Störche beobachten

Aug' in Aug' mit Weißstörchen und ihren Jungen
Storch mit Nachwuchs

Dmytro Smolyenko/ Ukrinform/Barcroft/Getty Images

Storch mit Nachwuchs

YURKIVKA, UKRAINE - JUNE 7, 2020 - A stork and its chicks are seen in a nest in Yurkivka village, Zaporizhzhia Region, southeastern Ukraine.- PHOTOGRAPH BY Ukrinform / Barcroft Studios / Future Publishing (Photo credit should read Dmytro Smolyenko/ Ukrinform/Barcroft Media via Getty Images)

Warum haben Vögel einen Schnabel? Weil Zähne zum Beispiel zu schwer gewesen wären; Vögel müssen schließlich leicht sein. Und warum sind die Storchenbabys in einem Nest oft unterschiedlich groß? Weil Störche nicht erst dann mit Brüten anfangen, wenn nach Tagen das letzte Ei gelegt ist, sondern schon beim ersten Ei.

Christine Holch

Chefreporterin Christine Holch studierte Germanistik / Philosophie in Hamburg, spielte Theater auf der Straße, absolvierte ein Volontariat in Hessen und Thüringen, arbeitete als Redakteurin bei der "tageszeitung" (taz) in Bremen und kam als Wissenschaftsredakteurin zum chrismon-Vorläufer "Deutsches Allgemeines Sonntagsblatt". Bei chrismon ist sie Chefreporterin. Sie schreibt gern über knifflige medizinethische Themen, aber auch über moderne Schweinemast, den Umgang von Paaren mit Geld oder über so schwierige Fragen, ob man 14-jährige Mädchen überhaupt verstehen kann, wie man sich bloß eine Patientenverfügung bastelt, oder wie man Betriebe wandelt, ohne dass am Ende alle mit den Nerven fertig sind. Außerdem ist sie zuständig für die Rubrik "Anfänge".  
Manfred Dworschak

Auch die beiden Storchennester, die man im Rhein-Main-Gebiet per Kamera derzeit gut beobachten kann, haben solch mickrige Letztgeschlüpfte im Nest. Hoffentlich halten sie durch, denkt man als Beobachterin. Und "Nein, kein Plastik!" ruft man aus, wenn man sieht, wie die Eltern als Unterlage für die Jungen Plastiktüten ins Nest legen. Hochgefährlich! Denn dann kann Regen nicht mehr ablaufen, die Jungen können sich verkühlen.

Das Füttern ist nicht so appetitlich

Gerade wachsen den Jungen schon die ersten Kiele der langen schwarzen Schwungfedern, die Tiere sehen allmählich nicht mehr ganz so erbärmlich aus wie am Anfang. Auf den Schnabel fallen sie trotzdem noch oft - sie können noch nicht stehen.

Und der Flaum hält sie noch nicht warm. Weshalb ein Elternteil zumindest nachts auf den Küken sitzt. Wobei die Ältesten schon so groß sind, dass die Eltern einen Flügel abspreizen müssen, damit die Jungen drunterpassen. Und dann halten sie noch nicht mal still, sondern randalieren herum.

Eins sollte wissen, wer solch intimen Blick in Storchennester wagt: Das Füttern ist nicht so appetitlich. Die Eltern würgen einen Ballen aus Würmern aus einer Art Kropf hervor und den Jungen vor die Füße. Die Jungen schlingen dann alles herunter, ohne zu kauen... Wenn sie größer sind, werden ihnen Maulwürfe gebracht, und auch die verschlingen sie als ganze.

Störche beobachten ist meditativ

Ansonsten aber ist Störchebeobachten wirklich meditativ. Denn oft tut sich lange gar nichts. Außer dass die Elternstörche sich oder die Kleinen putzen - in so einem Nest sind halt viele Parasiten versammelt.

Die beiden kamerabewehrten Nester haben jeweils ihre Vor- und Nachteile:

Das vordere Nest auf dem Hochspannungsmast in Mainz-Laubenheim ist nicht sehr nah an der Kamera, wird aber auch nachts gefilmt - man kann dann noch mal vor dem Schlafengehen ein wenig bei den Störchen verweilen. Und zugucken, wie sie gerade stoisch im Regen stehen. (Störche können ziemlich nass werden, zumindest vorn an der Brust, wo sie ein langes Deko-Federgehänge tragen.) Das Paar auf dem hinteren Teil des Strommastes übrigens hat seine Jungen in einer der kalten Mainächte verloren. Aber die beiden stehen weiterhin gern auf dem Nest.

Das Nest in Lindheim in der hessischen Wetterau wird nachts nicht abgefilmt, hat aber zwei andere große Vorteile: Die Kamera ist sehr nah dran. Und: Wenn gerade nichts los ist, kann man unten in der Zeitleiste bis zum letzten Mal Action zurückscrollen. In diesem Nest liegen übrigens immer noch zwei Eier, mittlerweile stark verschmutzt. Sie wurden nicht zu Ende bebrütet.

Störche sind einander als Paar nicht treu, eher ihrem Nest. Aber sie begrüßen sich (meistens): Dann werfen sie den Kopf zurück und klappern (okay, das kann man bei diesen Nestern nicht hören, aber hier im Osnabrücker Zoo. Oder hier, in einem Video mit beeindruckenden Bildern über den Bau der Horste.

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