Buchtipp: 24-Stunden-Betreuung aus Osteuropa - wie geht das?

Pflege daheim
Ratgeber von Hermann Bierlein

Was tun, wenn die alte Mutter, der alte Vater nicht mehr alleine zuhause zurechtkommen, wenn eigentlich immer jemand in der Wohnung sein sollte, die Eltern aber auf keinen Fall in ein Heim wollen? Viele Familien suchen dann im Internet mit dem Stichwort "24-Stunden-Betreuung" nach einer Helferin aus Osteuropa. Wohl ist ihnen dabei oft nicht, und so richtig legal scheint auch nicht alles zu sein. Hermann Bierlein, von Beruf höherer Angestellter in der Automobilindustrie, stand wegen seiner Schwiegermutter vor dem selben Problem. Jetzt hat er den Ratgeber "Pflege daheim" geschrieben - einen der besten, die zu diesem Thema auf dem Markt sind. Kurz, klar, übersichtlich, konkret - bis hin zu den Kosten, die auch nicht das Trinkgeld für eine Arbeitskraft vergessen. Bierlein rät zur Kombination aus Pflegedienst (fürs Medizinische) und osteuropäischer Betreuerin (für Haushalt und allgemeine Betreuung). Welche legalen Möglichkeiten es gibt, welche Vor- und Nachteile sie haben, welche Vermittlungsagenturen vertrauenswürdig sind (und zum Beispiel die Anschlussbetreuung nach drei Monaten reibungslos organisieren), was das jeweils kostet, hat der Autor in bewundernswürdig klaren Tabellen zusammengestellt. Da steckt viel Recherche dahinter. Und er hat Tipps, die man so auch nicht überall liest.

Wenn die vorhandenen Einkünfte nicht reichen (Pflegegeld, Rente, Zuschüsse der Familie), solle man durchaus auch mal über die Verflüssigung von Erspartem nachdenken; und man könne guten Gewissens bei den verlangten Sprachkenntnissen der osteuropäischen Kräfte Abstriche machen - auch das macht die Betreuung billiger. Seine Erfahrung: Die Warmherzigkeit und Zuwendung der Frauen gegenüber den Alten glichen die mangelnden Sprachkenntnisse mehr als aus, nur die jüngeren Familienangehörigen hätten damit Mühe. Übrigens hat der Autor auch das Wohl der angereisten Arbeitskräfte im Blick - dass man mal einen Flug bezahlt, um ihnen die 20-stündige Busfahrt zu ersparen, dass man sie natürlich in die Familie einbindet, sie kostenlos telefonieren oder skypen lässt auf einem PC im Gästezimmer, dass man und wie man ein aussagekräftiges Dankesschreiben/Zeugnis schreibt usw. Auch mit dem Vorwurf "Care drain" befasst er sich: "Care drain" meint den Effekt, dass osteuropäische Frauen deutsche Alte umsorgen und ihre eigenen Alten unversorgt bleiben müssten. Das sei noch nicht so, habe er recherchiert, dazu seien die Familien etwa in Polen zum Glück noch zu funktionierend, als dass Alte unversorgt blieben. Im Übrigen gingen im Vergleich zu den Betreuerinnen sehr viel mehr Baukräfte aus dem Osten in den Westen.

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