Audiorezension: "Metamorphosen Berlin - Very British"

Sehnsucht nach dem Empire

Audiorezension: "Metamorphosen Berlin - Very British"

Kammerphilharmonie Metamorphosen Berlin, das ist ein Ensemble von Musikerinnen und Musikern aus verschiedenen Berliner Orchestern. Gegründet wurde es 2010. Das Ensemble hat für das Label Sony Classical schon zwei CDs mit Komponisten aus Tschechien und Russland eingespielt. Jetzt gibt es ein neues Album von Metamorphosen Berlin, der Titel: "Very British". Zu hören sind die britischen Komponisten Benjamin Britten, Peter Warlock, Karl Jenkins und Edward Elgar.

Hans-Gerd Martens

Hans-Gerd Martens ist stellvertretender Chefredakteur beim Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn). Er ist Jahrgang 1957, geboren in Rastede bei Oldenburg. Studium: Politikwissenschaft, Neuere Geschichte, Publizistik und Journalismus in Münster und Hannover. Danach berufliche Stationen als freier Mitarbeiter beim NDR, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hohenheim und Redakteur bei medien aktuell (einem Medieninformationsdienst in Hamburg).
Matthias Pabst

Die "Serenade for Strings" von Edward Elgar. Sein wohl bekanntestes Stück "Land of Hope and Glory" entfachte vor einem Jahr einigen Wirbel. Es wird traditionell bei der Last Night of the Proms gespielt und lautstark mitgesungen. Jetzt steht es allerdings im Verdacht, das britische Imperium und auch die Sklaverei zu verherrlichen. Die "Serenade for Strings" tritt da eher unverdächtig auf. Elgar trauerte allerdings der alten viktorianischen Ordnung nach, die spätestens mit Beginn des 1. Weltkriegs ihr Ende fand. Elgar starb 1934. In diesem Jahr erschien die Simple Symphony von Benjamin Britten.

 Metamorphosen Berlin - Very British, Künstler: Metamorphosen Berlin, Wolfgang Emanuel Schmidt, Label: Sony Classics, Preis: 18,99 EuroPR

Britten war gerade erst 21 Jahre alt, als er seine "Simple Symphony" fertigstellte. Er blieb ein eigenwilliger Kopf, musikalisch, indem er - für seine Zeit eher ungewöhnlich - tonale Musik bevorzugte - und politisch, er war überzeugter Pazifist, auch während des 2. Weltkriegs. Peter Warlock ist das Pseudonym für Philipp Arnold Heseltine. Als Heseltine schrieb er Musikkritiken, bekannter wurde er aber als Komponist mit dem Pseudonym Warlock. Ihn begeisterte das 16. Jahrhundert und die goldene Regierungszeit von Elisabeth der ersten.

Wie ein Konzertabend

Basse-Danse, einer von sechs Tänzen auf "Very British", die an die Elisabethära erinnern. Peter Warlock starb 1930 an einer Gasvergiftung, er wurde nur 36 Jahre alt. Am Ende von "Very British" hat ein noch lebender Komponist seinen Auftritt, der Waliser Karl Jenkins. In den siebziger Jahren stieß er zur Band Soft Machine, die auch gemeinsam mit Pink Floyd auftrat. Jenkins ist Oboist, Keyborder, und auch Werbemusiker. Sein Palladio aus dem Jahr 1996 war ursprünglich als Werbespot für Diamanten geschrieben.

Karl Jenkins zeigte sich einigermaßen angetan von dieser Version. Metamorphosen-Dirigent Wolfgang Emanuel Schmidt sagt, dieses energiegeladene Werk sei eine schmissige Zugabe, die auch beim Konzertabend nicht fehlen dürfe. Das passt auch zum Gesamtkonzept dieser CD. Es funktioniert tatsächlich wie ein Konzertabend. Very British von Metamorphosen Berlin ist erschienen bei Sony Classical.

Produktinfo

Metamorphosen Berlin - Very British

Mit Werken von: Edward Elgar (1857-1934), Benjamin Britten (1913-1976), Peter Warlock (1894-1930), Karl Jenkins (geb. 1944)

Künstler: Metamorphosen Berlin, Wolfgang Emanuel Schmidt

Label: Sony Classics

Veröffentlichung: 13. August 2021

Preis: 18,99 Euro

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