Audiorezension: Walter Braunfels

Die Wiederentdeckung eines Komponisten

Audiorezension: Walter Braunfels

"Ich finde wirklich, dass seine Musik es verdient hat, wieder mehr öffentlich gespielt zu werden." Das ist ein Zitat des Dirigenten Gregor Bühl. Und die Musik, die es verdient hat, mehr gespielt zu werden, ist die des deutschen Komponisten Walter Braunfels. Jetzt ist ein neues Braunfels-Album beim Label Capriccio erschienen, unter der Leitung des Dirigenten Bühl.

Walter Braunfels wurde 1882 in Frankfurt am Main geboren. Sein Vater war vom Judentum zum evangelischen Glauben übergetreten. Deshalb galt Braunfels in der Nazizeit als Halbjude. Seine Karriere als Musiker und Komponist endete abrupt. Bis 1933 war es für ihn immer nach oben gegangen. Er schuf Opern, Lieder, Kammermusik und Orchesterwerke. Sein divertimento op. 42 aus dem Jahr 1929 war ein Werk für Radioorchester. Lange galt es als verschollen, bis es vor einigen Jahren in einem Wiener Keller wieder auftauchte.

Hans-Gerd Martens

Hans-Gerd Martens ist stellvertretender Chefredakteur beim Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn). Er ist Jahrgang 1957, geboren in Rastede bei Oldenburg. Studium: Politikwissenschaft, Neuere Geschichte, Publizistik und Journalismus in Münster und Hannover. Danach berufliche Stationen als freier Mitarbeiter beim NDR, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hohenheim und Redakteur bei medien aktuell (einem Medieninformationsdienst in Hamburg).
Matthias Pabst

Die Musik von Walter Braunfels wird verglichen mit Strawinsky, Bartok, Hindemith, Mahler, Wagner oder auch Richard Strauß. Die Vergleiche zeigen die große Bandbreite seines Schaffens. Dafür wurde er gefeiert. In den 20er Jahren erhielt er sogar das Angebot, eine Parteihymne für die NSDAP zu komponieren. Braunfels lehnte allerdings ab. 1933 musste Braunfels alle seine Ämter abgeben, darunter auch das des Direktors der Preußischen Musikhochschule Köln. Seine Musik kam auf den Index. Die Reichsmusikkammer verbot ihm öffentliche Auftritte. Braunfels blieb in Deutschland und ging in die innere Emigration.

Braunfels überlebte die Nazizeit

Er überlebte die Nazizeit. Nach dem Krieg holte ihn Kölns Oberbürgermeister Konrad Adenauer als Direktor der Musikhochschule zurück. Als Komponist blieb er allerdings erfolglos. Seine tonale Musik wurde von der Musikszene in der Nachkriegszeit weitgehend ignoriert.

 Walter Braunfels: Divertimento op.42 für Radio-Orchester ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Gregor Bühl Label: Capriccio Veröffentlichung:
7. Mai 2021 Preis: 14,99 Euro
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Walter Braunfels wird jetzt nach und nach wiederentdeckt. Auch mit tätiger Hilfe des Dirigenten Gregor Bühl und des Labels Capriccio. Aufgenommen wurde die aktuelle, vierte CD mit Werken von Walter Braunfels in Wien. Es spielt das ORF Radio-Symphonieorchester Wien.

Produktinfo

Walter Braunfels: Divertimento op.42 für Radio-Orchester
ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Gregor Bühl
Label: Capriccio
Veröffentlichung: 7. Mai 2021
Preis: 14,99 Euro

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