Eine Christin klagt an

Raja’a Ishi Isaac, eine Christin, hat alles verloren: Zuhause, Möbel, Arbeit. Sie wurde von der islamistischen Terrorgruppe ISIS vertrieben.

Eine vertriebene, irakische Christin im Rohbau eines Einkaufszentrums in Erbil, das nun als Flüchtlingslager dient. Foto: Ahmed Jadallah / Reuters

Auf dem assyrischen TV-Sender „Ishtar“ sprach Raja’a Ishi Isaac, eine Christin, die von der islamistischen Terrorgruppe ISIS aus Mossul vertrieben wurde, mutig über etwas, was viele Leute sich nicht zu sagen trauen: ihre Enttäuschung über die mus­limischen Nachbarn. Ihr Interview finden Sie auf Youtube, ich habe Auszüge für Sie übersetzt:

„Sie bedrohten uns mit dem Tod. Wir sollten die Kopfsteuer für Nicht-Muslime zahlen, warum? Wir durften nicht arbeiten und uns nicht frei bewegen. Viele Christen sind zu den für die Lebensmittelausgabe zuständigen Behörden gegangen. Ihnen wurde gesagt: Ihr seid Christen, ihr bekommt keine Essensrationen.“ – Dann wendet sich die Frau an die muslimischen Zuhörer und sagt: „Wir Christen haben mit euch gelebt. Mit dem Beamten, der zu mir kam, dem Arzt, der bei meinem Mann war, mit meinem Nachbarn. Warum behandelt ihr uns jetzt so?

„Man sagt uns: Geht fort. Aber wohin ­sollen wir gehen?“

In eurem Koran steht, dass niemand ein fremdes Haus ohne die Erlaubnis des Eigentümers betreten darf. Was macht ihr in meinem Haus? Dort steht, dass Allah und sein Prophet eure Taten sehen werden. Allah wird sehen, wie ihr plündert, schlagt, verfolgt und ausraubt. Der Prophet sagte: Das gute Wort ist eine Gnade. – Wir haben kein gutes Wort von euch gehört. Derselbe Händler, bei dem ich gestern noch eingekauft habe, vertreibt mich heute.“

Der Interviewer fragt die Frau: „Wollen Sie damit sagen, ganz normale Leute aus Mossul behandeln Sie so?“ Raja’a Ishi Isaac antwortet: „Wenn mein Nachbar und meine Arbeitskollegen zu mir gestanden hätten, hätte ich Mossul nicht verlassen müssen. Aber da war niemand. – Man sagt uns: Geht fort. Aber wohin ­sollen wir gehen?“

Der Interviewer fragt: „Was sagen Sie der irakischen Regierung?“ Die Antwort: „Was soll ich ihr sagen? Ich habe alles verloren: mein Zuhause, meine Möbel, meine Arbeit. Selbst wenn mich die Regierung wieder heimbringt, komme ich in ein ­leeres Haus. Alles Vermögen ist weg, das ich in meinem Leben erarbeitet habe.“

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