Die Läden sind zu, das Essen geht aus

Meena
Meena, Chowpatty-Beach, Mumbai

Zum Hintergrund: Meena ist die Protagonistin der chrismon-Titelgeschichte im April 2020. Fotografin Helena Schätzle (hier im Podcast) hat sie angerufen und gefragt, wie es ihr und ihrer Familie jetzt in der Corona-Krise geht. Was Meena erzählt:

"Meena weint am Telefon. Sie ist erleichtert mich zu hören. Sie liege Nachts wach und bete für Deutschland. Ihr Land sei bereits verloren. Alle Lebensmittelgeschäfte sind geschlossen, die Bank sowieso und sie wissen nicht, wann und wie sie das nächste Mal an Nahrung kommen werden. Premierminister Modi hat mit der Ausgangssperre im Land auch die komplette Nahrungsmittelkette unterbrochen. Viele sprechen davon, dass die Menschen in Indien noch vor Corona an Hunger sterben werden. Allein in Mumbai gibt es zwischen 100.000 – 200.000 obdachlose Menschen, die unter der Ausgangssperre am meisten leiden und den Schlägen der Polizei willkürlich ausgeliefert sind. Noch hat Meena's siebenköpfige Familie 2 kg Reis, ein wenig Salz und Tee. Der Chowpatty Strand ist so still, sauber und ruhig wie noch nie. Ungefähr 20 obdachlose Menschen leben nach wie vor am Strand.

Abdhulla läuft jeden morgen 3 km zu seiner Arbeit im JJ Hospital. Er arbeitet seit kurzem als Helfer im Krankenhaus. Auch dort scheint es die Ruhe vor dem Sturm zu sein, erst einen Corona Fall haben sie. Meena glaubt, dass Gott uns ein Zeichen sendet, zu viel haben wir gegeneinander gekämpft, das habe ihm nicht gefallen. Sie ist sicher, dass Gott ihre Gebete erhört, deshalb lasse die Polizei sie momentan in Ruhe. Sie versucht ihren Optimismus beizubehalten, allein schon für ihre Enkelkinder, die munter hinter ihr Fangen spielen." Am nächsten Tag schickt Meena noch ein paar Fotos vom jetzt fast leeren Strand. Sie schreibt dazu: "Andere Menschen schauen jetzt Fernseher, ich habe den größten Fernseher überhaupt. Ich sehe den Wellen zu und wie die Vögel Treffen abhalten."