflichen Status der „Religion“ zu heben (weil „alle Kennzeichen“ - welche? - erfüllt sind), oder aber ebensolchen Strömungen die Legitimation, sich als Teil des Christentums zu sehen, abzuerkennen? Im vorliegenden Falle hieße dies:
Die sämtlich von zutiefst christlichen Motiven durchsetzte Anthroposophie mit ihren mannigfaltigen sozialen und caritativen Tätigkeitsfeldern - man denke etwa an die Heilpädagogik - sieht sich zu Unrecht als Teil des Christentums. Wer „die Christen“ sind und wer nicht, entscheiden Herr Kopp und andere „wissende“ Theologen. Als ginge es hierbei um ein geschütztes Markenzeichen.

Die Möglichkeit, dass „Christ sein“ und „das Christentum“ eventuell größer und beweglicher gedacht werden kann als der konfessionelle Kirchenglaube es vorgibt, wird nicht in Erwägung gezogen. Das ist vielleicht von einer konfessionell gebundenen Zeitschrift auch nicht zu erwarten. „Der Geist weht, wo er will“ - nur eben leider nicht an dierser Stelle von chrismon, das ich bisher durchaus recht geistreich erleben durfte.

Zitat aus dem Artikel: "Anthroposophie trägt alle Kennzeichen einer eigenen Religion" Und dementsprechend verläuft dann auch die Diskussion. Was sind die köstlichen Alternativen, die das Religionsbüfett anbietet? In der Christenabteilung findet sich: "der Mensch als von Gott geschaffen...... Gottes Ebenbild....von Christus erlöst...muss sich nicht selbst erlösen" Und bei den Anthroposophen: "zahlreichen Wiederholungen desselben (gemeint sind Erdenleben), bis der Menschen zur Vollendung gelangt ist." ________________________________ Also, liebe Zeitgenossen! Wenn ihr euch in der Firma über den Chef ärgert oder in der Freizeit über die teure Werkstattrechnung oder im trauten Familienkreis über die mal wieder aus dem Ruder gelaufenen Kinder oder den Lebenspartner oder die Lebenspartnerin mit unschönen Charakterzügen - nur ruhig Blut! Entweder erlebt ihr hier die von Christus erlösten Gottesebenbilder oder die verschiedenen Nervensägen einschließlich eurer selbst sind noch auf dem Weg zur Vollendung. Und selbstverständlich dürft ihr auch beide Interpretationen mischen, wie ihr wollt. Ich wünsche bestes Vergnügen dabei.

Ich bin erfreut darüber, dass ich nun so viele kritische Bemerkungen zu dem leider in Ihrem Magazin veröffentlichten unreflektierten Artikel lesen durfte.
Der Verfasser des Artikels über das Christsein in der Waldorfschule, bzw. Antroposophie, zeigt, dass sehr viele Menschen die Äußerungen Rudolf Steiners nicht verstehen und schon überhaupt nicht durchdringen können!
Dies ist der erste Leserbrief in meinem 40jährigen Leben; die folgenden Äußerungen des Autors haben mich aber derart aufgeregt, dass es mir ein Bedürfnis ist mich meinen Vorrednern anzuschließen:
1. Mitnichten wird in der Antroposophie die Individualität "klein" geschrieben!
2. Nur weil sich in einem Konzil einige Jahrhunderte nach Christus einige "Christen" gegen den bis dahin existierenden Glauben an die Wiedergeburt ausgesprochen haben, ist das heutige Christentum die einizge Religion, die ihren Gläubigen ein drastisches und endgültiges Ende anbietet!
3. Von "Dogmen" bei Steiner zu sprechen (selbst wenn es so wäre, würde die Tatsache, dass die göttlich geistige Welt selbstverständlich wichitger ist, als die irdische, WEDER eine Ent- noch eine Aufwertung des Menschen beinhalten!!!) ist schon putzig in Anbetracht der selbstverfassten Meinungen des Autors!
Ärgerlich dieser Artikel.
Sollte der Autor in Anbetracht seiner vielen Kritiker in Erwägung ziehen, sich noch einmal in den einen oder anderen Steiner Text einzulesen, so sollte er auf jeden Fall jemanden an der Seite haben, der ihm die Inhalte verständlich erklären kann.
B. Münch, Berlin

Hat der Artikel sich nun selbst nicht reflektiert? - was nicht möglich ist; oder wurde er vom Autor nicht reflektiert? - was ein unreflektierter Vorwurf wäre und eben auch unmöglich. Was also meint jemand, der schreibt, dass dies ein unreflektierter Artikel ist?
Er meint damit, dass der Inhalt dieses Artikels nicht anhand seiner Maßstäbe reflektiert wurde. Nun, das stimmt wohl und ist auch sehr zu begrüßen. Kritische Analyse geht eben nur so. Das aber sollten wir alle akzeptieren.

Man möchte beim Lesen der vorangegangenen Kommentare das Nichtstehenlassenkönnen einer Darstellung der Waldorfschule "von außen" bzw. der ernstgemeinten Frage nach Gott vorfinden.
E. Kopp hat dargestellt, was man in vielen (oder den meisten) Waldorfschulen vorfindet - kann sich ein überzeugter Anthroposoph seiner Gedanken und den steiner´schen Lehren enthalten, wenn er eine Klasse "formt" und seinen Unterricht vorbereitet?

Die Jahresfeste werden schön gefeiert, das ist richtig, aber gerade für einen evangelischen Christen bleibt fragend zurück, weshalb die Engel und Maria einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen, als das Grundlegende des christlichen Glaubens - dem Vertrauen auf den biblischen Gott (und dieser taucht in der Praxis und in Gebeten und Sprüchen von R. Steiner in solcher Gestalt nicht wirklich auf) und die Sühneleistung Christi für uns Menschen.
Aus christlicher Sicht erhöht nicht der Mensch sich selbst, sondern dieser Zuspruch wird uns allein von Gott aus reiner Liebe gegeben.

Der Mischmasch aus verschiedensten Religionen, Philosophien, Gedanken usw. in Steiners Universaldenken rührt aus einer Zeit, in der der Fortschritt und die Schnelligkeit sehr viele Menschen zur Frage nach dem Sinn brachte. Dass Steiner hier - neben vielen anderen - nach Antworten suchte, ist eine Leistung und sicher auch bewundernswert.
Was aber aus christlicher Sicht abzulehnen ist, ist der Dogmatismus, den man vielerorts findet.
Christen werden nicht als Menschen auf Erden reinkarniert, selbst im ev. RU durch Pfarrer an der Waldorfschule (sofern er denn, weil Geld des Dekanats vorhanden ist, stattfindet) findet man keine konkrete theologische Auseinandersetzung, sondern bis Klasse 8 oft nur ein Geschichtenerzählen und Bildermalen.
Das eigene, reflektierte Denken, v.a. auch über den christlichen Glauben (so wie er biblisch verkündet ist), findet in drei mir bekannten Waldorfschulen im Süden Deutschlands nicht (offensichtlich) statt.

Dass eine Darstellung der Waldorfschule wieder einmal in Vorwürfen für den eben nicht aus der Waldorfecke kommenden Autor endet, will ich so nicht stehen lassen.
Weil eine, aus theologischer Sicht heraus, "von außen", sowie eine immer wieder auftretende kritische Auseinandersetzung mit der jeweiligen Zeit notwendige Reflexion sein darf und sein muss.
Martin Luther und viele vor und nach ihm, haben es vorgemacht.
Ich gebe Ihnen aus theologisch und pädagogisch leidvoller Erfahrung Recht, Herr Kopp.

Angenommen, Johannes der Täufer wäre der wiedergeborene Elias; weiter angenommen, Jesus habe dies seinen Jüngern andeuten wollen, ohne es ihnen aufzuzwingen - wie hätte er es wohl formuliert? Etwa so: "Wenn ihr's annehmen wollt: er ist Elia, der da kommen soll. Wer Ohren hat, der höre!" (Mth 11,14-15)

Rudolf Steiners Verdienst besteht u. a. darin, Anstöße zu einer praxisorientierten Religion gegeben zu haben. Das Beten ist nämlich sinnlos. Ein Mensch muss eine wesentliche Steigerung seiner Willenskraft und Liebe erreichen. Dann kann er durch Beschäftigung mit Geistigem Heilen Hilfe von Gott bekommen.
Zudem hat Rudolf Steiner die ökologische Landwirtschaft gefördert. Die Situation verbessert sich explosionsartig zunehmend. Nicht nur durch die Öko-Landwirtschaft. Sondern auch durch das S-House und das Protron-Auto.

Der in Chrismon 5/2014 erschiene Artikel „Woran glaubt die Waldorfschule?“ hat mich leider sehr enttäuscht. Als Katholik und Vater zweier Waldorfschüler kenne und schätze ich Chrismon seit langem für eine kritische, provokante aber auch ausgewogene Berichterstattung und hatte mich daher sehr auf die Lektüre gefreut.
Doch dieser Artikel ist Chrismon wirklich nicht würdig. Was mich ärgert sind nicht Ihre kritischen Anmerkungen zur Anthroposophie, denn die müssen in einer evangelischen Zeitschrift erlaubt sein, sondern die unerträglichen Verallgemeinerungen, die diesen Artikel durchziehen und damit eine wichtige Schulform in unserer Schullandschaft in Misskredit bringen.
Wenigstens haben Sie es vermieden, die Schule auf das Tanzen des eigenen Namens zu reduzieren, wie es sonst so gerne gemacht wird. Die Verkürzung der Waldorfschule auf die Anthroposophie ist aber mindestens so unredlich als wenn ich die staatliche Schule auf "Notendruck und Physikunterricht" reduzierte. Irgendwas ist vielleicht dran, aber irgendwie ist es auch völliger Schwachsinn.
Keine Erwähnung finde ich in Ihrem Artikel, dass es DIE Waldorfschule an sich überhaupt nicht gibt, genau so wie es DIE katholische Schule nicht gibt. Beim Besuch verschiedener Waldorfschulen habe ich eine enorm grosse Vielfalt kennengelernt; viele Dinge, die mir zusagten und auch einige, die mir nicht zusagten. Insgesamt erlebe ich an unserer Schule in Gröbenzell sehr engagierte Lehrer, vielseitigen Unterricht, Schüler, die gerne zur Schule gehen und die sich gegen Ende der Schullaufbahn zu selbstbewussten, in sich ruhenden Oberstufenschülern entwickelt haben.
Der Artikel vermeidet es natürlich auch, zu erwähnen, dass an den meisten Waldorfschulen auch durchaus katholischer und evangelischer Religionsunterricht stattfindet und die christlichen Feste im Schuljahr eine sehr viel grössere Rolle spielen als an den meisten staatlichen Schulen…. aber dann wär’s vielleicht auch nicht so schön plakativ geworden. Leider haben Sie damit aber eine Chance zu einer ernsthaften und kritischen Auseinandersetzung, die das Thema durchaus verdient hätte, vertan.
Herr Kopp scheint persönlich mit der Anthroposophie nicht viel anfangen zu können, was ja durchaus legitim ist, wirft aber dann mal eben eine ganze Schulform in den gleichen Topf. Warum differenzieren, wenn's auch einfach geht, scheint hier das Motto des Autors gewesen zu sein. Schade...

Dieser Artikel hat bestenfalls Bildzeitungsniveau, er strotzt von Dummheit und Vorurteilen und erweckt einen völlig falschen Eindruck von der Waldorfpädagogik,den Waldorfschulen und der Anthroposophie .
Sie sollten sich schämen.

Der Artikel ist wirklich hahnebüchen, um ein altertümliches Wort zu benutzen. Ich schließe mich zunächst den beiden Leserbriefen vor mir voll
an und brauche da also nichts zu wiederholen. 2 Dinge möchte ich hinzu-fügen:
1, Rudolph Steiner hat nirgends die materielle Welt, also das Erdendasein, als unwichtig bezeichnet. Ganz im Gegenteil: Ohne das Erdenleben ist ein
Leben in den geistigen Welten für den Menschen gar nicht möglich. Die Erfahrungen im Erdenleben sind ausschlaggebend und können nur im
Irdischen gemacht werden.
2. Die Individualität des Menschen sei kleingeschrieben bei Steiner.
Das ist nun wirklich der Gipfel !
Die Waldorfschulen wurden in der Hitler-Zeit verboten, gerade weil sie
die Individualität in den Mittelpunkt stellten.

Eike Kathrin Asen, Berlin

Ich bin überrascht, dass ein nicht nur bekennender Christ, sondern auch studierter Theologe, das Christentum aus dem alten Testament begründet und nicht das neue Testament zur Grundlage nimmt.

Jesaja wird von Herrn Kiene zitiert. Dieses steht nun bekanntermaßen im Alten Testament.

Im Neuen Testament heist es: Siehe, ich mache alles neu...

Es wird kein Stein auf dem Alten bleiben.....

Ich möchte nicht weiter Inhaltlich darauf eingehen, aber darauf hinweisen, dass gerade die Offenbarung so geheimnisvoll ist, dass gerade dort Dinge beschrieben werden, die unsichtbar sind, denen aber eine große Wirksamkeit zugesprochen wird.
Den Zugang zu diesen Geheimnissen kann die Anthroposopie schaffen, den Inhalt nicht. Daher ist sie Ergebnisoffen.

Herr Pastor Hennig Kiene arbeitet ganz feste daran das die Glaubensgemeinschaft für die er eintritt noch freier werden wird, frei von Menschen. Diese Sichtweise ist keine prophetische, sondern eine simple, auf Gesetzmäßigkeiten beruhende Tatsache.
Die Zeiten wandeln sich und wer sich nicht selbst mit verwandelt, versteinert eher.
Was ist Wahrheit, wer besitzt eine solche Absolute?
Gemeinschaften die Schriften als Basis ihres Glaubens haben
(wer hat die Schriften niedergeschrieben an die geglaubt wird und in welchem Geisteszustand befanden sich die Verfasser)?
Menschen (Mystiker, Geisteswissenschaftler, Medien) die den Geist Gottes
in sich zu erleben glauben?
Was ist Spiritualität, wer hat die Deutungshoheit, oder maßt sich an, eine solche zu haben?
Sinnstiftend wäre es tendenziell schon, das die verschiedenen selbsternannten Vertreter der Weltanschauungen mehr auf das schauen was gemeinsames da ist und was Verbindet.
Weniger sich etwas absprechen, oder gar das abwertenden Unwort "Sekte" sich gegenseitig zusprechen. Dekadenz, Dumpfheit und ein "Nicht um die Ecken" denken und fühlen können,
machen es nicht gerade leicht, in der Selbsterkenntnis.

"Die schlimmsten Feinde der Wahrheit sind die abgeschlossenen
und nach Abschluss trachtenden Weltanschauungen".

Rudolf Steiner

&

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
den Tierkreis der Dämonengötter
wie einen schauerlichen Blumenkranz
ums Haupt gewunden -
die Geheimnisse der stürzenden und sich hebenden
Himmel mit den Schultern wiegend -

für die längst vom Schauer Fortgezogenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht,
die Sternenstraßen gezogen in ihren Handflächen
golden aufleuchten lassend -

für die längst im Schlaf versunkenen -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
mit ihren Worten Wunden reißend
in die Felder der Gewohnheit,
ein weit Entlegenes hereinholend
für den Tagelöhner

der längst nicht mehr wartet am Abend -

Wenn die Propheten einbrächen
durch Türen der Nacht
und ein Ohr wie eine Heimat suchten -

Ohr der Menschheit
du nesselverwachsenes,
würdest du hören?
Wenn die Stimme der Propheten
auf dem Flötengebein der ermordeten Kinder
blasen würde,
die vom Märtyrerschrei verbrannten Lüfte
ausatmete -
wenn sie eine Brücke aus verendeten Greisenseufzern
baute -

Ohr der Menschheit
du mit dem kleinen Lauschen beschäftigtes,
würdest du hören?

Wenn die Propheten
mit den Sturmschwingen der Ewigkeit hineinführen
wenn sie aufbrächen deinen Gehörgang mit den Worten:
Wer von euch will Krieg führen gegen ein Geheimnis
wer will den Sterntod erfinden?

Wenn die Propheten aufständen
in der Nacht der Menschheit
wie Liebende, die das Herz des Geliebten suchen,
Nacht der Menschheit
würdest du ein Herz zu vergeben haben?

Nelly Sachs, Nobelpreisträgerin für Literatur, 1966.

Den Beitrag „Was glaubt man in der Waldorfschule?“ von Eduard Kopp in der Mai-Ausgabe von „Chrismon“ hat Pastor Henning Kiene im Interview auf chrismon.de noch einmal dahingehend zugespitzt, dass ein Christ kein Anthroposoph sein könne. Das veranlasst mich nun doch, Ihnen eine Antwort zu schreiben.
Seit ca. dreißig Jahren bin ich Waldorflehrer und habe in dieser Zeit mindestens zwanzig Mal beim alljährlich für unsere Schüler/innen inszenierten Oberuferer Christgeburtsspiel mitgespielt. An unserer Schule waren eine ganze Reihe von Kindern evangelischer Pastoren, deren Eltern mir immer wieder sagten, an keiner anderen ihnen bekannten Schule würden die christlichen Jahresfeste mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Schönheit begangen wie bei uns.
Während meiner Lehrertätigkeit musste ich mehrmals erleben, dass einzelne Pastoren regelrechte Kampagnen gegen die Waldorfschule gefahren haben, weil siemeinten, Eltern darüber aufklären zu müssen, dass man nicht zugleich Anthroposoph und Christ sein könne und die Waldorfschule daher für Christen ungeeignet sei. Dazu unten mehr. Für Eltern ist zunächst einmal relevant, dass die Anthroposophie zwar eine wichtige Grundlage der Waldorfpädagogik ist, dass sie aber nicht unterrichtet wird, weil Waldorfschulen es grundsätzlich ablehnen, Kinder auf eine bestimmte Weltanschauung hin zu erziehen. Die Anthroposophie wendet sich an mündige Erwachsene. Sie ist ein Angebot an die Lehrer/innen, ihre pädagogischen und menschlichen Wahrnehmungsfähigkeiten bewusst zu schulen. Darüber kann man streiten, aber:
Wirklich befremdlich finde ich, wenn mir ein Pastor abspricht, Christ zu sein, weil ich einen anderen Zugang zum Christentum pflege als er selbst. Begründet wird das u.a. mit der Idee der Reinkarnation, die angeblich im Widerspruch zum Christentum und zu der christlichen Idee der Gnade steht, weil sie dem einzelnen Menschen eine Verantwortung für seine Handlungen zuspricht, die er nicht einfach ablegen kann. Das wäre ein sehr interessanter Ansatzpunkt, um über Freiheit, Glaube, Gnade und Individualität nachzudenken, meinetwegen auch zu streiten, aber ganz sicher lässt sich mit der Idee der Reinkarnation niemandem sein persönliches Verhältnis zum Christus absprechen, wie Herr Kiene das in seinem Radiobeitrag tut. Man findet diese Idee längst nicht nur im Orient, sondern auch bei zahlreichen mitteleuropäischen Denkern, die von Lessing („Die Erziehung des Menschengeschlechts“) über Schopenhauer bis zu Goethe reichen.

Entgegen Ihren Ausführungen handelt es sich bei der Anthroposophie keineswegs um ein geschlossenes System, sondern um eine ergebnisoffene und jederzeit transparente Methode zur Vertiefung und Verlebendigung des Denkens, Fühlens und Wollens. Deshalb hat auch Rudolf Steiner niemals für sich in Anspruch genommen, über ein exklusives Wissen zu verfügen, sondern genau beschrieben, wie er zu seinen Erkenntnissen gelangt ist - und diese der gründlichen Prüfung anempfohlen. Die Anthroposophie ist keine Religion und setzt sich daher auch nicht an die Stelle des Glaubens, wie Sie das in Ihrem Podcast-Beitrag unterstellen. Sie kann aber sehr wohl dazu beitragen, das religiöse Empfinden zu vertiefen.
Ein geschlossenes System scheint mir eher dort zu existieren, wo man sich auf eine einzige Möglichkeit zur Erkenntnisgewinnung beruft, wie Sie das in Ihrem Beitrag tun.
Leser/innen, die wissen wollen, wie es an einer Waldorfschule im täglichen Leben zugeht, hilft vielleicht mein kürzlich erschienenes Buch "Jedes Kind ein Könner": http://l.hh.de/jkek
Henning Kullak-Ublick

Glaube „der Waldorfschule“ – oder persönliche Überzeugungen in einem unzensierten Geistesleben, das versucht, sich weder von theologischen noch von naturwissenschaftlichen Autoritäten bevormunden zu lassen?
Reinkarnation/Wiederverkörperung/Wiederkunft des Menschen: man wird selbst denken müssen. Was meinen die Jünger mit der Frage an Jesus: hat (der Blindgeborene) selbst gesündigt oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? (Joh. 9). Die Jünger hielten also solches Schicksal für eine Folge eines bestimmten Verhaltens in einem früheren Leben, woran die Saduzäer – und das war ein Kennzeichen der Theologie dieser kleinen Glaubensgruppe innerhalb des Judentums – offenbar nicht glaubten. Für Christen gibt es nur ein Erdenleben, schreibt Herr Kopp. Gibt es ein Leben nach dem Tode? Was meint Luther dazu, was Althaus oder Karl Barth oder Frau Käßmann? Was die römisch-katholische Kirche, die orthodoxe, die koptische? Wer ist Christ, wer ist kein Christ (Lessing, Goethe, Schiller – mehr als 25 % aller unter 40-jährigen, die an Reinkarnation glauben – alles keine Christen)? Wer macht sich zum Papst, zur Glaubenskongregation? Wer von Christus erlöst ist, muss sich nicht selbst erlösen. Wer im Christentum hat in der Rechtfertigungslehre recht? Ist, wer (selbst) anders denkt, kein Christ? Höhere, göttlich-geistige Welt – mein Religionslehrer sagte: wir sind in der evangelischen Kirche bisher ohne Engel ausgekommen, wir werden auch in Zukunft ohne Engel auskommen. Wer lehrt das: dieser Mann, „die Kirche“, das Christentum? Wie löst sich die Sache mit den zwei Jesusknaben, die Matthäus und Lukas so unvereinbar schildern? Ein philologisches Problem, ein Problem kritischer Theologie? Wer war „Jesus“ – ist dieses Rätsel gelöst? Es scheint mir ähnlich kompliziert wie die Frage nach dem Ursprung des Lebens durch Endosymbiose von Archäen und Bakterien in der Biologie. Ich wünsche mir Lehrer als Selbstdenker in allen Schulen (und allen Zeitschriften).
Dr.rer.nat. Volker Harlan, Bochum

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