Netz-Kulturtipp von chrismon.de: "Unorthodox"

Religion der Angst
Unorthodox

Anika Molnar/Netflix

Unorthodox

So cool und sympathisch hat man Berlin lange nicht gesehen. Mit unförmigem Rock und Perücke, dem jiddischen Scheitel, steht das Mädchen Esty vor einer Musikhochschule in Berlin. Sie ist ihrer streng religiösen Familie in Williamsburg entflohen, wo sie verheiratet wurde mit einem Stoffel von Mann, unfähig zu Liebe und Sex. In Berlin wird alles gut.

Ein munteres schwul-lesbisches Studentenvölkchen nimmt Esty mit an die Uni, auf Partys und gleich mal zum Wannsee. Ausgerechnet. Wo die systematische Ermordung der Juden organisiert wurde, wirft Esty ihre Perücke, den Scheitel, ins Wasser. Diese Geschichte einer Befreiung klingt perfekt konstruiert und ist doch wahr. Als Deborah Feldman ihren Roman schrieb, lobte Eduard Kopp in chrismon das Buch: "Deborah Feldman schildert in ihrer Erzählung das Angst­­sys­tem der Gemeinschaft, ohne diese zu denunzieren."

Heute lebt Feldman in Berlin und ist sehr zufrieden mit der Verfilmung von Maria Schrader. Fast komplett auf Jiddisch gedreht, spannend wie ein Krimi und so lehrreich: Fundamentalisten aller Religionen sind sich sehr ähnlich.

Zu sehen auf Netflix.

 

Leseempfehlung

Deborah Feldman schaffte den Absprung aus ihrer ultraorthodoxen Gemeinde und schrieb darüber einen Bestseller

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