Audiorezension: "Amarcord & Calmus Ensemble - Leipziger Disputation"

Der Soundtrack zur Disputation
Audiorezension: "Amarcord & Calmus Ensemble - Leipziger Disputation

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CD-Rezension: Amarcord & Calmus Ensemble - Leipziger Disputation

Das Jahr 1517 gilt bekanntlich als das Jahr der Reformation. Am 31. Oktober soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Wittenberger Schlosskirche genagelt haben. Aber die eigentliche Reformation fing 1517 ja überhaupt erst an. Es folgten nicht nur innerhalb der Kirche dramatische Auseinandersetzungen. Ein besonderes Streitgespräch ist dabei in die Geschichte eingegangen, die Leipziger Disputationen. Im Frühsommer 1519 organisierte die Leipziger Universität eine hochkarätig besetzte theologische Diskussion. Es standen sich gegenüber Martin Luther mit seinen Wittenberger Kollegen und Johannes Eck, der Rektor der Universität Ingolstadt mit seinen Gefolgsleuten. Die Folge war: Luther brach endgültig mit dem Papst. Zum Rahmenprogramm der Disputationen gehörte auch ein Gottesdienst mit einem musikalischen Rahmenprogramm.

Der damalige Thomaskantor Georg Rhau ließ von seinen Schülern eine Messe mit zwölf Stimmen aufführen. Lange wurde angenommen, Rhau habe die Messe selbst komponiert. Heute schreiben Musikwissenschaftler die Messe einem französischen Komponisten zu, Antoine Brumel. Er beherrschte wohl als einer von ganz wenigen in Europa die Technik, überhaupt so ein anspruchsvolles Werk auf die Beine zu stellen.

Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben

Das Kyrie aus der Messe et ecce terrae motus von Antoine Brumel. Übersetzt bedeutet es: und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Gesungen wird die Messe von zwei Vokalensembles aus Leipzig: amarcord und Calmus. Beide sind mit jeweils fünf Stimmen besetzt, unterstützt werden die beiden Ensembles noch von zwei Sopranistinnen. Aufgenommen wurde die Messe in der Leipziger Thomaskirche, die CD mit dem Titel Leipziger Disputation ist beim Label Carus erschienen.

Die Brumel-Messe wird auf der CD noch ergänzt mit Kompositionen anderer Musiker aus dem späten 15. und dem frühen 16. Jahrhundert. Zum Beispiel Johann Walter aus Torgau, er gilt als einer der ersten Kantoren der Reformation. In seinem Werk Beati immaculati in via, wohl denen, die ohne Tadel leben, besingt er fast hymnisch die großen Reformatoren Luther und Melanchthon: "Vive Luthere, vive Melanchthon. Es lebe Luther, es lebe Melanchthon, ihr möget leben, ihr Leuchten der Erde."

Hans-Gerd Martens

Hans-Gerd Martens ist stellvertretender Chefredakteur beim Evangelischen Kirchenfunk Niedersachsen (ekn). Er ist Jahrgang 1957, geboren in Rastede bei Oldenburg. Studium: Politikwissenschaft, Neuere Geschichte, Publizistik und Journalismus in Münster und Hannover. Danach berufliche Stationen als freier Mitarbeiter beim NDR, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Hohenheim und Redakteur bei medien aktuell (einem Medieninformationsdienst in Hamburg).
Matthias Pabst

Wer sich auf diese Musik einlässt, der wird fast unweigerlich in deren Zauber heineingezogen. Im Jahr 2019 sind amarcord und das Calmus Ensemble mit der Leipziger Disputation zwei Mal live zu erleben, am 16. Juni in der Leipziger Thomakirche und am 7. November im Konzerthaus Berlin.

Produktinfo

Amarcord & Calmus Ensemble - Leipziger Disputation
Label: Carus
Erscheinungstermin: 8.3.2019

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