Nina Hagen über den Sinn des Lebens und ihre Vorstellung von Gott

"Ich predige die Botschaft vom ewigen Leben und von der Liebe. Halleluja!"
Die Sängerin Nina Hagen spricht im Interview über den Sinn des Lebens und ihre Vorstellung von Gott

Foto: Dirk von Nayhauß

Nina Hagen

Nina Hagen, 1955 in Ostberlin geboren, zelebriert seit mehr als 30 Jahren ihre schrillen Auftritte. 1978 wurde sie international bekannt ­mit der Platte „Nina Hagen Band“. 1981 wurde ihre Tochter Cosma Shiva geboren, 1990 ihr Sohn Otis. Sie unterstützt verschiedene Projekte, unter anderem den Verein „Gegen Kinderarmut“ und PatVerfü, einen Verein gegen psychiatrische Zwangsmaßnahmen, als Schirmherrin. In ihrem Buch „Bekenntnisse“ beschreibt...

In welchen Momenten fühlen Sie sich lebendig?
Ich fühle mich seit der ersten Sekunde lebendig, und das wird immer so bleiben. Wen Gott einmal ins Leben gerufen hat, dem hat er die Chance für das ewige Leben gegeben. Danach sehnt sich der Mensch. Wir sprechen uns wieder, spätestens beim Jüngsten Gericht. Und wenn man sich im Leben nicht bewährt hat, dann kommt man in eine Auffangstation, wo nicht gefoltert wird, wo nicht gemaßregelt wird, wo man vielleicht noch einmal die Liebe und die Gnade Gottes betrachten darf. Aber darüber mache ich mir überhaupt keine Sorgen, because ich sammle hier meine Geschwister ein und predige ihnen die gute Botschaft vom ewigen Leben und von der Liebe, die niemals aufhört. Amen. Halleluja!

Hat das Leben einen Sinn?
Selbstverständlich hat unser Leben einen großartigen, fantastischen Sinn. Welchen? Sagen Sie mal, haben Sie noch nie in Ihrer Bibel gelesen? Haben Sie? Halleluja, dann wissen Sie doch, was der Sinn ist: die Liebe zu leben und weiter zu verteilen. Nur die Liebe und die Solidarität zählen.

Haben Sie eine Vorstellung von Gott?
Als ich 17 war, habe ich LSD genommen, weil ich hoffte, eine Gottes­erfahrung zu erleben. Aber zuerst bin ich in einem Bereich gelandet, wo es kein Leben und kein Sterben, sondern nur Schmerzen gab. Und das Gefühl, dass es jetzt für immer so bleibt. In diesem Moment habe ich gerufen: Oh, mein Gott, hilf mir doch! Plötzlich bin ich in eine tiefe Ruhe gekommen. Als ich ihn erkannte, habe ich ihn gefragt: Gehst du etwa wieder weg, wie all die anderen? Und da hat Gott mir geantwortet, dass er immer da war und dass er immer da sein wird. Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen. Gott hat mich mit einer Liebe angeschaut, die kann man nicht beschreiben. Diese Erfahrung hat mich durch alle dunklen Täler getragen, die dann gefolgt sind. Verletzungen, Verleumdungen, gebrochene Herzen. Ich bete jeden Tag, beten ist etwas Wunderschönes! Ich will nicht näher beschreiben, wie ich das mache. Es steht doch geschrieben, dass wir damit nicht auftrumpfen sollen.

Muss man den Tod fürchten?
Nein, im Gegenteil. Lies nur schön die Bibel, und dann wirst du sehen, was unsere Verheißung ist. Ich habe darüber ein Lied geschrieben: „Alle wollen in den Himmel, aber keiner hat Bock auf Tod.“ Und selbst wenn es qualvoll wird, auch als Pflegefall kann man doch ein menschenwürdiges Leben führen. Es steht geschrieben, und so ist es doch auch: Wir Menschen sollen uns gegenseitig stützen und uns gegenseitig helfen.

Welche Liebe macht Sie glücklich?
Die Liebe unter uns Geschwistern, die große Solidarität und Nächs­tenliebe, die wir tagtäglich ausleben. Martin Luther King ist ein großes Vorbild von mir, ich lese unglaublich gern seine Reden. In „Free at last“ betet er zu Gott, dass wir den Weg wählen, auf welchem die Menschen zusammen als Geschwister leben und die Nationen der Welt ihre Schwerter in Pflugscharen verwandeln: A way which every man will respect the dignity and the worth of all human personalities. Das ist groß, das ist heilig, das ist königlich! We are free at last! Wir sind frei! Wir sollten allerdings begreifen, dass wir in einer sterblichen Materie zur Welt kommen, um uns zu bewähren. Ob ich das Gefühl habe, mich bewährt zu haben? Das muss ich später unseren himmlischen Vater fragen. Ich versuche mein Bestes. Es heißt ja immer: „Nina Hagen spuckt große Töne“, aber das mache ich doch nur auf der Bühne. In der Arbeit geht es nicht ohne, man kann doch keine langweiligen Lieder singen, dann schläft mir das Publikum ein!

Welchen Traum möchten Sie sich noch unbedingt erfüllen?
Man weiß ja, wem man noch helfen will, mit Gottes Segen auf allen Wegen, das wird dann angepackt. Das sind keine Träume, es sind Vorhaben. Darüber wird vorher nicht groß rumlamentiert, sondern die werden einfach gemacht. Ich gehe in Gefängnisse und gebe dort Konzerte – auch in Frankreich übrigens, bin bei vielen Demonstrationen dabei. Und ich halte Mahnwachen, ganz friedlich mit Worten und Musik, um auf die schweren Menschenrechtsverletzungen im Maßregelvollzug aufmerksam zu machen. Das habe ich für Gustl Mollath getan und gerade auch für meine Freundin Ilona Haslbauer, die stundenlange Fixierungen und ein zweijähriges Hofgangverbot ertragen musste. Jetzt kommt auch sie nach über sieben Jahren Zwangspsychiatrie endlich frei.

Lesermeinungen

I am very proud of my sister Nina Hagen and how she has spoken out for her faith. I grew up during the 80's in Europe and Nina's music and character always intrigued me. I praise God she put her trust in Jesus!

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