Frieden und Ökumene in Irland

Ökumene von unten
Auslandspfarrer Joachim Diestelkamp erzählt, wo Frieden in Irland möglich wird

Gemeindeausflug nach Nordirland. Wir  besuchen das Benediktinerkloster in Rostrevor, einem kleinen Ort unweit der Grenze zur Republik Irland. Diese Abtei möchte ein Ort der Versöhnung sein, sie sieht ihre Aufgabe darin, Frieden zwischen den konfessionellen Fronten in Nordirland zu fördern. Die Positionen in diesem Konflikt sind seit langem bekannt: Die überwiegend katholischen Nationalisten wollen Nordirland mit der Republik Irland vereinen. Die Protestanten wollen dagegen mehrheitlich zu Großbritannien gehören. Mittlerweile aber erlebe ich: Die große Mehrheit will Frieden und Ruhe. Man tut viel dafür, Katholiken im Norden sozial und politisch zu integrieren.

Heute, beim gemeinsamen Ausflug der deutschen Gemeinden in Dublin und Belfast, sind wir eine sehr gemischte Gruppe. Dabei sind zum Beispiel Inge und Michael, ein Paar, er katholisch, sie lutherisch. Und Alan, der seit 28 Jahren den deutschen lutherischen Gottesdienst in Belfast besucht, von Haus aus aber Methodist ist.

Von konfessioneller Spaltung oder Spannung ist nicht ein Hauch zu spüren. Im Gegenteil: Die etwa dreißig Menschen mit uniertem, reformiertem, lutherischem, katholischem oder freikirchlichem Hintergrund, darunter gebürtige Deutsche, Österreicher, Iren, Amerikaner und Franzosen, sitzen um einen Tisch, hören einander aufmerksam zu und erzählen von sich. „Das Angesicht Christi“, sagt Mark Ephrem Nolan, Abt der Benediktinergemeinschaft, zu uns, „ist wie ein Mosaik, und jede und jeder hier im Raum ist wie ein Mosaikstein dieses Gesichtes.“

Einheit der Kirche – für die hier versammelten Menschen ist das keine Zukunftsmusik, sondern gelebte Gemeinschaft. Dass sich die Herkunftskirchen der Versammelten offiziell nicht alle gegenseitig als vollgültig anerkennen, wirkt an solch einem Tag eher wie ein Überbleibsel aus längst vergangener Zeit.

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Lesermeinungen

Sehr geehrter Herr Fickenwirth,

Nicht nur in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich unterscheidet man im protestantischen Bereich zwischen Landes- und Freikirchen, auch in ganz Skandinavien und Niedersachsen. In Holland unterscheidet man die alten traditionellen Kirchen innerhalb des damaligen Säulenmodells von den modernen Freikirchen. Und in fast ganz Osteuropa führen die traditionellen Protestanten das Kürzel A.B. (Augsburger Bekenntnis) im Namen, während die späteren Kirchengründungen – ebenso wie in Deutschland – als Freikirchen gelten.

Worauf sich der Leser bezieht, ist die in Deutschland, der Schweiz und Österreich existierende Rechtsform der Körperschaft öffentlichen Rechts, die sich auch auf Religionsgemeinschaften bezieht. Hier kann man fragen, ob es sinnvoll ist, auch Religionsgemeinschaften als solche Körperschaften anzuerkennen. Mit der Unterscheidung von Landes- und Freikirchen hat dies aber nichts zu tun.

mit frdl. Gruß Burkhard Weitz, theologisches Ressort chrismon

Hoert endlich auf einen Unterschied zu Freikirchen zu machen. In fast allen Laendern ausser Deutschland und Oesterreich und vieleicht noch Schweiz, sind alle protestantischen Kirchen Freikirchen.