Übertriebene Liebe zum Haustier

Fiffi geht jetzt zum Friseur !
Katzen kriegen Feinkost, Hunde tragen Zahnspangen und entwickeln bedenkliche Blutwerte – wie ihre Besitzer. Für viele Menschen ist ein Haustier nicht nur der beste Freund, sondern auch fast der einzige.

plainpicture/Jana Kay/www.plainpicture.com

Seit Jahren schon tobt in der Familie der Streit um das Halsband. Soll es der Hund den ganzen Tag anbehalten (Mann, Sohn, Schwiegervater) oder soll er von ihm befreit werden, wenn er im Körbchen liegt (Frauchen, Nachbarin)? Der Ton in der Auseinandersetzung wird schärfer. Die Schwiegermutter kauft ein Geschirr, das um den Bauch des Tieres statt um den Hals geschlungen wird und angeblich größeren Tragekomfort garantiert. Der Kompromiss misslingt, der Hund lässt sich damit nicht gut führen, und die Debatte wird auf höherer Ebene mit schlagkräftigen Argumenten ausgetragen. Ihr vermenschlicht das Tier, lautet der Vorwurf der Halsbandfraktion. Klarer Fall von Anthropomorphismus.

Anthropo . . . was? Ist ein Hund schon Kindersatz, wenn man täglich frisch für ihn kocht? Darf der drei Monate alte Jack-Russell-Welpe eine Zahnspange für 1500 Euro bekommen, damit seine Kieferfehlstellung ­korrigiert wird? Muss Schäferhund Carlo im zwölften ­Lebensjahr die dritte Tumoroperation überstehen, obwohl er schon nicht mehr laufen kann? Soll die Katze ein ­Minus-Ionen-Halsband zum Schutz vor Unheil tragen? Was ist los in einer Gesellschaft, die nicht wissen will, wie viel Platz ein Huhn in einer Legebatterie hat, aber ihre Hunde in einem Fünfsternehotel logieren lässt?

Jeder dritte Bundesbürger hat inzwischen ein Haustier und ist bereit, dafür viel Geld auszugeben. Wohnen mit Wau-Faktor, wie ein Verlagsprospekt titelt, kommt in ­Mode. Ab 1000 Euro kann der Vierbeiner ein dem Eigenheim seiner Besitzer nachempfundenes „Dog’s Dreamhome“ bekommen, obwohl er in dieser Hundehütte mit individuellem Design wahrscheinlich kaum eine halbe Stunde seines Lebens verbringen wird – sein Stammplatz ist im Wohnzimmer. Das Fachgeschäft führt Hundesekt und Fressnäpfe mit Kühlfunktion, im Dezember gibt’s ­Leberwurststollen und Adventskalender mit Hundefutter hinter dem Türchen. Wer auf sich hält, backt die Leckerli selber, Rezeptbücher dafür kann man kaufen. Das Internet bietet Tieren sogar ein eigenes Social Network. Auf „Petwork“ gratuliert Siamkater Charlie dem Gelbsaum-Drückerfisch Schorschi zum Geburtstag. 

Wer eigene Gefühle in sein Tier interpretiert, versteht es oft gründlich falsch

Wird das Haustier zum Menschen, wenn man seine Befindlichkeiten menschlichen Gefühlen und Gedanken gleichsetzt? Die Verhaltensforscherin Dorit Feddersen-Petersen von der Universität Kiel meint: Ja. Anstatt das Tier zu beobachten und auf naturwissenschaftlicher Grundlage zu interpretieren, glaube der Halter, seine ­eigenen Gefühle wie Trauer, Einsamkeit und Freude in Hund und Katze hineininterpretieren zu können, und verstehe sie dadurch in etlichen Situationen gründlich falsch. Manchmal kann, so Feddersen-Petersen, das „Bauchgefühl“ zwar richtig sein. Da wir aber in unserer urbanen, technisierten Welt den Zugang zur Natur und zum Tier vielfach verloren hätten, komme es immer wieder zu Fehlinterpretationen. Tierpsychologen berichten von Hundebesitzern, die jeden Tag ein anderes Futter servieren, wegen der Abwechslung beim Essen. Der Hund büßt es mit Bauchschmerzen, sein Darm braucht lange, bis er sich an neue Kost gewöhnt hat. 

Aber was ist artgerecht? Seit die meisten Menschen ihre ersten Tierkontakte im eigenen Wohnzimmer und nicht mehr im Stall haben, gehen die Meinungen über die richtige Art des Zusammenlebens auseinander. Während die einen die Natur als Bezugsgröße anführen (in der Wildnis hat der Hund auch keinen erhöhten Fressnapf), argumentieren die anderen, dass Haustiere sich dem Menschen weitestgehend angepasst haben und ­deswegen andere Gesetze gelten als im Rudel. Soll der Mensch etwa mit seinem Hund um die Rangordnung kämpfen? Ganz schön schwierig, das Miteinander im Einzelfall zu klären. Darf der Hund auf der Couch sitzen und im Bett schlafen, oder ist er dann schon Chef und somit Mensch? Nimmt seine Psyche Schaden, wenn man ihn antiautoritär erzieht? Hat jemand, der seine Vogelspinne Wolf-Dieter tauft, nur einen Spleen oder ein ernsthaftes ­Problem?  

Mach doch mal eine Tieraufstellung

Die Antworten zeigen dieselbe Bandbreite und Po­larität wie in den Ratgebern zur Kindererziehung. Der eine Bello gilt als verhaltensauffällig, der andere vielleicht als hochbegabt. Da tut sich ein weites Betätigungsfeld für Psychologen, Hundeflüsterer und Heilpraktiker auf. Was dem Menschen hilft, kann auch dem Tier nützen: Blutegel­therapie, klassische Massage, Cranio-Sacral. „Du solltest eine Tieraufstellung machen“, rät eine Freundin der an­deren, nachdem der Hund – ganz wie sein Herrchen – sich die Bizepssehne angerissen hat. „Das gibt Aufschluss über verborgene Konflikte in deiner Familie.“ Der Tierarzt zuckt mit den Schultern, als er von der seltsamen Parallelität der Krankheiten erfährt. „Wahrscheinlich Zufall. Es gibt zwar Forschungen darüber, dass Tiere dieselben Blutwerte entwickeln wie ihre Besitzer. Das liegt aber eher an der gleichen Lebensweise.“

„Unsere Mitwesen haben wie Menschen ein Recht auf lebensrettende Medizin“, sagt Marco Lenzen, Inhaber der Lesia-Tierklinik in Düsseldorf. Lenzen ist kein Tierarzt, er hat als Unternehmer viel Geld mit Mode und Wertpapieren verdient. Es war keine geschäftliche Entscheidung, in eine andere Branche zu wechseln, sondern, wie er sagt, eine „humanitäre“. Im Griechenlandurlaub traf Lenzen auf die verletzte Hündin Lesia, konnte sie retten und beschloss, solche Hilfe auch anderen zukommen zu lassen: „Kein Tier soll grundlos sterben.“ Seine gesamten Ersparnisse steckte er von diesem Tag an in ein Projekt, das nach seiner Gründung 2010 noch bedenklich zwischen Hightechgroßbetrieb und karitativer Einrichtung schwankte, doch inzwischen zu den fünf großen Tierkliniken in der Bundesrepublik gehört.

Das Lesia-Tierzentrum verfügt über Computertomographie und MRT, eine Tierblutbank und Endoskopietechnik für Operationen. 20 Mediziner arbeiten hier. So kann ein chinesischer Faltenhund eine Lidkorrektur bekommen und der gelähmte Mischling eine Rollprothese, es wird aber auch eine Straßentaube kos­ten­los geschient, die sich ihr Bein gebrochen hat. Ein guter Teil der Patienten ist im Seniorenalter. „In den letzten dreißig Jahren hat sich die Lebenserwartung der Tiere verlängert“, sagt Lesia-Tierärztin Susanne Becker, „durch Fortschritte in der Tiermedizin, eine bessere Vorsorge und ein größeres Wissen der Besitzer.“

Lebenspartner kommen und gehen, nur das Tier bleibt treu an der Seite des Besitzers

„Er ist der Beste und Schönste, mein viertes Kind!“, schreibt Freundin Bettina in ihrer E-Mail. Angehängt ist das Foto eines Mischlings mit spitzen Ohren und einem zotteligen Fell: Lucky. Der Bedauerns- und jetzt Beneidenswerte wurde in Spanien ausgesetzt, von Tierschützern aus dem Tierheim vor dem sicheren Tod gerettet und nach Deutschland gebracht. Solche Schicksale liefern Stoff für eine ganze Reihe von Hundebüchern, oft im Hedwig-Courths-Mahler-Stil: Franja, die „in einer feuchtkalten Nacht in Rumänien auf der Straße geboren wurde“, Grisu, der „bezaubernde kleine Jagdhund aus dem Land im ­Süden“, dessen Selbstbewusstsein sich durch das Leben im Müll nicht entwickeln konnte . . .

Luckys neues Frauchen lebt seit ihrer Scheidung allein, die erwachsenen Kinder sind aus dem Haus. „So ist das häufig“, sagt Bernd Krause, Besitzer der Tierbestattung Abendrot. „Die Lebenspartner kommen und gehen, nur das Tier bleibt sein Leben lang treu an der Seite seiner Besitzer. Es ist in vielen Fällen die einzige verlässliche ­Bezugsperson.“ Praktischerweise eine, die sich weder beschwert noch streitet.

Einen solchen Partner fürs Leben will man gebührend verabschieden. Bernd Krause bietet in seinem Tierbestattungsinstitut kleine und große Urnen, Särge für Goldhamster und Mäuse, sogar einen Diamanten kann man aus der Asche seines Tieres pressen lassen. Er bestattet Vögel, Nager, Schildkröten, Katzen und Hunde, nur Pferde sind ihm zu groß. Je individueller die Bestattung, desto kostspieliger. Einen Vogel kann man ab 79 Euro kremieren lassen, einen 50 Kilo schweren Hund ab 199 Euro.

"Er war mehr als ein Freund für mich"

Als Ehemann einer Pfarrerin hat Krause ein Gespür für Trauerzeremonien. Er weiß, dass es wichtig ist, Zeit zu haben. Sich an den Gedanken zu gewöhnen, dass der Begleiter vieler Lebenstage nun nicht mehr da ist. Zeit, die beim Tierarzt nicht zur Verfügung steht. In Krauses Abschiedsraum wird das tote Tier auf schwarzem Samttuch aufgebahrt, unter einem Ölgemälde mit blutrotem Sonnenuntergang. Kerzen beleuchten den Raum. Seine Kunden wissen die Atmosphäre zu schätzen. „Erst jetzt finde ich die Kraft, Ihnen zu danken“, schreibt der Besitzer von Tiffelchen dem Tierbestatter. „Mein Hund wird mir immer fehlen. Er war mehr als ein Freund für mich.“

Haben Tiere eine Seele? Die Kirchen tun sich mit einer Antwort schwer. Augustinus glaubte, dass nur Menschen unsterblich seien, während die Seele der Tiere mit dem Tod zugrunde gehe. Nach christlicher Auffassung ist das Tier ein Mitgeschöpf, das dem Menschen besonders nahesteht und für das er zu sorgen hat. Protestanten waren im 19. Jahrhundert die Speerspitze der Tierschutzbewegung. Der Schweizer Theologe Karl Barth beschäftigte sich mit der Würde des Tieres. „Tierschutz ist Erziehung zur Menschlichkeit“, mahnte Albert Schweitzer. So ist es für den evangelischen Pfarrer Jens Feld nur konsequent, endlich ein christliches Bestattungsritual für Tiere zu schaffen.

„Wenn Menschen so über den Verlust ihres tierischen Partners trauern, dass sie in ihrer Religion, bei ihrer Kirche, bei ihrem Seelsorger Trost suchen, reicht es dann zu sagen, ja, ich verstehe deine Trauer und tröste dich, aber zur Bestattung deines Tiere musst du ohne mich gehen?“ Für den Religionspädagogen aus dem Westerwald ist es eine Frage der Seelsorge, dass die Kirche ein Konzept entwickelt, bevor sich „unter der Hand eine Bestattungskultur von Tieren etabliert“. Dabei könne man, so Feld, durchaus auf die Unterschiede zwischen Mensch und Tier hinweisen. „Die grundsätzliche Verweigerung verstehe ich nicht. Hier frage ich bewusst naiv: Wird der liebe Gott böse, wenn wir einen Trauernden zum Grab seines Tieres begleiten?“

In Wien gibt es neuerdings eine Forschungseinrichtung mit vier Lehrstühlen nur für die Mensch-Tier-Beziehung – das Messerli-Institut. Herwig Grimm, Professor für Ethik, erkennt einen Wandel in der Wahrnehmung: „Das Verhältnis vom Nutztier zum Heimtier ist im Umbruch.“ Er fordert eine neue Perspektive für den Tierschutz und stellt provokante Fragen: „Kann der Status als Familienmitglied ein Tier überfordern? Muss man Tiere davor schützen? Wie geht man als Ethiker damit um, wenn die Liebe zum Tier maßlos wird und Leid verursacht?“ Die Vorstellung vom Tod als dem größten Übel sei eine menschliche Vorstellung, mahnt er – nicht auf Tiere übertragbar. Und er findet es deshalb grenzwertig, „wenn das Sterben eines geliebten, leidenden Tieres durch Möglichkeiten der Hightech-Tiermedizin hinausgezögert wird. Da brauchen wir eine neue Debatte. Legitime Tierschutz­for­derungen sollten nicht vor Wohnungstüren haltmachen.“

Kann der Status als Familienmitglied ein Tier überfordern?

Möglich, dass über die veränderte Beziehung zu Haus­tieren auch eine neue Sicht auf die industrielle Tierhaltung entsteht. „Wer den Hund unterm Tisch als Familienmitglied wahrnimmt“, sagt Herwig Grimm, „wird sich auch fragen müssen, woher das Fleisch auf dem Tisch kommt.“ Der Verein AKUT (Aktion Kirche und Tiere), der 2010 den ersten ökumenischen Kirchentag für Menschen und Tiere in Dortmund veranstaltete, fordert seit langem, dass die christlichen Kirchen sich der Entwürdigung der Tiere entgegenstellen und sichtbare Zeichen setzen für einen anderen Umgang mit ihnen.

„Tiere wecken Empathie in uns“, sagt Marco Lenzen, der Klinikchef, „und die Güte, die wir anderen geben können, ist doch das Schönste an uns. Es ist wichtig, zu diesem Urinstinkt, den jedes Kind hat, wieder zurückzufinden.“ So ziehen die Tiere ein in Schulen, Altersheime und Jugend-WGs und helfen dort bei der Kommunikation, die die Menschen auf dem unmittelbaren Weg heute offensichtlich nicht mehr schaffen. Bruder Hund und Schwes­ter Katze werden zu Therapeuten, Kaninchen, Fische und Lamas hören sich Sorgen an und beruhigen nervöse ­Kinder.

Beim Evangelischen Verein für Innere Mission in Nassau (Evim) setzt man große Erwartungen in die tier­gestützte Therapie. Hase Hoppel ist einer der Helfer. Wenn er alle zwei Wochen im Weidenkorb vorbeigebracht wird, kommt die sonst so schweigsame Ursula Heil im Wiesbadener Johann-Hinrich-Wichern-Stift ins Reden: über die Karnickel, die sie selbst hatte („Du wärst damals im Kochtopf gelandet, mein Freund“), oder das Wildkaninchen, das der längst verstorbene Mann mal erlegte. Eine Erinnerung nach der anderen kehrt zurück ins Bewusstsein. Hoppel hält still, die Ohren angelegt, während die pflegebedürftige 78-Jährige ihm wieder und wieder übers weiße Fell streicht.

Das Lama wird zum Therapeuten

Frank Haase hat sich für größere Tiere entschieden: Zwei Lamas, Penny Lane und Aloha, werden von den Jugendlichen der Wohngruppe 6 auf dem Wiesbadener Geisberg betreut. Dort ist die Jugendhilfe der Evim angesiedelt. „Wir stellen Heimat her“, sagt Haase, Projektleiter und Betreuer bei der Jugendhilfe. „Wer mit so etwas Ursprünglichem wie Tieren zu tun hat, lernt wieder, sich in der Natur und der Gesellschaft geborgen zu fühlen.“

Lamas sind große, starke Tiere, und es gehört Mut dazu, ihnen Auge in Auge gegenüberzustehen. Wenn sie sich gestört fühlen, flüchten oder spucken sie. Der 17-jährige Kevin, der sich täglich um die Tiere kümmert, weiß, dass man sie nicht „dubbelig“ anfassen darf. „Wir müssen immer wieder neu Vertrauen fassen.“ Das mit dem Vertrauen klappt schon zwischen Lucky und seinem Frauchen. Beiden geht es gut miteinander. Sie sei nicht mehr so niedergeschlagen, sagt Bettina. Lucky treibt sie vor die Tür, zu stundenlangen Spaziergängen.

Bettina hat jetzt eine Barbour-Jacke und feste Stiefel, mit denen sie über verschlammte Wiesen stapft, sie hat ihr Abo bei Elite-Partner gekündigt, sie schminkt sich nicht mehr jeden Tag. Und sie hat neue Freundinnen, Hundefreundinnen. Dass sie tagelang das Haus nicht verlässt und zu anderen Zeiten kaum heimkommt – das ist Vergangenheit. Deshalb sind inzwischen auch Bettinas alte Freundinnen überzeugt: Lucky ist ihre Rettung. Oder? Neulich, bei einem gemeinsamen Spaziergang, schnüffelte Lucky unter einem überfüllten Müll­eimer herum. Die Freundinnen wollten weiter. „Schatz!“, rief Bettina. „Wühl doch bitte nicht in den Tüten von anderen Leuten.“

Bettinas Therapeutin war übrigens dagegen, dass ­Lucky ins Haus einzog. Die Sensibilität der Tiere mache sie zwar zu aufmerksamen Lebenspartnern, das intensive Zusammensein mit ihnen verhindere aber oft, dass sich Menschen der Realität des Lebens stellten. Nur: Was heißt schon Realität? Zählt dazu nicht auch die mangelnde ­Zuverlässigkeit der Menschen? Franz von Assisi, der den Tieren predigte und am Ende zurückgezogen in einer ­Erdhöhle lebte, predigte: „Dass mir mein Hund das ­Liebste sei, sagst du, oh Mensch, sei Sünde. Mein Hund ist mir im Sturme treu, der Mensch nicht mal im Winde.“

Lesermeinungen

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben diesen Beitrag gelesen und es ist uns unverständlich, dass ein Mensch sich lieber einen Hund zulegt, als mit seinesgleichen zu kommunizieren.

Sollte ein Partner von uns gehen, werden wir trauern, in die Stille gehen, alles das tun, was trauern benötigt. Aber als Partnerersatz sich eine Hund zulegen? Undenkbar:

Nur mit Menschen können wir so erzählen, lachen, weinen, bekommen die Wortansprache - statt Gebell, winseln, Schwanzwedeln.

Es ist doch ganz einfach mit anderen Menschen Kontakt aufzunehmen: zu Fuß einkaufen, zum Lauftreff gehen usw. Vereine, Gemeinschaften, Gruppen warten doch sehnsüchtig auf neue Gesichter.

Wir können mit Menschen besser spazieren gehen, walken …, als uns von einem Hund mal dahin, mal dorthin ziehen zu lassen, dann wieder stehen bleiben zu müssen, Hundekot auflesen (oder auch nicht).

Es hat doch eine ganz andere Lebensqualität mit Menschen zu kommunizieren, debattieren!

Hundemenschen werden menschenverachtend:

·         Sie respektieren bspw. nicht, dass die Feldanbauer keine Hunde in ihren Feldfrüchten wollen.

·         Die Vorgärten und Anlagen benutzen sie als Hundeklo.

·         Sie beanspruchen den ganzen Gehweg, da der Hund ja seine Freiheit braucht.

·         Oder der Mann zwischen 40 und 50, der im Zug seinen Hund auf dem Schoß hatte und sein Rucksack den zweiten Sitz beanspruchte, derweil andere Fahrgäste stehen mussten. Und aus dem Rucksack lugte ein Spielzeugbär raus. Sein Schlafbär? Nennt man das infantil und rücksichtslos?

·         Oder wenn sie „komm zu Mama, komm zu Papa“ rufen.

·         Oder sie schwätzen mit dem Hund, wie mit einem Menschen.

Wenn wir junge Mütter sehen, ein Baby, mindestens ein Hund und eine Zigarette in der anderen Hand, wird uns übel.

Ehepaare, die sich lieber zwei Hunde zulegen, als Kinder zu bekommen, sind in unseren Augen fehlgeleitet.

Wir kaufen nur noch in Häusern, gehen nur noch da essen, in denen Hunde draußen bleiben müssen. Wir wollen nichts kaufen, was von Hunden beschnüffelt wurde.

Warum kann der Mensch den Tieren nicht die Freiheit lassen, muss sie in teilweise engen Wohnungen einpferchen und vermenschlichen, um ein Schmusetier zu haben? Ist das nicht tierfeindlich und egoistisch?

Tierzüchter, Tierbestatter, Hundesalons, Fressnapf & Co usw. sind doch eigentlich reine Wirtschaftsbetriebe, die die Tierliebe der Menschen gefühlsmäßig und finanziell ausnutzen, um viel Geld zu machen.

Hatten wir nicht mal die Anbetung eines goldenen Kalbs? Wann kommt die Anbetung eines goldenen Hundes?

5. Mai 2012

Kerstin Klamroth hat den besten Artikel zum Thema verfaßt, den ich seit Jahren gelesen habe! Was der Mensch mit und aus mancher Hunderasse und manchem Hund macht, hat mit Tierliebe nichts zu tun! Erst langsam wird auch mein Berufsstand munter und prangert sogenannte Qualzuchten an. Zum Beispiel den aktuellen Modehund Mops. Leider ist mit dem Haustier allgemein viel Geld zu verdienen, insbesondere die schwarzen Schafe holen aus einem Hundesenior noch ordentlich Umsatz heraus. "Aus einer Mücke einen Elefanten machen" ist auch beliebt, denn keine Krankenkasse kontrolliert die Maßnahmen. Dazu kommt, dass ein Wust von selbsternannten Hunde"psychologen" (Das Wort ist schon falsch!), Tierphysiologen, Tierheilpraktikern und Tier"bedarfs"geschäften, sich auf dem Milliardenumsatzmarkt betätigt. Das erwähnte Hundegeschirr ist der neueste Hit, kostet es doch ein vielfaches eines einfachen Halsbandes; dass es anatomisch unsinnig ist, interessiert den Handel nicht!

2008 schrieb ich ein Buch "Aus der Kleintierpraxis" mit Kapiteln wie "Geld drucken", "Tiere als Sportgerät", "Moderassen" u.v.a.m. Gerade deshalb hat mich der Artikel sehr erfreut, obwohl auch er natürlich nichts ändern wird! Leider, aber weiter so! Auch der Altvater des kritischen Journalismus zum Thema Tier und Natur, Horst Stern, hat immer wieder den Finger in diverse Wunden gelegt und zum Nachdenken aufgerufen.

02.05.2012

Das ist ein wirklich schöner und treffender Text zum Mensch-Hund-Verhältnis. Gewundert habe ich mich nur über das Schlusszitat. Ich weiß, dass es inhaltlich Franz von Assisi zugeschrieben wird, der aber meines Wissens der deutschen Sprache und Verskunst nicht mächtig war.

Die deutsche, gereimte Fassung soll dagegen, leicht differierend, von Franz Schopenhauer stammen, was auch besser zur Form des Gedichts passen würde.

 

Leider weiß ich nicht mehr wer diese Erkenntnis sagte: Es gibt für uns 2 Arten von Tieren - die eine verwöhnen wir mit dem Fleisch der anderen.

Hunde sind Raubtiere und fressen ihre vegetarischen Verwandten, welche wir ihnen geben.

Die Quelle (www.kirasoftware.com/Hunde_Leben.php) sagt : 9.638.000 Menschen leben in Deutschland, die (mindestens) einen Hund im Haushalt haben. Bei 1kg Fleisch pro Tag sind das 12 850 Kühe am Tag. In Ställen unter folterähnlichen Bedingungen „gelebt“ und dann für „Fifi“ ermordet (www.youtube.com/watch?v=SZo0cODOlhc).

Das Lebensalter einer Kuh wäre ca 20 Jahre, doch sie wird nach ca 10 Jahren geschlachtet. Fifi bekommt hingegen lebensverlängernde OPs.

Da 1 kg Fleisch ca 12 kg hochwertiges Futter wie Getreide oder Soja braucht (das sind auch Nahrungsmittel für Menschen) um zu entstehen zu können, verhungern für unsere Hunde (Katzen sind da noch nicht dabei), nur in Deutschland, also ca 154 200 Menschen. Jeden Tag. Statistisch.

Die brauchen dann keinen Friseur mehr - wie Fifi. Und Fifi will nur spielen. Und fressen. Und kann nichts dafür, dass es ihn/sie gibt.

Das Franz von Assisi zugeschriebene Zitat kann man zwar oft lesen, aber nirgends ist eine Belegstelle zu finden. Es scheint gut zu dem tierlieben Mann zu passen, der mit den Vögeln redete, doch ich zweifle die Herkunft stark an und glaube, dass damit nur eine christliche Untermauerung gesucht wird.
Menschliche Treue und die Treue eines Hundes miteinander zu vergleichen, scheint mit schwierig. Menschliche Treue setzt zwei eigenständige Persönlichkeiten voraus und ein freiwilliges Verhältnis, ohne Zwang, ohne finanzielle und wirtschaftliche Abhängigkeit. Gilt das für das Rudeltier Hund, das vom Menschen domestiziert und gezüchtet wurde?

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