Was werden meine letzten Worte sein?

Den Tod ins Leben lassen
Den Tod ins Leben lassen

Körber Stiftung

Der Tod gehört zum Leben, das wissen wir alle - und doch verdrängen wir das Thema lieber aus unserem Alltag. Selbst Friedhöfe, einst die Orte, an denen sich Hinterbliebene zum Gedenken versammelten, schrumpfen stetig. Der aktuelle Bestattungstrend ist, sich als Asche im Wasser verteilen lassen. Das kostet weniger, und die Nachkommen müssen sich nicht kümmern.

Dorothea Heintze

Dorothea Heintze ist Journalistin und Moderatorin. Viele Jahre war sie Redakteurin bei chrismon, dort auch verantwortlich für die Webseite. Mittlerweile ist sie freie Autorin, schreibt wöchentlich den Blog Wohn-Lage und beschäftigt sich auch im Ehrenamt in ihrer Heimatstadt Hamburg immer wieder mit der Frage: Wie wollen wir als Gesellschaft zusammen leben? Als Gründungsmitglied und ehemalige Vorständin von ProQuote Medien engagiert sie sich für mehr Frauen an der Spitze in den deutschen Medien.  
Lena UphoffDorothea Heintze

Die Körber-Stiftung in Hamburg möchte das Thema Tod und Sterben wieder mehr in den Alltag zurückholen. "Dialog mit dem Ende" lautete der Titel einer Ausstellung von 2019, die jedoch, pandemiebedingt, nicht wie geplant auf Wanderschaft durch ganz Deutschland gehen konnte.

Statt der Wanderausstellung gibt es jetzt die wie eine App gestaltete Webseite "Der letzte Tag". Nach der Anmeldung kann man sich einloggen und eine Reihe von Fragen beantworten: Wann willst Du geweckt werden an Deinem letzten Tag? Was frühstücken? Anziehen? Wen noch anrufen, grüßen, wohin noch einmal fahren?

Was sich teilweise eher lachhaft anhört, entwickelt beim Beantworten einen merkwürdigen Sog. Ja, wen will ich denn noch einmal anrufen? Wen das letzte Mal sehen? Was zum letzten Mal essen? Welche Musik beim Sterben hören? Und habe ich noch eine offene Frage?

Der namenlose Schrecken wird etwas kleiner

Wenn alle Fragen beantwortet sind, lässt sich die Seite leicht teilen. Die Erfahrung von Menschen, die sich viel mit dem Thema beschäftigen, zeigt: Wer einmal anfängt, über seinen Tod nachzudenken, möchte gern auch mit anderen darüber sprechen. Der namenlose Schrecken wird dadurch etwas kleiner.

Seit dem Launch im Oktober 2021 haben bereits über 1000 Nutzer*innen auf die Web-App zugegriffen.

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