Das gilt als "unmännlich", macht aber glücklich

Was viele Männer gerne tun würden ...
Was Männer gerne tun würden, wenn ...

plainpicture/brophoto

... aber nicht tun, weil sie es für "weiblich" halten: vor anderen weinen, leichte Sommerkleider tragen, Süßes trinken, anderen Männern Komplimente machen.

Viele Männer wären lustiger, glücklicher, freundlicher und gesünder, wenn sie nicht so viel Sorge hätten, unmännlich zu wirken. Was würden Männer gerne tun, wenn es unter Männern nicht als weiblich gelten würde? Das haben wir Kollegen und Bekannte gefragt und auch Antworten von der Austauschplattform Reddit eingesammelt, wo 2017 ein Nutzer diese Frage an Männer stellte - und viele, viele Antworten erhielt. Auch Ihre Wünsche, liebe Leser, interessieren uns!

Aber man kann doch all das auch als Mann machen! Vielleicht denken Sie das, wenn Sie unsere Liste lesen. Ja, kann man. Machen ja auch einige Männer. Aber viele ertragen es nicht, dass ihr Tun kommentiert wird, nicht selten auch abfällig kommentiert wird.

Hier nun unsere kleine Sammlung von Wünschen und Sehnsüchten:

Ganz andere Klamotten anziehen

- Mehr Auswahl bei Kleidung zu haben – auch wenn man schon über 30 ist.

- Ich würde nur noch Leggings tragen. Ich hab die einzigen bequemen Hosen, die ich trage, so satt: Jogginghosen. Darin sehe ich aus wie ein Drogendealer.

- Lange Kleider und Röcke tragen. Sich in Samt kleiden.

- UGG-Boots tragen.

 plainpicture/Pauline Ruhl Saur

- Ich hätte an der Schule lieber Handarbeit statt Werken gehabt. Dann würde ich mit meiner Nähmaschine tolle Hemden aus karibischer Baumwolle und edle Sakkos aus Harris-Tweed schneidern, mit perfekter Passform um die Taille … Und elasthanfreie Jeans, die perfekt meine X-Beine kaschieren.

- Farbenfreudige Klamotten tragen – statt Jeans mit grauem T-Shirt, was ich die ganze Zeit trage.

Getränke ohne Spott bestellen

- Tee mit Milch bestellen.

- Mit einem Strohhalm trinken.

- Schäumende Fruchtgetränke mit Fantasienamen und einer Kirsche oder einem kleinen Schirm oben drauf.

- Auf Alkohol verzichten, ohne dass man sich dumme Sprüche anhören muss. Man kann sich ganz schön auf was gefasst machen, wenn man als Mann keinen Alkohol trinken will. Ich kenne da bei uns im Fränkischen den Spruch: "Magst du lieber einen Kamillentee?", um die Weichheit oder "Unmännlichkeit" des Nichttrinkers zu betonen. Ein Bekannter von mir hat sogar mal erfunden, dass er starke Medikamente nehmen müsse, damit er auf Partys seine Ruhe hat. Er wollte einfach keinen Alkohol trinken.

Kein Sport, kein Fußball

- Ich würde aufhören vorzuspielen, dass mir Fußball etwas bedeutet. Jeder meiner Kollegen beim Militär redet dauernd über Spieler, Statistiken und Teams und bla bla bla. Mir ist das egal. Völlig egal. Hört auf, mich dafür zu verurteilen.

- Einen Dreck auf Fußball geben! Ich spiele gerne Fußball und Baseball, aber ich hasse es, dem zuzuschauen. Die meisten Männergruppen sind schnell dabei, über Sport zu reden. Ich fühle mich dann als Sonderling.

Liebevoll sein zu Jungen und Männern

- Komplimente. Ich habe oft das Gefühl, dass meine Freunde es wirklich bräuchten, etwas Gutes über sich zu hören, aber ich sage es nicht, weil ich Horror habe, dass sie denken, ich würde mit ihnen flirten.

- Als Heteromann sagen, dass ein anderer Mann scharf aussieht.

- Deinem besten Freund sagen, dass du ihn liebst, ohne dass es "schwul"* wirkt. Frauen machen das die ganze Zeit, und ich bin neidisch auf ihre geheime Schwesterlichkeit.

 plainpicture/Kniel Synnatzschke

- Händchen halten mit Freunden.

- Andere Männer öfter anlächeln. Überhaupt mehr Gefühle ihnen gegenüber zeigen. Ich habe festgestellt, dass ich in all den Situationen, in denen ich Frauen anlächeln würde, Männer nicht anlächle. Ich meine einfach nur so "Hab einen schönen Tag!"- oder "Hey, wie geht es dir?"-Situationen. Bei Männern habe ich immer den Eindruck, ich müsste ein steinernes Gesicht machen. Ich wäre gerne in der Lage, meinen männlichen Freunden meine Zuneigung zu zeigen. So wie es Frauen mit ihren Freundinnen machen. Meine Freunde und ich umarmen uns schon auch, aber Warmherzigkeit würde Freundschaften viel gesünder machen.

- Meine erwachsenen Neffen und Patenkinder öfter umarmen und auf die Stirn küssen, ohne dass die Leute denken, das wäre unpassend oder würde sie weiblich machen. Ich tue es trotzdem, weil sie großartig sind und weil ich weiß, dass es ihnen auch vor ihren Freunden nicht peinlich ist.

Begeisterung zeigen

- "Oh, wie süß!" zu einem Baby oder einem kleinen Tier sagen.

- Nicht ausgelacht werden, wenn man sagt, dass man Fliederduft liebt.

- Gurrende Geräusche machen, wenn ich einen süßen Hund sehe.

Sich mit bequemen Dingen das Leben erleichtern

- Ich würde ein Frauenfahrrad kaufen, wo einem die Querstange nicht in die Nüsse kracht, wenn man plötzlich stoppt.

- Ein Korb an der Fahrrad-Lenkerstange. So wie meine Freundin einen hat. Sie radelt mit einer Tonne von Zeug und hat alles immer zur Hand, also das Handy, was zu essen … Das sieht so praktisch aus!

- Bei Hitze einen Fächer benutzen.

- Leichte Sommerfähnchen bei Hitze tragen.

- Handtasche tragen – ich hasse es, Gegenstände in den Hosentaschen zu haben.

Weinen vor anderen

- Weinen in der Öffentlichkeit. Danach fühlt sich alles so gut an.

 Getty Images/Flashpop

- Im Kino weinen und nicht zu versuchen, es zu verbergen.

- Einfach mal kurz weinen, wenn mich etwas überwältigt.

- Wie eine Frau weinen. Es ist so hart, alles immer in sich zu verschließen. Ich kann schon weinen, wenn ich alleine bin. Aber es fühlt sich einfach gut an, vor Menschen zu weinen, die einen verstehen und unterstützen bei dem, was man gerade durchmacht.

Alles mögliche Unmögliche tun

- Mit beiden Händen winken.

- Hüpfen – denn das ist schneller als Gehen und nicht so anstrengend wie Rennen.

- Mit meinen Haaren spielen.

- Im Zug stricken und dabei Musik hören.

- Aus der Dusche kommen und wie ein Blumenbeet duften, ohne dass jemand was Abwertendes sagt.

Sich schmücken und verschönern

- Zöpfe in meinen Bart flechten.

- Meine Haare färben.

- Gesichtsmasken für weiche Haut auftragen.

- Ich liebe Edelsteine! Wenn es sozial akzeptierter wäre, würde ich ein Goldarmband mit Rubinsteinen tragen.

- Abdeck-Make-up verwenden, um meine dunklen Augenringe zu verstecken.

- Dramatischen Eyeliner auftragen.

Gefühle zeigen und offen reden

- Darüber sprechen, wie es mir geht. Jenseits der Einsilber "ja", "nein", "gut" und "okay". Ich würde mich gerne verletzlich zeigen, auch selbstunsicher.

- Liebesbriefe schreiben.

- Männer können so emotional sein wie Frauen, aber bei jedem Zeichen von Schwäche oder Verletzlichkeit heißt es: "Reiß dich zusammen!"

- Wenn ich etwas nicht tun möchte, will ich nicht mehr "Du Pussy!" hören.

- Sich mit anderen Männern auch mal über schlechten Sex und Intimprobleme unterhalten können, anstatt immer nur mit "Eroberungen" zu prahlen.

- Eine Therapie machen.

Andersherum

- Ich wäre total der Hausmann-Vater. Ich mag Putzen und Kochen. Ehrlich, ich könnte damit mein Leben zubringen und zufrieden sein.

- Manchmal möchte ich der Bekuschelte sein statt der Kuschler.

 plainpicture/Anja Lubitz

- Einen Blumenstrauß geschenkt bekommen.

- Ich möchte als Vater zu Hause bleiben. Jeder erwartet von mir, Karriereziele zu haben. Das bin nicht wirklich ich.

- Ich finde Grillen total doof. Es ist heiß, man schwitzt, man wird total eingeräuchert, gerne verbrennt man sich auch mal, und dann geht womöglich auch noch was schief. Ganz zu schweigen davon, dass man hinterher irgendwie alles wieder sauber kriegen muss. Ich hätte es so gerne mal, dass ich als Mann in der Küche stehen darf, mich um tolle Salate kümmern, den Tisch decken, notfalls auch Servietten falten - während die Frauen mit ihrem Weißwein in der Hand rund um den Grill stehen und die Grillerin mit Ratschlägen eindecken. Das wäre toll!

*chrismon findet nichts falsch daran, schwul zu sein, manche Männer aber offensichtlich schon

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Lesermeinungen

Der text hat mich sehr berührt. Ich habe ihn gleichzeitig mit dem Text von Sarah Cooper über MÄNNER in der SZ vom 27./28.6. gelesen. Sie demontiert da vollkommen zu recht dieses männliche primatengehabe, grundlage und perpetuierung von "weißer überlegenheit". Und Pickert entfaltet durch Christine Holchs kluge fragen, dass (und wie) wir männer es schaffen können, diesem zerrbild von männlichkeit als dem noch immer geltenden leitbild zu entkommen, um bei uns selbst als liebevolle und liebesbedürftige menschen anzukommen. wenn mann dann noch die (zB wikipedia-)informationen über das cool-down-rosa dazunimmt: ja dann steigt (bei mir) die stimmung und der mut, sich öfter, ja: regelmäßig so zu zeigen, wie man/n gerne, am liebsten sein möchte.