Selbstversuch Gendercrossing: Männlichkeit kann man lernen

Mann, tut das gut!
Richtig sitzen, richtig stehen, lässig sein: Männlichkeit kann man lernen – ein Selbstversuch zusammen mit anderen Frauen

alle Fotos: Valerie Schmidt

Wie verschieden Bärte sein können! Fotos dienen als Vorlage.

Da hab’ ich mir was eingebrockt. Die Männerhosen sind um die Hüfte alle zu eng, dafür schlabbert das Jackett um die Schultern. Also raus aus der Herrenumkleide, in die ich mich geschlichen hatte. Nun muss ich mich doch einer Verkäuferin offenbaren: Ich brauche original Männerklamotten, denn ich will auf der Straße als Mann durchgehen; das werde ich in einem Workshop lernen. Die Verkäuferin – jung, zierlich, Einwanderertochter – macht große Augen: boah, toll. Ob das nur für Journalistinnen sei, oder ob sie da auch mal...?

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Wenigstens den Gürtel kann ich mir von meinem Mann leihen. Nach kurzem Disput. Ich: brauner Gürtel, weil die Hose braun ist. Er: nein, schwarzer Gürtel, weil die Schuhe schwarz sind. Die Schuhe habe ich aus der Kinderabteilung, Konfirmandenschuhe in Größe 38. „Schwindele dich nicht mit Reeboks für Frauen durch“, hatte Kursleiterin Diane Torr vorab gemailt. ­„Männerschuhe sind geräumiger. Sie geben dir das Gefühl, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und den Boden unter deinen Füßen zu besitzen.“

Um als Mann durchzugehen, reicht Männerkleidung allein ­allerdings nicht. Das, woran man einen Mann zu erkennen meint, ist sein Habitus: sein Gang, seine Gestik, seine Mimik, sein Blick. Deshalb sollen die Teilnehmerinnen schon vor dem Kurs einen Mann finden, den sie darstellen wollen.

Hausaufgabe: Männern hinterherlaufen und sie nachmachen

„Beobachte Männer, folge ihnen“, lautet die Hausaufgabe, die Diane Torr uns mailt. „Keine Angst, das merken die nicht, denn sie fühlen sich unbeobachtet.“ Also gehe ich in der Fußgänger­zone Männern hinterher. Männer meiner Statur spreizen gern die Arme ein wenig ab, drehen die Handrücken nach vorn, schaufeln beim Gehen. Das kriege auch ich hin.

Klar, männliches Auftreten liegt ja nicht in den Genen, sondern ist gelernt. Was haben meine Freundinnen und ich als Teen­ager trainiert, dass wir ausreichend weiblich erscheinen! Eine Hand seitlich an den Hals legen wie ein Schmuckstück. Im Sitzen die Beine umeinanderschlingen und dann seitlich kippen – elegant, aber unbequem. Das Gemachte an der Männlichkeit lässt sich ebenso imitieren. Und genau das werden wir im Wochenendworkshop „Man for a day“ in Berlin lernen. Mir ist schon ganz flau.

„Ihr seid mutig“, sagt Diane Torr zur Begrüßung zu den zehn Frauen, die sie groß anschauen. Sie trägt einen geringelten Rock über schwarzen Leggings, eine frohbunte Designerjacke, sie hat rote Haare und große grüne Augen. Als Mann ist sie übrigens genauso überzeugend. Aber wieso macht sie so was Verrücktes?

Diane Torr - 160 cm groß und ganz Mann

Vielleicht fing alles mit ihrem Vater an. Der war ein alkohol­kranker schottischer Marineoffizier und sehr gewalttätig. Als die Mutter starb, blieb Diane alleine mit dem Vater zurück. Wie alle Kinder gewalttätiger Eltern lernte sie, genau zu beobachten, um an kleinsten Gesten eine bedrohliche Stimmungsänderung ­vorauszusehen. Mit 16 riss sie von zu Hause aus, sie wurde aufgegriffen und in ein geschlossenes Heim gesteckt. Mit 20 kam sie endlich raus, ausgestattet mit Freiheitsdrang und Erfahrungslust. Sie studierte Soziologie und Tanz, ging nach New York, wurde Performancekünstlerin.

Einmal posierte sie für eine Fotokünstlerin als Mann, danach blieb keine Zeit, sich umzuziehen und abzuschminken, also ging die 1,60 Meter große Frau in ihrer Verkleidung durch New York – und wurde als Mann akzeptiert. Das begann sie zu interessieren. So wurde sie im New York der 80er zur bekanntesten Frau-zu-Mann-Performerin.

Wo sie ging und stand, beobachtete sie nun Männer. Auch auf den Elternabenden der teuren Schule, an der ihre Tochter ein Stipendium hatte. Gute Mutter, dachten die anderen ganz offensichtlich, wenn sie Diane Torr eifrig mitschreiben sahen. Tatsächlich notierte sie, wie die Väter – Anwälte, Manager, Ärzte – agierten.

In ihren Männerfiguren stecke viel von ihrem Vater, sagt sie, Fünfziger- und Sechzigerjahre-Männlichkeit also, doch junge Männer, die Manager werden, legten sich genau diese Gesten zu. Effektvoll etwa der gelegentliche schnittige Handkantenschlag in die Luft. Oder: ein einzelnes Wort sagen, dann den Kopf langsam wie ein Reptil zur anderen Hälfte der Zuhörerschaft drehen, das nächste bedeutsame Wort sagen.

Diane ist 65, sie gibt „Man for a day“-Kurse seit 25 ­Jahren. Die Nachfrage sei einfach da. Gerade war sie in Indien, auf Einladung des Goethe-Instituts. Die indischen Frauen wollten nicht für immer zum Mann werden, sie wollten ganz normale Dinge tun – eine Zigarette auf der Straße rauchen, in einem Lokal ein Bier trinken, nachts auf den Basar gehen. Geradeso wie die europäischen Frauen, die sich jetzt im Berliner Workshop einander vorstellen, mehr Verhaltensmöglichkeiten haben möchten.

Warum bloß wollen Frauen Männer spielen?

Susanne, 51, Kundenberaterin in einem Verlag, will nicht mehr dauernd nett sein, denn das koste so viel Kraft, Männer scheinen ihr anders, leichter ans Ziel zu kommen. Dokumentar­filmerin Daniela, 42, will in China in einem Bordell drehen ­können, und sie möchte erleben, wie es ist, als Mann die Straße entlangzu­gehen, sie erwartet ein Gefühl von Freiheit.

Olga will sich von der Maske überraschen lassen
Geradezu mit Leidensdruck ist Olga, 23, gekommen. Die ­Studentin der Theaterwissenschaft, klein und blond, hat schon so viel versucht. Sich die Haare braun gefärbt, sich nicht geschminkt, flache Schuhe, „neutrale“ Kleidung – trotzdem werde sie auf der Straße von Männern lauthals bewertet. Mittlerweile laufe sie nur noch mit Sonnenbrille und Ohrenstöpseln durch die Gegend. ­Eigentlich sei sie kurz vorm Explodieren. Endlich mal ungestört durch die Stadt zu gehen, vielleicht funktioniere das ja als Mann?

Wir breiten unsere mitgebrachten Kostüme auf den Stühlen aus, Diane und ihre Assistentin begutachten. Mein Hemd sei zu farbig für den Beamten des Statistischen Landesamtes, als der ich unterwegs sein will. O. k., gehe ich halt als Medienberater. Ein mit Watte gefülltes Kondom kommt in die Hose (sieht beim Sitzen besser aus). Der Oberkörper wird straff mit einer elastischen Binde umwickelt – Shirt drüber, und wir scheinen einen trainierten Oberkörper zu haben. Fehlt nur noch die Gesichts­behaarung. Diane klebt mir Stoppeln auf die Wangen. Schließlich die Haare mit reichlich Pomade an den Schädel geklatscht.

„Super“, sagen die anderen, „also grauslich. Also super.“

Und nun? Was „tun“ Männer? Oder besser: Was lässt ein Mann bleiben?
Hört zu lächeln auf, sagt Diane. „Als Frauen lernen wir, häufig zu lächeln, damit sich die Leute in unserer Gesellschaft wohl­fühlen. Männer lächeln nur, wenn sie einen Grund dazu haben.“ Wir nicken, ohne zu lächeln. „Und hört auf, dauernd bestätigend zu nicken“, sagt Diane. Überhaupt: wenig gestikulieren, spärlicher Körperausdruck.

Bastel-Penis in die Hose und Klimpergeld in die Hosentasche

Was muss ein „richtiger“ Mann nicht alles unterlassen! Er darf zum Beispiel viele Gefühle nicht zeigen, weil er sonst schnell mal als exaltiert, manieriert, affektiert gilt. Das hatte mir Professor Stefan Hirschauer erzählt, Geschlechtersoziologe in Mainz. Männer haben, sagte der Professor, zwar im Schnitt ein höheres Einkommen, vermutlich auch noch immer mehr Entscheidungsfreiheiten, aber weniger emotionale Freiheiten als Frauen.

Chefiges Auftreten ist noch immer eine der Leitnormen. Und so lernen wir im Kurs „Man for a day“: Als Mann sitzen wir nicht vorn auf der Stuhlkante (dem Gegenüber freundlich-eifrig zugewandt), sondern zurückgelehnt auf der ganzen Stuhlfläche; wir machen uns nicht schmal (und nett) – sondern breit (und wichtig), im Sitzen wie im Gehen. Klimpergeld in der Hosentasche unterstützt die Coolness.

Öffentlich in der Nase bohren - das tun Frauen eher nicht

Sollten wir den Eindruck haben, dass jemand an unserem Mannsein zweifelt: hinstellen, Fersen heben und die Absätze mit einem satten Klack aufsetzen. Das tun Frauen nicht. Frauen fah­ren sich auch seltener mit der Zunge im ganzen Mund herum, dass die Backe ausbeult; sie pulen sich eher nicht öffentlich mit dem Fingernagel in den Zähnen. „Männer tun oft ganz selbstvergessen Dinge, die Frauen nie tun würden“, sagt Diane. Es könnte ja sein, dass jemand sie beobachtet, sie stehen auch mehr unter Beobachtung als Männer.

Klar, das sind Klischees. Keine dieser Beschreibungen trifft auf alle Männer zu, noch nicht mal auf die meisten. Wir stellen ja auch nicht „die“ Männer dar, sondern individuelle Männer. Nach dem Motto „Es gibt solche Typen“ oder „Ich kenne so einen“.

Unsere Männer sind mit breiten Pinselstrichen skizziert. Dabei sind wir gegenseitig durchaus kritisch: Dein Gang ist zu leicht, du gestikulierst noch zu viel, rede langsamer, halte den Kopf ruhig.

Übertreiben dürfen wir aber auch nicht. Als wir „Begrüßung“ üben, patschen wir einander ausgiebig auf die Schultern, schütteln heftigst Hände. „Klischee“, ruft Diane aus dem Hintergrund. Eine Begrüßung unter Männern sei eher kurz: Man reicht sich an geradem Arm eine schwere Hand, schaut dabei gern seitlich am anderen vorbei, schüttelt kurz. Fertig.

Olga und Miriam als Männer unterwegs
Aber wir müssen nicht perfekt sein. Es reicht, wenn die Leute es für plausibel halten, dass der Mensch, der ihnen da entgegenkommt, ein Mann ist. Sie blenden jene Details aus, die der Vorstellung von Männlichkeit nicht ganz entsprechen. Ein bekannter Effekt. Wichtig scheint nur, dass man jeden Menschen einem Geschlecht zuordnen kann. Der Soziologe Hirschauer nennt das den geschlechtlichen Ausweiszwang.

Ein Traum wird wahr: Ich bin unsichtbar

Und jetzt raus! Ich verlasse das Haus als Lars, Medienberater, Mitte fünfzig, ein gefragter Experte. Ich gehe langsam. Wichtige Leute rennen nicht. Ich gehe breit. Ich weiche niemals aus. Sollte ich was interessant finden, drehe ich den Kopf ganz langsam. Nichts kann mich aus der Ruhe bringen.

Oh nein, ich stehe mitten in einem Park! Auf der Wiese lagern wochenendgestimmte Menschen, die Zeit zum Gucken haben! Das wird übel ausgehen. Die Männer werden sich provoziert fühlen und den gefälschten Mann anpöbeln. Aber jetzt einfach wegrennen – ein kleiner Mensch mit Bart, der rennt wie eine Frau – geht gar nicht. Ich kriege schlechte Laune. Na klar, Lars hat schlechte Laune! Er ist auf einer Tagung in Berlin und hat bisher nur langweilige Vorträge gehört. Ich schaue so übellaunig, dass mir fast das Gesicht abfällt, und stapfe zum Spreeufer. Niemand guckt. Gerettet.

Oh nein, die Spreeuferpromenade ist gefühlt nur einen Meter breit! Links auf dem Geländer sitzt ein junger Mann, rechts auf der Bank lümmelt sein Kumpel. Dazwischen soll ich durch. Ich bin kurz vor Schnappatmung. Erst mal die Sicherungsposition einnehmen: Hände auf den Rücken legen, Absätze heben und runterklacken lassen, mit einem Grunzen imaginären Schleim tief aus dem Rachen hochziehen. Dann richte ich den Blick gelangweilt in die Ferne und gehe gemächlich zwischen den Männern hindurch.

Sie unterbrechen ihr Gespräch nicht eine Millisekunde. Als sei ich unsichtbar. Natürlich bin ich nicht unsichtbar, sonst ­würden die Frauen nicht geschmeidig zur Seite weichen, wenn ich ziel­strebig daherkomme. Ich habe Platz um mich. Und Stille. Niemand stört mich. Das könnte schön sein. Gerade finde ich es nur anstrengend. Ich will zurück ins Körbchen, sofort.

Da trudeln auch schon die anderen ein. Alle sind durchgekommen. Olga, als Frau genervt von ständigen Männerkommentaren, hatte geradezu eine beglückende Zeit als Mann. Unterwegs als Sascha mit die Silhouette verbreiterndem Kapuzenpulli, Baggy-Hose, Mütze tief in der Stirn, dicken schwarzen Augenbrauen. „Das erste Mal, dass mir jemand ausgewichen ist – geil! Die Leute haben mich überhaupt nicht beachtet. Wunderbar!“

Als sie einen Uhrenladen betrat, wurde sie zu den Männeruhren geschickt und dort beraten. „Toll auch, mitten im Einkaufszentrum einfach mal dazustehen. Frauen laufen immer geschäftig rum, schieben was, tragen was, als bräuchten sie einen Grund, in der Öffentlichkeit zu sein. Eigenartig. Warum gibt es keine Frauen, die rumstehen und einfach beobachten?“

"Püppie, bring mir mal 'nen Espresso!"

Susanne war vor allem von sich selbst überrascht: wie leicht ihr der mackerige Sam fiel. Sam, einst Junkie, jetzt Fotograf.

„Sonst, wenn ich komischen Leuten begegne, bin ich ein Schisser. Jetzt hab ich gedacht: Eine Zuckung, und ihr kriegt was auf die Fresse!“ Im Café sagte sie zur Bedienung: „Püppie, bring mir mal ’nen Espresso.“ Fürs Bezahlen reckte sie dann nicht wie als Frau den Hals, um auf sich aufmerksam zu machen, sondern rief knapp durch den Raum: „Rechnung!“ Sofort war die Bedienung da. Zum Ausgleich für das „Püppie“ gab’s ein Extratrinkgeld.

Nur einmal fiel Susanne aus der Rolle. Sie sah einen kleinen Hund und zwitscherte: „Was bist du für ein Süßer!“ Die Hundehalterin zog das Tier eilig weg.

Für den zweiten Ausflug müssen wir an unseren Männern noch arbeiten, findet Diane. „Das ist nicht nur Spaß, das ist richtig Arbeit!“ Auch ein Hip-Hopper übe jahrelang abends vor dem Spiegel, sagt sie streng zu Olga. Olga hat verstanden: Auch der „neue“ Mann, der sie gerne sein möchte, ist eine Performance und muss also geübt werden. Oberste Regel für Olga: am Satzende nicht die Stimme heben. Sonst klingt das so: „Ich bin Sascha? Ich bin Bootsmechaniker?“

Auch als Frau hängt unsere Autorin gerne bequem im Stuhl, als Lars sowieso
Komischerweise finden die jungen Frauen meinen Lars sympathisch. Ha, ha, sage ich als Lars. Ich checke für Medienunternehmen das vorhandene Personal, wer bringt’s noch, wer muss gehen. Laut schleife ich einen Stuhl über den Boden, knalle ihn vor mich hin, bedeutungsvolle Pause, dann kippe ich den Stuhl. So geht das. Natürlich kostet meine Dienstleistung. Meine Frau hat eine Galerie. Meine Kinder studieren in den USA. Zahle alles ich. Wenn ich abends nach Hause komme, ist da nur die Katze. Die Katze kennt mich nicht.

Die jungen Frauen wollen am liebsten Softies spielen

Jetzt haben die jungen Frauen auch noch Mitleid mit mir. Und sympathisch finden sie mich immer noch. Harr, harr. Wollen wir doch mal sehen, wie weit sie kommen als neusanfte Männer, die sie sein wollen – solange es Männer wie mich gibt, wie Lars. Das will jetzt auch Diane Torr mal sehen. Lea, 25, angehende Sozialarbeiterin, und ich treffen als Männer aufeinander – als Florian und Lars.

Ich, also Lars, sitze im Büro, als der Sohn meines alten Freundes eintritt, der junge Mann ist fremd in der großen Stadt und braucht einen Erstkontakt. Ich sitze seitlich zur Tür, telefoniere in den Stuhl gefläzt mit einer Untergebenen, der junge Mann betritt den Raum – und bleibt unsicher stehen, weil ich ihn nicht anschaue. Natürlich schaue ich ihn nicht an! Stattdessen wedele ich ihn abwesend mit der Hand heran (von wem bloß habe ich mir diese Geste abgeschaut?), weise ihm einen Stuhl zu und beende erst allmählich mein wichtiges Telefonat. So, so, der junge Mann studiert also Geografie. Ah ja. Interessant. Der Student wird immer schmaler auf seinem Stuhl.

Wohl fühle ich mich dabei nicht. Denn eigentlich bin ich als Lars gerade ratlos: Was soll ich bloß mit diesem Jungspund ­ohne Biss anfangen, den mir mein alter Freund ins Büro geschickt hat? Ich hab auch keinen Schimmer, was ein Geografiestudium beinhaltet. „Aber du wirkst total überzeugend“, sagt Miriam beim Abendessen in einem Restaurant, „deine Unsicherheit hat man nicht gesehen.“

Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling

Über Miriam hatte ich am Morgen gedacht: Aus der wird nie ein Mann. Eine zurückhaltende junge Frau, die rot wurde, als sie sich vorstellte. 22, Kunststudentin. Und Männerkleidung hatte sie auch nicht dabei. In der Mittagspause raste sie mit ihrem Freund, der mit nach Berlin gekommen war, in einen großen ­Secondhandladen und kam wieder mit grauem Anzug, Seidensticker-Hemd, geflochtenen Slippern. Hände in die Hosentaschen, fettiger Män­nerzopf, ungeduldiges Fußgeklopfe – fertig war der Kunstkurator einer großen Ausstellungshalle, der die jungen Künstler in einen knallharten Wettbewerb für eine Einzelausstellung zwingt. Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling.

Ich könnte diesem Mark eine reinschlagen. Das sage ich ihm auch. Da lupft er arrogant-amüsiert eine Augenbraue. Wie macht Miriam das nur? „Als Frau bin ich immer nett, immer auf andere bezogen, immer ‚Wie geht es dir?‘“, sagt Miriam. „Als Arschloch ist mir das egal.“
Diese Haltung werde sie künftig auch als Frau mal an den Tag legen, sagt Miriam. Wenn die Professorin fragt, wer eine be­sondere Aufgabe übernehmen möchte, will Miriam nicht mehr denken: Vielleicht bin ich doch nicht gut genug für diese Auf­gabe? Vielleicht will jemand anderes die Aufgabe? Nein, Miriam wird sagen: „Ich mach das.“

Nachts arbeitet es weiter in den Köpfen. Am nächsten Morgen ist die erste Bilanz gemischt. War am Samstag Euphorie das vorherrschende Gefühl („Die Leute ­weichen mir aus!“), finden manche ihre Erfahrungen als Mann nun auch bedrückend.

„Ich hatte naiv erwartet, ich würde mich frei fühlen, stattdessen fühlte ich mich eher depressiv“, sagt Susanne über ihren Ausflug als Macho Sam. „Natürlich, nach außen gab ich vor: Ich hab alles im Griff, mein Easy Rider steht draußen vor der Tür, ­meine Freundin wartet auf mich. Aber ich war wie gefangen in mir selbst. Wie in einem Kokon. Nicht lächeln, nicht zwinkern, das fehlte mir. Mein ganzer Körper war so verschlossen.“ So ging es auch anderen Frauen: Sie fühlten sich begrenzt. Eine resümiert: „Die Regeln für Männer sind doch genauso dumm und begren­zend wie die für Frauen.“ Das Konzept der getrennten Geschlechter­rollen sei ärmlich.

Werden Männer etwa auch von ihrer Rolle geknechtet?

Hm, werden Männer geknechtet von ihrer Rolle? Das habe ich Stephanie Weber gefragt. Sie bietet ebenfalls Frau-zu-Mann-Workshops an. Beruflich arbeitet sie als Sexual- und Geschlechterpädagogin, zum Beispiel mit Studierenden. „Frauen dürfen Frauensachen machen und noch dazu die Männersachen, die sie sich angeeignet haben“, sagt Weber, „Männer dürfen nur Män­ner­sachen machen.“ Dass Männer Ärger bekommen können, wenn sie „Frauensachen“ machen, merkten auch Webers Studenten, als sie – das war ihre Aufgabe – in der Bahn offensiv Menschen ­anlächelten, nicht flirtend, sondern freundlich. Sie ernteten ­Kommentare wie: „Wenn du nicht sofort aufhörst, kriegst du eins in die Fresse.“

Stephanie Weber würde nicht mit einem Mann tauschen wollen. Wie einsam sie war, als sie das erste Mal als Mann unter­wegs war! „Die Männer guckten nur kurz, damit sie nicht als schwul gelten. Und die Frauen guckten nur kurz, damit ihr Blick nicht etwa Interesse signalisiert.“ Aber sie hat sich einiges von Männern abgeschaut: zum Beispiel in Bewerbungsgesprächen betont langsam zu sprechen. Als wäre jedes Wort ein Juwel der Weisheit. Das beeindruckt.

Ein aufregendes Wochenende war das, als Lars. Aber jetzt will ich wieder als Frau unterwegs sein. Mit dieser Rolle kenne ich mich wenigstens aus. Und so entschieden zu gehen, dass mir auch Männer ausweichen, habe ich mir eh im Laufe meines Lebens angeeignet.
Sage ich und laufe zum Bahnhof und merke: Etwas hat sich doch verändert. Die Frauen, die mir entgegenkommen, scheinen mir verkleidete Männer zu sein; und die Männer wirken auf mich wie schlecht geschminkte Frauen. Als wenn alle nur einem Ideal­bild von Mann und Frau nacheiferten, das sie niemals erfüllen werden. Als wenn es den richtigen Mann und die richtige Frau gar nicht gäbe.

Die Frauen des Workshops jetzt mal selbstbewusst und raumgreifend
Und die anderen Frauen aus dem Workshop? Die halten jetzt öfter inne und fragen sich: Was würden in dieser Situation Mark, Sascha, Sam oder Florian tun?

Olga geht sogar anders mit Männern um. Olga, die es so satt hatte, sich auf der Straße dauernd Bewertungen ihres Aussehens anhören zu müssen, Olga reagiert nun. Sie dreht sich um, geht mit ernster Miene auf den Mann zu und sagt: „’tschuldigung, was hast du gerade gesagt?“ – Er: „Nichts, nichts, ich hab nur gesagt, dass du eine süße Maus bist.“ – Sie: „Wer hat dich denn nach deiner Meinung gefragt? Kannste gern für dich behalten.“

Schon dass die Männer dann verwirrt sind, ist ihr Genug­tuung. Überhaupt sei sie nicht mehr so leicht einzuschüchtern.

Sie denkt dann: „Das ist nur Schauspielerei, ich kann das auch.“

Lesermeinungen

Mit großem Interesse habe ich den Beitrag gelesen und darf dazu folgende Ergänzungen bzw. Anregungen machen:
1. Ein ergänzendes, typisch weibliches Verhalten ist häufig zu beobachten. Z. B. in ärztlichen Wartezimmern sitzen 3 von 4 Frauen mit übereinander geschlagenen Beinen. Männer dagegen meist mit gespreizten Beinen oder nach hinten gestellten Beinen.
2. Ein gravierender Unterschied: Frauen betrachten ihre Nägel, indem sie die Hände nach vorne strecken. Männer dagegen ballen eine Faust, wenn sie die Nägel der Hand betrachten. Dieser Unterschied ist so signifikant, dass meines Wissens durch dieses Detailverhalten einmal ein Agent entlarvt wurde.
3. Die Penisnachbildung mit Hilfe eines ausgestopften Kondoms ist doch wohl arg primitiv. In jedem Sex-Shop gibt es wirklichkeitsgetreuere Prothesen aus Kunststoff.

Horst Bothe

„Keine Angst, das merken die nicht, denn sie fühlen sich unbeobachtet.“ Stellen Sie sich vor, dieser und andere Sätze dieses Textes käme aus Männermund und der sprachliche Gegenstand wären Frauen. Wäre Ihr Ton dann noch immer wohlwollend herablassend und gönnerhaft? Vielleicht würden Sie (im o.g. Beispiel) rufen: woher wissen die, was ich merke, fühle, denke oder mache? Verstehen Sie, was ich meine?

Grüß Göttin!

Irgendwie erinnert mich das Verhalten von Chrismon hier bei diesem Artikel an das des Chefredakteurs des Zweiten Deutschen Fernsehens gegenüber der Kritik bzgl. der einseitigen Berichterstattung des Fernsehsenders über den Ukraine-Konflikt.

Anstatt auf die Kritik einzugehen, wird einfach behaupten die irren sich alle und das ist in Wahrheit ganz anders. Oder die Kritiker sind einfach nur wütend oder humorlos und solche Leute haben eh nie etwas konstruktives beizutragen, also das typische ad hominem-Argument gegen die mit anderer Meinung.

Jemand sagte mal: Women can't hear what men don't say.

Das trifft auf diesen Artikel und den Workshop auch zu. Die Meinung der Frau zählt und ist richtig, sie bestimmt was ein Mann ausmacht, eine wirkliche Diskussion mit Austausch findet nicht statt.

Und bei Chrismon hat keiner den Arsch in der Hose um sich mal einzugestehen, möglicherweise einen Fehler gemacht zu haben.

Die entsprechenden Textstellen wurden von den Kommentartoren schon rausgesucht und das der Kurs nicht eine einzige positive Darstellung von Männern beinhaltet, wurde auch so erwähnt. Ich glaube übrigens nicht das es Frauen witzig finden, als Widerlinge, deren Weiblichkeit von dem Leiter des Workshops als ständige Inszenierung entlarvt wird, bezeichnet zur werden. Bei sowas fällt heutzutage sehr schnell das Wort Frauenfeindlichkeit.

@Anna

Mit der Klassifizierung "humorlos" liegen Sie gar nicht so falsch. Grund dafür dürfte u.a. sein, dass laut aktuellem Zensus im hiesigen "Patriarchat" zwar 2 Millionen mehr Frauen als Männer leben, aber dennoch alle gesellschaftliche Sorge und Aufmerksamkeit - gewissermaßen stereotyp - allein auf erstere fokussiert zu bleiben hat. Equal Age Day? No way! Die um sechs Jahre geringere Lebenserwartung liegt ja schließlich nicht in den Genen, sondern ist erlernt – damit Manne seine patriarchale Dividende einfahren kann. "Logik", die sprachlos macht.
Eigens zu diesem Zweck angewendete Mittel und Geisteshaltungen der Aktiven wie sie in "I bath in male tears" gipfeln, beschrieb die komplett humorlose Literaturnobelpreisträgerin Lessing bereits 2001 als "denkfaule und heimtückische Kultur", welche sich des Feminismus bemächtigt habe und darauf hinauslaufe, "auf Männer einzudreschen".
Sie werden daher verstehen, wenn die "Arschlöcher" und "Widerlinge" ohne jedes Augenmaß und bar jeden Humors besagter Unkultur adäquat begegnen.

MfG

Die Humorlosigkeit der Kommentare ist schon ein wenig verwunderlich und in ihrer Massivität auch ein wenig bestürzend.

Natürlich hat der Bericht Schwächen. Schwächen die dem Setting der '"Versuchsanordnung" geschuldet sind und die die Autorin m. M. nach hätte besser herausarbeiten können und vielleicht sollen.
Ein Rollenspiel das munter zwischen karnevalesker Travestie, Genderhumbuk und dem nicht schlecht beobachteten Chargieren mit "dicker Hose" mancher präpotenter Männer wechselt, ergibt kein schlüssiges Bild. Diese Ambivalenz gibt der Artikel durchaus ganz gut wieder. Der Erkenntnisgewinn geht für die Teilnehmerinnen einerseits und für die Leserinnen und Leser andererseits aber leider eher gegen Null.
Man soll ja nicht spekulieren, aber ich tue es jetzt doch mal. Ich vermute mal der "Kurs" wurde mit einer Erwartung eines vertieften Erkenntnisgewinns gebucht. Die Behauptung was er alles leisten kann und erklären soll, ist ganz schön beeindruckend und weitreichend. Das alles konnte er, hier nachlesbar, aber eben nicht erfüllen. Der starke Auftritt eines verkleideten Fliegengewichts z. B. kann niemanden darüber hinwegtäuschen, daß es im Ernstfall eben doch in einer niedrigeren Gewichtsklasse unterwegs wäre und den Kürzeren zöge. Wie ist aber die Erfahrung, das ein nicht verhuschtes Auftreten andererseits doch dümmlich übergriffiges Verhalten Anderer reduziert, zu werten? Wie mit dieser Erfahrung umgehen? Darauf hat die betroffene (stark verunsicherte?) junge Frau immer noch keine Antwort.
Mein spekulatives Fazit zum Artikel lautet also, daß die Autorin aus der nicht wenig ärgerlichen Erfahrung, über den Tisch gezogen und veräppelt worden zu sein, das Beste zu machen versucht. Ich halte das nicht für den schlechtesten Weg. Ein launiges, kleines Abenteuer war es schließlich doch.

... was sind das bloß für humorlose Reaktionen auf diesen originellen Text und witzigen Selbstversuch?

Hilfe, Klischees! Hilfe, Stereotype!
Hilfe, da wird ein Mann (in einer fiktiven Rolle!) als A***loch dargestellt!
Hilfe, der Untergang des Abendlandes droht!
Hilfe, da trete ich doch am besten gleich aus der Kirche aus!
Ja, haben diese Evangelischen denn keinen Oberzensor, der ihnen verbietet, solche unziemlichen Experimente durchzuführen oder gar noch darüber zu berichten?

Du liebe Zeit!
Ein paar Gänge runterschalten bitte.

Da haben ein paar Frauen einen Tag lang ein interessantes Experiment gemacht und in witziger Weise darüber berichtet, inklusive abschließender Reflexion. Ja Hilfe, und das Ganze in einem christlichen Magazin!

Liebe Chrismon-Redaktion, bitte weiter so. Bitte lassen Sie sich nicht entmutigen, weiterhin solche originellen Texte zu bringen. Dafür haben wir Chrismon schließlich abonniert. Wenn ich Klischees lesen will, lese ich Bild oder Rosamunde Pilcher, aber nicht Chrismon.

Und um das mal ganz deutlich zu sagen: Wer meint, wegen eines solchen Artikels aus der Kirche austreten zu müssen, der hatte wohl sowieso nur noch einen Anlass gesucht.

Danke für Ihr Augenmaß, tut gut! Es grüßt Sie Christine Holch, Redakteurin chrismon

"Also Männlichkeit als ständige Inszenierung zu entlarven." haben Sie im Dossier geschrieben.

Die Verwendung von "entlarven" im obigen Satz enthält eine abwertende, negative Konnotation (bloßstellen, siehe auch "Entlarvung" beim Duden).

Der Text ist somit abwertend, negativ dem Männlichen gegenüber.

Haben Sie Sich schon mal die Frage gestellt: Wenn Männlichkeit als ständige Inszenierung "entlarvt" wird, was genau "entlarvt" das - meistens weibliche - "Schminken"?

Ist "Schminken" eine "Inszenierung des Weiblichen" die mann "entlarven" sollte? Wenn dies für Sie keinen Sinn ergeben könnte, wieso sehen Sie einen Sinn in der "Entlarvung" der "ständigen Inszenierung" der Männlichkeit?

Wurden wir nicht deswegen so unterschiedlich in unseren "Inszenierungen" geschaffen um dem Prinzip "Gegensätze ziehen sich an" gerecht zu werden?

Es ist wirklich traurig, wie hier Stereotype gepflegt werden. Von jemand der behauptet genau dies nicht tun zu wollen. Die eigene Sprach verrät Sie ...

Sie, Frau Holch, schreiben:
„Diverse Kommentarschreiber sagen, der chrismon-Text sei männerfeindlich, weil darin schlecht über Männer gesprochen werde. Das Komische ist: Es wird gar nicht schlecht über Männer gesprochen. Vielmehr werden einzelne Verhaltensweisen einzelner Männer geschildert - breit sitzen und gehen, effektvolle Gestik bei Vorträgen, auch mal öffentlich lästige Speisereste aus den Zähnen puhlen, beim Gehen mit den Händen schaufeln -, aber diese Verhaltensweisen werden nicht bewertet. „

Sehr geehrte Frau Holch,
ich habe sehr viel mit der evangelischen Kirche erlebt. Das bisher beste war, das eine FAMILIENeratung einem Freund, im Beisein der Mutter, empfohlen hat doch mit einer anderen Frau ein neues Kind zu machen, weil die Mutter seines Kindes ihm den Kontakt zu seinem Kind einfach nicht mehr geben möchte. Ich finde das soooo super, Kirche kann eine solche Hilfe sein!

Sie haben dieses Erlebnis gerade noch überboten und ich frage mich, ob die evangelische Kirche noch christlich ist bzw. die christliche Idee noch versteht. Bei Ihnen frage ich mich insbesondere ob Sie Ihre eigenen Aussagen noch verstehen!

Sie glauben also wirklich, Sie hätten die Verhaltensweisen dieser Männer nicht bewertet. Für jemanden der mit Sprache sein Geld verdient, ist das eine ungeheuerliche Aussage die zeigt, dass Sie Ihr Handwerkszeug nicht kennen oder uns hier dummdreist anlügen!

Wenn Sie schreiben,
aber diese Verhaltensweisen werden nicht bewertet, dann meinen Sie wenn Sie schreiben:
„Hände in die Hosentaschen, fettiger Män¬nerzopf, ungeduldiges Fußgeklopfe (…). Cooler Typ. Ehrlich gesagt: ein Widerling.“
Widerling sei irgendwie keine Bewertung?
Wenn Sie schreiben
„‘Als Frau bin ich immer nett, immer auf andere bezogen, immer ‚Wie geht es dir?‘‘, sagt Miriam. ‚Als Arschloch ist mir das egal.‘“

Dann denken Sie Arschloch sei keine Wertung? Nein, ist es auch nicht, es ist eine Beleidigung! Sie haben durchgehend schlechte Eigenschaften, die Sie auch noch als typische Klischee-VORSTELLUNGEN verkaufen, geschildert. Nicht das Männer die Tür aufhalten, nicht das Männer als einzige aufstehen in einer vollen Bahn, hilfsbereit sind, nichts nicht nichts! Wenn das Ihre Klischee-VORSTELLUNGEN sind, sollten Sie dringend Ihre Filterbubble verlassen und mal mit normalen Menschen Umgang pflegen.

Sorry, das ist nur noch billig, anstatt sich einmal mit der Kritik auseinanderzusetzen bügeln sie diese einfach selbstherrlich ab. Sie, Frau Holch, sind eben nicht auf andere bezogen, wie Sie es als weibliche Klischee-Vorstellung verkaufen wollen.

Wenn Sie dann schreiben:
„Das mal als Richtigstellung. Nur von diversen Kommentarschreibern werden diese Verhaltensweisen bewertet und zwar als irgendwie schlecht. Merkwürdig. Es grüßt in die Runde Christine Holch, chrismon-Redakteurin“

Dann ist diese ihre Aussage nur noch Holch und Spott. Ich kann jeden Christen verstehen, der die Kirche verlässt! Etwas, das mir vor Jahren noch undenkbar erschien…

"Klar, männliches Auftreten liegt ja nicht in den Genen, sondern ist gelernt."

Klar, Gene sind überhaupt nur eines: gesellschaftliche Konstruktion. Sie existieren nicht wirklich, die Gene, klar. Streichen wir also die Gene aus dem menschlichen Bauplan.

Die Aufklärung ist der Aufklarung gewichen. Alles klar.

Das ist ja eine wirklich schöne Geschichte.
Jene oft genug kolportierte Wahrheit über "die Männer" kennen wir. Insofern ist Ihr Kommentar ein stereotyper Kommentar auf ein stereotyp geschnitztes Mannsbild. Bleibt nurmehr ganz emanzipatorisch "den Frauen" in adäquater Weise bzgl. erlernter Stereotypen schonungslos den Spiegel vorzuhalten. Das jedoch wird auch diesmal nicht geschehen. Dafür sorgen auch hier wieder die klassischen Opfer/Täter-Schemata. Und die verbieten nun mal Schonungslosigkeiten Frauen gegenüber.

Nichts hat sich geändert. Bis auf eines: die ewige Besserwisserei hat sich vom Wohnzimmer in die Redaktionsstuben verlagert.

- (Einige) Migranten begehen Straftaten.
- (Einige) Afrikaner sind nicht besonders fleißig.
- (Einige) Juden verdienen gutes Geld.
- (Einige) Frauen beharren vehement auf ihrer Meinung.
- (Einige) männliche Chrismon-Leser sind Pantoffelhelden.

Es wird gar nicht schlecht über Menschen gesprochen. Vielmehr werden einzelne Verhaltensweisen einzelner Menschen geschildert, aber diese Verhaltensweisen werden nicht bewertet. Was soll daran diskriminierend sein?
Aber bei dem Artikel ist das natürlich ganz was anderes .... .

So Leute, ich bin raus. Eine gewinnbringende Diskussionskultur erfordert mehr als das Einhalten von Höflichkeitsregeln, sondern das Aufgreifen, Widerlegen, sich Abarbeiten an den Argumenten der Gegenposition. Das sehe ich hier aber nicht.

Also ich finde den Erfahrungsbericht herrlich und herrlich amüsant.
Es wird eindeutig geschrieben, dass es sich um individuelle Männerdarstellungen handelt, also dass es keine Allgemeingültigkeit hat, wie die Frauen ihre Männerrollen anlegen.
Ich sehe auch absolut keinen Sexismus.
Ich bin eher der Meinung, dass hier leider ein paar Männer überreagieren, die sich in ihrer Männlichkeit gekränkt fühlen, wenn ihnen der Spiegel vorgehalten wird.
Es gibt sicher auch Antifeministen und "Männerrechtler" unter den Kritikern hier. Wie sich Antifeminismus definiert, kann leicht nachgegoogelt werden... Leider findet sich dieser oft in religiösen Kreisen (ich selbst bin Jüdin).
Ich bin vor einiger Zeit zufällig über die Seite hier gestolpert und hab mir schlussendlich überlegt, doch etwas zu schreiben.
Denn die Anfeindungen der Männer hier muss sich die Autorin keinesfalls gefallen lassen. Woher ich das weiß?
Ich war selbst mal ein Mann ;-) Sozusagen. Bis zum 28.2.2011 hatte ich einen Penis.
Und daher denke ich, dass ich die einzige Person hier bin, die wirklich sagen und beurteilen kann, wie sehr der Artikel der Wahrheit entspricht (nennt mich ruhig arrogant, aber ich kenne BEIDE Seiten). Und dieser Erfahrungsbericht kommt der Wahrheit extrem nahe.
Ja Leute, die meisten Männer sind wie hier beschrieben, findet euch damit ab.
Wobei ich eigentlich der Meinung bin, dass "die Männer" hier eh noch gut wegkommen. Ich hab seit ich als Frau lebe schon viel schlimmeres erlebt, ich bin nämlich nicht so unattraktiv ;-)

Doris Lessings Worte : "Ehrlich gesagt, es kümmert mich nicht mehr ", heißt, dass sie sich selbst bisher, zum eigentlichen Massstab setzte, und nun einsehe, dass sie nicht im Besitze der absoluten Wahrheit sei. Gut, in ihrem fortgeschrittenen Alter, und bei ihrer schriftstellerischen Karriere, dürfe sie sich privat und öffentlich dem Luxus der Enttäuschung hingeben. An dieser Stelle finden / fanden so manche männlichen Vertreter der Menschheit zu dem Glauben an Gott. Nicht so die Frau, die Unbeugsame . -------------------
So war selbst Buddha der Überzeugung, die Frau sei wohl ein minderes Wesen, und er war somit auch von der "Abneigung gegen den `Zweifingerverstand ` " der Frau geprägt, "deren Erkenntnisfähigkeit gerade noch ausreichte, um mit zwei Fingern nachzuprüfen, ob die Reiskörner weich gekocht waren. Ausschlaggebend war sicher auch, dass es ja gerade die Frauen waren , die es den Männern so schwer machten sich von der Welt und dem `Durst`und der `Gier `zu lösen." Buddha urteilte denn auch über die Frauen : " > Jähzornig ( ...) sind die Frauen ; eifersüchtig (...) sind die Frauen; neidisch (..) sind die Frauen; dumm sind die Frauen .<" Alles das auf dem Hintergrund, so der Autor Johannes Lehmann , " da die Frauen damals noch nicht so vom öffentlichen Leben ausgeschlossen waren wie im späteren Indien" . Auch die Antike kennt die Frau als den Zankapfel schlechthin. -------------- Oder die Philosophie, die kaum Frauen kennt, die einzigen davon sind, man höre und staune "Frauenrechtlerinnen ", die für die Emanzipation und den Feminismus stritten ! Ja, ich glaube, der Mann sieht in der Tat seine Herrscherrolle bedroht. Der Zeus, der Herr im Antiken Götterharem , der Mooses, der Adam als der Mensch an sich, der Rattenschwanz könnte unendlich fortgesetzt werden ! Das Drama des modernen Menschen ?

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Danke für die ehrlichen Meinungen. Vorurteile haben es in sich : sie verletzen.

Sehr geehrte Frau Holch,

Sie schreiben, wenn ich einen entsprechenden Workshop besuchen würde und mich schnell und preiswert einkleiden würde, sähe ich vermutlich „nuttig“ aus, käme auf der Straße mit entsprechenden Gesten trotzdem durch. Eine beruflich erfolgreiche Frau würde sich dann über mein Frauenbild mokieren und denken, ich hätte von dem, was moderne Frauen so tun, keine Ahnung.
Frau Holch, Sie liefern mir die Argumente, man könnte schon fast glauben, wir wären uns einig. Ich würde mich niemals so respektlos verhalten, dass ich in „nuttiger“ Kleidung und mit entsprechendem Gehstil im öffentlichen Raum Frauen nachäffe. Ich sähe für mich auch keinerlei Erkenntnisgewinn darin: Zum einen würden mich die Leute auf der Straße bei meiner Figur sowieso nur für einen Homo- oder Transsexuellen halten, und eben nicht für eine Frau; zum anderen erführe ich durch die „nuttige“ Kleidung auch nichts Neues über die Gedanken und Gefühle einer modern, erfolgreichen Frau. Insgesamt erschiene mir ein solcher Workshop daher völlig unsinnig und überhaupt nicht zielführend, und der Ihrige Workshop erscheint mir für ein besseres Verständnis und Miteinander der Geschlechter ebenso unnütz.
Meine Strategien, mich in moderne Frauen hineinzudenken (ich lebe mit vier weiblichen Wesen zusammen, wie ich erwähnte) sind völlig andere: ich höre zu, bin empathisch und unterstützend, übernehme „Frauenarbeiten“ im Haushalt.
Ich versuche, meine Töchter für Technik zu begeistern und es würde mich sehr freuen, wenn eine von ihnen einmal Maschinenbau studieren würde und nicht „irgendwas mit Medien“ - aber das ist ihre Entscheidung, nicht meine.
Sie beklagen einen „aggressiven“ Ton der kritischen Kommentare und verweisen darauf, dass viele nicht veröffentlicht werden konnten. Mit Verlaub, ich finde diese Sichtweise ziemlich selbstgerecht. In der Kommentarspalte finden sich zahlreiche sachliche, fundierte Kommentare, die es durch die redaktionelle Überprüfung geschafft haben. Auf die wirklich guten Argumente gehen Sie leider gar nicht erst ein, vor allem nicht auf den mehrfach vorgetragenen Kritikpunkt, dass es nicht EINE einzige positive Klischeevorstellung über Männer in Ihren Artikel geschafft hat. „Empört“ ist auch nicht dasselbe wie „aggressiv“, da machen Sie es sich sehr einfach. Ebenfalls vermisse ich eine Reflexion darüber, inwieweit diese Empörung legitim sein könnte und was der Artikel zu dieser Empörung beigetragen hat. Mit einer Entschuldigung für einige missglückte Formulierungen habe ich zwar nicht gerechnet, aber ein wenig Entgegenkommen und Einlenken gegenüber der berechtigten Kritik wäre schon schön gewesen.

Ich finde es faszinierend, dass man sich hier auf's Äußerste männerfeindlich äußert, ohne sich dessen bewusst zu sein und sogar auf entsprechende Hinweise nicht erkenntnisfähig ist. Oder: Ein Mann, der sich derartig verächtlich über Frauen äußern würde, dessen Karriere wäre beendet.

Oder:

Die Schriftstellerin Doris Lessing fordert die Männer auf sich gegen ihre "sinnlose Erniedrigung" zu wehren. "Ich bin zunehmend schockiert über die gedankenlose Abwertung von Männern, die so sehr Teil unserer Kultur geworden ist, dass sie kaum noch wahrgenommen wird", sagte 81-jährige Autorin in einem Bericht des "The Guardian".
Lessing, die vor allem mit ihren Büchern "The Grass is Singing" und "Das goldene Notizbuch" zu einer literarischen Heldin des Feminismus wurde, sagte: "Es ist Zeit, dass wir uns fragen, wer eigentlich diese Frauen sind, die ständig die Männer abwerten. Die dümmsten, ungebildetsten und scheußlichsten Frauen können die herzlichsten, freundlichsten und intelligentesten Männer kritisieren und niemand sagt etwas dagegen. Die Männer scheinen so eingeschüchtert zu sein, dass sie sich nicht wehren. Aber sie sollten es tun."

Die im heutigen Simbabwe aufgewachsene Autorin, beklagte eine "denkfaule und heimtückische Kultur", die sich des Feminismus bemächtigt habe und darauf hinauslaufe, "auf Männer einzudreschen". Bei einem Besuch in einer Schule, in der die Lehrerin Beifall heischend erklärt habe, Kriege seien auf die angeborene Gewalttätigkeit von Männern zurückzuführen, berichtet die Schreiberin: "Da saßen die kleinen Mädchen fett, selbstgefällig und eingebildet, während die kleinen Jungs zusammengesunken waren, sich für ihre Existenz entschuldigten und dachten, dass das so ihr ganzes Leben lang weitergehen würde. Das passiert überall in den Schulen und niemand sagt ein Wort."

Ein Teil des Feminismus ist in heiße Luft aufgegangen

Die Schriftstellerin klagte, ein Teil der "großen Energie" des Feminismus sei "in heißer Luft und schönen Worten verloren gegangen", während man sich doch darauf hätte konzentrieren sollen, Gesetze zu ändern. "Wir haben jetzt die Bezahlung bekommen. Aber die wirkliche Gleichheit gibt es erst, wenn die Sorge für die Kinder geregelt ist. Und das ist noch nicht geschehen, jedenfalls nicht für jene, die es wirklich brauchen", sagte Lessing. Sie kündigte an, sie werde keinen dritten Band ihrer Autobiografie schreiben, denn sie wolle "nicht so viele große und bedeutende Leute" dadurch verletzen, dass ich sie an ihre "Dummheiten" erinnere. "Ehrlich gesagt: Es kümmert mich nicht mehr", sagte sie.

Diverse Kommentarschreiber sagen, der chrismon-Text sei männerfeindlich, weil darin schlecht über Männer gesprochen werde. Das Komische ist: Es wird gar nicht schlecht über Männer gesprochen. Vielmehr werden einzelne Verhaltensweisen einzelner Männer geschildert - breit sitzen und gehen, effektvolle Gestik bei Vorträgen, auch mal öffentlich lästige Speisereste aus den Zähnen puhlen, beim Gehen mit den Händen schaufeln -, aber diese Verhaltensweisen werden nicht bewertet. Das mal als Richtigstellung. Nur von diversen Kommentarschreibern werden diese Verhaltensweisen bewertet und zwar als irgendwie schlecht. Merkwürdig. Es grüßt in die Runde Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Vor anderthalb Jahren war das Thema Sexismus der große Debattengegenstand, es wurde viel über diesen Begriff diskutiert, aber am Ende war man sich einig, daß die Verbreitung von unzutreffenden negativen Stereotypen über Frauen oder Männer Sexismus sind. Dieser Artikel ist, wie schon die meisten vorherigen Kommentare anmerken, eine Ansammlung negativer Stereotypen über Männer und daher eindeutig sexistisch. Davon können auch einige relativierende Sätze im Text nicht ablenken, auch nicht die Behauptung, man propagiere hier nur die "Freiheit", daß Frauen lernen, sich genauso abstoßend wie Männer (sic!) zu benehmen.

Nun ist dies der gefühlte 100.000e Artikel, der Zerrbilder von Männern präsentiert und negative Stereotype aufwärmt. Inhaltlich hat man diese Zerrbilder so oft serviert bekommen, daß man das ganze unter dem Schlagwort "Alltagssexismus" verbucht und sich angeödet fühlt (und an der Stelle Verständnis für die Frauen entwickelt, denen auf der Straße ständig plumpe Anzüglichkeiten serviert werden). Daß Sexismus gegen Männer eine lange Tradition hat, ist spätestens sei den Publikationen von Christoph Kucklick (insb. "Das verteufelte Geschlecht", http://www.zeit.de/2012/16/DOS-Maenner/komplettansicht) ins öffentliche Bewußtsein gerückt. Insofern ist das eigentlich Überraschende an diesem Vorfall, daß heute überhaupt noch so ein Artikel geschrieben werden kann. Dazu noch von Personen, die Nächstenliebe als ihren zentralen Wert predigen.

@Karin E. "Kein Mann sagt so etwas wie "Püppi". Das ist ein Lesbenausdruck."
Danke für den Hinweis, man lernt nie aus. Ich kenne keine Männer, die in einem derartigen Tonfall mit einer Bedienung reden würden, kann mir aber auch nicht vorstellen, daß irgendein Mann diese Bezeichnung benutzt.

Danke für den Artikel und für den Langmut, mit dem Sie immer wieder diese Kommentare beantworten, die Ihnen Männerhass, "Genderwahnsinn" oder Dummheit vorwerfen.
Wenn ich mich in Schule und Kindergarten meiner Kinder umschaue und dort ständig zusehen kann, wie schon die Kleinen die geschlechtsnormierten Posen einüben, wird mir immer ganz anders.

"Sie fragen, welches Bild ich von den Kritikern habe? Ich mache mir da keine Vorstellung, ich höre nur auf den Ton, und der ist aggressiv. Was meinen Sie, wie viele Kommentare wir ganz oder teilweise nicht veröffentlichen konnten, weil beleidigend u.ä.."

Sie schreiben über einen, für Sie tollen, Workshop, in dem Männer als Widerlinge dargestellt werden, in dem wirklich NUR die schlechtesten männlichen Eigenarten herangezogen um eine Männerbild zu konstruieren, und wundern sich dass das den Männern nicht gefällt. Dann sollten Sie die Kommentarfunktion deaktivieren.

Beleidigungen Ad hominem halte ich immer für sinnlos, aber das man(n) aggressiv wird, ist schon verständlich. Am 24.06. hat ein Micheal Kimmel Vortrag an der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin gehalten. Dort hat er sich die schlimmsten Nazis aus Amerika zusammen gesucht und dann geschlussfolgert, dass allen weißen Männer so sind. Es ist also nicht das erstmal das, wenn es um ein Bild von Männlichkeit geht, nur die schlimmsten männlichen Exemplare herangezogen werden. Können sie nicht verstehen, dass sich Männer, die immer versuchen zu allen nett und freundlich zu sein, durch das in diesem Workshop vermittelte Bild ungerecht behandelt und beleidigt fühlen?

Man soll das ganze doch bitte mit Humor nehmen. Ja wie sieht den der Workshop "Woman for one day" aus? Welcher Typ Frau wird dort den Männern dann angelernt? Is der genau so ein Widerling? Ich glaub kaum...

Ich empfehle das Buch "Mein Jahr als Mann" von Norah Vincent. Diese Frau war 18 Monate als Mann unterwegs und erforschte so Männerfreundschaften, das Arbeitsleben und sogar die Datinszene. Eigentlich müsste man annehmen, dass eine solche Pionierin der Geschlechterforschung gefeiert würde, was aber nicht der Fall ist. Warum? Weil sie keine Männerfeindin ist, bzw. ihre Misandrie überwunden hat. So räumt sie selbst in ihrem Buch ein, dass sie - die Lesbe und Feministin -, indem sie unreflektiert den feministischen Schriften folgte, der Annahme unterlag, dass sämtliche Männer vom Patriarchat beschmutzt seien. Ihre Erfahrungen als Mann unter Männern bewirkten aber ein radikales Umdenken, am Ende ihres Buches forderte sie dann auch eine Emanzipationsbewegung für Männer.

Der Artikel ist sehr interessant und Aussagekräftig, zeigt er doch sehr schön die Entstehung von Rassistischen-, Sexistischen- und sonstigen menschenfeindlichen Mustern.
Männer sind natürlich negativ belegt. Selbst Ihr Aussehen ist negativ, fettige Männerzöpfe, aber auch sonst lässt der Artikel kein gutes Haar an Männern, die Nasepopelnd, als Arschlöcher sich raumeinnehmend irgendwo hinfletzen und Püpi einen Espresso rufen.
In einem Kommentar der sich zurecht über dieses Männerbild mokiert schreibt die Redakteurin dazu:
„Bin ich als Zuschauerin deshalb beleidigt, fühle ich mich als Frau verächtlich behandelt [von der Drag Queen]? Nein. Denn ich weiß: Damit ein Mann öffentlich als Frau durchgehen kann, muss er Klischee-VORSTELLUNGEN bedienen. Also sich so verhalten, dass andere Leute sagen: Das ist eine Frau, denn ein Mann würde sich niemals in dieser Weise benehmen und bewegen.
Ziel des Workshops war es, Frauen für ein Wochenende zu ermöglichen, sich in der Stadt mal als Mann zu bewegen. Das geht nur, wenn die verkleideten Frauen tatsächlich von den anderen Leuten als Mann wahrgenommen werden..“
Das sind also die Klischee-Vorstellungen einer christlichen Redakteurin von Männer in der heutigen Zeit. Widerlinge, wie sie selbst schreibt. Natürlich sind nicht alle Männer so, man hat ja auch nichts gegen Männer, man ist schließlich Verheiratet. Ähnlich dem Homophoben der immer von seinem schwulen Freund erzählt ehe er seine homophoben Äußerungen startet. Denn bezeichnend ist, das man genau dieses Männerbild darstellen muss, wenn man als Mann durchgehen will. Klischee-VORSTELLUNGEN halt, bei denen JEDER Mensch an Männer denkt.
Interessant ist jedoch, dass die Redakteurin ihren eigenen Artikel nicht verstanden hat, denn bereits auf der ersten Seite schreibt sie, dass die Initiatorin dieses Workshops nach einem Fotoshooting als Mann auf die Straße ging, ohne irgendwelchen Klischee-Vorstellungsquatsch einzuüben, einfach so. Und? Es hat funktioniert. Somit scheinen Männer also nicht anders zu sein als Frauen. Doch das kann die Redakteurin mit ihrem Männerbild nicht sehen, zu sehr ist sie von ihrer Ablehnung Männern gegenüber getrieben. Ebenso scheint sie es nicht nötig zu haben den Lesern, selbst im Kommentarbereich empirische Zahlen für ihr negatives Männerbild nachzuliefern. Das kann sie auch nicht, denn es existiert so nicht! Natürlich sind diese Männer existent, genau so existent wie die übergewichtige leggenstragende Hausfrauen, die übellaunig und ebenso Breitbeinig durch die Welt ziehen.
Doch dies ist natürlich nicht die Klischee-VORSTELLUNGEN die die Redakteurin von Frauen hat, denn Frauen sind natürlich anders, sie sind zügewendet, immer freundlich und zurückhaltend damit man sich Wohl fühlt in ihrer Nähe, einfach nett. Fettige Frauenzöpfe scheint es in der Welt der Autorin nicht zu geben. Mann kann sich vorstellen wie die Autorin durch die Stadt geht und bei jedem Männerpferdeschwanz der fettig ruft, genau, so sind Männer. Die tausend gepflegten und rasierten Männer, die ihr die Tür aufhalten, sie zuvorkommend behandeln, sieht die Autorin genau so wenig wie der Nazi die netten und freundlichen, gutintegrierten Ausländer. Er sucht in ähnlicher Weise nach Bestätigung für seine Klischee-VORSTELLUNGEN, auch er berichtet uns von Asylbetrügern und von Kriminellen, auch hier ist sein Ausländerbild gleich dem Männerbild von Frau Holch.
Natürlich gibt es diesen Workschop gendergerecht auch für Männer, die sich einmal als Frau fühlen wollen. Hier wird dann eben das Bild der guten Frau vermittelt, es wäre mal interessant ob hier jemand die übellaunige Chantal aus Marzahn spielen darf, die eben nicht dem Klischee-VORSTELLUNGEN der Autorin und der Kursleiterin entspricht. Ich wette nein!
Doch einige Erkentnisse kann man schon aus dem Artikel ziehen, nicht nur zur Analyse von Rassismus, sondern auch sonst birgt er einige Punkte:. So ist z. B. Olga gerne mal als Mann unterwegs, weil sie die „Bewertungen“ von Männern aus dem Weg gehen möchte. Stephanie Weber findet dass Männer sehr einsam sind, denn:
„Die Männer guckten nur kurz, damit sie nicht als schwul gelten. Und die Frauen guckten nur kurz, damit ihr Blick nicht etwa Interesse signalisiert.“

Somit vermisst Stephanie genau die Blicke der Männer (und Frauen) denen Olga gerne aus dem Weg gehen würde. Und was lernen wir daraus? Jeder Jeck ist anders, eine ganz neue Erkentniss, die ein Mensch der alles in Schubladen einteilen muss, sicherlich sehr neu und verstörend findet!
Wir lernen nichts darüber wie es ist ein Mann zu sein, brauchen wir auch nicht, können wir auch nicht, denn das Männerbild von Holch ist so betoniert, das auch hier nur ihre ureigenen Klischee-VORSTELLUNGEN heraus kommen, auch diese natürlich ohne das eine empirische Untersuchung diese stützen…
Ebenso ist interessant dass aus einer Beobachtung eines Mannes auf der Strasse für einen kurzen Moment auf seinen Charakter geschlossen wir, denn man kann nicht wissen wie dieser Mensch z. B. am Abend bei seiner Familie ist, sie wissen nicht, ob ein Mann der Abends seine Katze zuhause hat, weil seine Frau in der Gallerie und die Kinder in den USA sind, diese nicht doch vermisst. Die Autorin zieht aber diese Schlussfolgerungen durchgehend.
Somit hat dieser Workshop genau einen Zweck, ein negatives Männerbild zu vermitteln, während der Workshop a Woman for one Day genau das Gegenteil vermitteln soll. Somit hilft er nicht dem Erkenntnisgewinn, sondern betoniert genau die Vorurteile die die Organisatorin vermitteln möchte. Sowas in einer Christlichen Kirche die sich der Nächstenliebe verpflichtet sieht, ist nicht nur unerträglich, es ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Christen!

Ich empfehle "Mein Jahr als Mann" von Norah Vincent. Diese Frau erforschte 18 Monate lang die Männerwelt, so schloss sie Männerfreundschaften und wagte sich selbst in die Datingszene. Eigentlich müsste man meinen, dass diese Frau als Pionierin der Männerforschung gefeiert wird, was aber nicht der Fall ist. Warum? Weil sie keine Männerhasserin ist, bzw. ihre Misandrie überwunden hat. So räumt sie - Die Lesbe und Feministin - ein, dass, indem sie unreflektiert den feministischen Schriften folgte, der Meinung anhing, dass sämtliche Männer vom Patriarchat beschmutzt seien. Ihre realen Erfahrungen als Mann unter Männer bewirkte bei ihr ein radikales Umdenken, am Ende ihres Buches geht sie sogar so weit, eine Emanzipationsbewegung für Männer zu fordern; was angesichts solcher Artikel wie dieser hier auch nachvollziehbar ist.

Sehr geehrte Frau Holch,

ich bedanke mich für Ihre direkte Antwort auf meinen Leserkommentar, über die ich einige Tage nachdenken musste. Wenn ich Sie nun richtig verstanden habe, war es im Sinne des Rollenspiels notwendig, Klischeevorstellungen von Männern aufzugreifen und sich so zu verhalten, dass Außenstehende im Hirschauerschen Sinne davon überzeugt waren, einen Mann vor sich zu haben, denn Frauen würden solche Dinge eher nicht tun.
Vielleicht verstehen Sie aber auch, wenn es mich erschüttert, dass diese exklusiv männlichen Verhaltensweisen allesamt so asozial sein sollen. Ich behaupte, dass in den Köpfen vieler Leute auch noch andere genuin männliche Klischees existieren, die aber nicht ausprobiert wurden oder zumindest nicht Eingang in Ihren Text fanden.
Sie schreiben (bereits in dem Artikel, das hatte ich überlesen), dass die jungen Frauen Lars sympathisch fanden. Es hätte mich gefreut, wenn Sie kurz darauf eingegangen wären, was genau sie an Lars mochten. Das wäre doch eine gute Gelegenheit für etwas mehr Ausgewogenheit gewesen.
Einige Mitdiskutanten und auch Sie fordern, man solle nicht beleidigt sein ob dieser durchaus humorvoll gemeinten Darstellungen, Frauen fühlten sich auch nicht verächtlich behandelt, wenn sie Olivia Jones sähen. Meine Vermutung hierzu ist, dass viele Frauen vielleicht eben doch ein klein wenig Olivia Jones sein mögen; perfekt geschminkt, wenn auch nicht täglich, anmutig und sexy, wenngleich nicht aufs Äußere reduziert. Aber mit den fünf Spätpubertierenden und Kleinkriminellen, in die Sie sich verwandelt haben, möchte ich eben nichts gemeinsam haben, würden die meisten kritischen Kommentatoren wohl freiwillig nicht mal ein Wort wechseln.
Wenn ich Sie richtig verstehe, war der Text durchaus auch „mit Augenzwinkern“ gemeint. Mir persönlich wurde ein humoristischer Zugang zu dem Thema aber auch dadurch erschwert, dass Sie gleich an mehreren Stellen über Missstände berichten, wo Frauen unter tatsächlichem oder vermeintlichem männlichem Fehlverhalten zu leiden haben: die ständigen verbalen Belästigungen, die Olgas Zorn erregen, die berufliche Unzufriedenheit von Susanne, der gewalttätige Vater von Diane Torr und, nicht zu vergessen, die Bordellbetreiber und -besucher in China. Vielleicht finden Sie das zu empfindlich, aber mir vergeht das Lachen, wenn zwar nicht die „Männer“, aber irgendwie doch die „Männlichkeit“ auf der Anklagebank sitzt, denn als „Softie“ sehe ich mich sicher nicht. Ich bin über 1,90 Meter groß, wiege sportliche 93 Kilo und habe geräumiges Schuhwerk der Größe 47. Ja, neben mir wird es eng im Aufzug, selbst wenn ich mich wie üblich klein mache statt raumgreifend.
Wenn ich die Kommentare von Martin W., Gast, Marielle Markus und Ihnen so lese, frage ich mich, welches Bild Sie wohl von den Kritikern haben: stramme Burschenschaftler, mit Schmiss auf der Wange? Evangelikale Patricharchen mit Großfamilie (ich habe drei Töchter)? Frustrierte Scheidungsopfer? Man macht es sich zu einfach, diese als Verteidiger eines alten Rollenbildes abzustempeln.
Als ich meinen ersten Kommentar schrieb, hatte ich zuvor drei Stunden die Fenster unseres Hauses geputzt. Außerdem wasche ich die Wäsche und bügele meine Hemden selber. Meine Freunde können mir bei der Begrüßung aber trotzdem noch in die Augen schauen …. . Deuten Sie es doch positiv: Wir Herren kultivieren gerade unsere feminine Seite, indem auch wir einmal den gepflegten #aufschrei proben.
Frau Holch, ich hoffe, dass Sie die kritischen Kommentare auch als konstruktive Anregung empfinden, und nicht nur als Belastung.
Herzliche Grüße!
Georg K.

Yes, wir sahen voll schräg aus, Schorsch. Womöglich sogar kleinkriminell. Wäre mit Ihnen, lieber Schorsch, aber genau so, wenn Sie auf die Schnelle eine preiswerte Frauengarderobe erstehen müssten und sich darin zeigen müssten, egal, ob die Klamotten passen oder nicht. Vermutlich sähen Sie "nuttig" aus. Aber auf der Straße kämen Sie - nach entsprechendem Gesten- und Gehtraining - trotzdem durch. Dann würde ich daherkommen und sagen: Was hat denn der für ein Frauenbild! Heute vormittag habe ich mein Team durch eine schwierige juristische Verhandlung gelenkt - aber von dem, was wir modernen Frauen so tun, hat dieser Kerl ja offensichtlich keine Ahnung. Sie fragen, welches Bild ich von den Kritikern habe? Ich mache mir da keine Vorstellung, ich höre nur auf den Ton, und der ist aggressiv. Was meinen Sie, wie viele Kommentare wir ganz oder teilweise nicht veröffentlichen konnten, weil beleidigend u.ä.. Es grüßt Sie Christine Holch

Vielen Dank für Ihren sehr spannenden Artikel! Ehrlich gesagt hätte ich sowas in einem Magazin wie Chrismon nicht erwartet, aber gerade deshalb umso erfreulicher. Was mir zu sagen bleibt ist, dass es ein großes Problem gibt, das die Überwindung der strikten Genderkategorien meiner Erfahrung nach sehr schwierig macht. Ich würde es für mich grob so beschreiben, dass ich aus welchen Gründen auch immer die meiste Zeit meines Lebens einen eher schwach ausgeprägten Männlichkeitshabitus "praktiziert" habe. Ich habe mich damit nie sonderlich unwohl gefühlt oder darin ein Problem gesehen. Nur wurde irgendwann klar, dass man damit weder in Männerkreisen als "echter" Kumpel ankommen kann, noch in Frauenkreisen als sexuell attraktiver Mann. Umso mehr ich das eingesehen habe und umso mehr ich versucht habe, mich einem Männlichkeitsideal anzunähern, desto attraktiver wurde ich für Frauen und desto eher wurde ich auch von Männern respektiert. Das scheint auch nicht nur lediglich mein Problem zu sein, sondern ich würde sagen dass Bewegungen wie die "Pick Up Artists" genau das gleiche Thema bearbeiten. Gerade bei Frauen bin ich nach wie vor immer wieder schockiert, welch direkten und starken Effekt es hat, sich mehr als "richtiger Mann" zu verhalten. Denn es handelt sich bei sehr vielen Frauen, auf die das eine solche Wirkung hat um durchaus kluge, differenziert denkende Personen, die eine hohe Sensibilität gerade in Fragen von Geschlechterkonstruktion haben. Trotzdem sind Männer, die den Männlichkeitsklischees weniger entsprechen auch für diese eher als gute Freunde denn als Sexualpartner interessant. So lange das noch so häufig (Es gibt auch Ausnahmen! Zum Glück erlebe ich das ebenfalls sehr oft) der Fall ist, ist ein Leben in der "Übergangszone" zwischen Frau und Mann vor allem problematisch und verunsichernd. Solche Normalitäten können sich im Laufe der Zeit verändern, aber wer ist wirklich bereit dazu, sich dafür zu "opfern" und die Unsichtbarkeit, die Exklusion und das Desinteresse, die das mit sich bringt zu ertragen?

Liebe Frau Holch,

ich finde es ja schon ziemlich schockierend, wie viele (angeblich so souveräne) Männer sich durch diesen Artikel in ihrer Ehre gekränkt fühlen. Statt dass sie einfach die Gefühle der Frauen zur Kenntnis nehmen und sie hinterfragen: Was läuft da falsch in unserer Gesellschaft dass Frauen so empfinden?

Aber stattdessen drohen sie mit Kündigung des Abos oder gar mit Austritt aus der Kirche!

Für mich war es ein großes Vergnügen diesen Artikel zu lesen - und auch die Leserbriefe.

Frau Holch: weiter so! Männer (?): mehr mit dem Herzen lesen.
Martin W.

Eine Frau, die es toll findet, dass ihr die Menschen ausweichen?
Eine andere, die denkt: eine Zuckung, und ihr kriegt was auf die Fresse! ?
Eine andere weiß: wir machen uns nicht schmal (und nett) – sondern breit (und wichtig).
Was Männer so machen sollen, wissen diese Frauen natürlich auch ganz genau: Viel Geld verdienen, immer für die anderen: Meine Frau hat eine Galerie. Meine Kinder studieren in den USA. Zahle alles ich.
"hinstellen, Fersen heben und die Absätze mit einem satten Klack aufsetzen. Das tun Frauen nicht." Männer auch nicht, aber diese Erkenntnis ist hier wohl nicht zu erwarten.
Klar, wissen die Damen, männliches Auftreten liegt ja nicht in den Genen, sondern ist gelernt. Einem Mediziner würden da vielleicht Dinge wie Unterschiede bei Hüftknochen und Beinmuskulatur einfallen.

[...]

Ich hoffe, dass das jetzt nicht zur Regel bei Chrismon werden soll.

//von der Redaktion bearbeitet. Bitte bleiben Sie sachlich.

Hallo Sebastian, das habe ich selbst beobachtet, wie ein Mann (ein individueller Mann, Sie natürlich nicht) wartend die Absätze hob und runterklacken ließ. Zum Thema Ausweichen auf der Straße: Natürlich weicht man als freundlicher Mensch öfter anderen Menschen auf der Straße aus. Zumal bepackten Leuten oder Menschen mit Kinderwagen etc. Noch besser: Die beiden Menschen, die sich entgegenkommen, erfassen gleichzeitig die Situation (nämlich: wenn wir beide weiter unserem Weg folgen, wird es krachen) und weichen beide ein wenig zur Seite. Die Erkenntnis vor allem der jungen Kursteilnehmerinnen war: Oh, im Alltag als Frau weiche immer nur ich aus, wenn mir ein Mann oder eine Männergruppe entgegenkommt - wieso eigentlich immer nur ich? Und dann mal (mal!) schnurstracks seinen Weg zu gehen, das hat was. Sicher gehören Sie zu den freundlichen Männern, die das Ausweichen der Frauen nicht einfach hinnehmen, sondern selbst die Richtung ein wenig ändern. Freundliche Grüße Christine Holch, Redaktion chrismon

In dem Artikel steckt viel wahres. Leider wird vieles durch das unsägliche Klischee wieder kaputt gemacht. Munition für die Verteidiger des alten Rollenbildes.
Z.B. finde ich es schrecklich, dass Frauen Stöckelschuhe tragen. Leider wird dies auch von diesen Frauen verteidigt und als schön angesehen. Dass man damit aber nicht laufen kann und die Trägerin hilfsbedürftig wird, scheint unwichtig. „Männerschuhe sind geräumiger. Sie geben dir das Gefühl, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und den Boden unter deinen Füßen zu besitzen.“
Da ist doch was dran, oder?

Hallo "Schröder", na klar sind flache und geräumige Schuhe super, während Stöckelschuhe zum längeren Gehen ungeeignet und für die Füße ganz schlecht sind ("Hammerzehen" tun spätestens im Alter höllisch weh). Aber wo im Text steht denn, dass die Kursteilnehmerinnen Stöckelschuhe gut fänden? Es grüßt Sie Christine Holch, Redaktion chrismon

Sehr geehrte Frau Holch,

die Idee, sich einmal in die Rolle eines Mannes zu versetzen, finde ich gar nicht mal verkehrt. Auch Ihr Anliegen, geschlechtsspezifische Rollenzuschreibungen zu hinterfragen, kann ich nachvollziehen.
Was mich jedoch verletzt und wütend macht ist die Art und Weise, wie Sie in Ihrem Artikel von diesem Seminar berichten. Ich habe trotz mehrmaligen Lesens nicht eine einzige wertschätzende Aussage über „männliches“ Verhalten finden können. Die von Ihnen geschilderten männlichen Klischees sind ausschließlich negativ besetzt:

Ein Mann schaufelt beim Gehen mit den Armen. Er schaut so übbellaunig, dass ihm fast das Gesicht abfällt. Wir Männer lächeln nicht, nicken nicht bestätigend, zeigen keine Gefühle, sind nicht nett, zumindest nicht so nett wie Susanne, 51. Männer sprechen betont langsam, als wäre jedes Wort ein Juwel der Weisheit. In unserem geräumigen Schuhwerk besitzen wir den Boden unter unseren Füßen. Ein Mann merkt nicht einmal, wenn er von einer (mit den Armen schaufelnden?) Frau verfolgt wird, deshalb bohrt er sich auch in aller Öffentlichkeit in der Nase.

Ihr Blick auf rollentypisches männliches Verhalten ist extrem abschätzig, wenn Sie schildern, wie Lars grunzt und laut den Schleim hochzieht. Manche Aussagen sind in polemisierender Weise übertrieben: Leider gibt es Männer, die lauthals Kommentare über Frauen abgeben. Ich hatte in den vergangenen Wochen aber doch den Eindruck, in der Fußgängerzone viele sehr „sommerlich“ gekleidete junge Frauen gesehen zu haben, die zwar eine Sonnenbrille, aber offensichtlich keine Ohrenstöpsel trugen und den Tag sichtlich genossen haben, weil sich die meisten Männer eben doch benehmen können.
Es ist ein ziemlicher Unfug, einen Mann zu schildern, der mit den Absätzen klackt, damit ihm auf der Straße Platz gemacht wird. Klackende Absätze kenne ich bislang nur von High-Heels-Trägerinnen. Vollends absurd wird der Text, wenn ein Mann eine Kellnerin als „Püppie“ bezeichnet und militärisch knappe Befehle erteilt.

Warum haben Ihre mit breiten Pinselstrichen skizzierten Männer nicht auch mal sympathischen Zug? Der Baukasten der Geschlechterrollenklischees kennt doch durchaus auch männliche Tugenden. Ein „echter Kerl“ kann die neuesten elektronischen Geräte bedienen und erklärt diese auch mit einer Engelsgeduld seiner geliebten Mutter. Er trägt alle schweren Gegenstände im Haushalt und hebt für seine Gattin Gegenstände oben auf den Schrank, ohne eine Leiter zu benötigen. Er ist fachlich und körperlich kompetent, einen Bohrhammer, eine Kreissäge und eine Betonmischmaschine zu bedienen. Probleme auf der Arbeit kann er klären, ohne sogleich alles auf der Beziehungsebene zu interpretieren. Seine Dominanz und Stärke setzt er „ritterlich“ ein, um seine Familie zu schützen, um für Gerechtigkeit, beispielsweise an seinem Arbeitsplatz, zu sorgen, oder um belästigten Frauen beizustehen, ganz ohne Hintergedanken. Klar, das sind Klischees. Keine dieser Beschreibungen trifft auf alle Männer zu, noch nicht mal auf die meisten. Ich stelle ja auch nicht „die“ Männer dar, sondern individuelle Männer. Nach dem Motto „Es gibt solche Typen“ oder „Ich kenne so einen“.

Außerdem sind auch nicht alle Männer von Beruf Chef. Wenn Sie "echte Kerle" kennenlernen wollen, die unser aller großen Respekt verdienen, dann hospitieren Sie doch bitte mal einen Tag
- beim Straßenbau,
- bei der Müllabfuhr.
Ich wette ein Fass Bier darauf, dass auch in 10 Jahren noch diese Tätigkeiten ausschließlich von Männern ausgeübt werden.

In Ihren Antworten auf kritische Kommentare argumentieren Sie, Frauen würden sich ja auch über Drag Queens amüsieren, also über Männer, die in überdrehter Manier Frauen darstellen. Dieser Vergleich hinkt. Drag Queens stellen Frauen zwar einseitig, aber durchaus positiv dar. Conchita Wurst ist attraktiv, witzig, perfekt gestylt, ohne den Vollbart sogar begehrenswert. Und wie sprechen im Vergleich hierzu Ihre Damen über die Verkleidungen? „Super. Also grauslich. Also super.“ Wenn das witzig gemeint war, dann bewegt sich dieser Humor auf dem zynischen Niveau eines schlechten Blondinenwitzes.

Ein derartig einseitiger Text, der typisch „weibliches“ Verhalten so verunglimpfend darstellt, wäre niemals veröffentlicht worden. Zusammenfassend möchte ich deutlich machen, dass ich diesen Text als männer- und damit menschenverachtend empfinde und mich auf üble Weise diskriminiert fühle.

Hallo "Schorsch73", ich fand weder den Workshop noch meinen Text menschenverachtend. Natürlich haben wir mit Klischees gearbeitet, das war uns klar, und wir MUSSTEN auch mit Klischees arbeiten. Ich versuche mal, es Ihnen anhand von "Drag Queens" zu erklären, also anhand von Männern, die (meist auf der Bühne) als Frau auftreten. Und denken Sie jetzt mal nicht an Conchita Wurst, sondern an klassische Drag Queens wie Olivia Jones. Diese Bühnenfrauen zeigen viele blöde Verhaltensweisen, die die meisten Frauen dämlich finden: Sie kichern schrill und falsch, sie sind übermäßig geschminkt, sie bewegen sich affektiert, sie zeigen dauernd ihren riesenhaften Ausschnitt herum, überhaupt ist ihnen ihr Aussehen das Allerwichtigste im Leben. Bin ich als Zuschauerin deshalb beleidigt, fühle ich mich als Frau verächtlich behandelt? Nein. Denn ich weiß: Damit ein Mann öffentlich als Frau durchgehen kann, muss er Klischee-VORSTELLUNGEN bedienen. Also sich so verhalten, dass andere Leute sagen: Das ist eine Frau, denn ein Mann würde sich niemals in dieser Weise benehmen und bewegen. Ziel des Workshops war es, Frauen für ein Wochenende zu ermöglichen, sich in der Stadt mal als Mann zu bewegen. Das geht nur, wenn die verkleideten Frauen tatsächlich von den anderen Leuten als Mann wahrgenommen werden. Wenn ich, verkleidet als "Lars", mich unsicher fühle und dann imaginären Schleim aus der Kehle hochziehe, hat das den einzigen Zweck, dass Leute denken: Eben habe ich noch gezweifelt, aber das muss dann doch ein Mann sein, denn eine Frau tut so was doch eher nicht. Damit sage ich nichts darüber, wie "die" Männer heute so sind. Ich arbeite nur - theatermäßig - mit den Vorstellungen von Männern, die viele Leute in irgendeiner Ecke ihres Kopfes doch noch haben. Übrigens fanden die jungen Frauen im Workshop mich als Lars sehr sympathisch. Es grüßt Sie Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Eine großartige Reportage! Insbesondere, da sich an vielen Kommentaren zeigt: Geschlechterklischees wuchern. Gut, dass da mal jemand hineinpiekst und ein bisschen Luft herauslässt.

Sehr geehrte Frau Holch,

in Ihrer Antwort vom 8. AUGUST 2014 – 17:38 an "Wutbürger" schreiben Sie:

„das Wort Gendergerechtigkeit klingt in der Tat nicht schön, bezeichnet aber etwas Gutes. Nämlich - zum Beispiel bei Maßnahmen des Staates, der Kommunen, der Kirchen - jeweils zu überlegen, welche Auswirkungen das auf Männer und Frauen hat.
Wohlgemerkt: auch auf Männer. „

Sicher können Sie mir, den Frauen in Anzahl und gleichwertige geförderte Projekte vom Gesetzgeber, Kommunen oder anderen Organisationen für Jungs, Männer und Vätern nennen, um deren Benachteiligungen insbesondere zu folgenden Themen

"Beschneidung von Jungen, Bildungserfolg von Jungen, Anteil bei tötliche Arbeitsunfällen und Gefallene der Bundeswehr, Durchsetzung des Umgangsrechtes, im Familienrecht, Hilfe für männliche Opfer von Häusliche Gewalt, Zuständigkeit und Wahl von Gleichstellungsbeauftragten, Männerforschung, gleicher Lebenserwartung und anderes mehr"

abzubauen und die die Gendergerechtigkeit zu fördern.

Sicherlich können Sie mir auch heute, in Deutschland gültige Gesetze nennen , die Frauen benachteiligen und Männer bevorzugen.

Welches Ministerium ist eigentlich für Männer zwischen 18 und 65 zuständig?

Auf ihre Antwort freut sich
K.Rademacher

P.S.:
Die Personen auf den Bilder erinnern mich an junge Personen männlichen Geschlechtes, Anhänger der RAP-Kultur mit Migrationshintergrund,
nicht jedoch an einen typischen durchschnittlichen Mann.

Zu ihrer Information:
„Not am Mann, Das geschwächte Geschlecht „
Zeit-Dossier No 2 vom 2. JANUAR 2014

Liebe Frau Holch,

ihr Langmut gegenüber den Vorwürfen und Anfeindungen in der Kommentarliste verdient grössten Respekt! Bitte lassen Sie sich auch weiterhin nicht durch solches bedrücken.

Die Menschheit hat lange gebraucht, um zu erkennen, dass kein Mensch einen anderen 'besitzen' kann, sie lernt grade mühsam, dass die Hautfarbe eines Menschen keine Rolle spielt und sie wird auch lernen, dass das Geschlecht, oder gar das sozial 'verordnete' Geschlechterbild, keine Rolle spielt.

Es wird zu lange dauern, als das wir es noch erleben. Rosa Parks hat auch nicht mehr erleben können, dass ein Mensch mit dunkler Haut Präsident ihres Landes wurde, leider. Aber sie hat einen richtigen Weg angefangen.

Haben Sie es gut

Marielle (Markus)

"Die Frauen des Workshops jetzt mal selbstbewusst und raumgreifend" steht unter dem letzten Foto.

Aha.

Aber, haben Sie jemals eine Gruppe von Männern gesehen, die so rumlümmeln??
Ich meine jetzt wirkliche Männer, nicht irgendwelche Drogendealer kurz vor dem Polizeiverhör.

Sehen Sie sich doch mal Fotos von Männern an, von richtigen Männern, z.B. von Aufsichtsratssitzungen, von Tagungen, Klinikkonferenzen, von Erfindertreffen, Kirchentagstreffen.

Schauen Sie doch mal in den Wirtschaftsteil, in den Politikteil von Zeitungen, in die Fotos des Schachmagazins.

Finden Sie da wirklich solche Männer?

Ihre "Männer" auf den Fotos sehen so aus, wie sich "Kesse Väter" Männer vorstellen. Dazu passt übrigens auch "Püppie, bring mir mal 'nen Espresso!"

Kein Mann sagt so etwas wie "Püppi". Das ist ein Lesbenausdruck.

Speziell zu "kessen Vätern" würde auch passen, dass in dem Beitrag nur negative Männerbilder auftauchen. "Widerlinge" , "A-Löcher" usw.

„Das erste Mal, dass mir jemand ausgewichen ist – geil!"
"... sagen die anderen, „also grauslich. Also super.“ Geht es überhaupt noch pubertärer?

Wo sind denn da väterliche Chefs, rationale Programmierer, Kreative Webdesigner, kollegiale Computertechniker, ehrenamtliche Rot-Kreuz-Sanitäter, geistvolle Mathematiker??

"Widerlinge" , "A-Löcher" wollen Sie darstellen. Eben. Warum sagen Sie dann, sie wollen Männer darstellen?.

Es gab vor längerer Zeit in Berlin schon einmal eine ähnliche Veranstaltung. Die war allerdings speziell für lesbische Frauen, die sich da ein Wochenende lang als Männer verkleidet und sich dabei die Männer schlecht geredet haben.

Die haben sich sogar Möhren in die Hose gestopft! :-)
Und sich dann darüber beklagt, dass die nicht sitzen :-) :-)

Ich habe dabei ja spontan an Penisneid denken müssen.

Mich erinnert Ihr Beitrag sehr an die damalige Veranstaltung. Es ist fast so, als würden Sie und die anderen Teilnehmerinnen Männer eher vom Hörensagen kennen.

Sehen Sie die Fotos, Foto 2 und Foto 3.

[...]

Warum haben Sie solch ein negatives Männerbild? Das Bild ist in Ihrem Kopf, es hat nichts mit den realen Männern da draussen zu tun.

Ich weiß das, denn ich kenne Männer. Wirkliche Männer, keine Zerrbilder.

// von der Redaktion bearbeitet. Bitte bleiben Sie sachlich.

Erstmal freue ich mich, dass sie hier auf Lesermeinungen direkt eingehen. Mehr als der Artikel selbst ärgert mich, dass die EKD sich die Genderideologie zu eigen gemacht hat. Die Themenauswahl von Chrismon ist ja bloß ein Ausdruck davon. Ob man sich dabei im Mainstream bewegt, lässt sich nicht unbedingt an den Reaktionen der Leser auf dieser Seite ablesen, da es sich vermutlich um ein explizit christlich orientiertes Publikum handelt, also keinen repräsentativen Querschnitt darstellt. Der Trend scheint mir jedenfalls in diese Richtung zu gehen.
"In seiner Eröffnungsrede (des Studienzentrum für Genderfragen in Hannover) betonte der Vorsitzende des Rates der EKD, Nikolaus Schneider, dass die Gestaltung einer gerechten Gemeinschaft von Frauen und Männern eine bedeutsame Aufgabe für die evangelische Kirche ist. In dieser Gemeinschaft sollten alle ihre individuellen Gaben und Fähigkeiten unabhängig vom Geschlecht gleichberechtigt entfalten können". Ich glaube diesem Ansinnen würde wohl kaum jemand widersprechen wollen. Nun bin ich mir aber nicht sicher, ob das wirklich den Kern dessen trifft, was "Gender" meint. Wikipedia sagt "Gender bezeichnet ein von sozialen und kulturellen Umständen abhängiges Geschlecht und damit eine soziokulturelle Konstruktion, die jeweilige Herrschaftsstrukturen im Geschlechterverhältnis widerspiegeln". Die Gender Theoretikerin Judith Butler behauptet, dass "Geschlecht" sowohl als auch "sexuelle Orientierung" erst durch den Prozess gesellschaftlicher Prägung hergestellt würden. Also entweder benutzt die EKD den Terminus "Gender", ohne sich über dessen Implikationen klar zu sein, oder ich habe etwas nicht richtig verstanden. Die dritte Möglichkeit wäre, dass man bei der EKD tatsächlich derartige Auffassungen vertritt. Dann hätte man sich meiner Meinung nach allerdings sehr weit von einem christlichen Welt- und Menschenbild entfernt.

Was den Artikel betrifft, gut, hier geht es nur um Geschlechterrollen. Geschlechterrollen sind erst einmal gesellschaftliche Vorgaben. Allerdings sind auch diese nicht in einem Vakuum entstanden, sondern basieren zunächst auf natürlichen Unterschieden, können diese aber verstärken, verfestigen und zu Geschlechtsstereotypen führen. Wenn die weibliche Rolle ein höheres Maß an Emotionalität beinhaltet, hat das sicherlich auch mit einer durchschnittlich höheren Empathiefähigkeit von Frauen zu tun, weil das für eine Mutter, die sich in ihr Kind einfühlen muss, eine ganz wichtige Voraussetzung ist. Allerdings gibt es auch viele Männer und Frauen, die sich mit den Rollenklischees unwohl fühlen. Deswegen finde ich es grundsätzlich nicht falsch, wenn man das hinterfragt und lockert. Allerdings sollte man dann bestimmte Eigenschaften gerade nicht als "typisch männlich" definieren und Frauen sollten nicht versuchen sich "wie Männer" zu verhalten, sondern auf ihre weiblichen Stärken setzen und sich eben nicht in Rollenklischees zwängen lassen. Weibliche Stärke wird immer eine andere Färbung haben als männliche Stärke, und das ist auch gut so, weil wir als Männer und Frauen geschaffen wurden. Das macht auch einen Teil der Anziehung zwischen den Geschlechtern aus. Grundsätzlich denke ich, dass sich jeder Mensch so annehmen sollte wie er ist, und dass man seine Identität nicht wechseln kann wie seine Schuhe. Vor diesem Hintergrund finde es gefährlich, wenn man beispielsweise Geschlecht als eine Frage der persönlichen Wahl erscheinen lässt. Auch das gibt es ja, und hier sollte der Glauben den Menschen Mut dazu machen, zu sich selber zu stehen.

Ich glaube es gibt sehr viel Verwirrung über diese Fragen in der Gesellschaft und auch bei vielen Gläubigen. Deswegen ist ein offener Diskurs darüber ganz wichtig. Wenn ich auch über das Artikelthema im engeren Sinne hinaus greife, hoffe ich dass es dazu beitragen kann einige Irritationen besser zu verstehen, die es im Kontext Gender und EKD gibt, wenn ich einmal etwas systematischer darauf eingehe. Herzliche Grüße!

Und was wünsche ich mir ? Eine humane Gesellschaft und Menschen, die Unterschiede akzeptieren können, ohne andere dauernd bekehren zu wollen. Und Frauen, die nicht dauernd der Quote hinterher rennen ! ---------------Die Versuchung von Adam und Eva , in Gen. 3. 4-6:
Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben: / Sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon eßt, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott , und wissen, was gut und böse ist. / Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre und dass er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte; und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß.
Ein Zitat von Adenauer: "Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont."
Mit freundlichen Grüßen, F.

Christine Holch schrieb am 8. August 2014 zwischen 17:27 und 18:13: "Freiheit ist was sehr Evangelisches." Logo, nicht so wie die unfreien Katholen oder gar Moslems. Die Teilnahme an der redaktionell heftigst beworbenen Freiheitsveranstaltung der Frau Diana Torr kostet übrigens 115 Euro. Für diejenigen, die für diesen kindlichen Karnevalsklamauk des Verkleidens und Gebarens nicht so viel ausgeben wollen, habe ich einen Spartipp parat: _________________________________________________________
Gehen Sie doch mal wieder in einen Gottesdienst! Nein, der ist immer noch kostenlos. Der Vorschlag, die Besucherzahlen durch Erheben von Eintritt zu steigern, hat sich nicht durchgesetzt. Sie bemerken, dass Sie der einzige mittelalte Mann in der Kirchenbank sind? Prüfen Sie, ob es sich bei Ihnen also nicht um eine verkleidete Frau handelt! Und dann die volle Aufmerksamkeit auf Herrn Pfarrer richten! Er popelt nicht öffentlich? Das deutet darauf hin, dass es sich um die als Mann verkleidete Frau Pfarrerin handelt. Er spricht "als wäre jedes Wort ein Juwel der Weisheit"? Dann ist Herr Pfarrer also doch nicht die Frau Pfarrerin. Doch halt, vielleicht war es das Wort Gottes, das da so hilfreich und bedeutungsschwer zu den Menschlein kommt? Ob Gott also die als Mann verkleidete Frau Gott ist? Schwierig, schwierig! Sie wollen die sehr bewegende Frage der Geschlechtszugehörigkeit des Predigers durch einen Blick auf die entscheidende Körperregion klären? "Habet" oder doch nur mit Watte gefülltes Verhüterli? Pech gehabt, sowohl Herr Pfarrer wie auch Frau Pfarrerin tragen einen blickdichten Talar! Deswegen also! Es ist also kein Durchkommen durch den Genderdschungel? Als Mann sind Sie entschuldigt, "weil Männer sich recht schwer damit tun, wirklich genau zu beobachten, wie eine Frau sich verhält." Alles klar?

Ich bin einer von den Männern, die Türen aufhalten, fremden Frauen ihren Kinderwagen über Treppen tragen, selbst flüchtige Bekannte (Bekanntinnen?) nach einem Treffen am Abend bis zu ihrem Auto im Parkhaus begleiten, ich gebe mein Jackett her, wenn meine Begleitung friert, ich gehe in dunkle Treppenhäuser voraus, ich trage einer zierlichen Kellnerin einen Kasten Cola aus dem Keller hinter die Theke, auch in einer fremden Kneipe in einer fremden Stadt.
Ich würde mich schämen, einen Menschen, Mann oder Frau, herablassend zu behandeln.
Ich habe ein Ideal, wie ich sein möchte: Ein Gentleman, ein Mann der männliche Tugenden lebt. Das kostet auch Überwindung und ist nicht immer

Ich weiß nicht auf in welchem Elfenbeinturm (in welcher Filter Bubble) die Frauen des Artikels leben und woher ihr Bild über Männer kommt. Was mich wirklich schockt, sind die Behauptungen dieser Frauen, die über Männer angeblich Bescheid wissen und solche Experimente anbieten.

Ich möchte Sie, liebe Männer-Expertinnen, herzlich bitten, sich auf die Suche nach wenigstens ein paar positiven männlichen Eigenschaften zu machen und die in ihren Rollenspielen zu berücksichtigen.

Oh, was sind wir alle frei! Wir dürfen laut Gender zwischen 4000 verschiednen Geschlechtern wählen, wir dürfen entscheiden, ob ungeborene Kinder leben dürfen oder nicht und wenn wir alt und krank sind und das Leben aus Sicht unsererer ökonomisch durchrationalisiertern Gesellschaft keinen Sinn mehr macht, dann dürfen wir uns elegant per staatlich finanzierter Giftspritze aus dem Leben verabschieden. Herrlich, unsere schöne neue Welt!

Kein Wunder dass nun die Bibel umgeschrieben werden muss. So ein fürchterliches, verklemmtes und antiquiertes Buch! Das geht nicht! Das ist ja für den modernen Homo Consumens eine Zumunug! Diskriminierung! Gott hat den Mensch als Mann und Frau geschaffen? Frechheit! Wo bleibt die individuelle Selbstverwirklichung?
Du sollst nicht töten? Unglaublich! Kinder, alte und kranke Menschen sind doch eine Zumutung! Wo bleibt hier das Recht auf Konsum und Selbstbestimmung? Also weg mit dieser Bibel, diesem fürchterlichen Buch! Der Mensch ist selbst Gott. Was brauchen wir diesen ollen Jesus und seinen Vater? Frechheit!

"Männer" sind SO!?
Was denkt die Autorin- dass es eine geheime Weltverschwörung der Männer gibt?

Welche Erfahrungen müssen Frauen wohl gemacht haben, um sich über das Nachspielen negativer Klischees ein Gefühl der (vermeintlichen) Befreiung zu holen?
"Die" Männer laufen breitbeinig, weichen niemals aus, begrüßen sich distanziert, etc.
Eine Ansammlung negativer Stereotypen soll "Männlichkeit" darstellen?
Ja durch das Darstellen eines geradezu primatenhaften Verhaltens soll sogar "Männlichkeit" nachempfunden werden? Wenn wollten die Damen darstellen- John Wayne?
Was die teilnehmenden Frauen erleben, ist nicht "Männlichkeit" sondern Kopfkino. Sie erleben nicht wie "die" Männer sind, sondern sie erleben, was sie denken wie es wäre, wenn sie Männer wären....

Männer die sich so verhalten, wie im Artikel beschrieben, sind nicht typisch männlich, sondern zutiefst verstört oder sogar gestört. Ich persönlich kenne viele Männer die zutiefst herzlich, liebevoll und aufmerksam gegenüber ihren Mitmenschen und ihrer Umwelt sind.
Ich kenne kraftvolle, extrovertierte Frauen und empfindsame, schüchterne Männer.
Ich kenne diese Attribute auch anders herum. Und ich kenne Männer wie Frauen, die beides gut zusammen bringen und beides leben.
Und ich vermute mal ganz stark, dass die allermeisten dies genau so erleben.

Warum also suchen sich die beschriebenen Frauen keine positiven Rollenvorbilder? Was soll denn der Gewinn an solch einem Experiment sein?

Wir leben im 21. Jh. mittlerweile sollte sich herumgesprochen haben, dass es nicht "die Männer" oder "die Frauen" etc. gibt sondern viele Individuen, alle mit ihrer persönlichen Geschichte, mit ihren Eigenheiten und ihrer Sicht der Welt.

"Die" Männer- "die" Frauen- sollten wir darüber nicht langsam hinaus sein?

"51 Jährige Kundenberaterin in einem Verlag will nicht dauernd Lächeln", verständlich . Wie nur ist sie aber zu ihrem Job gekommen ? "42 Jährige Dokumetrafilmerin will wissen, wie ein Mann sich fühlt, wenn er auf der Strasse sich bewegt", eine Theraterstudentin will sich behaupten," Alles nur Theater ? "Schauspielerei ", heißt es da auch im letzten Satz. Lassen wir den Damen doch ihren Spaß !

In Wirklichkeit gibt Frau Torr nicht seit 25 Jahren Workshops, sondern versucht seit 25 Jahren aktiv, ihre eigene persönliche Vergangenheit zu bewältigen.
Das erklärt auch, warum für Diane Torr Männer "Widerlinge", "geknechtet", "Schauspieler", "Arschlöcher" sind.
Die Frauen, die hier eigentlich etwas über reale Männer lernen wollen, werden hier ausschließlich mit diesen negativen Klischees zugemüllt. Das bringt den Frauen gar nichts. Ganz im Gegenteil: Sie übernehmen Frau Torrs negative Einstellung gebenüber Männern und bilden sich nun ein, diese "durchschaut" zu haben.

Na klar behauptet jetzt Frau Torr, man stelle nur "individuelle Männer" dar nach dem Motto "ich kenne so einen". Komisch, dass all diese Männer nur negative Charakterzüge zu haben scheinen.
Werte Autorin dieses Artikels und auch liebe Workshopteilnehmerinnen:
Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen(!) Mann kennengelernt, der "Klimpergeld" mitnimmt, um seine "Coolness zu unterstützen" oder gesagt hat: "Püppie, bring mir mal 'nen Espresso!".
Nach meiner persönlichen Erfahrung besteht ein großer Unterschied einfach darin, dass "wir Männer" (Anführungsstriche sind bewusst gesetzt) uns einfach eher weniger Kopf machen über das, was andere von uns denken könnten (Stichwort Lächeln, Gang, direkte Kritik äußern etc.). Das wirkt auf andere dann eben standfest, locker und cool, sprich selbstbewusst.

Alles in allem finde ich es sehr traurig, dass es diese Klischeeveranstaltung schon so lange gibt. Scheint noch einiges an echter Aufklärungsarbeit vonnöten zu sein.

Hallo Felix Winker, das könnte eine richtige Beobachtung sein, die Sie da beschreiben: dass Männer (ich persönlich würde eher sagen: einige Männer) sich weniger einen Kopf machen über das, was andere von ihnen denken. Genau deswegen ist es für Frauen interessant, mal in den Schuhen eines Mannes unterwegs zu sein. Übrigens: Diane Torr bezeichnet Männer nicht als Widerlinge. Vielmehr interessiert sie sich seit Jahrzehnten für Geschlechterrollen. Und sie macht auch Kurse für Männer: "Woman for a day". Die dauern allerdings drei Tage statt nur zwei, weil Männer sich recht schwer damit tun, wirklich genau zu beobachten, wie eine Frau sich verhält. Und es gibt viele Männer, die mal als Frau unterwegs sein wollen. Interessant ist hier das Buch von Christian Seidel: "Die Frau in mir. Ein Mann wagt ein Experiment". Freundliche Grüße Christine Holch, Redaktion chrismon

Schon seit Jahren bin ich mit der EKD sehr unzufrieden, weil diese sich immer mehr und immer hemmungsloser dem Zeitgeist anbiedert. Seit ich von diesem Gender Zentrum gehört habe überlege ich sehr ernsthaft auszutreten, und eventuell der katholischen Kirche beizutreten, oder eben konfessionslos zu werden. Dieser völlig unterirdische Artikel bestärkt mich darin. Eine Kirche die sich immer weiter von der christlichen Lehre entfernt, vielleicht weil sie meint damit junge Leute halten zu können (bin ich übrigens) wird scheitern. Es ist keine Lösung auf die Säkularisierung der Gesellschaft zu reagieren, indem man sich dem Mainstream der Gesellschaft anpast. Eine Kirche als entkernte Wohlfühl Ideologie braucht niemand, jedenfalls keiner der sich ernsthaft für Glaubensfragen interessiert.

Lieber Christian, Sie schreiben, chrismon würde sich mit diesem Artikel dem Zeitgeist anbiedern und dem Mainstream anpassen. Hm. So sehe ich das eigentlich nicht. Zeitgeist und Mainstream bedeuten ja, dass ganz viele so denken. Dann verstehe ich aber nicht, warum der Text Sie und diverse ander Besucher der Webseite chrismon.de aufregt. Dann geht es in dem Text offensichtlich doch nicht um Mainstream, oder? Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

Spannender, gut artikulierter, gründlich recherchierter und humorvoll geschriebener Artikel. Schön, daß sich dieses evangelische Magazin traut, so etwas zu veröffentlichen. Den meisten Kommentare stammen hier leider scheinbar von bornierten, verklemmten Menschen, die Christentum nicht mit selber denken in Verbindung bringen können.
Schade, dabei sind wir doch in welchem Jahrhundert nach Christus?
Super gemacht, Chrismon! Ich freu mich auf weitere Artikel!

Liebe Carmen, die Reportage ist in der Tat "humorvoll" gemeint. Dankeschön für Ihr Lob! Herzliche Grüße Christine Holch, chrismon-Redakteurin

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