Durchgelesen: Drei Bücher zu schwierigen Lebenslagen

Ethik praktisch: Das Ungeborene checken lassen? Für Niedriglohn arbeiten? Die Eltern ins Heim stecken?

Hauptsache gesund? Der Embryonencheck


Endlich mal argumentiert jemand nicht strikt für oder streng gegen die vorgeburtlichen Diagnosetechniken Pränataldiagnostik und Präimplantationsdiagnostik. Hille Haker, Professorin für Theologische Ethik an den Unis in Frankfurt und in Chicago, ist selbst Mutter. Sie möchte deshalb nicht mitmachen bei der üblichen Abwertung der Motive von Paaren, die alles oder fast alles dafür tun würden, ein gesundes Kind zu bekommen. Trotzdem stellt sie ihnen und sich die Frage nach der Moral, aber eben ergebnisoffen. Dabei bezieht sie sich auf einen alten Grundsatz der Ethik: Über das Können hinaus kann niemand verpflichtet werden zu moralischem Handeln. Eine Ethik der Elternschaft als Beziehung muss fein wägen zwischen Selbstsorge und Fürsorge. Hille Haker hat das Buch ausdrücklich für (werdende) Eltern geschrieben, aber ein Ratgeber mit befolgbaren Tipps ist es natürlich nicht. Eher dient es – auch dank vieler Rückblicke auf die Geschichte – der Selbstaufklärung und Selbstverständigung.

Hille Haker: Hauptsache gesund? Kösel, 268 Seiten, 19,99 Euro

 

Arm wegen Arbeit
 

Deutsche ArbeitnehmerInnen sind ja so flexibel geworden! Toll. Es gibt Leiharbeiter, Niedriglöhner, Aufstocker… Welche Schattenseiten es hat, dass die Bundesregierung sich vor gesetzlich festgelegten Mindestlöhnen drückt, davon erzählen sie hier selbst. Ver.di-Chef Bsirske und andere Kundige steuern weitere unbekannte Tatsachen bei. Etwa die, dass Dreiviertel der niedrig Entlohnten eine Berufsausbildung haben.  Oder wussten Sie, dass Deutschland vom Fleischimporteur zum Fleischexporteur geworden ist und zwar vor allem deshalb, weil es hierzulande keinen Mindestlohn in der Fleischindustrie gibt? Viele Tausend Menschen in Frankreich und Dänemark (wo es einen Mindestlohn gibt) verloren wegen der deutschen Dumpinglöhne in den letzten Jahren ihre Arbeit.

Günter Wallraff, Frank Bsirkse u.a. (Hg.): Leben ohne Mindestlohn – Arm wegen Arbeit, VSA, 171 S., 12,80 Euro

 

Pflegebedürftig – Was tun?

Plötzlich ist die Situation da, vor der man sich immer gefürchtet hat: Ein alter Mensch braucht Unterstützung, gar Pflege. Der Wohlfahrtsverband Der Paritätische hat eine übersichtliche Broschüre herausgegeben, die für diese Situation eine erste Orientierung auf dem Markt der Möglichkeiten bietet. Denn was gibt es nicht alles an Angeboten! Da hilft dann zum Beispiel die Checkliste für das Gespräch mit einem Pflegedienst oder die Erläuterung der vielen Wege zu einer Unterstützung im Haushalt.

Wolfgang Müller u. a.: Pflegebedürftig – Was tun? C. H. Beck, 64 S., 4,40 Euro

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