Was ist eigentlich gut an der Schöpfung?
Bäume pflanzen: Davon verstand Katharina Bora, die geschickte Gärtnerin und Verwalterin eines Landgutes, eindeutig mehr als ihr Mann Martin Luther. Sie war es, die sich alltäglich dem Gartenbau und der Viehzucht widmete. Unter anderem kultivierte sie Obstbäume. Passender wäre es also, man schriebe ihr und nicht ihrem Mann den Satz zu: Wenn morgen die Welt unterginge, dann würde ich noch heute ein Bäumchen pflanzen. Es ist eines der berühmten Luther-Worte, auch wenn es wohl legendarisch ist.
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Die Natur: Sie steht für Überlebenswillen, unbändige Kraft, Heil. Sie ist Gottes gute Schöpfung. Der Bericht von der Schöpfung der Welt endet jedenfalls mit einem positiven Fazit Gottes: Er sah alles an, was er gemacht hatte, „und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1,31).
Gute Schöpfung? Einen jährlichen „Tag für Gottes gute Schöpfung“ begeht zum Beispiel die Evangelisch-methodistische Kirche. In etlichen Predigten und Publikationen ist regelmäßig die Rede davon, dass die Schöpfung gut sei. Dem Autor Albert Sahnwaldt, einem gelernten Gärtner, späteren Lehrer und Mitarbeiter einer evangelischen Akademie, erscheint das allerdings als Stereotyp. Er sagt: Die Schöpfung ist nicht das Paradies (so auch der Titel seines Buches). Im Tierreich herrsche das Gesetz vom „Fressen oder Gefressenwerden“. Krankheitserreger, Schmarotzer, Giftschlangen, tödliche Nahrungskonkurrenten – was an ihnen soll gut sein?
Gibt es einen sinnvollen Plan?
Die Frage nach der guten Schöpfung und deren Schöpfer stellt sich noch drängender, wenn es zu Natur- und Hungerkatastrophen kommt. Eine mitleidlose Natur, die Menschen in den Tod reißt, kann wohl nicht gut sein. An eine „gute Schöpfung“ vermag noch weniger zu glauben, wer Opfer von Kriminellen geworden ist. Oder wer von Bankleuten an den Rand des wirtschaftlichen Ruins und der seelischen Verzweiflung getrieben wird. Folgt das etwa einem sinnvollen Plan der Schöpfung, der letzten Endes doch einen guten Ausgang nimmt?
Man könnte sich unter Hinweis auf den biblischen Schöpfungsbericht herausreden und sagen: Erst als Adam und Eva trotz Verbots vom „Baum der Erkenntnis von Gut und Böse“ gegessen hatten, verkehrten sich das angenehme Leben und die tägliche Arbeit in eine Plage, und erst seitdem machen sich Tod und Untergang im Leben breit. In der BibelDie Bibel (griechisch „biblia“ = Bücher) ist die Heilige Schrift der Christen. Die Bibel ist in das Alte und in das Neue Testament aufgeteilt. Das Alte Testament ist ursprünglich in Hebräisch geschrieben. Es beginnt mit der Schöpfungsgeschichte und enthält neben den Urgeschichten der Menschheit Prophetenbücher, Weisheitstexte und die Geschichte des Volkes Israel. Viele Schlüsseltexte der westlichen Kultur finden sich im Alten Testament, wie zum Beispiel die Zehn Gebote. Das Neue Testament ist ursprünglich in Griechisch geschrieben. Es enthält unter anderem die vier Evangelien, die vom Leben, von Kreuz und Auferstehung Jesu Christi erzählen, und eine Anzahl theologischer Briefe, von denen die des Apostels Paulus am wichtigsten sind. Bis ins 15. Jahrhundert wurde die Bibel fast nur in ihrer lateinischen Übersetzung (Vulgata) gelesen. Martin Luther übersetzte die Bibel von 1520 bis 1536 ins Deutsche. Alle christlichen Kirchen berufen sich in ihrer Lehre und in ihrer Praxis auf die Bibel, auf das Alte und das Neue Testament, als wichtigste Quelle. gilt die SündeDie Sünde ist mehr als ein Regelverstoß. Das Wort Sünde kommt von „sich sondern, sich trennen“, gemeint ist also die Trennung zwischen Gott und Mensch. Spricht man von einer Sünde, dann geht es nicht nur um eine bestimmte Tat, sondern zusätzlich um ein Ausbrechen des Menschen aus der Beziehung zu Gott. In der biblischen Geschichte vom Paradies und Sündenfall wird dies bereits angesprochen: Der Mensch will vom Baum der Erkenntnis essen und „sein wie Gott“, sich seine Existenz aus eigener Kraft sichern. Das Sündenverständnis von Katholiken und Protestanten unterscheidet sich: Während es nach der katholischen Lehre Sünden der unterschiedlichsten Art und Schwere aufgrund eigener Entscheidung gibt, spricht die evangelische Kirche weniger von einzelnen „Sünden“, als vielmehr von der einen „Sünde“, der Auflehnung des Menschen gegen Gott; zudem wachse der Mensch in eine unentwirrbare Mischung aus Schuld und Schicksal hinein, aus der er sich nicht selbst erlösen kann. der ersten Menschen nämlich als Ursache von Tod und Verderben. Diese Linie zieht sich bis in den Brief des Apostels PaulusSo wurde Saulus zum Paulus: Eine Wegstunde von Damaskus entfernt, ungefähr um das Jahr 40 nach Christi Geburt, geschah etwas für den weiteren Weg des Christentums Folgenreiches: Der Pharisäer Saulus, ein frommer Jude, im Land unterwegs zur Eindämmung der entstehenden jungen christlichen Gemeinden, erlebte seine persönliche Bekehrung zum Glauben an Jesus Christus. Er hatte eine Lichtvision und hörte die Stimme Jesu sagen: „Saul, Saul, warum verfolgst du mich?“ Saul war drei Tage blind, doch dann erkannte er: In Jesus Christus liegt alles Heil. So konsequent, wie er zuvor die Gemeinden Christi verfolgt hatte, engagierte er sich fortan für sie, er wirkte als Missionar. Saulus war zum Paulus geworden. Das 9. Kapitel der Apostelgeschichte berichtet von dieser entscheidenden Weichenstellung für das Christentum. Mit Paulus betrat einer der ersten und profiliertesten Theologen des Urchristentums die historische Bühne. Die christlichen Kirchen begehen am 25. Januar das Fest seiner Bekehrung. an die Römer (5,12) durch.
Heute setzen Theologen den Akzent anders: Nicht der erste Mensch, jener Adam aus dem Paradies, hat das ganze Desaster angerichtet. Adam gibt es bis heute. Adam heißt, aus dem Hebräischen übersetzt: der Mensch. Er ist mit seinem Verhalten Repräsentant der ganzen Menschheit. Dass die Schöpfung nicht mehr gut ist, ist demnach unser aller Schuld. Aber auch mit dieser Überlegung bleibt das Dilemma bestehen: Sie erklärt überhaupt nicht, warum die Schöpfung oft so räuberisch, so gewalttätig, so ungerecht ist – eben alles andere als gut.
Wir glauben an das Gute
Wenn Juden und Christen von Gottes guter Schöpfung sprechen, gehen sie nicht über die Realität hinweg. Sie behaupten auch nicht, dass ReligionUnter Religion versteht man die vielfältigen Beziehungen des Menschen zu Gott, dem Göttlichen oder, ganz allgemein gesprochen, dem Transzendenten. Sie zeigen sich in Gebeten und Festen, in Ritualen, Liedern und Bräuchen. Der Ursprung des Wortes Religion liegt im lateinischen Wort religere (deutsch: zurückbinden). In diesem Sinne bedeutet Religion die Rückbindung des Menschen an Gott. Heute hat sich im Christentum die Auffassung durchgesetzt, dass sie nicht als einzige Glaubensgemeinschaft eine authentische Rückbindung an Gott hat. Auch bei den maßgeblichen Führern anderer Weltreligionen gilt Toleranz zwischen den Religionen zunehmend als erstrebenswert, da jeder Glaube an Gott auch kulturell geprägt ist. und Glaube die Gesetze der Natur außer Kraft setzen können. Der Satz, dass die Schöpfung gut sei, ist nämlich keine wissenschaftliche Sachaussage, keine Beschreibung, sondern ein Bekenntnis: Wir glauben an das Gute.
Christen waren Schrittmacher im Tierschutz, in der Friedensbewegung, in der Fürsorge für Arme, in der Bildung. Sie üben Solidarität, wo Menschen wirtschaftlich unter die Räder kommen und es ihnen schwerfällt, ein menschenwürdiges Leben zu führen. Sie stellen sich auf die Seite derer, die von anderen kulturell ausgegrenzt werden.
Wäre die Schöpfung unerschöpflich gut, hätte auch Martin Luther kein Bäumchen pflanzen brauchen – es hätte sich selbst gepflanzt. Aber es ging ihm um die Hoffnung. Seine Botschaft: Gewalt und Zerstörung, Krankheit und Armut sollen nicht die Erfahrungen sein, die unser ganzes Leben bestimmen.


Leserkommentare
"Tierschutz"?
Positiv denken?
Nicht so negativ denken!
Herzenschristen und Werte
Armut und Glaube
Armut und Glaube
Was tragen den die Christen dazu bei?
Jedem Christen seinen eigenen Kamm!
Gute Interessenlage
Ja, echte Christen stehen auf der richtigen Seite!
o mein Gott - Religion für Einsteiger
Christen stehen auf der richtigen Seite.
Das funktioniert nicht,
Gottes gute Schöpfung?
Danke an Herrn Kahl
Ember
Lesen wir die Bibel neu! Die Erbsünden-Lehre beruhrt auf Irrtum
Heute setzen Theologen den Akzent anders
Gott ist kein/e Dilletant/in
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