Netzkultur-Tipp von chrismon.de: "Das letzte Wort" auf Netflix

Anke Engelke in Ernst
Netflix-Serie: Das letzte Wort

Frederic Batier

Meine Lieblingsszene: Die trauernde Karla Fazius steht mit ihren pubertierenden Kindern vor der Altkleidertonne. Es war ihr schwer genug gefallen, die Kleider ihres plötzlich verstorbenen Mannes zu entsorgen. Aber oje: Der Sohn vermisst die Kleider. Drum wird der pickelige Junge, ansonsten zu keiner Trauer fähig, im Schatten der Nacht per Räuberleiter in die Tonne gehievt, um Papas Hosen wieder herauszufischen. Da ist so viel Komik und Tragik zugleich.

Empathie und Trost nimmt man der Figur ab

Wer Anke Engelke nur als Comedian abtut, hat was verpasst. Der Plot von "Das letzte Wort", einer Netflix-Serie, ist ernst: Die Witwe findet das Repertoire im Beerdigungsinstitut lieblos und überlegt, selber als Trauerrednerin vieles besser zu machen. Der erst zögerliche Bestatter – genial gespielt von Thorsten Merten, der auch die Idee zur Serie hatte – merkt, wie seine neue Rednerin neue Zielgruppen erschließt. Und Menschen wirklich tröstet. Das hat natürlich auch saukomische Seiten und Verwicklungen, zum Beispiel als Engelke/Fazius herausfindet, dass der verstorbene Mann ein Doppelleben führte.

Aber auch wahre Empathie und wahren Trost nimmt man der Figur ab. Trost findet die echte Engelke übrigens beim Bibelvers "Der Herr ist mein Hirte", den sie als Kirchenliedmelodie vor sich hin trällert, wenn sie durch den Lockdown radelt. Verriet sie neulich in chrismon und passt auch zu dieser Serie. Zitat: "Anderen friedliche Ruhe geben. Weitersingen." Das ist, mitten im Totenmonat November mit seinen dunklen Nachrichtentagen, ein 1A-Rat. Weiter singen! 

Regie: Aron Lehmann, Carlos V. Irmscher

Produktion: Dan Maag, Daniel Sonnabend, Deutschland 2020

Erstausstrahlung: 17. September 2020

Anzahl der Folgen: 6 (je 45 Minuten)

Genres: Drama, Comedy-Genre

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