Deutschtürken gehen zurück in die Türkei

Hallo, Istanbul!
In Deutschland geboren, in aller Welt studiert – jetzt zieht es viele Einwandererkinder zurück in die Heimat ihrer Eltern. Schön für die Boomtown am Bosporus. Aber könnten vielleicht auch ein paar von denen wiederkommen?

Fotos: Frank Schinski

Für Murat duftet Deutschland nach frisch gebackenem Käsekuchen. Den brachten, als Murat klein war, die Mütter immer sonntags nach dem evangelischen Gottesdienst ins Gemeindehaus der Versöhnungskirche in Buchschlag. „Die Sonne schien so schön in dieses heilige Gebäude, wir haben Kirchenlieder gesungen, und ich weiß noch heute, wie alle Mundwinkel nach oben gingen.“ Murats Mundwinkel gehen auch jetzt nach oben, als er das erzählt, bei einem Extra Large Latte im Starbucks in Ümraniye, einer gesichtslosen Hochhaussiedlung auf der asiatischen Seite von Istanbul. Hier kauft Murat das Rinderfilet bei Real und die Christbaumkugeln bei Ikea. Klein Deutschland mitten in Kleinasien.

Murat, 43, Callcenteragent bei Lufthansa in Istanbul, wäre viel lieber in Deutschland. Dass er trotzdem heute in der Türkei lebt, hat viel mit deutscher Visumspolitik zu tun – und viel mit türkischem Familiendrama. Wie alle Geschichten, die man hört, wenn man „Rückkehrer“ trifft, also Türken, die in Deutschland geboren sind und jetzt in Istanbul leben. Es fallen die Vokabeln Verlobung und Verschleppung, es ist von Tränen und Trauer die Rede. Und die Zu­hörerin denkt: Was für ein gigantisches Experiment, das die bundesdeutsche Gesellschaft da in den letzten 50 Jahren unternommen hat. Zehntausende von Menschen hierhergeholt, deren Kinder mal hin- und mal zurückgeschickt.

Viele sind dabei unter die Räder gekommen, und für Bildungsforscher sind sie noch immer eine Risikogruppe: Dreimal so viele türkische Kinder wie deutsche landen in der Hauptschule, und am Schiller- oder Lessing-Gymnasium trifft man sie immer noch viel zu selten. Aber die Gewinner gibt es auch, Einwandererkinder, für die der unfreiwillige Versuch ganz wunderbar ausgegangen ist. Eine lebenstüchtige Ge­neration ist da herangewachsen, voller Aufbruchstimmung. Junge Leute, die man morgen vom Weltall aus irgendwo absetzen könnte – und sie würden sich zurechtfinden. Und die oft die Mundwinkel oben haben. So viel gute Laune.

"Ich kann mich ja überall zurechtfinden. Ich bin unbegrenzt.“


Am Wetter kann’s nicht liegen, jedenfalls nicht heute. Im strömenden Regen sitzt Çiğdem, 37, unter dem Vordach eines Straßencafés am Galataturm. Junges urbanes Volk in Converse-Turnschuhen und Jeans, jeder Zweite hat ein iPad vor sich, das hier könnte auch Hamburg oder Amsterdam sein. Und in diesen Städten kennt sich die junge Architektin übrigens genauso gut aus. In Hamburg hat sie einen Museumsneubau betreut, in Amsterdam Wohnungen renoviert, in Solothurn in der Schweiz eine Scheune zum Wohnhaus umgebaut. Mas­ter­pläne ausgetüftelt, Architekturpreise gewonnen. Wieso ist sie jetzt in Istanbul?

Da ergab sich eins aus dem anderen. In der Schweiz Freunde aus Amsterdam getroffen, mit denen auf die Kunstbiennale nach Istanbul gefahren, dort ein paar Workshops bei Freunden übernommen. Das Wort „spontan“ fällt oft in dieser Aufzählung und der Satz: „Ich hab den Laden dann ziemlich schnell geschmissen.“ Jetzt schmeißt sie ihren eigenen Laden, „Living Istanbul“, baut Wohnungen um und vermietet sie an Touristen. Für immer? Unwahrscheinlich. „Ich kann mich ja überall zurechtfinden“, sagt die selbstbewusste junge Dame. „Ich bin unbegrenzt.“

Unbegrenzt. Was für ein Sprung innerhalb einer Generation. Wie begrenzt dagegen die Chancen der Eltern. Çiğdems Vater hat nur fünf Jahre die Grundschule besucht, ist mit seiner Frau 1970 aus ­Antakya nach Halver im Sauerland gekommen. Er arbeitet seit 42 Jahre bei derselben Firma, „nie Krach, keinen Tag krank“. Çiğdem ist stolz auf diese Eltern, die alles getan haben, um ihren zwei Töchtern eine gute Schulbildung zu ermöglichen. Sie haben fürs Gymnasium gekämpft, als die Grundschullehrerin den Übergang zur Hauptschule empfahl. Sie haben viel Geld bezahlt für Nachhilfe in Mathe und ­Französisch. Beide Töchter haben heu­te Abitur.

Architektin Çiğdem baut Wohnungen um und vermietet sie
Aber „unbegrenzt“ wird man erst, wenn man Grenzen überschritten hat. Als Çiğdem 16 war, organisierten die Eltern während der Sommerferien in Antakya die Verlobung mit einem Großcousin. „Ich wurde nicht gezwungen“, sagt sie heute, „aber ich war völlig überfordert.“ Erst daheim im Sauerland wurde ihr richtig klar, was passiert war. Sie legte den Ring auf den Tisch, und der Vater verstand sofort. Die Goldgeschenke mussten zurückgegeben werden, der finanzielle Schaden für das Fest wiedergutgemacht. Çiğdem sagt: „Mein Vater wusste sofort, dass er einen Fehler gemacht hat. Er hat versprochen, dass er sich von jetzt an nie mehr in mein Leben einmischen wird.“

Das allerdings erfordert von beiden Generationen ganz schön viel Toleranz. Tapfer haben die alten Eltern neulich mit Çiğdem kleiner Schwes­ter in Münster gefeiert, die hat einen Deutschen geheiratet. In einem veganen Res­taurant! Wo doch der Stolz jeder türkischen Hochzeit das Lamm ist, das sich am Spieß dreht! „Schön, dann lerne ich neue Rezepte“, sagte die Mutter. Çiğdem findet: „Das ist Liebe.“ Und: „Das müssen meine Schwester und ich erst mal bringen!“ Denn neuerdings wundern sich die emanzipierten Töchter über die Mutter. Die ­Eltern haben sich vom Sauerland aufgemacht zum Hadsch, zur Pilgerfahrt nach Mekka. Jetzt trägt die Mutter ein Kopftuch, „dabei waren wir Töchter immer so stolz auf unsere coole Mutter in Sportklamotten“.

Die Eltern wussten, dass es den Töchtern peinlich sein würde. Die Töchter waren erschrocken, als sie es erfuhren. Sie schickten Koran­suren nach Halver, um den Eltern zu beweisen, dass man auch ohne Kopftuch ein guter Muslim sein kann. „Ich wollte das Thema intellektuell angehen. Und die beiden haben einfach gesagt: Es tut uns gut, nach Mekka zu fahren.“ Sie seien alt, hätten immer geschuftet – und erst jetzt im Alter überhaupt Luft zum Nachdenken: Wo ­gehöre ich hin?

Eine Frage, die Çiğdem für sich selber überhaupt nicht beantworten kann. Und die Verwandten erst recht nicht. Als sie neulich auf ­einer Beerdigung in Antakya war, setzte man die Deutschtürkin kurzerhand ins Männerzelt. Nicht richtig deutsch, nicht richtig türkisch, nicht richtig Frau.

Sie trifft auch in Istanbul viele Freundinnen, die früher in Deutschland gelebt haben. Heute Abend ist sie mit Selma verabredet, die jetzt als Controllerin bei einem deutschen Konzern in Istanbul arbeitet. Selmas türkische Eltern in Bay­ern verstehen nicht, was die erwachsene Tochter in diesem lauten, dreckigen Istanbul will. „Wenn es hier schneit, ruft mich mein ­Vater an und sagt: Du weißt schon, dass die Türken nicht Auto fahren können? Nimm den Bus!“

"Ich kann mit allen kommunizieren!"

Aber das belustigt die beiden eher. Als seien sie eine Art Kulturtester, können sie genau sagen, was wo besser ist. Mit Kindern? Deutschland! „Hey, da gibt es Krippenplätze! Und Elterngeld! Du kannst als Mutter Karriere machen – und der Kinderwagen bleibt nicht im Schlamm stecken!“ Mit Freunden? Istanbul! „Hier würde keiner auf die Idee kommen, die letzte Zigarette in der ­Packung selber zu rauchen.“

Und sie sind die idealen Brückenbauer, sagt Ursula August, die Pfarrerin der deutschen evangelischen Gemeinde. Als sie letztes Jahr ­ihre Stelle in Istanbul antrat, lernte sie gleich beim Einzug die ersten Rückkehrer kennen. Buchstäblich auf der Straße. „Die wissen, wie das geht: ankommen“, sagt die Pfarrerin, und sie meint: Die helfen nicht nur mit dem Handyvertrag bei Turkcell. Sondern engagieren sich fürs Gemeinwesen. Beratschlagen, wie das Quartier schöner werden kann, und pflanzen mit der Pfarrerin zusammen schon mal 75 leuchtend rote Geranien entlang der grauen Emin-Camii-Straße. Passen auf, dass bei der rasanten Sanierung des alten Tarlabas¸ı-Viertels die denkmalgeschützten Gebäude nicht unter die Abrissbirne kommen. Und sitzen im Sommer im Pfarrgarten und reden über Gott und die Welt. „Diese größere Perspektive auf die Welt“, schwärmt die Pfarrerin, „dieses Polyglotte! Die würden sich in der Schweiz genauso zurechtfinden wie auf Kamtschatka.“

Und mit den traditionellen Türken genauso wie mit den modernen. „Ich kann mit allen kommunizieren“, sagt Çiğdem, die Architektin, „mit dem türkischen Unternehmer, der stolz ist, dass eine Deutsche sein Haus umbaut. Und mit meiner türkischen Putzfrau, mit der ich auf dem Boden sitze und Tee trinke.“ Emine, die „Putzfrau“, war eigentlich nur die Nachbarin, die im Haus von „Living Istanbul“ die Treppen putzte. Ob sie für die junge Firma arbeiten würde? Ar­beiten? Da musste Emine erst mal ihren Mann fragen und eine Woche überlegen. Inzwischen hat sie eine richtige kleine Putzfirma, und von den Einnahmen hat sie ihren Söhnen einen Laptop gekauft. „Typisch Istanbul“, grinst Çiğdem, ihre Chefin. „Geht halt alles schnell hier.“

Tuna und Halis in Kuskuncuk.
Istanbul ist Boomtown. Die Wirtschaft floriert, die Touristen strömen, es herrscht Goldgräberstimmung. Alle wollen nach Istanbul. Warum? „Frag Halis, der kann’s dir erklären.“

Halis nennt es „dieses Brodeln“, und das „r“ in „Brodeln“ rollt er in schönem warmem Bayerisch. „Dieses Brodeln in Istanbul, das kommt vom Chi“, sagt er, „hier treffen sich Asien und Europa, das kalte salzarme Wasser vom Schwarzen Meer fließt in umgekehrter Richtung wie das wärmere Salzwasser vom Marmara. Das ist Energie pur.“ ­Energie pur – passt auch gut auf dieses junge Unternehmerpaar: Halis, 40, ist Webdesigner, Tuna, 30, Tochter eines türkischen Musiklehrers, hat im schwäbischen Ravensburg Betriebswirtschaft studiert. Im Sommer haben die beiden in München geheiratet, bei strahlendem Sonnenschein unter Kastanien. Der griechische Wirtssohn spielte auf der Geige, die türkischen Verwandten und die deutschen Freunde amüsierten sich prächtig, es war der Abend vor Ramadan. Es muss auch auf diesem Fest viel Chi gewesen sein, denn Halis schwärmt noch heute, ein halbes Jahr später: „So viele Emotionen, so viele Eindrücke!“

Jetzt ziehen die beiden das Reiseportal Istanbul Tourist Information auf, eine Art Fremdenverkehrsbüro im Netz. Die Ideen sprudeln: ­Guerilla-Marketing, QR-Codes, eine Roadshow. Die beiden haben einen Businessplan erstellt und einen Existenzgründerkurs besucht. Eine der Lektionen: Auch in der Türkei sind die Zeiten vorbei, in denen man seinen Laden nach dem Motto führte: Du bist mein Schwager, ich leih dir mal eben Geld aus der Firmenkasse.

Birmingham, Barcelona oder Biohof. Geht alles. Deutschland? Oooch, neee.

Tuna und Halis sind typisch für die neue ­Generation „Rückkehrer“. Jeder dritte Türke in Deutschland will irgendwann zurück. Wer ­seine eigene berufliche Situation in Deutschland positiv einschätzt, traut sich den Neuanfang in der Türkei eher zu. Das ergaben die Be­fragungen des Zentrums für Türkeistudien. Sprich: Es gehen die Gewinner, nicht die Ver­lierer. Es gehen vor allem Selbstständige. Und es gehen die „Zweitgenerationsmigranten“ zurück, die den Forschern sagen: „Ich fühle mich in der Türkei mehr zu Hause.“

Zu Hause? Schwieriges Wort. Halis’ Vater ist in München gestorben, ohne Vorwarnung, aufgrund eines Kunstfehlers. „Er hat es nicht mehr nach Hause geschafft“, sagt der Sohn. Es klingt wie ein Auftrag. „Unsere ­Eltern waren eigentlich immer unterwegs“, sagt Tuna jetzt sehr ernsthaft, „und da ist es schon wichtig, dass wir eines Tages zusammen in der Heimaterde ruhen.“

Eines Tages. Erst mal ist auch diese Genera­tion vor allem unterwegs. In Istanbul, weil man hier „morgen einen Laden aufmachen kann und übermorgen wieder zu“. Halis versucht es, in seiner Computersprache zu erklären. „Deutschland ist ein fertiges Modul. Die Türkei ist noch ein offenes System.“ Aber ob sie immer hier­bleiben? Wer weiß. Barcelona würde noch ­infrage kommen. Oder Birmingham. Aber vielleicht könnten die beiden auch Biotomaten an der Ägäis züchten? „Passen würde es“, sagt ­Tuna. Bloß nach Deutschland zieht es sie gerade nicht. „So statisch“, findet Tuna.

Gut möglich, dass Deutschland dieses dy­namische Jungvolk gerade gut gebrauchen könnte. Denn hier klagen die Personalchefs: keine Risikofreude. Keine Mobilität. „Wenn wir jemanden für drei Jahre Lima oder Kairo suchen, will keiner weg von daheim“, klagte Herbert Mai als Arbeitsdirektor der Fraport unlängst in chrismon. Und Robert Hasse, Geschäftsführer der Start-Stiftung, die Jugendliche mit Migra­tionshintergrund fördert, sagt: „Deutschland muss das Potenzial dieser jungen Leute viel ­stärker nutzen.“ Er hofft, dass viele dieser „High Potentials“ in Deutschland bleiben. „Oder wieder zurückkommen!“

Manche würden ja gern zurückkommen, aber sie dürfen nicht. „Ich kann viele Wege zum Glück finden“, sagt Murat, „aber mein Herz ist in Deutschland. Wenn ich in Berlin aus dem Flughafenbus steige, schreie ich laut: Wooow! Ich bin daheim!“ Aber bis er in Berlin landen darf, wartet er wie jeder andere bis zu einem Jahr auf sein Visum. „Dabei bin ich doch in Deutschland geboren, und das habe ich mir ja alles nicht ausgesucht.“

Murat Turnis feiert seinen Geburtstag mit Freunden
Nein, aussuchen würde man sich das Drama wirklich nicht, das Murat hinter sich hat. Ge­boren im hessischen Dreieich-Buchschlag, in eine unglückliche türkische Ehe hinein. Der Vater Dolmetscher, ein Dandy und Frauenheld. Die erste Ehe, mit einer deutschen Frau, scheitert. Die zweite Ehe, sagt Murat, war mehr ein Verkauf als eine Heirat. „Mein Vater fuhr mit dem blitzpolierten Mercedes von Offenbach in sein türkisches Heimatdorf, und es wurde ihm ein 16-jähriges Mädchen ange­boten.“ Murats Mutter. Wunderhübsch. Kreuzunglücklich. Nach außen perfekt gestylt, Avon-­Beraterin, innendrin schwer depressiv. Auch diese zweite Ehe gerät ins Wanken.

Die Kinder hingegen sind „perfekt integriert“ im gutbürgerlichen Dreieich, in der kleinen, ­familiären Selma-Lagerlöf-Schule. Murats ­Klassenlehrerin, Wulfhild Schwietzer, erinnert sich genau an den „hübschen, charmanten ­Jungen“, ermuntert ihn zum Tanzen und zum Singen. „Wenn die Sonne ihre Strahlen morgens durch das Fenster schießt...“, singt sie mit den Kindern und weiter: „Liegst du noch in schönsten Träumen, fängt die Sonnenfahrt schon an, langsam rollt sie über China, zur Türkei, zum Muselmann...“ Das klingt im Rückblick fast unheimlich.

Murats Fahrt in die Türkei gleicht eher einem Alptraum. Während der Sommerferien in Istanbul eröffnen die Eltern den Kindern, dem 14-jährigen Murat und seiner zwölfjährigen Schwester, dass es kein Zurück geben wird. Heute sagt Murat: „Ich bin regelrecht verschleppt worden.“ Und noch jetzt fängt er, der Eloquente, an zu stottern, wenn er von den ers­ten Schultagen im fremden Land Türkei erzählt. Mit dem Selbstbewusstsein eines hessischen Schülers sagt er seine Meinung im Unterricht, die ist dort aber nicht gefragt. Und als er einmal nicht schnell genug aufsteht am Beginn der Schulstunde, fängt er sich eine Ohrfeige.

Aus Trotz kauft er sich ein Fahrrad und hängt es an die Wand

Warum er nicht zurückgegangen ist nach Buchschlag? Das hat er sich schon oft gefragt. „Ich war im Pass der Mutter eingetragen. Meine Mutter war unglücklich. Ich hätte das einfach nicht geschafft als Jugendlicher.“ Und nach fünf  Jahren war es eben zu spät, deutsche Gesetze.

Er hat es überlebt. War eine Zeitlang in Israel, hat als Sänger gearbeitet, spricht vier Sprachen und arbeitet heute bei Lufthansa. Solange ihn Deutschland nicht reinlässt, lebt er eben in Klein Germany in Istanbul. Hat die Parabolantenne auf deutsche Sender gestellt, guckt Nena bei „Voice of Germany“ und hat sich aus Trotz ein Fahrrad gekauft, obwohl es in Istanbul gar keine Radwege gibt. „Hänge ich mir halt als deutsches Maskottchen an die Wand.“

Den Käsekuchen, den die evangelischen Gemeindemütter in Buchschlag immer so lecker gemacht haben, den kriegt er jetzt auch schon ganz gut hin. Wer heute in Dreieich, morgen in Tel Aviv und übermorgen in Istanbul leben kann, kriegt auch in Ümraniye deutschen ­Käsekuchen gezaubert: vom Joghurt das Wasser ablassen, mit Streichkäse verrühren, dazu Kochsahne, Zitronensaft, Maisstärke und Pudding­pulver. „Wenn ich das morgen zum Opfer­fest mitnehme“, schwärmt Murat, „dann sind die hin und weg bei Lufthansa.“ Und vielleicht besorgen sie ihm dann mal einen Job in Berlin.

Lesermeinungen

Sie schaut uns selbstbewusst und zuversichtlich an, die Cigdem. Als Tochter türkischer Einwanderer, hat sie hierzulande gelernt und nun  zieht es sie an den Bosporus, wohl kaum ihrer Großeltern oder der Tradition wegen. Es zieht sie in das Land ihrer Eltern, weil es dort berufliche Perspektiven gibt. Istanbul plant nämlich den größten europäischen Flughafen und von dort eine Hochgeschwindigkeit-bahn nach Ankara. Pläne, die Architekten anlocken und die dort auch umsetzbar erscheinen. Nicht so in Deutschland, wo ein Groß-flughafen im Planungsgestrüpp verfangen ist und Verkehrstrassen an Fledermäusen, Käfern und Reptilien scheitern. Für Cigdem liegt die Zukunft am Bosporus, wie für manche Deutschen in Norwegen, Österreich oder Neuseeland. Deren Rückkehr ist nicht ausgeschlossen, wenn sich unser Land neuen Entwicklungen erschließt.

Murat ist auch einer der Protagonisten des Dokumentarfilms "Wir sitzen im Süden" von Martina Priessner - man kann im Film bei der Zubereitung des Käsekuchens zusehen ...

Um die Grenzenlosigkeit wußte schon die Antike bescheid, also nicht erst das Internet brachte mit sich diese frohe Kunde.

Können Sie mir bitte Kontakt zu Tuna und halis bzw. ihrem Internetportal herstellen? Vielen Dank, Ulrike Hinsch

Liebe Frau Hinsch, vielen Dank für Ihre Interesse. Der Link zum Internetportal lautet: http://istanbul-tourist-information.com/, dort finden Sie weitere Kontaktmöglichkeiten (auf der Startseite oben rechts).

Ganz toller Artikel, danke! Und genauso siehts aus!

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